Was kannst du? – Selbstwirksamkeit

selbstwirksamkeit

Die Frage

Wenn ich dich frage: „Was kannst du?“ und damit keine rhetorische Frage stelle, sondern wirklich von dir wissen will, woher du weißt, was du kannst...wie würdest du antworten?

Weißt du, was du kannst? Weißt du, was du nicht kannst? Wenn jemand am besten weiß, was du kannst, dann doch wohl du selbst, oder nicht?“ Doch wie sieht eine konkrete Antwort darauf aus? Woher kommt diese ganz individuelle Überzeugung über dich selbst? Sind es Erfahrungen? Lob und Kritik von anderen Menschen? Die eingerahmten Zertifikate an deiner Wand?

Die meisten Menschen, die vor diese Frage gestellt werden, sind recht verblüfft darüber, dass sie spontan keine konkrete Antwort finden. Das erste und oft auch das letzte, was vielen in den Sinn kommt ist: „Ich weiß es einfach!“ Damit vertrauen sie auf ihr Bauchgefühl und sind durchweg zufriedengestellt. Niemand stellt sich andauernd die Frage, was er könne und was nicht?!

"Was kann ich eigentlich?"

Nehmen wir die Frage: „Was kannst du?“ ernst und denken einen Moment über eine Antwort nach. Wir werden wahrscheinlich feststellen, dass in vielen Fällen eher ein gewisses Bauchgefühl dafür sorgt, das wir uns die Dinge zutrauen, die wir uns zutrauen. Abgesehen von gewissen Nachweisen, wie Zeugnisse, Abschlüsse, Attestierungen und dergleichen, welche an sich bereits zwangsläufig eine subjektive Färbung haben, gibt es als nächstbeste Anlaufstelle dafür, wie wir unser Können und unsere Fähigkeiten einschätzen, nur uns selbst. Was wir über uns selbst denken beeinflusst uns in unserem Können, unserem Bestreben, was wir schaffen und was wir gar nicht erst probieren.

Wenn du spontan noch keine Antwort auf meine Frage gefunden hast, denke an das letzte Mal, das du etwas fantastisches erreicht hast. Als du dir ein Ziel gesetzt hast, das auf den ersten Blick außer Reichweite schien. Ein Ziel, bei dem du bemerkst hast, wie sich vielleicht leise Zweifel in dein Denken schlichen, die du nie hast laut genug werden lassen, um wirklichen Einfluss auf dich zu nehmen. Viel mehr hast du das eigentliche Ziel vor Augen gehabt und fokussiert im Blick behalten. Vorher hast du dir vielleicht überlegt, wie weit dieses Ziel von deinem Momentan Standpunkt entfernt liegt?! Wie bei der Autofahrt deiner letzten Urlaubsreise hast du dir Zwischenstops überlegt, Zeit geplant und Puffer eingebaut, Essen vorbereitet und Das Auto vor Abfahrt von einem Mechaniker durchleuchten lassen. Genauso wie auf einer solchen Reise planst du deine Ziele im täglichen Leben, meist ohne es aktiv und bewusst wahrzunehmen. Als reflektierter Mensch, der die Rückmeldungen über sein Denken und Handeln aus seiner Umwelt aufnimmt, abwägt und eventuelle Schlussfolgerungen anwendet, bist du dir recht gut im Klaren darüber, wie gut der Werkzeugkasten deiner Fähigkeiten gefüllt ist: Hammer, Zange, Panzertape, WD40. Du weißt es abzuschätzen, welche Ziele für dich realistisch zu erreichen sind. Darüber hinaus kannst du ungefähr sagen, wie lange es dauern könnte, bis du das endgültige Ziel und möglicherweise auch gesetzte Zwischenziele erreichen wirst.

 

Überforderung im Job, Stress im Leben

Aus unseren Erfahrungswerten heraus müssen wir jedoch anerkennen, dass ein großer Teil unserer Bevölkerung, zumindest im westlich kulturellen Raum, NICHT in der Lage ist akkurat ihre gesetzten Ziele auf ihre Fähigkeiten abzustimmen. Wir finden, oft auch gezwungenermaßen, durch das Berufsleben oder sozioökonomischen Status bedingt, Menschen, die entweder chronisch unterfordert oder maßlos überfordert sind. Das ist an sich schon eine Tragödie, weil dieser Teil der Bevölkerung nicht nur ihr volles Potential ungenutzt lassen muss, sie bewegen sich in Bezug zu ihrer mentalen und körperlichen Gesundheit auch noch auf dünnem Eis. Den chronisch unterforderten Menschen hängt irgendwann nicht nur ihr Job aus dem Hals heraus...

“All work and no play makes Jack a dull boy!

Den konstant überforderten Menschen wird die Belastung, die notwendigerweise irgendwann ihre persönlichen Grenzen sprengt, zuviel und sie blicken auf eine Arbeitsunfähigkeitsbeschinigung von ihrem Hausarzt mit einer F43-Diagnose, einer Form von Belastungsstörung oder Anpassungsstörung.

Also grundlegend Störungen,

 

F43.0

die sich bei einem psychisch nicht manifest gestörten Menschen als Reaktion auf eine außergewöhnliche physische oder psychische Belastung entwickelt, und die im Allgemeinen innerhalb von Stunden oder Tagen abklingt. Die individuelle Vulnerabilität und die zur Verfügung stehenden Bewältigungsmechanismen (Coping-Strategien) spielen bei Auftreten und Schweregrad der akuten Belastungsreaktionen eine Rolle. Die Symptomatik zeigt typischerweise ein gemischtes und wechselndes Bild, beginnend mit einer Art von "Betäubung", mit einer gewissen Bewusstseinseinengung und eingeschränkten Aufmerksamkeit, einer Unfähigkeit, Reize zu verarbeiten und Desorientiertheit. Diesem Zustand kann ein weiteres Sichzurückziehen aus der Umweltsituation folgen [..]”

 

oder

F43.2

Zustände von subjektiver Bedrängnis und emotionaler Beeinträchtigung, die im Allgemeinen soziale Funktionen und Leistungen behindern und während des Anpassungsprozesses nach einer entscheidenden Lebensveränderung oder nach belastenden Lebensereignissen auftreten.“

 

Und da haben wir sicherlich keine Lust drauf. Viel schlimmer noch:

Es sind fast alle anderen erdenklichen psychosomatischen, bzw. somatoformen, also durch den Geist hervorgerufene körperliche Beschwerden, als Folge von chronischer mentaler Belastung, möglich. Chronische Überforderung oder Überlastung, Unterforderung oder Langeweile, bedeutet chronischer Stress bedeutet Krank werden durch Fehlangepasstheit. Wenn du die Wahl hättest, würdest du dich nicht freiwillig in deinem Job stundenlang vor dem Bildschirm langweilen. Genauso wenig würdest du dir freiwillig zu viel Arbeit für eine zu kurze Zeitspanne überhelfen. Warum du es dennoch tust oder eben nichts dagegen tust, liegt für dich vielleicht auf der Hand. Ebenso wahrscheinlich ist es, dass du beim Denken stolperst und dir damit das Leben unnötig erschwerst.

Für die, die vielleicht noch Zweifel an der wissenschaftlichen Erkenntnis haben ungesunder Stress im Berufsleben kann krank machen: Bewirb dich bei dem nächstbesten Altersheim oder einer pflegerischen Einrichtung für Alte, Kranke oder Menschen mit geistiger Behinderung und schieb ein paar Monate Schicht. Wenn dir das keinen Spaß macht, lass dich als Paketlieferant von Partnerunternehmen für bekannte Paketlieferdienstleister einstellen. Oder als Krankenschwester. Oder irgendein anderer Beruf der sozialen Mittelschicht. Purer Stress...die meisten dieser Jobs sind DER ABSOLUTE STRESS.

Ein paar Zahlen:

  • Die Arbeitsintensität im Jahre 2013 ist für 80 % der Beschäftigten weiter gestiegen; mehr als die Hälfte der Beschäftigten müssen häufig oder oft bei der Arbeit hetzen und fühlen sich nach der Arbeit sehr häufig oder oft leer und ausgebrannt (44 %). [PSYGA]
  • die Dunkelziffer von Doping am Arbeitsplatz beträgt laut DAK-Umfrage im Jahre 2014 rund 12% und Psychische Erkrankungen verursachten 14,6 Prozent des Krankenstandes [DAK]
  • Die Anzahl betrieblicher Fehltage auf Grund von Burnout ist von 2004 bis 2012 um 1400% gestiegen [BDP]
  • Nur insgesamt 9 % aller Beschäftigten werden bei der Gefährdungsbeurteilung nach Stressfaktoren wie Zeitdruck, Arbeitsintensität oder mangelndes Führungsverhalten befragt. [PSYGA]

Dem entgegenzuwirken bedeutet eine ganze Menge. 99% aller Lifestylebücher und die meisten durch Sternenkonstellationen zertifizierte Life-Coaches gehören nicht dazu. Was dazu gehört sind die Fähigkeit der Selbstreflexion, kognitive Mechanismen der Selbsteinschätzung und das Setzen realistischer Ziele. Zumindest im Berufsleben und in persönlichen Lebensbereichen, in denen wir uns mit Aktivitäten beschäftigen, in denen wir besser werden möchten und unsere Fähigkeiten erweitern wollen, können wir einiges unternehmen, im Denken und im Handeln, um uns das Leben nicht nur leichter, sondern auch weitaus gesünder zu gestalten.

