Kann Musik Emotionen erzeugen?

Musik und Emotionen

Was sagt die Wissenschaft dazu?

Für die meisten Menschen besteht zu dieser Frage überhaupt keine Zweifel. Die meisten unter uns werden fest davon überzeugt sein, Musik habe die Möglichkeit Emotionen zu erzeugen. 

Nimmt man sich die Zeit und die Freiheit mit einem vernünftigen Satz Kopfhörern in der Couch zu versinken und mit geschlossenen Augen dem zu lauschen, was Musiker für so wertvoll hielten, es aufnehmen zu müssen, dann sollte auch dem letzten Skeptiker verdeutlicht werden, wie emotional geladen Musik sein kann.

Aus einer wissenschaftlichen Betrachtungsweise ist solch eine Beobachtung zwar valide, aber noch lang nicht genug, um wirklich jeglichen Zweifel einzuräumen, Musik allein habe die Möglichkeit solch eine Wirkung zu erzielen. Vielleicht ist es viel mehr die biographische Erfahrung einer jeden Person, die zu emotionaler Ladung/Entladung führt? Eventuell hat nicht gar die Symbiose aller Instrumente in einem Stück die Macht über unsere Gefühlslage, sondern nur eine bestimmte Instrumentation an einer bestimmten Stelle? Zur Beantwortung solcher Fragen muss ein systematischer Ansatz gefunden werden, der viele der einflussnehmenden Faktoren eliminiert oder zumindest kontrolliert.

Tatsächlich entstand über die Jahre der Forschung im Gebiet der Musikpsychologie nicht nur eine Kontroverse darüber, ob und wie Musik Emotionen erzeugen kann. Es ist ebenfalls zu beobachten gewesen, wie lange es gedauert hat und wie schwierig es war empirische Beweise zu erarbeiten, die es uns etwas leichter machen Aussagen über die gestellten Fragen zu treffen. Glücklicherweise konnten mit dem Ende der 1990er Jahre und den Anfängen des 21. Jahrhunderts starke wissenschaftliche Ergebnisse beobachtet und dokumentiert werden.

Mit einer großen Anzahl an objektivierten Interview-Studien (DeNora, 2000; Gabrielsson, 2001; Juslin & Laukka, 2004; Pike, 1972; Waterman, 1996), physiologischen Messungen (Davis & Thaut, 1989; Krumhansl, 1997; Vaitl, 1993), Messungen von Hirnaktivität in Bereichen emotionaler Verarbeitung (Blood & Zatorre, 2001; Brown, 2004), emotionaler Ausdruck (Sloboda, 1991), Tendenz zum Handeln (Fried & Berkowitz, 1979) und emotionaler Regulierung (Becker, 2001; Gabrielsson, 2001), hat die Wissenschaft in der Analyse menschlicher Emotionen im Kontext musikalischer Wahrnehmung enorme Sprünge nach vorne vollzogen.

Jeder aufmerksame Leser wird spätestens beim Betrachten einiger dieser Studien bemerken, wie sehr sich die meisten dieser Untersuchungen einzig und allein auf die Ausrichtung in unseren westlichen Kulturkreisen konzentrieren. Demnach wurden kulturell westlich aufgewachsene Menschen mit Musik konfrontiert, die durch westliche Eigenschaften geprägt sind und uns ausschließlich in nur diesem musikalischen und emotionalen Zusammenhang erlauben, Aussagen treffen zu können. Möglicherweise haben Afrikanische Volksstämme mit ihrer sehr andersartigen musikalischen Entwicklung, ihrer in unseren Kreisen kaum vergleichbaren Kommunikation und dem zu unserer Kultur anderen Umgang mit Emotionen, völlig andere Mechanismen durch welche Musik wahrgenommen und Emotionen erzeugt werden?! Es braucht noch viel wissenschaftlichen Aufwand, um wirklich verstehen zu können, was uns dahingehend unterscheidet und wo wir Menschen, egal woher wir kommen und wo wir aufgewachsen sind, gleichermaßen beeinflusst.

Musik und Emotionen

Was ist nun mit den Emotionen?

In meinem letzten Beitrag ("Emotionale Reaktionen und Musik") wurde bereits angesprochen, wie schwierig es ist in natürlichen Settings, also unter normalen Umständen und in alltäglichen Umgebungen, in denen Menschen Musik hören, zu analysieren, was Zuhörer fühlen. 

Um überhaupt einschätzen zu können, ob, was, wie oft und wann Menschen beim Hören von Musik unter dem Einfluss von durch die Musik erzeugten Emotionen stehen, mussten sich extrem schlaue Wissenschaftler über eine lange Zeit den Kopf zerbrechen und Lösungen zu diesem Problem (oder besser gesagt diesen Problemen) finden.

Spontan erzeugte Emotionen in der tagtäglichen Routine einer Person können sicherliche auf verschiedene Arten eingefangen und dokumentiert werden. Eine Möglichkeit ist die sogenannte "experience sampling method", also die Methode der Erfahrungsstichprobe (verzeiht meine katastrophale Übersetzung). Sloboda und Kollegen haben im Jahre 2001 versucht den Nutzen dieser Methode zu analysieren. Sie haben einigen Teilnehmern dieser Studie (N=8) einen Pager und ein Tagebuch überreicht. Die alteingesessenen Leser unter uns werden sich noch an die damals technisch hochfortschrittlichen Geräte erinnern. Ein Pager war ein kleines Gerät, welches an das Hosenbund gesteckt wurde und in der Lage war auf einem monochromatischen einzeiligen Display eine Nachricht anzeigen zu können. Pager wurden überwiegend dazu genutzt sich informieren zu lassen, man solle jemanden dringend zurückrufen. Am Ende der Nachricht wurde die Telefonnummer des übermittlers angezeigt. Im Falle der wissenschaftlichen Untersuchung von Sloboda wurden Teilnehmer daran erinnert, sie sollen bitte einen Eintrag in ihr Tagebuch vornehmen. Diese Art der erinnerung bekamen sie im Schnitt alle zwei Stunden über einen Zeitraum von einer Woche. Die Eintragungen im Tagebuch der Teilnehmer bezogen sich hauptsächlich auf jegliche musikalische Bestandteile im täglichen Ablauf und emotionaler Regungen, welche durch die Musik hervorgerufen wurde. Nach Beendigung der Studie hatten die auswertenden Wissenschaftler ein Sammelsurium an möglichen Korellationen und Kausalitäten abzuwägen.

Es schien ersichtlich, dass 44% eines jeden Tages gefüllt war mit einer Art musikalischer Untermalung. Wir müssen uns nur vorstellen, wo wir in unserem eigenen täglichen Leben überall mit Musik in Berührung kommen. Den meisten unter uns werden sofort Beispiele wie "Fahrstuhlmusik", "Autoradio" oder "Straßenmusiker" einfallen. Abgesehen von einer Fülle an musikalischen Eindrücken, ist es wichtig zu unterscheiden zwischen einer passiven Beschallung, der man sich nicht unbedingt freiwillig hingibt und der Erfahrung des aktiven und bewussten Zuhörens. Die wenigsten der Studienteilnehmer hatten ein aktives Hörerlebnis, welches sie bewusst für sich selbst eingerichtet haben, zu verkünden. Die meisten wurden nur beschallt.

Die take-away Ergebnisse Sloboda's Studie waren folgende. Teilnehmer unter dem Einfluss von Musik waren positiv eingestellter, aufgeweckter und fokussierter. Speziell in den Fällen, in denen die Partizipanten einen Einfluss darauf hatten, welche Musik gespielt wird, waren die soeben genannten Ergebnisse noch deutlicher zu beobachten.

