Abstrakt vs. Konkret

Was sieht besser aus?

 

Konzentrier dich ganz auf dich.

Dein physikalisches Dasein ist das Zentrum deines Ausgangspunktes. Deine mentale Welt, also dein Bewusstsein, deine Wahrnehmungen, deine Hoffnung auf eine Gehaltserhöhung, die Erinnerung an den Kaffee von vorhin und die Bilder deiner Träume, werden vom inneren deiner materiellen Existenz in die Außenwelt reflektiert.
Die Direktheit deines Selbst ermöglicht es dir alles über dich zu wissen. Dennoch stehst du metaphorisch im Dunkeln, wenn die Urlaubsplanung für den nächsten Sommer ansteht. „Ich nehme mit, was ich brauche“, denkst du dir.
Lass dir in diesem Fall nicht von Amazon vorschlagen, was du für den Urlaub brauchst. Spar dir das Geld, die Eingebung wird kommen.

Je näher Geschehnisse, Objekte, Menschen oder Wahrscheinlichkeiten an dich herantreten, desto klarer erscheinen sie dir. Wie aus einem Nebel aus Signalrauschen treten detaillierte Eigenschaften von Vorstellungen und Gedanken heraus. Wo vorher lediglich eine Silhouette zu erkennen war, entsteht bei kürzerer zeitlicher und örtlicher Distanz zwischen dir und der Vorstellung ein detaillierteres Bild.

Der gleiche Effekt bringt Frauen dazu nicht nur in Gedanken alle Kleiderkombinationen für den simplen Supermarktbesuch auszutesten, sondern tatsächlich in einem lateinischen Viereck durch den Raum zu tanzen und zu rufen: „Spieglein, Spieglein….ach, scheiße nee. Darin sehe ich fett aus.”
Der Einfachheit unseres Denkens zuliebe abstrahieren wir weiter von unserem egozentrischen „Ich“ entfernte Objekte und Ereignisse. Was von der Erinnerung an den Urlaub von vor 8 Jahren übrig bleibt, ist die essentielle Grundstruktur des Gesamten, meist ein: „ja, war geil!“

Gehen wir auf solch eine Erinnerung weiter ein, können wir uns, zumindest in den Fällen, in denen wir nicht mit den einheimischen um die Wette getrunken haben, retrospektiv erinnern. Wie die Unterkunft roch, was es täglich zum Frühstück gab und wo die dreckigsten Witze erzählt wurden, werden als real erlebte Flashbacks in unser Bewusstsein zurückgerufen.  Bei all diesen Erinnerungen erwecken wir ein Grundgerüst der wichtigsten Merkmale unserer Wahrnehmung.
Dieses Gerüst ist der Anhaltpunkt für das Bewerten von vergangenen Erlebnissen und geplanten Angelegenheiten.

Wie du dir deinen (T)Raumanzug vorstellst, kann eine komplizierte Angelegenheit, verbunden mit einer langen Liste von detaillierten Merkmalen, sein. Es könnte sich aber auch als einfacher erweisen und mit einer Abstraktion einhergehen. Im Endeffekt muss man darin gut aussehen. Die genauen Eigenschaften, die es braucht, um dich darin gut aussehen zu lassen, kannst du auch getrost dem Schneider überlassen.

Du darfst nur nicht enttäuscht sein, wenn sich dein zeitlich-, örtlich- und finanziell weit entfernter Anzug in der tatsächlichen Realität als eine reine Untermalung deines langwierig erarbeiteten Waschbärbauchs darstellt.

Alles, was näher an dir dran ist, ist nun Mal bereits aus dem Nebel herausgetreten.
Um die aus der Abstrahierung konkret gewordenen Mängel zu bereinigen, brauchst du drei Sätze á 40 Reps, vier mal die Woche, zwei Jahre lang.

kofvoll abstrakt vs. konkret

 


 


Dustin Jaros
Dustin Jaros

Mein Name ist Dustin Jaros, ich bin Psychologe und arbeite in der psychosozialen Betreuung. Menschen profitieren von meiner Beratung über das Internet (Skype, E-Mail, Spreed) und via Telefon. Damit sind sie oft örtlich unabhängig und können auch ohne viel Aufwand meine Beratung wahrnehmen. Meine Gesprächspartner genießen meine offene, ehrliche und authentische Art. Für Kopfvoll mache ich Fotos, schreibe Texte und kümmere mich um die sozialen Medien (Instagram: @kopfvoll / Facebook: k0pfv0ll).