Eine große Schar an Menschen, wahrscheinlich der Großteil in den soeben angesprochenen mittelschichtigen Berufen, scheinen oftmals nicht wirklich eine Wahl zu haben. Sie können, so glauben sie, sich einen Großteil ihrer persönlichen Ziele, besonders die kurzschrittigen und unmittelbaren Ziele, nicht selbst setzen, weil sie von Vorgaben dritter Personen abhängig sind. Die festgelegte Route, auf der die 230 teils sauschweren Pakete ausgeliefert werden müssen, die 23 Pflegebedürftigen, denen innerhalb von 90 Minuten Essen gereicht und IKM gewechselt werden muss oder die 18 Eilanträge, die noch vor 16Uhr deinen Tisch durchlaufen müssen. Doch gerade die Personen, die sich ihren Aufgaben hilflos ausgeliefert sehen, weil die körperliche- und/oder die psychische Belastung der Arbeit in Kombination mit schwindendem Selbstbewusstsein und steigenden Zweifeln über die eigenen Fähigkeiten, sind ganz besonders stark belastet durch ein Zuwenig von dem, worüber wir heute sprechen und können von kleinen Änderungen in ihrer Wahrnehmung und ihrem Denken profitieren.

Um zu verstehen, was ich damit meine, nehmen wir uns die optimale Situation, in der du mit einem Problem konfrontiert wirst, das du lösen möchtest. Das Problem ist, das weißt du sehr genau, mit etwas Aufwand und Konzentration lösbar. Du hast dir die nötigen Fähigkeiten im Verlauf deines Lebens angeeignet, um eine Lösung finden zu können. Ohne überhaupt angefangen zu haben konkret an der Lösung zu arbeiten, hast du abgeschätzt, ob, wie und wann du erfolgreich das Problem aus der Welt schaffen kannst.

Was das konkret bedeutet ist folgendes:

Wenn du weißt, dass du mit großer Anstrengung und deiner bestmöglichen Performance, 1,50m hoch springen kannst, dann wirst du nicht versuchen aus dem Stand über deine Kollegin zu hüpfen. Genausowenig wirst du dir die Deadline der großen Firmenpräsentation, bei der der Geschäftsführer dich durch seine Vollrahmenbrille mustert, auf morgen früh legen. Du weißt, was du kannst und was du eventuell später mal können wirst, solltest du bestimmte Wege einschlagen und bei der Verfolgung einzelner Hauptziele nicht davon abkommen.

 

Selbstwirksamkeit(serwartungen)

Diesen grundlegenden Aspekt von Selbsteinschätzung und das Abstimmen mit Aufgaben und Zielen, können wir mit dem Begriff der Selbstwirksamkeit, beschreiben.

SelbstwirksamkeitSelbstwirksamkeitSelbstwirksamkeitSelbstwirksamkeitSelbstwirksamkeitSelbstwirksamkeitSelbstwirksamkeitSelbstwirksamkeitSelbstwirksamkeitSelbstwirksamkeitSelbstwirksamkeitSelbstwirksamkeitSelbstwirksamkeitSelbstwirksamkeit

Die Selbstwirksamkeit - Wie du dich selbst, mit all deinen Fähigkeiten in Relation zu den Aufgaben, die du erledigen und den Problemen, die du lösen möchtest, siehst, ist eines der Zauberwörter in der Erzeugung von Stress auf der einen und Selbstverwirklichung auf der anderen Seite:

Umgangssprachlich sagen wir Dinge, wie: “Ich bin der Aufgabe gewachsen, das kriege ich auf jeden Fall hin.” oder “Keine Ahnung, wo ich anfangen soll, das schaffe ich nie.” Diese Prozesse der Wahrnehmung deiner Selbst müssen nicht zwangsläufig bewusst ablaufen. Meistens sogar, scheint es, sind wir uns überhaupt nicht bewusst davon, dass wir gerade eingeschätzt haben, ob wir den Schlüssel in das Schloss bekommen, das Auto starten und die 12 Kilometer durch dichten Verkehr nach Hause fahren können. Dir ist nicht aktiv bewusst, wie du, ohne groß darüber nachzudenken, 24 Stunden am Tag mentale Höchstleistungen vollbringst. Im Schlaf teils noch mehr als im Wachzustand. Du bist schon genug damit beschäftigt die dir bewusst gewordenen Gedanken zu jonglieren. Gedanken, die oft schwer sind und manchmal beflügeln, Gedanken, die damit zu tun haben etwas schaffen zu müssen oder zu wollen und Gedanken, die teils einfach so am Straßenrand sitzen und du nicht weißt, wo sie hinwollen.

Der neue in der Firma schreibt die Berichte viel schneller und besser als ich. Ich bin so unfähig!“

In zwei Wochen soll der Finanzplan stehen und ich habe keine Ahnung, wie ich die Emojis auf meinem Casio aktiviere...“

Das Prinzip der Selbstwirksamkeit, bzw. der Selbstwirksamkeitserwartung, ist ein von Albert Bandura auf Papier gebrachtes Konzept. 1977 verfasste Albert Bandura einen Artikel mit dem Namen „Self-efficacy: Toward a Unifying Theory of Behavioral Change“, auf Deutsch in etwa: „Selbstwirksamkeit: in Richtung einer vereinheitlichten Theorie über Verhaltensänderungen“, in dem er detailliert die einzelnen Bestandteile und die Funktionsweise seines Konzepts erklärt. Dabei definiert er die Selbstwirksamkeitserwartung als:

[..] Überzeugung,, dass man erfolgreich bestimmtes Verhalten anwendet, um bestimmte Ergebnisse zu produzieren. Das Ergebnis und die Selbstwirksamkeit werden differenziert betrachtet, weil man zwar glauben kann, dass ein gewisses Vorgehen bestimmte Folgen hat, unterhält man aber Zweifel, ob man dieses Vorgehen überhaupt durchführen kann, beeinflusst solch ein Gedanke das weitere Handeln nicht.“

Auf gut Deutsch kannst du zwar wissen, dass vorsichtiges Druckausüben auf die Tonmasse und beständiges Antreiben der Drehscheibe irgendwann eine hübsche Vase als Ergebnis zur Folge hat, wenn du aber weißt, dass du mit deiner Grobmotorik in 20 Sekunden nicht nur Form, sondern auch Werkstatt zerstört hast, dann wirst du offensichtlich nicht anfangen wollen zu Töpfern.

Er schreibt:

Selbstwirksamkeitserwartungen bestimmen, wie viel Anstrengung jemand unternimmt und wie lange er, trotz Hindernissen und aversiven Erfahrungen, versucht das Problem oder die Aufgabe zu lösen. Je größer die wahrgenommene Selbstwirksamkeit, desto aktiver der Aufwand.“

An diesem Punkt kannst du gerne in dich gehen und zurückblicken. Vielleicht fällt dir eine Situation ein, in der du so sehr daran gezweifelt hast ein Ziel erreichen zu können, dass du um ein Haar aufgegeben hättest, bevor du überhaupt angefangen hast. Oder du siehst vor Augen, wie du dir todesmutig etwas zugetraut hast und hinterher enttäuscht zugeben musstest, dass du mit deiner Einschätzung über dich selbst, über das Ziel hinausgeschossen bist?! Im besten Fall waren deine Ziele so gut auf deine Fähigkeiten angepasst, dass du nach einer anspruchsvollen Phase der Erledigung mit Stolz auf ein Endergebnis blicken kannst und dir sagst: „Es war anstrengend, aber ich habe es geschafft.“

 

Essenzen der Studie(n)

Es gibt einige Punkte, die wir aus den Studien und Experimenten aus der Richtung der Selbstwirksamkeit mitnehmen sollten:

  • Die Einschätzung deiner Selbstwirksamkeit, sei sie akkurat oder fehlerhaft, hat stets einen Einfluss auf die Aktivitäten, mit denen du dich auseinandersetzen wirst.