Mehrmals schon konnten die Ergebnisse dieser Studie repliziert werden. Juslin und Kollegium, zum Beispiel, konnten 32 Teilnehmer dazu bewegen mit Hilfe eines Laptops ähnliche Aufzeichnungen vorzunehmen. Daraus resultierten ähnliche Befunde. Die Teilnehmer dieser replikativen Studie standen zu 37% eines jeden Tages unter dem Einfluss von Musik. In zwei Dritteln dieser Zeit fühlten sich die Teilnehmer von der Musik emotional beeinflusst. Besonders in Abendstunden und an Wochenenden war der emotionale Bestandteil beim Hören von Musik groß. Das mag daran liegen können, dass Musik, hört man sie zu Zeiten, in denen der Kopf frei und der Geist ungestört ist, viel stärker wirken kann. Ähnlich verhätl es sich mit einem Gedicht, welches nur seine volle Wirkung entfaltet, wenn man sich auf das gesagte/geschrieben konzentriert und die Worte im Kontext aktiv aufnimmt und verarbeitet.

Es ist also, und das werden die meisten unter uns bereits vermutet haben, wichtig, WIE man Musik hört. Es reicht nicht aus, dass im Fahrstuhl angenehm jazzige Klänge auf uns herabfallen, wenn wir nebenbei auf dem Smartphone unseren Facebookstatus ändern. Musik entfaltet emotionale Kräfte nur, wenn wir bereit dazu sind uns dem hinzugeben. Doch dann kommt erneut die Frage auf, ob Musik in und an sich selbst überhaupt die Fähigkeit besitzt Emotionen zu erzeugen?!

Quellen:

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Emotionale Reaktionen und Musik

Musik und Emotionen

Musik wird, spätestens seit Zeiten der alten Griechen, mit Gefühlen verbunden. Emotionen spüren, sich dem hingeben, was in uns brodelt und nicht zuletzt sich selbst ein stück weit besser verstehen, ist wichtiger Teil musikalischer Wahrnehmung. Aber wie nehmen wir Musik wahr? Wie kommen wir dazu zutiefst berührt zu sein, wenn die letzte akustische Schwingung den Raum verlässt und wir konfrontiert sind mit der geballten Leere als Abschluss einer emotionalen Achterbahnfahrt?

 

 

Bis Tränen fließen oder wir lautstark vor Freude lachen.

 

Menschen nutzen Musik um ihre Gefühle zu beeinflussen. Emotionen erzeugen, die momentane Emotion möglichst schnell abändern in eine andere und sich selbst beruhigen, Stress abbauen oder in feierlaune bringen, sind nur grobe Beispiele dessen, was Musik in seiner praktischen Anwendung leisten kann.

Auch wenn es wenige Menschen gibt, denen Musik als emotionaler Richtungsweiser keinerlei Nutzen bringt, sind die meisten unter uns bewusst und unbewusst stark durch musikalische Einflüsse geprägt. Die Wissenschaft, insbesondere die Psychologie der Musik, weiß auf einige Fragen und Phänomene dieser Art Antworten zu geben. Vieles in der Thematik unserer audiovisuellen Wahrnehmung ("Warum erzeugt bereits das Intro zu Stairway to Heaven bei vielen eine Gänsehaut?", "Wie kann es sein, dass Menschen Dubstep genießen?", "Wieso verstehen wir in unseren westlichen Kulturkreisen ungerade Taktarten nur schwer?") ist uns jedoch weitestgehend ein Rätsel.

Es ist, bei der Wahrnehmung von Emotionen, erzeugt durch musikalische Darbietung, wichtig zu unterscheiden, ob eine Emotion nur erkannt oder tatsächlich gefühlt wird. Viele Musikstücke tendieren dazu dem Zuhörer eine gewisse emotionale Grundhaltung aufzuerlegen. Nichtsdestotrotz kann eine Gefühlsebene (aggressiv, liebevoll, aufgeregt, ruhig etc.) nicht nur erkannt und nachvollzogen, aber auch internalisiert und von einem selbst aus erzeugt und erlebt werden.

Beispiel:
Höre ich mir "Stumble then rise on some awkward morning" (A Silver Mount Zion) an, dann ist relativ offensichtlich wie ich mich fühlen werde. 

Doch auch hier ist zu unterscheiden zwischen der alleinigen Erkennung der durch die Musik übertragenen Emotionen und dem tatsächlich von mir aus erzeugtem Gefühl der z.B. Hilflosigkeit, Angst, Einsamkeit, Hoffnung etc. Sicherlich gehen beide Phänomene Hand in Hand. Es braucht eine Art Auslöser, um den "Motor" der Emotion in Fahrt zu bringen, so wie es ein trauriges Ereignis braucht, um tatsächlich Trauer empfinden zu können. Sobald diese Anregung passiert ist, dient die musikalische Darstellung als Katalysator, der das eigene Denken, die Gefühle und Erinnerungen antreibt und uns eine unter Umständen tausendfach stärkere Gefühlswahrnehmung bereitet. Bis Tränen fließen oder wir lautstark vor Freude lachen.

Eine interessante Beobachtung ist die inkongruente Wahrnehmung durch Musik erzeugter Emotionen. Es ist demnach nicht selten, dass sich Menschen zur Beruhigung, in aufregenden Lebensphasen, besonders schnelle, aggressive und/oder laute Musik genehmigen. Zarte Klavierstücke hingegen würde diese Sparte Mensch nur weiterhin auf die Palme bringen. Andere dagegen brauchen ruhige Klänge um sich zu beruhigen. Jeder, wie er es braucht.

Musik und Emotionen

Wie werden Emotionen definiert?

Um mit Emotionen arbeiten zu können, müssen wir sie verstehen und definieren. Das Konzept menschlicher Emotionen ist sehr weitläufig und kann unter vielen verschiedenen Gesichtspunkten verstanden werden.

In der Wissenschaft konnt esich soweit geeinigt werden, dass Emotionen stets als ein Affekt verstanden werden kann. Eine Emotion ohne Affekt ist keine reine Emotion. Menschlicher Affekt ist aber weitaus mehr als nur Emotionen. Unter Affekt verstehen wir weiterhin soetwas wie unsere Vorlieben, unsere Stimmung, bestimmte Neigungen und was wir umgangssprachlich als Bauchgefühl definieren. 

Auch wenn sich (noch) nicht auf eine allgemeingültige Definition von Emotionen geeinigt werden konnte (und wahrscheinlich niemals wird), wissen wir die Terminologie halbwegs einheitlich zu nutzen. Emotionen werden verstanden als zeitlich begrenzt anhaltende Gefühlsregungen, welche einige Minuten, aber auch mehrere Stunden, anhalten können. Es sind intensive Reaktionen auf für das eigene Leben direkt oder indirekt potentiell wichtige Ereignisse. Darüber hinaus erzeugen auch Änderungen in der eigenen Umwelt emotionale Reaktionen. Solche Änderungen müssen nicht immer nur von außen kommen. Innere Veränderungen, im Sinne von Erkenntnissen oder Selbstreflektion, kann eine intensive Emotion hervorrufen. Beispiele für solch umweltbedingte Einflüsse und Änderungen können extrem vielseitig sein, beinhalten aber fast immer mehrere der folgenden Bestandteile:

 

  1. kognitive Einschätzung (etwas wird als gefährlich wahrgenommen/etwas wird als sehr vertrauenswürdig eingeschätzt)
  2. subjektive Wahrnehmung (ein komisches Bauchgefühl/"Ich fühle mich gut bei der Sache, weiß aber nicht so recht weshalb")
  3. körperliche (physiologische) Reaktionen (mit Steigerung der Herzfrequenz wird unserem Hirn vermittelt, dass eine Gefahr droht oder ein extrem freudiger und aufregender Zustand eintritt)
  4. Ausdruck (schreien/flüstern)
  5. Handeln (wegrennen/annähern; Flüchten/Kämpfen)
  6. Regulierung (beruhigen/aufregen)

 

Solche Komponenten können in wissenschaftlichen Untersuchungen dazu genutzt werden emotionale Zustände zu messen und einzuschätzen. Ein wichtiger Punkt dabei ist das Verständnis Emotionen von Gefühlen unterscheiden zu können. Emotionen werden üblicherweise gehandelt als intensive Reaktion auf einen gewissen (definierbaren) Auslöser. Gefühlszustände dagegen brauchen nicht zwingend einen direkten Auslöser und können über einen weitaus längeren Zeitraum empfunden werden.