  • Dieser Punkt bedarf fast keiner weiteren Erklärung, da es auf der Hand liegt, dass ich, abhängig von wie gut ich meine Fähigkeiten in bestimmten Bereichen des Lebens einschätze, mich mit Aufgaben beschäftige, die ich als realistisch zu lösen einschätze. Auf der anderen Seite versuche ich ebenfalls zu leichte und zu schwierige Aufgaben zu vermeiden, um eine Lernkurve aufrecht zu erhalten und ich mich in meinem Können verbessere

  • Zweifel an deinen Fähigkeiten führt dazu, dass du weniger engagiert mit weitaus weniger Aufwand an Problemlösungen arbeitest und, im schlimmsten Fall, sogar das Vorhaben komplett aufgibst.

  • Dabei schließen wir an den ersten Punkt an. Probleme, deren Lösungsweg unsere Fähigkeiten übersteigen vermeiden wir, genauso wie Probleme die uns durch ihre Einfachheit langweilen. Wenn wir jedoch, objektiv gesehen, ausgestattet sind mit den nötigen Skills und wir unterschätzen uns trotzdem in unserem Können, dann stehen wir vor dem Problem der fehlerhaften Selbsteinschätzung. Diese Fehleinschätzung führt wiederum dazu, dass du bei Stöckern und Steinen in deinem Weg eher geneigt bist aufzugeben, SOLLTEST du überhaupt versucht haben eine Lösung zu finden. Und du siehst deine persönlichen Erfolge als weniger wichtig an, die dir vorgesetzten Probleme scheinen weitaus furchtienflößender und dein Stresslevel steigt stetig in die Höhe, was wiederum zu einer Minderung deiner Leistungsfähigkeit führt.

Die für dich bestmöglichen Ziele sind Anspruchsvoll, aber nicht beängstigend; Sie beanspruchen deine Fähigkeiten in vollem Umfang und überfordern, wenn überhaupt, nur für einen extrem kurzen Zeitraum. Alles in Allem wirst du spätestens hinterher, nach der Deadline, nach dem Meeting, nachdem du die Reißleine gezogen hast, wissen, was du geleistet hast. Zum Glück gibt es, in unserem täglichen Leben, oft ein wiederholtes Mal und viele Möglichkeiten zu üben, sich zu fordern und als Mensch zu wachsen. Es gibt fast immer nocheinmal eine Chance sich beweisen zu können. Je besser wir verstehen, wie die feucht schwammige Masse zwischen unseren Ohren funktioniert, desto besser können wir verstehen, wie wir ticken.

 

Die Drei Bestandteile

Deshalb sollten wir die drei Hauptbestandteile der Theorie über Selbstwirksamkeitserwartungen kennen. Für ein besseres Verständnis unserer Selbsteinschätzung mit Bezug zu unseren Zielen, können wir die folgenden Punkte im Hinterkopf behalten:

 

  1. Vicarious Experience – indirekte Erfahrung

  2. Verbal Persuasion – verbales Überzeugen

  3. Emotional Arousal – Emotionale Erregung

 

 - Vicarious Experience - 
Die indirekten Erfahrungen kommen aus der sozialen Lehrtheorie und beziehen sich auf das Phänomen, was wir besonders intensiv beim Aufwachsen unserer Kinder, beobachten können. Wenn Kinder in einem angebrachten sozialen Umfeld aufwachsen, lernen sie einen sehr großen Teil ihrer Fähigkeiten durch das Beobachten anderer Menschen. Mit einem unbändigen Interesse an allem, was neu und irgendwie anders ist, mimen Babies und Kleinkinder das bei anderen beobachtete Verhalten nach. Auch wenn du als erwachsener Mensch noch nie einen Tennisschläger in der Hand hattest, wirst du durch simples Beobachten professioneller Tennisspieler, wissen, was du ungefähr zu tun hast, würde man dich vor einen schreienden McEnroe stellen.

Wenn wir andere Leute dabei beobachten, wie sie mit ihrem Handeln bestimmte Ziele erreichen, sind wir eher dazu geneigt uns selbst davon zu überzeugen, wir könnten ebenfalls erfolgreich solche oder ähnliche Ziele erreichen. Dabei können wir Folgendes festhalten. Je ähnlicher uns die Person ist, die wir dabei beobachten, wie sie durch ihre verständliche Kommunikation und ihrem strukturierten Gedankengang die umfangreiche PowerPoint-Präsentation meistert, desto eher glauben wir daran Selbiges schaffen zu können. Umso unterschiedlicher die vortragende Person uns ist, umso eher zweifeln wir an uns, weil es doch offensichtlich erscheint, dass wir ohne einen Cum-Laude Masterabschluss einer Ivy-League Universität nicht auch so eloquent die Jahresabschlusszahlen vor der Firma vortragen können. Das Beobachten anderer Menschen bei dem Erreichen von Zielen ist also ein zweischneidiges Schwert mit einem breiten Spektrum an Auswirkungen in unserem Denken. Aus dem Großteil unserer Erfahrungen scheint jedenfalls - und so sieht es auch Bandura – eher etwas positives zu Folgen, undzwar die Überzeugung, dass, je länger man an der Sache dran bleibt, umso größer sind die Chancen es zu schaffen. Was immer es auch ist, das du erreichen möchtest. Fakt ist, je länger du versucht erfolgreich dem Ziel näher zu kommen, umso größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass du es auch schaffst. Manchmal früher, manchmal später...

 

 - Verbal Persuasion -
der zweite Pfeiler in deiner Selbstwirksamkeit ist, wenn auch oft ein nicht allzu stabiler, „Verbales Überzeugen“.

Bandura schreibt:

Menschen werden durch Rat und Anregung in die Überzeugung geführt, sie könnten erfolgreich mit Aufgaben umgehen, mit denen sie in der Vergangenheit überfordert waren.“

Durch gutes Zureden induzierte Selbstwirksamkeit ist weitaus schwächer und für negative Erfahrungen anfälliger als Selbstwirksamkeit, die durch persönlichen Erfolg als Folge des eigenen Handelns verbucht werden kann. Demnach ist das Gefühl der Stärke und Kompetenz durch das Lob von deiner Tante zwar schön, aber bei weitem nicht Standhaft genug, um negative Erfahrungen mit deinen Kompetenzen zu übertönen. Die Enttäuschung darüber das neue Ikea-Regal doch nicht alleine aufbauen zu können, wiegt schwerer als das Lob über deine hausmännischen Fähigkeiten. Beim Zusammenbau zu versagen ist nämlich nicht nur eine direkte negative Erfahrung, die wir mit unserem Handeln hervorrufen, sie ist auch sehr konkret. Du versagst dabei das Ikea-Regal aufzubauen und bei nichts anderem. Es müsste dir also schwerer fallen zu verallgemeinern und dich selbst als unfähigen Ehemann zu sehen, wo du doch sonst recht gut alles meisterst. Das Lob deiner Tante dagegen ist etwas, das dir von außen zugetragen wird. Etwas, das du nicht selbst unmittelbar durch dein Planen, Hämmern, Denken und Messen, erreicht hast. Es ist ein Lob von außen über keine konkrete Fähigkeit, sondern über ein globales Feld an Aufgaben. Hausmann sein bedeutet vieles. Es fällt hier sehr viel leichter seinen Erfolg abzuschreiben und das Lob zu diskreditieren:

Tante Ulli kennt mich gar nicht. Sie denkt ich wäre ein selbständiger Mensch, nur weil ich letztens einen Kuchen mitgebracht habe. Sie sollte mal einen Blick in meine Wohnung werfen...“

Gut zureden kann, wie wir sehen, motivieren und dabei helfen sich selbst anzutreiben und sein Vorgehen zu überdenken. Dennoch ist es eine recht schwache Quelle unserer wahrgenommenen Selbstwirksamkeit und bei weitem nicht so einflussreich wie Erfahrungen, die wir selbst machen.

 

 - Emotional Arousal -
Als dritten und letzten Teil führt Bandura emotionale Erregung an und geht damit auf physiologische Rückmeldungen unseres Körpers ein. Wie wir die Signale unseres Körpers, besonders in stressvollen Situationen, interpretieren, ist ausschlaggebend für die Einschätzung unserer Selbstwirksamkeit. Generell können wir sagen, dass starke emotionale Erregung unsere Performance verschlechtert. Wenn du in kaltschweiß gebadet ängstlich im Vorstellungsgespräch sitzt, wirst du nicht die kognitive Leistung erbringen, die bei moderater und gesunder Anspannung und einer guten Selbstsicherheit vorhanden ist. Noch viel schlimmer ist die Tatsache, dass deine Interpretation der Signale deines Körpers, wie z.B. Herzklopfen, Schweiß auf der Stirn, zittrige Hände, gestörte Feinmotorik etc., wiederum dazu führen, dass du dich weiter in die negativen Gedanken vertiefst, die anfänglich dafür verantwortlich waren, dass du überhaupt erst schwitzige Händ beekommen hast. Dieser Modus des Denkens verstärkt sich selbst und führt zu einem völligen Standby deines Frontallapens. Somit ist dein Belohnungssystem, deine Aufmerksamkeit, dein Kurzzeitgedächtnis, deine Fähigkeit zu Planen und deine Motivation gestört. Alles was dir bleibt ist entweder zu fliehen oder zu kämpfen.