Wie werden Emotionen gemessen?

Wenn wir über Emotionen in Musik sprechen, müssen wir eine Möglichkeit haben auch tatsächlich nachprüfen zu können, was wer wann fühlt.

Erzeugt Musik Emotionen? Welche Emotionen erzeugen verschiedene Arten von Musik? In welchen Situationen werden Emotionen besonders stark durch Musik hervorgerufen? Sind durch Musik erzeugte Emotionen in ihrer Art anders als Emotionen, die durch andere Auslöser, wie zum Beispiel ein Gedicht oder eine Geschichte, erzeugt werden? Kann Musik vielleicht sogar gesundheitliche Vorteile mit sich bringen?

All das sind Fragen, die sich viele Musiker und besonders Wissenschaftler seit geraumer Zeit stellen. 

Seit den späten 90er Jahren werden verschiedenste methodologische Vorgehensweisen genutzt, um wenigstens ein paar dieser Fragen zu beantworten. Es wurden bereits Experimente durchgeführt, in denen die Testkandidaten Musik hören (Waterman, 1996), Umfragen beantworten (Juslin und Laukka, 2004), Tagebücher führen (Sloboda, 2001 - PDF) oder in Interviews Stellung beziehen (DeNora, 2001).

Unter Anbetracht der vielschichtigkeit von menschlichen Emotionen ist über die Jahre deutlich geworden, dass verschiedenste Messungen kombiniert am aussagekräftigsten sein können. So könnte man im experimentellen Kontext einer Studie neben den geläufigen physiologischen Messungen (Herzfrequenz, elektrodermale Aktivität, Körpertemperatur etc.) Aussagen der Partizipanten und Verhaltensbeobachtungen kombinieren und somit ein stärker aussagefähiges Gesamtbild konstituieren. 

Eines der größten Probleme bei solchen Vorgehensweisen ist die fehlende Natürlichkeit der Situation. Simpel ausgedrückt wird sich niemand freiwillig in ein enges Labor setzen, sich mit einem EEG-Gerät verkabeln lassen, um den himmlischen Klängen eines David Gilmoure Gitarrensolos hinzugeben. Eine experimentelle Laborsituation ist nämlich genau das, was es ist...eine Situation im Labor. Künstlich erzeugt unter den besten Umständen, um Messungen möglichst kontrolliert und ohne große Fremdeinflüsse vornehmen zu können.

Völlig anders sieht es bei natürlichen Alltagssituationen aus. Die Anzahl an nicht zu beeinflussenden Variablen im alltäglichen Leben macht es einer kontrollierten Messung feinster körperlicher und kognitiver Reaktionen fast unmöglich. 

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Kurzauslese – Der Weg einer Psychologin zur digitalen Nomadin – Antibiotikaresistenz – Gravitationswellen

Der Weg einer Psychologin zur digitalen Nomadin Antibiotikaresistenz So verstörend skurril kann Sex bei Tieren sein Und nun zu den Stickoxiden Hat der Nachweis von Gravitationswellen etwas mit dunkler Materie zu tun? Wenn sich Sterne näher kommen Nichts gelernt aus Fukushima? Hightech an den Wänden - Kurzauslese_12_03_2016

Kurzauslese

12. März - 2016

EINS

"Doch die Onlineberatung kann auch Vorteile haben. So ist eine Skype-Sitzung viel anonymer als eine psychotherapeutische Beratung. Sie hinterlässt zum Beispiel keine Aktenspur hinterlässt – etwas, das bei der Jobsuche zum Beispiel problematisch werden könnte."

Marinela Potor in BasicThinking zu:

Dr. Nomad: Der Weg einer Psychologin zur digitalen Nomadin

ZWEI

"Interessanterweise entfalteten die Moleküle selbst in der Petrischale keine antibiotische Aktivität. Erst wenn sie in Kombination mit zuvor «stumpfen» Beta-Laktam-Antibiotika eingesetzt wurden, liessen sich damit verschiedene Stämme von MRSA-Bakterien abtöten."

Neue Zürcher Zeitung zu:

Antibiotikaresistenz

Indirekt zum Erfolg

DREI

"Im Sediment wurden sie tatsächlich fündig: Dort ließ sich ein Bakterium isolieren, das sie Ideonella sakaiensis 201-F6 nannten. Anschließende Untersuchungen zeigten, dass das Bakterium nicht nur in Flüssigkeit zu finden war, sondern auch direkt am Kunststoff."

Spiegel Online zu:

Müll: Forscher entdecken Plastik-fressende Bakterien

VIER

"Wenn es um den Fortbestand des eigenen Erbguts geht, können Männchen durchaus rabiat werden: Oft bleibt es wie bei Seeottern oder Rotwild bei wilder Anmache. Seeelefanten aber erzwingen von den weit kleineren Weibchen Sex – auch Orang-Utans tun dies häufiger."

Annett Stein in Die Welt zu:

So verstörend skurril kann Sex bei Tieren sein

+ '„Unsere Gene sorgen dafür, dass wir bei der Partnersuche diejenigen attraktiv finden, die eine ähnliche Körpergröße haben wie wir selbst“'

Joachim Czichos in Wissenschaft Aktuell zu:

Sexuelle Attraktivität

Vorliebe für die Größe des Partners ist angeboren

FÜNF

'„Wir können Satellitendaten und Modelle dazu verwenden, vorherzusagen, wann welche Bäume blühen, beispielsweise Birken“'

Ulf von Rauchhaupt in der Frankfurter Allgemeinen zu:

Und nun zu den Stickoxiden

Kürzlich startete schon wieder ein Satellit zur Erdbeobachtung. Was sollen die denn alle dort oben? Forschen? Nein, helfen.

SECHS

"Wenn die dunkle Materie tatsächlich nichts anderes ist als schwarze Löcher, die aus ehemaligen Sternen entstanden sind, dann gibt es ein Problem. Dann müsste das Universum früher viel mehr Sterne und damit viel mehr normale Materie enthalten haben, als die kosmologischen Modelle zulassen."

Florian Freistetter aus ScienceBlogs zu:

Hat der Nachweis von Gravitationswellen etwas mit dunkler Materie zu tun?

+ "Gibt es eine Verbindung zwischen Gravitationswellen und Dunkler Materie?"

Thomas Wanhoff in ScienceBlogd zu:

Scienceblogs Podcast: Dunkle Materie und Radioaktivität

+ Direkter Link zum Podcast (MP3)

SIEBEN

"Wenn sich die Hülle des roten Riesens immer stärker ausdehnt, zieht der Begleitstern durch seine Schwerkraft die Sternhülle zu sich, so dass ein Teil der Hülle zu ihm überfließt. Im Laufe dieses Prozesses kommen sich beide Sterne näher."

Das Heidelberger Institut für Theoretische Studien zu:

Turbulente Zeiten: Wenn sich Sterne näher kommen

ACHT

"Ein Grund für die langsame Umstellung auf Grün ist der Einfluss des nuklear-industriellen Komplexes, welcher in Japan "Atomdorf" genannt wird. Diese Lobbygruppe besteht aus Beamten, Managern und Forschern."

Martin Fritz in der Deutschen Welle zu:

Nichts gelernt aus Fukushima?

+ "Fukushima Prefecture, once known for its fertility, is now littered with large black sacks containing radioactive soil, organic matter, and stone."

National Geographic zu:

Eerie Photos of Fukushima's Ghost Towns

(FOTOSERIE)

NEUN

"Nicht ohne Grund gilt die OLED Technologie als das Leuchtmittel der Zukunft."

Forschung und Wissen zu:

Hightech an den Wänden

OLEDs machen die Tapete zum Heimkino

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Kurzauslese – 09/März/2016

Vier Kriterien sagen die Lebenserwartung voraus Technikfirmen helfen routinemäßig Strafermittlern Großes Gehirn lässt Immunsystem schwächeln Ford will das autonome Auto zum Kino machen In einigen Jahren könnte es Glas zum Falten geben Giftige Schönheit - Kurzauslese_09_03_2016

Kurzauslese

09. März - 2016

EINS

"Die Denkgeschwindigkeit wurde als Teil eines fünfteiligen Tests der kognitiven Fähigkeiten gemessen. Daneben sollten die Studienteilnehmer auch ihr logisches Denkvermögen, das visuelle und verbale Gedächtnis sowie erlernte Fakten und Fertigkeiten unter Beweis stellen."

Christian Endt in der Süddeutschen Zeitung zu:

Vier Kriterien sagen die Lebenserwartung voraus

ZWEI

"Eine Studie des Berkman Center for Internet and Society der Harvard University war zuletzt ebenfalls zu dem Schluss gekommen, dass Ermittler immer einen Weg finden werden, auf die von ihnen benötigten Daten zuzugreifen."

Stefan Beiersmann in ZDNet zu:

GCHQ-Direktor: Technikfirmen helfen routinemäßig Strafermittlern

DREI

"Die Forscher haben die Effizienz des Immunsystems bei Guppys mit großen und kleinen Hirnen verglichen, indem sie diesen beliebten Aquariumfischen gegenseitig Schuppen mit der dazugehörigen Schleimschicht und Pigmentzellen transplantierten und danach die Abstoßungsreaktionen beobachteten."

DerStandard.at zu:

Großes Gehirn lässt Immunsystem schwächeln

VIER

"Kernstück des Konzepts ist ein variables Sitzsystem mit drehbaren Sesseln. So können die Passagiere auch wie in einem Zugabteil gegenüber sitzen, wobei der untätige Fahrer dem Lenkrad den Rücken kehren kann."

Golem.de zu:

Ford will das autonome Auto zum Kino machen

FÜNF

"Dazu wird das Glas aus einem riesigen Schmelztank zu Bögen gegossen und durch Walzen geleitet. Anschließend durchläuft es ein Bad aus geschmolzenem Kalium, bei dem kleinere Natrium-Ionen austreten und durch größere Kalium-Ionen ersetzt werden."

Sascha Mattke in heise online zu:

Schott: In einigen Jahren könnte es Glas zum Falten geben

SECHS

"Mit einer Kronenlänge von rund einem Zentimeter sind sie recht zierlich. Gleichwohl lassen sich die für eine Blüte wesentlichen Teile wie Staubblätter und Narbe klar erkennen."

Die Frankfurter Allgemeine zu:

Giftige Schönheit

Ein Juwel nicht nur für Botaniker: Die Entdeckung einer Strichnin liefernden Blüte in einem Klumpen ausgetrockneten Pflanzenharzes lässt weit in die Vergangenheit zurück blicken.

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Kurzauslese – 06/März/2016

Wie sieht es 5 Jahre nach dem GAU in Fukushima aus? Gesetz des Dschungels Kuschelhormon wirkt schmerzlindernd Wie Fliegen fliegen Orang-Utans: Kreuzungen könnten Existenz gefährden Schlammschlacht um Psychologiestudien Wespenstachel hilft bei Hüft-OP Happy-Heart-Syndrom - Kurzauslese_06_03_2016

Kurzauslese

06. März - 2016

 

EINS

"Nach einer Notabschaltung entwickeln die stark radioaktiven Abfallstoffe der Kernspaltung in den Brennelementen weiterhin große Hitze und benötigen deshalb über Monate eine aktive Kühlung."

Dirk Eidemüller in Spektrum zu:

Wie sieht es 5 Jahre nach dem GAU in Fukushima aus?

Am 11. März vor fünf Jahren ereignete sich am Kernkraftwerk Fukushima Daiichi die zweitschwerste zivile Nuklearkatastrophe nach Tschernobyl. Mit den Folgen wird die Region noch über Generationen beschäftigt sein.

ZWEI

"Dass es so viele Untergruppen der Kagwahiva gibt, mag ihrer ausgeprägten Streitlust geschuldet sein. Jahrhundertelang lieferten sie sich brutale Kriege mit Nachbarstämmen wie den Munduruku, mit denen sie eine kulturelle Präferenz für das Abschlagen und Sammeln von Köpfen teilen."

Thomas Fischermann in Zeit Online zu:

Gesetz des Dschungels

Seit Jahrzehnten verteidigen die Tenharim-Indianer ein Stück Amazonaswald gegen Holzfäller, Viehtreiber und Goldschürfer. Jetzt stehen sie vor dem entscheidenden Krieg gegen den weißen Mann.

DREI

"Ratten, die anschließend einen erhöhten Oxytocin Spiegel im Blut hatten, reagierten weniger stark auf die Berührung eines entzündeten Fußes. Das deutete auf eine geringere Schmerzempfindung hin. Eine Hemmung der Oxytocinwirkung erhöhte dagegen das Schmerzempfinden."

Bericht in innovations-report zu:

Kuschelhormon wirkt schmerzlindernd

VIER

"Wir haben mit der B-Klasse Electric Drive ein hervorragendes Projekt mit Tesla und arbeiten sehr gut mit den Kollegen zusammen. Folgeprojekte sind aber derzeit nicht geplant, weil wir uns in Zukunft hervorragend selbst versorgen können"

Friedhelm Greis in Golem zu:

Daimler beendet Kooperation mit Tesla

FÜNF

"Um ihr Richtungsverhalten zu beobachten, ließ man sie in einer eigens entwickelten Apparatur auf winzigen Styroporbällen balancieren."

Die Österreichische Akademie der Wissenschaft zu:

WIE FLIEGEN FLIEGEN

SECHS

"Mehrfach wurden dort demnach Tiere einer nicht in der Region heimischen Unterart entlassen. Immer wieder sei es in der Folge zu Kreuzungen der seit etwa 176 000 Jahren getrennten Unterarten gekommen - mit negativen Folgen für den Nachwuchs."

David Fischer via Frankfurter Neue Presse zu:

Orang-Utans

Kreuzungen könnten Existenz gefährden

SIEBEN

"Die Aussagekraft der OSC-Studie scheint demnach gering zu sein. Was aber nicht heisst, dass die Psychologie kein Replikationsproblem hat. Damit steht sie allerdings nicht allein da, das sieht bei anderen Geisteswissenschaften, aber auch bei der Biologie und der Medizin nicht anders aus."

Lena Stallmach via Neue Zürcher Zeitung zu:

Schlammschlacht um Psychologiestudien

ACHT

"Der Bohrer nach Wespen-Art könnte etwa für Chirurgen bei Hüftgelenksoperationen nützlich sein. Denn die arbeiten bislang beim Einsetzen einer Hüftprothese aufwendig mit der Hand und großen Raspeln – eine blutige Angelegenheit."

Bild der Wissenschaft zu:

Wespenstachel hilft bei Hüft-OP

NEUN

"Die neuen Ergebnisse könnten dazu beitragen, den noch unbekannten Mechanismus der Krankheitsentstehung aufzuklären."