Im klinischen Bereich, zum Beispiel bei Phobikern, gibt es verschiedenste Ansätze mit dem Wissen um Selbstwirksamkeitserwartungen zu arbeiten. Dort werden üblicherweise therapeutisch begleitete Hilfestellungen gegeben, um mit den Patienten eine Verbesserung in den von ihrer Phobie belasteten Lebensbereichen zu ermöglichen. Die anfänglich sehr intensiven Hilfestellungen und die kontinierliche Begleitung wird mit dem Verlauf der Behandlung und den steigenden Fähigkeiten des Patienten, verringert. Die Hilfe von außen wird soweit minimiert, dass der Patient durch den selbständigen Umgang mit schwierigen Situationen oder dem Lösen von Problemen, ein wachsendes Gefühl der Selbstwirksamkeit entwickelt. Das soll ihm dabei helfen sich selbst in seinem Können realistisch einzuschätzen, für ihn passende Probleme zu definieren und der Phobie Einhalt zu gebieten. Desweiteren ist bei solchen Behandlungen durchweg zu beobachten, dass sich der neu entwickelte Sinn für „was kann ich?!“ auch auf andere Bereiche des Lebens überträgt. Allein die Tatsache ein Problem angegangen zu sein und erfolgreich gelöst zu haben, ist in sich selbst eine Bestätigung der eigenen Fähigkeiten.

 

In Therapie

Ein Agoraphobiker, also eine Mensch der Todesängste entwickelt, wenn er sich, in überwiegend sozialen Situationen, gefangen sieht, weil er befüchtet keinen Ausweg zu finden, wird sich nach einem erfolgreichen Besuch des lokalen Marktplatzes auch in anderen Bereichen seines Lebens mehr zutrauen können. Auf einmal scheinen die drei Stationen mit der U-Bahn gar nicht mehr so schlimm oder der Restaurantbesuch mit der Freundin ist nach Jahren mal wieder eine realistische Wochenendaktivität.

Ein weiteres gutes Beispiel ist der Fokus auf Selbstwirksamkeit bei Suchtkrankheiten, wie z.B. Heroin-Abhängigkeit, Nikotinabhängigkeit oder Alkoholismus. Menschen mit einem hohen Grad an wahrgenommener Selbstwirksamkeit stecken grundlegend mehr Ausdauer und Kraft in das Meistern für sie gefährlicher Situationen. Situationen, in denen Sie stark bleiben müssen, um ihren inneren Dämonen zu widerstehen. Jeder kleinste Erfolg dabei führt wiederum dazu auch in anderen Situationen in seinem Vorhaben gestärkt zu werden. Ein ehemals nikotinabhängiger Mensch wird, wenn er erfolgreich bei einem Treffen mit alten Kollegen eine Zigarette ablehnt, beim nächsten mal, wenn er sich mit Rauchern verabredet, noch weniger Probleme haben nicht zu rauchen. Das führt soweit, dass er in Kürze nicht einmal mehr wehleidig daran denken wird rauchen zu wollen. Sollte es doch dazu kommen, dass, durch welche Umstände auch immer, sie rückfällig werden, fällt es Menschen mit hoher Selbstwirksamkeit sehr viel leichter trotzdem an ihrem Gesamtvorhaben der Abstinenz festzuhalten. Dabei wird der temporäre Rückfall zwar als Fehler akzeptiert, er hindert aber nicht daran das große endgültige Ziel im Fokus zu behalten.

Im Gegensatz dazu führt ein einziger Rückfall bei Menschen mit geringer Selbstwirksamkeit oft dazu, dass der innere Schutzwall fast komplett abgerissen wird. Menschen mit geringer Selbstwirksamkeit, die in bestimmten Momenten schwach, und somit rückfällig, werden, sind eher geneigt ihr Vorhaben des nicht-rauchens oder des nicht-konsumierens aufzugeben, bzw. weitaus weniger Anstrengungen zu unternehmen, um abstinent zu bleiben.

 

Eine Studie hierzu kommt von Condiotte und Lichtenstein, aus dem Jahre 1981

Self-efficacy and relapse in smoking cessation programs

 

Ich möchte hierbei nicht suggerieren, wir sollten uns alle therapieren lassen. Heutzutage sind Termine beim Therapeuten eh seltener als der Eimer Gold am Ende vom Regenbogen. Vielmehr ist mein Anliegen zu verdeutlichen, dass, wie so oft, wir mit unserem Denken weitaus mehr beeinflussen können, als wir vermuten. Die Fähigkeit unser Inneres zu gestalten und Einfluss zu nehmen auf unsere Wahrnehmung, gibt uns die Kraft selbst für unser Denken verantwortlich sein zu dürfen. Vielleicht hilft es dem Ein oder Anderen in den nächsten Stunden, Tagen oder Wochen besser reflektieren zu können und zu verstehen, wie anhand unserer bewussten und unbewussten Selbsteinschätzung Ziele definiert werden.

Wenn es dir ähnlich geht, wie mir, und du verinnerlichst, was Selbstwirksamkeit im Allgemeinen und im speziellen für dich selbst, bedeutet, kannst du ein riesiges Potential daraus schöpfen.

 

LifeProTips

Du weißt:

  • je länger du es versuchst, desto größer die Chance es zu schaffen.

  • Je öfter du andere Menschen beim Erreichen ähnlicher Ziele beobachtest, desto stärker wird dein Gefühl der Selbstwirksamkeit.

  • Je mehr dir zugesprochen wird, so selbstsicherer wirst du.

Merke dir auch:

  • beim ersten Anlauf zu scheitern ist kein Übel, danach aufzugeben ist die eigentliche Katastrophe.

  • Negative Rückmeldungen von dir und von Anderen werden am besten verwertet, wenn du damit deine Strategien und Lösungswege überdenkst und anpasst.

  • die Aufregung deines Körpers (Schwitzen, Blackout, Herzrasen…) ist in sich selbst kein valider Grund für noch mehr Aufregung.

 

Quellen:

  • Bandura, A. (1977). Self-efficacy: Toward a unifying theory of behavioral change. Psychological Review, 84(2), 191-215. http://dx.doi.org/10.1037/0033-295X.84.2.191
  • Bandura, A. (1982). Self-efficacy mechanism in human agency. American Psychologist, 37(2), 122-147. http://dx.doi.org/10.1037/0003-066X.37.2.122
  • Bandura, A., & Walters, R.H. (1963). Social learning and personality development. Holt Rinehart and Winston: New York.
  • Bandura, Albert, and Edwin A. Locke. "Negative self-efficacy and goal effects revisited." Journal of applied psychology 88.1 (2003): 87.

 

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Stress ist in der Wahrnehmung – no-stress intermission

Stress und Wahrnehmung

Stress ist in der Wahrnehmung und im Grunde weniger kompliziert als oft suggeriert wird.

Gänzlich unverstanden ist Stress in der allgemeinen Bevölkerung nicht. Jeder hat eine Vorstellung davon, was für Sie oder Ihn Stress bedeutet. Spätestens, wenn wir uns in einer stressigen Situation wiederfinden, wissen wir um unseren Zustand. 

Unser Grundverständnis von Stress spiegelt im täglichen Leben oft "nur" die Instanzen konkreter stressiger Vorkommnisse wieder. Das bedeutet, dass wir nach einem anstrengenden und stressigen Tag unseren ausgelauchten müden Zustand den konkreten Ereignissen dieses Tages zuschreiben. Es liegt auf der Hand die Menschen und Situationen für unseren leeren Tank verantwortlich zu machen, die uns den ganzen Tag lang auf hochtouren fahren ließen.

Neben einer allgemeinen positiven Weltanschauung (viel schwerer getan als geschrieben) ist ein gewisses Verständnis der teilhabenden mitschuldigen Stressoren wichtig.

Ein Stressor ist eine Person, eine Situation, ein Zustand etc., welcher in uns eine Stressreaktion auslöst. Demnach hat jeder Mensch seine ganz individuellen Stressoren. Außerdem ändern sich, bedingt durch unsere sich stets anpassenden körperlichen Mechanismen, Stressoren im Laufe der Zeit. 