Joachim Czichos via Wissenschaft aktuell zu:

Happy-Heart-Syndrom: Auch große Freude kann das Herz brechen

Nicht nur Trauer oder Angst, auch starke positive Emotionen können eine Herzschwäche auslösen

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3 Wege Durch Einen Effektiven Tag

3 Wege durch einen effektiven Tag

3 Wege Durch Einen Effektiven Tag

Mit Apps Als Hilfe

1. Weniger Blaulicht durch Monitore am Abend

Wir alle legen viel Wert auf erholsamen Schlaf jede Nacht. Nichts widerstrebt uns so sehr wie ein unerholtes Aufwachen, geplagt von einem geschwollenen Gesicht und weichen Knien. Gleichermaßen viel Wert legen wir jedoch auch auf konstante Erreichbarkeit, einen besseren Highscore in FarmVille und auf die neuesten lokalpolitischen Ereignisse.
 
Viel Zeit vor dem Monitor bedeutet viel helles Licht vor dem Gesicht. Stundenlanges Lesen im Bett kann damit von einer entspannenden und erholsamen Unternehmung zu einem aufputschenden Erlebnis werden. Schränkt man die Emission von blauem Licht ein, so minimiert sich der weckende Effekt auf das eigene Gemüt enorm.
 
Bis ca. 3h vor dem Schlafengehen sollte man die Helligkeit, sowie den blauen Anteil des ausgehenden Lichts seiner Geräte verringern. Mit dafür entwickelten App lässt sich im Handumdrehen eistellen, wann und wie sich das Display in Sachen Helligkeit und Lichtspektrum verändern soll.
 
Das bekannteste solcher Programme für Mac und PC, sowie iOS und Android, ist f.lux.
Andere Alternativen für Android und iOS sind folgende.
 
Beste Apps für weniger Blaulicht (Android):
 
 
 
Beste Apps für weniger Blaulicht (iOS):
 
  • CF.lumen
  • (ab iOS 9 nativ eingebettet in den Einstellungen)
 
Smartphone, Tablet und Computer können somit auch zu später Abendstunde benutzt werden. Trotz später Exceltabellen wird der Körper nicht daran gehindert Melatonin auszuschütten. Einige der verfügbaren Apps richten den Tag/Nacht-Wandel nach den örtlichen Sonnenauf- und Untergängen der Benutzer.
 
Körper und Geist werden dadurch auf einen natürlichen Schlaf- und Wachzyklus, abhängig von dem tatsächlich verfügbaren natürlichen Licht, getrimmt. Der negativer Einfluss auf die
Cirkadiane Rhythmik, in Form von "tired but not sleepy", wird damit minimiert.
 
Weitere Quellen zu Schlafstörungen, Lichttherapie, Schlafhygiene und Melatonin gibt es auf Circadiansleepdisorders.org (auf Englisch).
 
 

2. Powernaps in Pausen

Kurzzeitige Schlafintervalle nach körperlich und/oder geistig anstrengenden Arbeitsphasen
regenerieren den Energiespeicher genug, um vergleichsweise lange danach weiter schuften zu können.
Von individuellen Faktoren abhängig, muss jeder für sich selbst bestimmen, welche Erholungsdauer am besten geeignet ist für die jeweiligen Umstände.
 
Für mich persönlich gilt grob: 10 - 15 Minuten. Nicht länger als 20. Nicht weniger als 5. Wer, anders als ich, länger zum Einschlafen braucht als 12 Sekunden, sollte mehr Zeit dafür einplanen.
Besonders hilfreich dabei, verkünden einige Quellen, sind angeblich entspannende Hintergrundrauschen.
 
Beste Apps für weißes Rauschen (Android):
 
 
Beste Apps für weißes Rauschen für (iOS):
 
 
Weisses Rauschen kaschiert gut Umgebungsgeräusche und führt zu einem subjektiv geringeren störhaften Geräuschpegel. Darüberhinaus sind 432hz Meditationsklänge relativ erfolgreich im Bereich der entspannenden Klänge:
 
 
Über die Validität und Effizienz von musikalischer Bereicherung in einer Stimmung von A=432Hz, anstelle von A=440Hz, ist sich auch die Wissenschaft noch nicht hundertprozentig einig. Für einen guten Einblick in die gröbsten Aspekte bietet sich viel Basisliteratur (englischsprachiges Beispiel).
 
Ein simpler Timer reicht vollkommen aus, um pünktlich wieder zu erwachen. Abhängig von persönlichen Schlafphasen unterscheiden sich die zeitlichen Einstiege in die unterschiedlichen Phasen.
Infografik (Englisch)
 

 

3. Arbeitszeit effektiv einteilen mit Pomodoro

Wichtig bei der Erledigung von geistig anstrengender Arbeit ist die Zeitplanung. Jeder Mensch, ob chronisch überlastet oder generell entspannt, braucht Erholungspausen. Um dem Chaos im Denkenausreichend Möglichkeit zu geben sich zu sortieren, sollten regelmäßig Pausen gemacht und die Art der Arbeitsweise gewechselt werden.
 
Anfängliche hochfokusierte Phasen der Aufmerksamkeit dauern unterschiedlich lang an. Interne, sowie äußere, Faktoren spielen eine große Rolle dabei, wer wann und wie lange seine Aufmerksamkeit behält oder verliert. Es wurde unter Anderem bereits gezeigt, dass die Kapazität des Arbeitsgedächtnisses einen Einfluss auf den Verlust von Aufmerksamkeit hat. In der Regel kann man von einer natürlichen Tendenz zu 45 minütigen Aufmerksamkeitsspannen, kombiniert mit kurzen Erholungspausen, sprechen.
 
Ein Energieeinbruch nach der Mittagspause hat unter Anderem mit den Hungerhormonen Leptin und Ghrelin zu tun. Vor einer Mahlzeit, wenn das Hungergefühl einsetzt, steigt der Ghrelinspiegel an, während das Level an Leptin
abnimmt. Nach erfolgreicher Nahrungszufuhr steigt der Leptinspiegel wieder an und der Ghrelinspiegel nimmt ab.
 
Zusätzlich zu den Hungerhormonen ist der Energieaufwand für den Prozess der Verdauung, der Zuckerspiegel und andere Neurotransmitter (z.B. Serotonin) dafür verantwortlich, wie Müde wir nach einer Mahlzeit werden.
 
Intervalle von 30-40 minütiger Arbeitsphase, gefolgt von 10-15 minuten Pause, haben sich als effektive und natürliche Arbeitsrhythmen herausgestellt. Nach dem Pomodoro-Technik sollte nach vier durchgängen eine längere Pausenzeit eingelegt werden. In der längeren Pause würde es sich anbieten ein Powernap einzuplanen.
 
Beste Apps für Pomodoro Zeitmanagement (Android):

 

Beste Apps für Pomodoro Zeitmanagement (iOS)

 

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Kraftstoff Für Den Geist

5 Tips helfen Denken

Kraftstoff Für Den Geist

5 Alltägliche Dinge Helfen Beim Denken

Um deinem Denkapparat auf die Sprünge zu helfen, Ermüdung vorzubeugen und das extra bisschen Leistung aus deinem Hirn zu saugen, folge diesen Tips:

 

1.

Trinke 2 Gläser Wasser unmittelbar nach dem Aufwachen

Nach einer erholsamen Runde Schlaf, bei der dein Körper ca. 8 Stunden lang ohne die Zufuhr von Flüssigkeit auskommen muss, kannst du ihm als erstes Wasser gönnen. Wasser wird im Körper benötigt um Abfallstoffe zu filtern und den Flüssigkeitshaushalt auszubalancieren. Die besagten 2 Gläser Wasser am Morgen sollten einem Flüssigkeitsdefizit entgegenwirken. Abhängig davon, wie viel du nachts schwitzt, darf es ruhig auch etwas mehr sein. Studien haben bereits mehrfach aufgezeigt, wie wichtig eine ausreichende Wasserzufuhr für kognitive Anstrengungen ist [1] [2].