Die Kombination einer Stressreaktion, ausgelöst durch einen Stressor, bezeichnet man im Ganzen als Stress.

Stressor + Stressreaktion = Stress

Ohne weiter auf die theoretischen Feinheiten von Stressoren, wie z.B. die Unterscheidung zwischen internen und externen Stressoren, einzugehen, sollten Sie offen für die Wahrnehmung von Stressoren im Allgemeinen sein. Sie können sich die Möglichkeit eröffnen den Grund ihrer momentanen Stresswahrnehmung zu erkunden, indem Sie sich zuerst die Frage stellen: "Nehme ich in mir gerade Stress wahr?". 

Falls dem so sein sollte, lokalisieren Sie den möglichen Stressor und versuchen Sie ihn zu verstehen. Schauen Sie sich ihn genau an, hören Sie genau hin, fühlen Sie extra scharfsinnig. Danach entledigen Sie sich von dem Stressor oder versuchen sich einen stressfreien Kontext für sich selbst zu schaffen. Das kann bedeuten den Raum, in dem Kolleginnen und Kollegen auf hoher Lautstärke diskutieren, zu verlassen; die unrealistische Deadline direkt, aber höflich, mit dem Chef zu besprechen oder die Betreuung der schreienden Kinder kurzzeitig an den Mann oder den Babysitter abzugeben.

Ein voller Kopf muss ab und an geleert werden. Dafür darf man sich die Zeit nehmen und abschalten.

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Stress im Wechsel mit Erholung – No-Stress Jam #2

Sich Treu Bleiben

Chronischer Stress bringt eine Gefahr mit sich. Wir sind zu gestresst, um uns daran zu erinnern unseren Stress zu verarbeiten.

Am Ende eines anstrengenden Tages oder nach einer anstrengenden Tätigkeit, müssen wir bewusst an die Regeneration unserer Ressourcen denken: Erholung.

Vergessen wir solche eine Erholungspause im Laufe des Tages einzubauen oder schieben sie solange vor uns her, dass sie an Dringlichkeit verliert, laufen wir Gefahr unsere Leistungsfähigkeit zu senken und auf Dauer unserer Gesundheit zu schaden.

Den meisten Menschen unter uns fällt ein andauernd erhöhter Stresspegel erst auf, wenn sich negative Konsequenzen durch die Stresseinwirkungen an und in uns chronifiziert haben. Unsere psychophysiologische Einheit ist dann bereits so lange unter Volllast gefahren worden, dass fortwährende Schädigungen nicht mehr abzuweisen sind. Maximal eine Eindämmung der Schadensintensität und dessen Umfang kann dann, unter der tristen Bezeichnung der Rehabilitation, verfolgt werden. So weit soll es nicht erst kommen.

Um unnötigen und besonders langanhaltenden Stress zu vermeiden, ist ein einziger Gedanke hilfreich. Die bewusste Wahrnehmung, ob und wie sehr ich gestresst bin sollte regelmäßig in unser Denken gerufen werden. Ein kleiner Moment der Reflexion, der uns nach innen blicken lässt, um die Situation zu analysieren. Ein Kontrollgang durch den Maschinenraum, um zu sehen, wie hart die Maschinen laufen.

Am Ende kann es sonst dazu kommen, dass ein scheinbar ruhiges Dasein blind in ein Chaos von Stress und gefühlter Überforderung gefahren wird. Ende müssen nicht immer schön sein.

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3 Wege Durch Einen Effektiven Tag

3 Wege durch einen effektiven Tag

3 Wege Durch Einen Effektiven Tag

Mit Apps Als Hilfe

1. Weniger Blaulicht durch Monitore am Abend

Wir alle legen viel Wert auf erholsamen Schlaf jede Nacht. Nichts widerstrebt uns so sehr wie ein unerholtes Aufwachen, geplagt von einem geschwollenen Gesicht und weichen Knien. Gleichermaßen viel Wert legen wir jedoch auch auf konstante Erreichbarkeit, einen besseren Highscore in FarmVille und auf die neuesten lokalpolitischen Ereignisse.
 
Viel Zeit vor dem Monitor bedeutet viel helles Licht vor dem Gesicht. Stundenlanges Lesen im Bett kann damit von einer entspannenden und erholsamen Unternehmung zu einem aufputschenden Erlebnis werden. Schränkt man die Emission von blauem Licht ein, so minimiert sich der weckende Effekt auf das eigene Gemüt enorm.
 
Bis ca. 3h vor dem Schlafengehen sollte man die Helligkeit, sowie den blauen Anteil des ausgehenden Lichts seiner Geräte verringern. Mit dafür entwickelten App lässt sich im Handumdrehen eistellen, wann und wie sich das Display in Sachen Helligkeit und Lichtspektrum verändern soll.
 
Das bekannteste solcher Programme für Mac und PC, sowie iOS und Android, ist f.lux.
Andere Alternativen für Android und iOS sind folgende.
 
Beste Apps für weniger Blaulicht (Android):
 
 
 
Beste Apps für weniger Blaulicht (iOS):
 
  • CF.lumen
  • (ab iOS 9 nativ eingebettet in den Einstellungen)
 
Smartphone, Tablet und Computer können somit auch zu später Abendstunde benutzt werden. Trotz später Exceltabellen wird der Körper nicht daran gehindert Melatonin auszuschütten. Einige der verfügbaren Apps richten den Tag/Nacht-Wandel nach den örtlichen Sonnenauf- und Untergängen der Benutzer.
 
Körper und Geist werden dadurch auf einen natürlichen Schlaf- und Wachzyklus, abhängig von dem tatsächlich verfügbaren natürlichen Licht, getrimmt. Der negativer Einfluss auf die
Cirkadiane Rhythmik, in Form von "tired but not sleepy", wird damit minimiert.
 
Weitere Quellen zu Schlafstörungen, Lichttherapie, Schlafhygiene und Melatonin gibt es auf Circadiansleepdisorders.org (auf Englisch).
 
 

2. Powernaps in Pausen

Kurzzeitige Schlafintervalle nach körperlich und/oder geistig anstrengenden Arbeitsphasen
regenerieren den Energiespeicher genug, um vergleichsweise lange danach weiter schuften zu können.
Von individuellen Faktoren abhängig, muss jeder für sich selbst bestimmen, welche Erholungsdauer am besten geeignet ist für die jeweiligen Umstände.
 
Für mich persönlich gilt grob: 10 - 15 Minuten. Nicht länger als 20. Nicht weniger als 5. Wer, anders als ich, länger zum Einschlafen braucht als 12 Sekunden, sollte mehr Zeit dafür einplanen.
Besonders hilfreich dabei, verkünden einige Quellen, sind angeblich entspannende Hintergrundrauschen.
 
Beste Apps für weißes Rauschen (Android):
 
 
Beste Apps für weißes Rauschen für (iOS):
 
 
Weisses Rauschen kaschiert gut Umgebungsgeräusche und führt zu einem subjektiv geringeren störhaften Geräuschpegel. Darüberhinaus sind 432hz Meditationsklänge relativ erfolgreich im Bereich der entspannenden Klänge:
 
 
Über die Validität und Effizienz von musikalischer Bereicherung in einer Stimmung von A=432Hz, anstelle von A=440Hz, ist sich auch die Wissenschaft noch nicht hundertprozentig einig. Für einen guten Einblick in die gröbsten Aspekte bietet sich viel Basisliteratur (englischsprachiges Beispiel).
 
Ein simpler Timer reicht vollkommen aus, um pünktlich wieder zu erwachen. Abhängig von persönlichen Schlafphasen unterscheiden sich die zeitlichen Einstiege in die unterschiedlichen Phasen.
Infografik (Englisch)
 

 

3. Arbeitszeit effektiv einteilen mit Pomodoro

Wichtig bei der Erledigung von geistig anstrengender Arbeit ist die Zeitplanung. Jeder Mensch, ob chronisch überlastet oder generell entspannt, braucht Erholungspausen. Um dem Chaos im Denkenausreichend Möglichkeit zu geben sich zu sortieren, sollten regelmäßig Pausen gemacht und die Art der Arbeitsweise gewechselt werden.
 
Anfängliche hochfokusierte Phasen der Aufmerksamkeit dauern unterschiedlich lang an. Interne, sowie äußere, Faktoren spielen eine große Rolle dabei, wer wann und wie lange seine Aufmerksamkeit behält oder verliert. Es wurde unter Anderem bereits gezeigt, dass die Kapazität des Arbeitsgedächtnisses einen Einfluss auf den Verlust von Aufmerksamkeit hat. In der Regel kann man von einer natürlichen Tendenz zu 45 minütigen Aufmerksamkeitsspannen, kombiniert mit kurzen Erholungspausen, sprechen.
 
Ein Energieeinbruch nach der Mittagspause hat unter Anderem mit den Hungerhormonen Leptin und Ghrelin zu tun. Vor einer Mahlzeit, wenn das Hungergefühl einsetzt, steigt der Ghrelinspiegel an, während das Level an Leptin
abnimmt. Nach erfolgreicher Nahrungszufuhr steigt der Leptinspiegel wieder an und der Ghrelinspiegel nimmt ab.
 
Zusätzlich zu den Hungerhormonen ist der Energieaufwand für den Prozess der Verdauung, der Zuckerspiegel und andere Neurotransmitter (z.B. Serotonin) dafür verantwortlich, wie Müde wir nach einer Mahlzeit werden.
 
Intervalle von 30-40 minütiger Arbeitsphase, gefolgt von 10-15 minuten Pause, haben sich als effektive und natürliche Arbeitsrhythmen herausgestellt. Nach dem Pomodoro-Technik sollte nach vier durchgängen eine längere Pausenzeit eingelegt werden. In der längeren Pause würde es sich anbieten ein Powernap einzuplanen.
 
Beste Apps für Pomodoro Zeitmanagement (Android):

 

Beste Apps für Pomodoro Zeitmanagement (iOS)

 

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Kraftstoff Für Den Geist – 5 Alltägliche Dinge Helfen Beim Denken

5 Tips helfen Denken

Um deinem Denkapparat auf die Sprünge zu helfen, Ermüdung vorzubeugen und das extra bisschen Leistung aus deinem Hirn zu saugen, folge diesen Tips:

1. Trinke 2 Gläser Wasser unmittelbar nach dem Aufwachen

Nach einer erholsamen Runde Schlaf, bei der dein Körper ca. 8 Stunden lang ohne die Zufuhr von Flüssigkeit auskommen muss, kannst du ihm als erstes Wasser gönnen. Wasser wird im Körper benötigt um Abfallstoffe zu filtern und den Flüssigkeitshaushalt auszubalancieren. Die besagten 2 Gläser Wasser am Morgen sollten einem Flüssigkeitsdefizit entgegenwirken. Abhängig davon, wie viel du nachts schwitzt, darf es ruhig auch etwas mehr sein. Studien haben bereits mehrfach aufgezeigt, wie wichtig eine ausreichende Wasserzufuhr für kognitive Anstrengungen ist [1] [2].

2. Höre stimulierende Hörbücher und Podcasts

Beim Joggen, auf dem Weg zur Arbeit, beim Sport oder bei einem erholsamen Bad. Ein Hörbuch zu einem interessanten Thema, ein Interview mit einem Wissenschaftler oder eine Kurzgeschichte zur politischen Entwicklung in Kuala Lumpur passt oft zeitlich gut in eine Pause.

Ressourcen zu kostenlosen und frei verfügbaren Audiobooks gibt es viele. Die meistgenannten Anlaufstellen sind zum Beispiel:

  1. TED-Talks
  2. Loyalbooks
  3. LibriVox
  4. archive.org

3. Trinke grünen Tee während der Arbeit

Koffein im Überschuss macht viele Menschen nervös, verwirrt und im schlimmsten Fall zittrig mit Herzrasen. Da es sich mit Koffein leicht übertreiben lässt und die nächste Kanne bereits in der Gemeinschaftsküche brodelt, sollte ab und zu eine Alternative in Erwägung gezogen werden. Dazu eignet sich besonders gut grüner Tee.

Grüner Tee enthält Theanin [3]. Diese Aminosäure erhöht die Alphawellen im Gehirn. Während grüner Tee ein fokusiertes Arbeiten unterstützt, macht er nicht gleichzeitig so nervös und angespannt wie Kaffee.

4. Vermeide Zucker

Zucker sollte in absolut jeder Lebenslage vermieden werden. Es gibt kaum eine Situation, in der die Zufuhr von Zucker absolut nötig ist. Generell enthalten viele Nahrungsmittel von Hause aus eine große Menge Zucker. Besonders in Zeiten mentaler Anstrengung und fokusiertem Arbeiten sollte Zucker in reinform, sowie in Energy-Drinks oder Süßigkeiten unangetastet bleiben.

Es stimmt, dass Zucker für eine sehr kurze Zeit dem Körper Energie bereitstellt. Für wenige Minuten arbeitet er also effizienter und ist Leistungsfähiger. Die Kosten für diesen kurzzeitigen Energieschub ist ein darauffolgender Einbruch aller Energieressourcen. Nach einem "sugarhigh" muss eine vielfach erhöhte Menge Zucker erneut zugefügt werden, um eine ähnlichen Energieschub zu erfahren. Anstelle von minderwertiger Energie, welche später vom Körper sowieso nur in unbeliebtes Körperfett umgewandelt wird, sollten Alternativen wie Eier, Bananen (wobei auch diese viel Fruktose enthalten), Nüsse, Fisch etc. ausprobiert werden.

5. Sportliche Betätigung

Körper und Geist gehen noch vor unserer Geburt eine Symbiose ein. Wenn unser Körper nicht ernährt und gepflegt wird, bricht auch das Denken ein. Neben einer gesunden Ernährung, bzw. die Abstinenz von schlechter Ernährung, ist sportliche Ertüchtigung das Beste, was wir für unsere Überlebensmaschinerie tun können.

Ohne direkt an Marathons oder Dreikämpfe zu denken, lässt sich sportliche Aktivität extrem leicht in die tägliche Routine integrieren. Es muss nicht einmal zwingend eine Mitgliedschaft bei einem Fitnessstudio oder einem Kampfsportverein sein. Ebenso gut kann im eigenen Garten, im Park um die Ecke oder auf dem Abenteuerspielplatz für Kiddies trainiert werden. Wer noch nie auch nur einen Sportschuh anprobiert hat, fängt klein an. Die wichtigsten Richtlinien variieren enorm, sofern man sich die Mühe macht und etwas Zeit in die Recherche steckt.

Grundlegend ist dennoch die angesprochene (gute) Ernährung, ein adäquater Trainingsplan (Zugeschnitten auf persönliche Bedürfnisse), ein eiserner Wille und die routinemäßige Durchführung. Was anfänglich als Zwang wahrgenommen und nur mit bestialischer Überwindungskraft zu meistern ist, fühlt sich nach einigen Wochen bereits an wie naturgegeben. Sport ist besser als Crack und macht mindestens genauso abhängig.


[1] - http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0195666309005029
[2] - http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0195666309006394
[3] - https://de.wikipedia.org/wiki/Theanin

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Der Letze Job

Utopie

Der Letzte Job

In Die Utopie

An dem Tag, an dem auch die letzte berufliche Anstellung obsolet wird, ist der Tag über dessen Eintreten viel debattiert wird. Verherrlichte Szenarien über eine Utopie der Dominanz von Maschinen führen in zwei grundsätzlich verschiedene Richtungen. Einerseits malen wir uns aus physisches Schweißtreiben zu minimieren, während wir den Konsum von Caipirinhas am sonnengeküssten Ozeanhorizont maximieren. Auf der anderen Seite fürchten wir um unsere geistige und, mehr noch, unsere körperliche Existenz.


The Last Job on Earth - The Guardian from Moth on Vimeo.

Folgen wir zum Beispiel einige der bedeutendsten Denker unserer Zeit im Bereich technologischen Fortschritts (Musk, Wozniak oder Gates), so wird schnell klar, dass künstliche Intelligenz jeden Moment vor der Abkapselung von der Abhängigkeit zur menschlichen Existenz steht. Andererseits ist es doch ganz angenehm seine Kaffeemaschine programmieren zu können. 2014 hat angeblich zum ersten Mal in unserer Computergeschichte ein Programm den Turing Test bestanden, wobei:

The 65-year-old Turing Test is successfully passed if a computer is mistaken for a human more than 30% of the time during a series of five-minute keyboard conversations.

-

“Der 65 Jahre alte Turing Test erfolgreich bestanden ist, wenn ein Computer öfter als 30% der Zeit in fünfminütigen Chatgesprächen von Anderen als echter Mensch wahrgenommen wird.”

Unter guten Umständen bleibt uns durch die massive Abgabe von menschlicher Arbeit an Maschinen mehr Zeit für Freizeit und Hobbies. Mit frei zugänglichen Hörbüchern können wir uns Bilden und Denkanstöße finden. Wir können die Komplexität von städtischen Transportsystemen, welche momentan oft unser Denken überschreiten, vereinfachen und Fahrpläne endlich für Jeden verständlich machen. Wir können mobile Kommunikationsgeräte entwickeln, die nicht unsere Nachfahren kochen.

Späte Einsicht ist immer perfekt und akkurat, wenn das Welthungerproblem gelöst ist, werden trotzdem einige Hände vor Gesichter geschlagen.