 

2.

Höre stimulierende Hörbücher und Podcasts

Beim Joggen, auf dem Weg zur Arbeit, beim Sport oder bei einem erholsamen Bad. Ein Hörbuch zu einem interessanten Thema, ein Interview mit einem Wissenschaftler oder eine Kurzgeschichte zur politischen Entwicklung in Kuala Lumpur passt oft zeitlich gut in eine Pause.

Ressourcen zu kostenlosen und frei verfügbaren Audiobooks gibt es viele. Die meistgenannten Anlaufstellen sind zum Beispiel:

  1. TED-Talks
  2. Loyalbooks
  3. LibriVox
  4. archive.org

 

3.

Trinke grünen Tee während der Arbeit

Koffein im Überschuss macht viele Menschen nervös, verwirrt und im schlimmsten Fall zittrig mit Herzrasen. Da es sich mit Koffein leicht übertreiben lässt und die nächste Kanne bereits in der Gemeinschaftsküche brodelt, sollte ab und zu eine Alternative in Erwägung gezogen werden. Dazu eignet sich besonders gut grüner Tee.

Grüner Tee enthält Theanin [3]. Diese Aminosäure erhöht die Alphawellen im Gehirn. Während grüner Tee ein fokusiertes Arbeiten unterstützt, macht er nicht gleichzeitig so nervös und angespannt wie Kaffee.

 

4.

Vermeide Zucker

Zucker sollte in absolut jeder Lebenslage vermieden werden. Es gibt kaum eine Situation, in der die Zufuhr von Zucker absolut nötig ist. Generell enthalten viele Nahrungsmittel von Hause aus eine große Menge Zucker. Besonders in Zeiten mentaler Anstrengung und fokusiertem Arbeiten sollte Zucker in reinform, sowie in Energy-Drinks oder Süßigkeiten unangetastet bleiben.

Es stimmt, dass Zucker für eine sehr kurze Zeit dem Körper Energie bereitstellt. Für wenige Minuten arbeitet er also effizienter und ist Leistungsfähiger. Die Kosten für diesen kurzzeitigen Energieschub ist ein darauffolgender Einbruch aller Energieressourcen. Nach einem “sugarhigh” muss eine vielfach erhöhte Menge Zucker erneut zugefügt werden, um eine ähnlichen Energieschub zu erfahren. Anstelle von minderwertiger Energie, welche später vom Körper sowieso nur in unbeliebtes Körperfett umgewandelt wird, sollten Alternativen wie Eier, Bananen (wobei auch diese viel Fruktose enthalten), Nüsse, Fisch etc. ausprobiert werden.

 

5.

Sportliche Betätigung

Körper und Geist gehen noch vor unserer Geburt eine Symbiose ein. Wenn unser Körper nicht ernährt und gepflegt wird, bricht auch das Denken ein. Neben einer gesunden Ernährung, bzw. die Abstinenz von schlechter Ernährung, ist sportliche Ertüchtigung das Beste, was wir für unsere Überlebensmaschinerie tun können.

Ohne direkt an Marathons oder Dreikämpfe zu denken, lässt sich sportliche Aktivität extrem leicht in die tägliche Routine integrieren. Es muss nicht einmal zwingend eine Mitgliedschaft bei einem Fitnessstudio oder einem Kampfsportverein sein. Ebenso gut kann im eigenen Garten, im Park um die Ecke oder auf dem Abenteuerspielplatz für Kiddies trainiert werden. Wer noch nie auch nur einen Sportschuh anprobiert hat, fängt klein an. Die wichtigsten Richtlinien variieren enorm, sofern man sich die Mühe macht und etwas Zeit in die Recherche steckt.

Grundlegend ist dennoch die angesprochene (gute) Ernährung, ein adäquater Trainingsplan (Zugeschnitten auf persönliche Bedürfnisse), ein eiserner Wille und die routinemäßige Durchführung. Was anfänglich als Zwang wahrgenommen und nur mit bestialischer Überwindungskraft zu meistern ist, fühlt sich nach einigen Wochen bereits an wie naturgegeben. Sport ist besser als Crack und macht mindestens genauso abhängig.


 

[1] – http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0195666309005029
[2] – http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0195666309006394
[3] – https://de.wikipedia.org/wiki/Theanin

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Der Letze Job

Utopie

Der Letzte Job

In Die Utopie

An dem Tag, an dem auch die letzte berufliche Anstellung obsolet wird, ist der Tag über dessen Eintreten viel debattiert wird. Verherrlichte Szenarien über eine Utopie der Dominanz von Maschinen führen in zwei grundsätzlich verschiedene Richtungen. Einerseits malen wir uns aus physisches Schweißtreiben zu minimieren, während wir den Konsum von Caipirinhas am sonnengeküssten Ozeanhorizont maximieren. Auf der anderen Seite fürchten wir um unsere geistige und, mehr noch, unsere körperliche Existenz.


The Last Job on Earth - The Guardian from Moth on Vimeo.

Folgen wir zum Beispiel einige der bedeutendsten Denker unserer Zeit im Bereich technologischen Fortschritts (Musk, Wozniak oder Gates), so wird schnell klar, dass künstliche Intelligenz jeden Moment vor der Abkapselung von der Abhängigkeit zur menschlichen Existenz steht. Andererseits ist es doch ganz angenehm seine Kaffeemaschine programmieren zu können. 2014 hat angeblich zum ersten Mal in unserer Computergeschichte ein Programm den Turing Test bestanden, wobei:

The 65-year-old Turing Test is successfully passed if a computer is mistaken for a human more than 30% of the time during a series of five-minute keyboard conversations.

-

“Der 65 Jahre alte Turing Test erfolgreich bestanden ist, wenn ein Computer öfter als 30% der Zeit in fünfminütigen Chatgesprächen von Anderen als echter Mensch wahrgenommen wird.”

Unter guten Umständen bleibt uns durch die massive Abgabe von menschlicher Arbeit an Maschinen mehr Zeit für Freizeit und Hobbies. Mit frei zugänglichen Hörbüchern können wir uns Bilden und Denkanstöße finden. Wir können die Komplexität von städtischen Transportsystemen, welche momentan oft unser Denken überschreiten, vereinfachen und Fahrpläne endlich für Jeden verständlich machen. Wir können mobile Kommunikationsgeräte entwickeln, die nicht unsere Nachfahren kochen.

Späte Einsicht ist immer perfekt und akkurat, wenn das Welthungerproblem gelöst ist, werden trotzdem einige Hände vor Gesichter geschlagen.

 

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Empathie Ist Erlernt

kopfvoll - empathie

Empathie Ist Erlernt

Eine Welt ohne Empathie bedeutet gleichzeitig eine Welt ohne kostenlose Umarmungen und aufrichtige Spenden

In einer empathielosen Welt gäbe es an Halloween mit Nougat verzierte Rasierklingen. Eine solche Dystopie brächte Wolkenkratzer dazu die Klänge von Metall zu singen, ungeachtet der Tatsache, dass an ihren Seiten Menschen purzeln.

Hätte die Menschheit von heute auf morgen, über Nacht, vergessen wie zwischenmenschliche Eingebung funktioniert, stünden wir vor intensiven Veränderungen unseres sozialen Zusammenlebens. Empathie verloren, auf die Art und Weise, wie dir nach und nach dein Kleingeld aus der kaputten Hosentasche fällt. Vielleicht würden wir es nicht einmal vermissen?!