 

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Sozialer Status – Wer spendet mehr

Ehrenamtlich - andere Länder

Sozialer Status und Spenden

Wer mehr hat kann mehr geben, oder behält es lieber

 

Sie, liebe Leserschaft, entscheiden vorerst selbst. A oder B?

A: Reiche Menschen in guten sozialen Verhältnissen spenden verhältnismäßig mehr Geld, Zeit und Energie an gemeinnützige Zwecke als Menschen in schlechteren sozialen Verhältnissen.

B: Ärmere Menschen in schlechteren sozialen Verhältnissen spenden verhältnismäßig mehr Geld, Zeit und Energie an gemeinnützige Zwecke als Menschen in besseren sozialen Verhältnissen.

Wenn Sie beide Alternativen für denkbar halten, dann lassen Sie mich ein paar Gründe anführen, die Ihre Entscheidung noch weiter verunsichern wird:

Begründungen für A:

  • Höherer sozialer Status geht einher mit finanzieller Unabhängigkeit und damit auch mit der Möglichkeit sein Geld in verschiedenste Angelegenheiten zu investieren ohne Verlust zu befürchten.
  • Mehr Ressourcen zur Verfügung zu haben geht einher mit geringerer Existenzangst. Menschen mit mehr Geld und Zeit fürchten weniger um ihr Dasein und sind im Allgemeinen ausgeglichener.
  • Höherer sozialer Status erweckt Aufmerksamkeit von anderen sozial niedrigeren Schichten. Das eigene Ansehen kann mit dem Einsatz von Geld manipuliert werden (nicht-altruistisch).
  • Sozial höherer Status wird erreicht von sozial kompetenten Menschen, die gut Netzwerken und mit prosozialem Verhalten zwischenmenschliche Bindungen sichern. Sie spenden aus selbstlosen Gründen (altruistisch).

Begründungen für B:

  • Sozial niedrig gestellte Menschen sind stärker auf den sozialen Zusammenhalt in ihrer Umgebung angewiesen, spenden daher mehr von ihren Ressourcen an andere.
  • Schlechtere soziale Verhältnisse bedeuten stressvollere Lebensumstände und höhere Anfälligkeit für gefährliche Umwelteinflüsse. Die Abhängigkeit von anderen wird als Grund erlebt, um sich mehr für andere eizusetzen.
  • Fehlende ökonomische Unabhängigkeit verleitet zu prosozialem Verhalten „andere können mit besser helfen als ich mir selbst helfen kann“.
  • Wer wenig hat, weiß wie wichtig teilen ist. Teilen, in sozial niedrigen Schichten, lässt den Faktor der Zufriedenheit in den Vordergrund rücken. Zusammenhalt stärkt die Psyche und macht glücklich.

Klingt plausibel? Ist es auch. Sogar die Wissenschaft weiß sich nicht mehr so genau zu helfen und findet für beide Möglichkeiten „Beweise“. Für jeden dieser Gründe gibt es bereits Studien aus wissenschaftlichen Bereichen, welche die Gründe belegen, dass Menschen tatsächlich prosoziales Verhalten an den Tag legen, weil sie (A) entweder sozial besser gestellt sind oder weil sie (B) sozial benachteiligt sind.

Wie sollen wir nun, als nicht-akademische Außenseiter, entscheiden, ob wir reich werden sollen oder nicht? Woher können wir die Sicherheit nehmen mehr spenden zu wollen, wenn wir nicht einmal wissen, ob wir unser angehäuftes Geld nicht lieber behalten wollen würden?  Benzin ist teuer. Der Lexus darf nicht aufhören uns zu fahren. Noch schlimmer, er fährt sich nicht von selbst.

Zu unserer Rettung haben sich drei Herren auf die Suche nach der absoluten Antwort begeben (Universität Leipzig - Martin Krondörfer und Johannes Gutenberg Universität in Mainz - Boris Egloff und Stefan Schmukle). Ihre Ergebnisse werden besonders die B-Wähler unter uns überraschen.

Mit Hilfe von 8 gut durchdachten und statistisch exzellent ausgewerteten Experimenten haben sie eine relativ starke Kongruenz in Ihren Antworten gefunden.

Menschen in sozial besseren Verhältnissen verhalten sich prosozialer als Menschen in schlechteren sozialen Verhältnissen. Bessergestellte spenden mehr Geld, spenden mehr Zeit und setzen mehr Energie in freiwillige Arbeit ein als schlechter gestellte.

Hier die einzelnen Ergebnisse der acht Studien in Form von Darstellungen. Sie dürfen Ihr Leseverständnis nun auf Minimum herunterfahren und sich auf die Bildchen und den Kaffeepot vor Ihnen konzentrieren. Die horizontale Achse stellt die sozialen Klassen dar. Von -3 (sozial niedrigste Schicht = arm) bis 3 (sozial höchste Schicht = reich). Die vertikale Achse stellt prozentual das untersuchte Verhalten der jeweiligen Gruppen dar.

Studie 1 – Spendenverhalten in Deutschland

Je besser die sozialen Umstände, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass Menschen spenden (in Deutschland).
Spenden in Deutschland

Je besser die sozialen Umstände, desto mehr und öfter wird gespendet.  Beachte: Betrachtet man nur die Haushalte, die spenden, fällt eine U-förmige Kurve auf
Spendenverhalten Deutschland

Studie 2 – Spendenverhalten in den USA

Auch in den USA gilt: je besser die sozialen Umstände, desto öfter wird gespendet:
Spendenverhalten USA

Anders sieht es jedoch aus bei den Beträgen der Spenden:
Spendenverhalten USA

Studie 3 – Subjektive Einschätzung sozialer Klasse

Menschen schätzen ihren objektiven sozialen Status subjektiv ein. Der Unterschied zwischen Selbsteinschätzung (gestrichelte Linie) und objektiven Faktoren (durchgezogene Linie) in der Wahrscheinlichkeit zu spenden:
Subjektive Einschätzung

Gleiches für die Häufigkeit der Spenden:
Subjektive Einschätzung

 

Studie 4 – Freiwillige/ehrenamtliche Arbeit (Deutschland)

Je höher der soziale Status, desto wahrscheinlicher wird geholfen:Ehrenamtlich

Auch bei der Häufigkeit freiwilliger Hilfsarbeit gilt das gleiche:
Ehrenamtlich

Studie 5 – Freiwillige/ehrenamtliche Arbeit (USA)

Leicht gekurvt, dennoch gleiche Tendenz. Je besser der soziale Status, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass freiwillig geholfen wird:
Ehrenamtlich USA

Zwischen dem objektiv feststellbarem sozialen Status und dem subjektiv eingeschätzten Status gibt es hinsichtlich der Frage „Wie wahrscheinlich wird geholfen?“ nur geringe Unterschiede:
Ehrenamtlich USA

Studie 6 – Freiwillige/ehrenamtliche Arbeit (30 andere Länder)

Wir sehen, auch in anderen Ländern dieser Welt gilt der gleiche Trend:

Ehrenamtlich - andere Länder

Studie 7 – Hilfeleistung im Alltag (Befragung)

Mit einer starken Zunahme im sozial schlechter gestellten Bereich, sieht man eine Stagnation im Anstieg des Hilfeverhaltens bei sozial besser gestellten Menschen:alltägliche Hilfe

 

Studie 8 – Hilfeleistung im Alltag (Spiel-Theorie)

Mit Hilfe eines Ressourcenspiels (Spieler erhalten imaginäre Ressourcen und haben die Wahl diese aufzuteilen oder zu behalten) wurde ein gleichwertiges Ergebnis erzielt. Je höher der soziale Status, desto wahrscheinlicher werden Ressourcen verteilt:
Alltägliche Hilfe

 

Korndörfer, Egloff und Schmuckle (2015) haben mit ihren acht Untersuchungen einheitliche Ergebnisse erzielen können:

Wer mehr hat, gibt mehr ab.


Korndörfer M, Egloff B, Schmukle SC
(2015) A Large Scale Test of the Effect of Social
Class on Prosocial Behavior. PLoS ONE 10(7):
e0133193. doi:10.1371/journal.pone.0133193

Editor: MariaPaz Espinosa, University of the Basque
Country, SPAIN
Received: November 5, 2014
Accepted: June 23, 2015
Published: July 20, 2015
Copyright: © 2015 Korndörfer et al. This is an open
access article distributed under the terms of the
Creative Commons Attribution License, which permits
unrestricted use, distribution, and reproduction in any
medium, provided the original author and source are
credited.