Persönlichkeiten, beraubt ihrer Fähigkeit anderer Menschen Gemütszustände nachzuvollziehen, geben eine dunkle Einsicht in unser Bewusstsein. Die Unfähigkeit, glückliche Laune von Hass zu unterscheiden, macht dich zu einem klinischen Fall und eine großartige Erweiterung für jede finanzielle Institution. Eine vernebelte Zukunft, in der Tat.

Wenn du weiterhin angespannt versuchst durch den düsteren Nebel zu schauen, erkennst du vielleicht irgendwann etwas. Nichts verpassen! Wenn wir lange genug starren, finden wir uns vielleicht mit einem empathielosen Lebensstil ab. Es ist okay Jemandem nicht vertrauen zu wollen, der niemandem traut.

Laut einer Studie, durchgeführt von einer Gruppe Wissenschaftlern aus Zürich (Schweiz), Nijmegen (Niederlande) und London (England) (Hein, Engelmann, Vollberg und Tobler, 2015), wird Empathie erlangt durch einen Lerneffekt. Im speziellen nutzen sie: “[..] functional MRI (fMRI), combined with formal learning theory and an intergroup conflict paradigm, to investigate whether and how classical learning mechanisms alter the empathy of males toward out-group members."

Es wurde also mit Hilfe funktioneller Magnetresonanztomographie (fMRI), in Kombination mit einer formalen Lerntheorie und einem Paradigma über Gruppenkonflikte, untersucht, ob und wie klassische Lernmechanismen Empathie von männlichen Personen gegenüber Gruppenmitgliedern beeinflussen. Die Studie wurde durchgeführt in der Schweiz und stellt Kandidaten mit rein Schweizer Herkunft gegenüber Teilnehmern aus dem Balkan. Gruppen werden dementsprechend betitelt mit “In-Group” (Innen-Gruppe = Schweizer) und “Out-Group” (Außengruppe = Balkan-stämmig). Einfach ausgedrückt wurde in dieser Studie eine Gruppe Menschen in Leidenssituationen beobachtet von anderen nicht-leidenden Personen.

Es stellt sich heraus, Menschen reagieren grundsätzlich empathisch, wenn sie einen anderen Menschen leiden sehen. Schweizer Menschen erfahren Empathie, wenn sie Schweizer leiden sehen und auch wenn sie Menschen anderer Herkunft leiden sehen. Körperliche Ausdrücke, wie zum Beispiel ein schmerzverzerrtes Gesicht, Zusammenziehen von Gliedmaßen, erhöhte Herzfrequenz, sowie Gehirnaktivität in bestimmten Bereichen (Ventrale Inselrinde) geben Aussage darüber, wie sich eine empathievolle Reaktion manifestiert. Einzig in der Intensität unterscheiden sich die Reaktionen von Teilnehmern aus der In-Group von Teilnehmern aus der Out-Group. Schweizer, die andere Schweizer leiden sehen, reagieren stärker auf die gegebenen Reize als Schweizer, die Balkanstaatler leiden sehen.

 

kopfvoll - empathieIn dieser spezifischen Studie wurden die Reaktionen von Balkanstaatlern beim Beobachten von anderen Balkanstaatlern nicht untersucht. Es ist jedoch davon auszugehen, dass ähnliche Effekte zu beobachten wären wie zwischen den beobachteten Schweizern. Die Quintessenz dieser Studie, und ein einstimmig akzeptierter Fakt in den meisten Bereichen der sozialen Wissenschaft, ist die erhöhte Identifikation einer Person selbst mit Menschen, die dieser Person ähnlich sind. Je ähnlicher, desto stärker die Reaktion. Im Bereich von Empathie bedeutet das auf der einen Seite eine allgemeine geistige und körperliche Reaktion auf Menschenleiden. Jeder findet sich, bis zu einem bestimmten Grad, in anderen Menschen wieder. Auf der anderen Seite ist dieser Effekt der Grund für die Bevorzugung der eigenen Angehörigen gegenüber genetisch “fremden” Menschen.

Innerhalb des Untersuchungsaufbaus und des angewandten Modells der Wissenschaftler, besagt der Lerntheoretische Ansatz, dass positive Assoziationen gegenüber einer Person am effizientesten geformt werden, wenn das Verhalten dieser Person zu unerwarteten positiven Ergebnissen führt.”

A learning-theoretical framework predicts that the establishment of positive associations toward a person is most efficient, if the actions of that person result in unexpected positive outcomes.

Anders ausgedrückt erwarteten Schweizer Menschen Hilfe von anderen Schweizern (In-Group) , aber nicht von Balkanstaatlern (Out-Group). Aus diesem Grund waren Schweizer Personen positiv überrascht, wenn ihnen durch eine Südosteuropäische Person geholfen wurde. Solch eine positive und unerwartete Überraschung kann Stereotypen und Vorurteilen entgegenwirken. Nach nur wenigen Durchläufen, nachdem Mitglieder der Out-Group Mitgliedern der In-Group geholfen haben, entsteht eine stark empathische Verbindung.

Weiter verallgemeinert sagt das Ergebnis dieser Studie eine Menge über die Art des Zusammenlebens aus, das wir anstreben sollten. Wird dir nur ein-zwei Mal von einer fremden Person in schwierigen Situationen geholfen, bist du viel eher dazu geneigt anderen fremden Personen zu vertrauen oder ihnen zumindest mit gesteigerter Empathie über den Weg zu laufen. Vice versa, wird dir unverschuldet und wiederholt von Fremden metaphorisch auf den Schuh getreten, wirst du in Zukunft sehr viel besser aufpassen, wo die Anderen hintreten.

Empathie ist also, zu einem bestimmten Grad, erlernt. Dafür ist es jedoch unvermeidlich sich der Out-Group auszusetzen. Es ist äußerst wichtig sich dem zu öffnen, wogegen man die größten Vorurteile hat. Gib denen, die du nicht leiden kannst, eine Möglichkeit dich zu mögen. Vielleicht nehmen Sie sie sogar wahr.

Glücklicherweise werden wir vorerst keine Angst haben müssen unseren Sinn für Empathie zu verlieren. Solange die Menschheit bewusst bleibt/ein Bewusstsein hat, wird es empathische Lebenszüge geben. Unglücklicherweise, schaut man sich einschlägige Nachrichtenagenturen an oder scrollt durch verschiedene Newsfeeds, könnte man meinen es sei bereits zu spät. Schadenfreude, zum Beispiel, ist einer von Empathie’s kleinen ungeliebten Brüdern.

Die bedeutendste Rolle in der Grundlage von Empathie spielt die Evolution. Sogenannte Spiegelneuronen sind verantwortlich dafür in gewissen sozialen Situationen zu feuern und damit ein Signal einzuleiten. Ein solches Signal entsteht in Umständen, in denen der Organismus etwas lernen kann. So kann zum Beispiel ein Schimpansenbaby, welches keine Ahnung davon hat wie es eine Banane zu pflücken, zu öffnen und zu verzehren hat, seine Mutter beobachten und durch soziales Lernen mit leichtigkeit sich die fehlenden Fertigkeiten aneignen.

Monkey see, monkey do.
Auch wenn Schimpansen keine Schwänze haben.


Deine Dosis Literatur:

Social Sciences — Psychological and Cognitive Sciences — Biological Sciences — Neuroscience: Grit Hein, Jan B. Engelmann, Marius C. Vollberg, and Philippe N. Tobler. How learning shapes the empathic brainPNAS 2016 113 (1) 80–85; published ahead of print December 22, 2015,doi:10.1073/pnas.1514539112

 

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Zwillinge

kopfvoll - Zwillinge

„Der Vergleich von monozygoten Zwillingen in verschiedenen Umwelten mit monozygoten Zwillingen in gleichen Umwelten ergibt den Einfluss der Umwelt, der Vergleich von dizygoten Zwillingen in gleicher Umwelt mit monozygoten Zwillingen in gleicher Umwelt den Einfluss des Erbguts.“  

–  Francis Galton, 1937.

kopfvoll - Francis Galton

 

Der Mann aller Zwillinge

Was haben Sean Connery, Francis Galton und Patrick Stewart gemeinsam?

Neben dem gleichen Friseur teilen sie sich ein Dasein als Ritter. Sir Thomas Sean Connery wurde 38 Jahre nach seinem 1962’er James Bond von Queen Elizabeth II zum Ritter geschlagen. Galton hatte bereits 1909, Patrick Stewart 2010, die Ehre.

Auch wenn zwei der drei Männer bereits eine genetische Prädisposition zu hoher Intelligenz und einer charmanten Art aufweisen, ist Galton definitiv derjenige mit dem effektivsten Denkapparat. Zitiert man die seiner Person gewidmete englischsprachige Wikipedia-Seite, ist es schwer zu fassen, wo seine professionellen Qualifikationen aufhörten und sein „just-for-fun“ im Schaukelstuhl anfing. Er wird angepriesen als Statistiker, Soziologe, Psychologe, Anthropologe, Eugeniker, Geograph, Erfinder, Meteorologe und Psychometriker.

Es scheint als hätte er beim Berechnen von linearen Regressionen die Zeit gefunden Erdplatten zu messen, Teilnehmer für Studien zu mobilisieren, sozialen Wandel zu bewerten und Gene für einen gesunden Fortbestand der Menschheit zu isolieren. Irgendwo, Im Rausch der Theorien, des Wissens, der Verknüpfungen und dem Erfinden, sah er für lange Zeit doppelt.

Seine Symptomatik war jedoch nicht besorgniserregend. Ganz im Gegenteil, wäre ihm nicht ein erheblicher Anteil seiner sozialen Kontakte als doppelte Ausführung erschienen, hätte er sich Sorgen machen müssen. Sorgen um seine wissenschaftliche Zukunft. Er hatte es sich zur Aufgabe gemacht Zwillinge zu studieren. 

kopfvoll - Zwillinge

Studien Zweier Identitäten

Im wissenschaftlichen Bereich der Sozialforschungen, besonders der Sozialpsychologie, wäre man gern ein ganzes Stück schlauer. Wüssten wir wie viel Einfluss der Lebensraum einer Person auf ihre individuelle Lebensgeschichte hat, könnten wir Aussagen treffen darüber, wie z.B. die Größe einer Wohnung die mentale Gesundheit beeinflusst oder wann genug Freunde zu viele Freunde werden. Das Entschlüsseln der Sequenzen von aktiven und passiven Genen unter Einfluss äußerer Faktoren ist ein wertvolles Ziel.

In einer Welt, in der Datenträger groß genug sind um den Maschinencode deiner genetischen Konstellation zu speichern und das Auslesen eines Genstranges nur wenige Sekunden dauert, wüssten wir sehr exakt, welche Gene verantwortlich sind für welche Erkrankungen, wie dagegen vorgegangen werden kann und inwieweit genetische Erben davon betroffen sein können.

Zwillingsstudien versuchen auf weniger utopische Weise heraus zu kristallisieren, welche Merkmale einer Person ihren Genen zuzuschreiben sind und welche Merkmale der gleichen Person auf Grund äußerlicher Umwelteinflüsse zustande gekommen sind. Dabei werden monozygote, also eineiige, Zwillinge von dizygoten, also zweieiigen, Zwillingen unterschieden. Eineiige Zwillinge haben einen identischen Satz Gene, wohingegen zweieiige Zwillinge eine ca. 50 prozentige Übereinstimmung im Genom aufweisen.

Wenn nun zwei (bis auf das Molekül) absolut identische Personen für mehrere Jahre im gleichen Haushalt unter sehr ähnlichen Bedingungen aufgezogen werden, wird zwischen ihnen kein erheblicher Unterschied zu beobachten sein. Mit der Zeit ändern sich stets mehr Faktoren im örtlichen und sozialen Raum beider Personen. Nach 21 weiteren Jahren interessieren sie sich nicht nur für völlig verschiedene Sportarten, sondern haben darüber hinaus sogar Ehepartner verschiedener Geschlechter.

Mit Zwillingsstudien kann (und konnte) viel über den Einfluss äußerer Faktoren auf unsere Gene gesagt werden. Leider werden wiederholt fehlerhafte Annahmen gemacht, mit denen Resultate aus solchen Studien fragwürdig und ohne starkes Fundament erscheinen.

Notwendige (fehlerhafte) Annahmen

Einige solcher Annahmen sind folgende:

Fortpflanzung ist eine Frage des Zufalls
Zwillingsforscher nehmen oft an, dass Menschen sich gegensätzliche Partner suchen. Weniger drastisch ausgedrückt nimmt man an, eine Person würde für eine romantische Beziehung mit Fortpflanzung als Ziel eher zu einem Partner tendieren der anders ist als man selbst. Begründbar mit der Vielfältigkeit des entstehenden genetischen Codes, ist es nur sinnvoll für einen Organismus möglichst seltene fremde Gene mit den eigenen zu kombinieren.

Gleiche Umwelt
Ebenfalls angenommen, und zwingend notwendig für das Durchführen von Zwillingsstudien, ist die Gleichheit der Umweltfaktoren, denen beide Zwillingskinder ausgesetzt sind. Generell wird angenommen, dass zwei genetisch identische Kinder (oder halb identische Kinder) in gleichen Umgebungen die gleiche Entwicklung durchleben würden. Gegensätzlich dazu gibt es aber bereits wichtige Funde, die belegen, dass eineiige Zwillinge von Lehrern, Eltern und Freunden sehr gleich behandelt werden. Zweieiige Zwillinge dagegen sehr unterschiedliche behandelt werden, obwohl sie alle der angesprochenen Umweltfaktoren teilen.
 
Gen-Umwelt Interaktion
Viele Studien im Bereich der Zwillingsforschung sind aufgestellt worden ohne einen Gedanken an Epigenetik zu verschwenden. Tatsächlich ist bereits bewiesen, dass Schlüsselerlebnisse, wie z.B. Misshandlung im Kindesalter, sehr hoch mit bestimmten späteren Verhaltenseigenschaften korrelieren. Gleichermaßen können wir davon ausgehen, dass ein vorhandene Kausalität ausgeht von der Misshandlung des Kindes und sich, bedingt durch die Entfaltung genetischer Prägungen, entwickelt zu einem gewaltbereiten Individuum.
 
Genetischer Mechanismus
Zwillingsstudien berücksichtigen selten mehr als einen Mechanismus genetischer Kombinationen. Additive genetische Kombinationen, also simples Zusammenfügen zweier Gene, wird üblicherweise von solchen Studien hantiert. Es gibt jedoch noch weitere Mechanismen, zum Beispiel das bekannte dominante > rezessive Gen.

kopfvoll - Epigenetik

Quellen:

[1] - Johnson, W., Turkheimer, E., Gottesman, I. I., & Bouchard, T. J. (2010). Beyond Heritability: Twin Studies in Behavioral Research. Current Directions in Psychological Science, 18(4), 217–220. http://doi.org/10.1111/j.1467-8721.2009.01639.x

[2] - Pam, A., Kemker, S.S., Ross, C.A., & Golden, R. (1996). The "equal environments assumption" in MZ-DZ twin comparisons: An untenable premise of psychiatric genetics? Acta Geneticae Medicae et Gemellologiae, 45(3), 349-360.

[3] - Kendler, K.S., Neale, M.C., Kessler, R.C., Heath, A.C., & Eaves, L.J. (1993). A test of the equal-environment assumption in twin studies of psychiatric illness. Behavior Genetics, 23, 21-28.

[4] - Epigenetik: Sind wir Gene oder Umwelt? Arte, 2015.

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