Data Availability Statement: All data necessary to
replicate the findings for studies 2, 3, 5, 6 and 7 are
available as Supporting Information. Data from
studies 1, 4 and 8 are available from the German
SOEP project due to third party restrictions (for
requests, please contact soepmail@diw.de).
Moreover, we provide the syntax we used for all our
statistical analyses as Supporting Information.
Funding: The authors acknowledge support from the
German Research Foundation (DFG) and the
University of Leipzig within the program of Open
Access Publishing.


 

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Wie entsteht Arbeitslosigkeit

Arbeitslosigkeit - kopfvoll

Wie entsteht Arbeitslosigkeit?

Selbstzerstörung der Arbeit

 

Erst die Zahlen

Nehmen wir uns die aktuellsten Statistiken der Bundesagentur für Arbeit zur Hand und verinnerlichen für einen Moment, worüber wir überhaupt reden werden.

Wir erkennen, für den August dieses Jahres 2015, die Anzahl arbeitsloser-, unterbeschäftigter- und beschäftigter Arbeitslosigkeit - BAMenschen. Zusätzlich vermeldet ist die momentan verfügbare Anzahl an offenen Stellen. 2,8 Millionen Menschen haben demnach keinerlei Anstellung, wohingegen 30,7 Millionen Menschen eine Voll- oder Teilzeitbeschäftigung genießen dürfen. Über eine halbe Million Menschen hatten das Glück von Juni 2014 zu Juni 2015 an Arbeit zu kommen. Ein beachtenswerter Anstieg.

Weniger intensiv, aber dennoch nicht von der Hand zu weisen ist die leichte Zunahme von 23.000 zusätzlichen Menschen ohne Beschäftigung, im Vergleich zum Vormonat Juli (2015). Vor einem Jahr waren das noch 106.000 mehr.

Betrachtet man nicht nur die Arbeitsmarktentwicklung innerhalb eines Jahres, sondern zeichnet sie ab auf die Entwicklungen der vorergehenden Jahre, so entsteht folgendes Bild:

Verlauf der Arbeitslosigkeit

Seit 2005 beobachten wir, mit Ausnahme von 2008 (7,8%) zu 2009 (8,1%), einen kontinuierlichen Rückgang in den Zahlen arbeitsloser Deutscher.

Im Abbau von Arbeitslosigkeit scheinen wir also im letzten Jahrzehnt das ein oder andere richtig gemacht zu haben, bzw. richtig zu machen.

Was wir den Statistiken der Bundesagentur leider nicht entnehmen können, sind die Zahlen der nicht einbezogenen „nicht-vermittelbaren“ oder dauerhaft kranken Menschen, welche arbeitslos sind, aber nicht mit in die Werte der Statistik einfließen. Ebenso wenig tauchen Auszubildende, bzw. Menschen in Fortbildung, Ein-Euro-Jobber und alle die auf, die sich erst gar nicht beim BA melden. Hinter den eigentlichen Zahlen verstecken sich also noch große Anteile der Bevölkerung, die in der Berechnung und in der Darstellung der Werte, wie im obigen Diagramm, nicht einbezogen werden.

Hunderttausende Menschen entfallen somit jährlich öffentlichen Statistiken, sind aber, im eigentlichen Sinne, arbeitslos.

 

Arbeitslosigkeit - kopfvoll

 

Dann die Banalen

Der Zustand der Arbeitslosigkeit ist für die meisten keine bewusste Entscheidung gewesen. Kaum ein Durchschnittsbürger wird bei einem Cabernet Sauvignon von 2015 und einer Mikrowellenlasagne die Wahl getroffen haben: „Ich geh ab morgen nicht mehr zur Arbeit. Ich hab mir überlegt, ich brauche gar kein Geld.“

Eine solche Entscheidung hätte, bei gleichbleibenden Lebensbedingungen, verheerende Auswirkungen auf die persönliche Lebensqualität. Wir können also davon ausgehen, dass die absolute Mehrheit (die Umgangssprachliche, nicht die politische) aller arbeitsloser Deutscher sich nicht zum Ziel gesetzt hat arbeitslos zu sein/werden.

Wie kommt es dennoch dazu, dass bei großem Arbeitswillen in der Population über drei Millionen Menschen keine Arbeit finden, bzw. keiner (sinnvollen) Beschäftigung nachgehen können?

In einer (marktwirtschaftlich) perfekten Welt gäbe es, wie heute auch, Arbeitgeber auf der einen Seite und Arbeitnehmer auf der anderen. Die mächtigsten Arbeitgeber sind Firmen und Großkonzerne. In gleicher Situation würden alle Menschen Arbeit haben und die Zahl der unfreiwillig arbeitslosen wäre null.

Der Ausfall eines Arbeitnehmers in einem Betrieb bedeutet, dass dieser Betrieb sich Ersatz für den ausgefallenen Arbeitnehmer besorgen muss. In der Zeit, in der nach Ersatz gesucht wird und in der Zeit der darauffolgenden Einarbeitung des „Neulings“ würde weniger produziert werden. Ein kleineres Produktionsvolumen bedeutet gleichzeitig ein geringerer Umsatz für diese Periode.

Ist der Ersatz einmal eingearbeitet, funktioniert die Produktion wieder, als wäre nie jemand ausgefallen. Auf längere Sicht stellt sich bei 100prozentiger Beschäftigung in der Bevölkerung aber die Frage der Qualitätssicherung. Um die Qualität der Arbeit und den Arbeitswillen der eigenen Angestellten sicherzustellen, hat ein Arbeitgeber die Möglichkeit Lohnerhöhungen anzubieten, Arbeitszeiten zu verringern oder andersartige Bonusleistungen in Vertragsabschlüsse zu implementieren. In jedem Fall braucht es einen gewissen Anreiz für Arbeitnehmer, den sie zuvor in ihren Arbeitsbedingungen nicht hatten. Der Arbeitgeber wäre so gezwungen Abstriche im Profit zu akzeptieren (er gibt Arbeitnehmern mehr vom Gewinn ab), Produktionsleistungen zu verringern (Arbeitnehmer arbeiten weniger Stunden) oder von vornherein in Arbeitsverträgen sicherzustellen, dass er anderweitig einen gewissen Nachteil erlangt.

Der einfache Grund für die Notwendigkeit solcher Maßnahmen liegt in der Macht, die ein Arbeitnehmer in einer Welt von 0% Arbeitslosigkeit hat. Würde er ausfallen, gäbe es niemanden, der schnell für ihn/sie einspringen könnte. Auch die angesprochene Produktionsminimierung bei Ausfall einer Arbeitskraft, veranlasst es Arbeitgeber dazu möglichst lange seine jetzigen Arbeitskräfte zu behalten.

Wenn nun ein Arbeitgeber die Idee begrüßt die Zufriedenheit seiner Angestellten mit dem Mittel der Lohnerhöhung, und damit die Produktionsqualität seiner Produkte, zu erhöhen (konstant zu halten), so kreiert er, verglichen mit kontrahierenden Arbeitgebern, bessere Arbeitsbedingungen. Die Konkurrenz zieht nach, da ihnen sonst Arbeitskräfte verloren gehen, bzw. die Produktion leidet, weil sie streiken, sich beschweren, unzufrieden sind etc. Der Teufelskreis hat begonnen sich zu manifestieren.

Nach einigen weiteren Gehaltserhöhungen können es sich einige Arbeitgeber nicht mehr leisten weiterhin mit der Konkurrenz mitzuziehen und verlieren entweder ihren gesamten Betrieb oder die Kontrolle über die Qualität ihrer Produkte (Unzufriedenheit der Arbeitnehmer durch fehlende Möglichkeit der Lohnerhöhung). Im ersteren Falle würden damit alle noch angestellten Personen entlassen und arbeitslos werden. Im zweiten Falle würde die Unzufriedenheit der Arbeitnehmer in diesem Betrieb dazu führen, dass diese zu einem Arbeitgeber wechseln, dessen Existenz nicht in Gefahr ist und welcher mit den Lohnerhöhungen (oder anderen besseren Arbeitsbedingungen) mitziehen kann. Auch in diesem Fall würde der existenzbedrohte Arbeitgeber seine Angestellten verlieren. Ab diesem Zeitpunkt reguliert sich der Arbeitsmarkt auf eine andere Art und Weise. Es braucht nun nicht mehr überall mit der Verbesserung der Arbeitsbedingungen gehandelt werden. Die direkte Gefahr der Arbeitslosigkeit und das Überangebot an Arbeitskräften gibt die einst dem Arbeitnehmer zugeschriebene Macht an den Arbeitgeber ab (erinnere dich, niemand war vorher arbeitslos, jeder Arbeiter war Gold wert, Firmen haben aktiv nach mehr Arbeitskraft gesucht). Das Kartenhaus der perfekten Beschäftigung und optimaler Beschäftigungsverhältnisse für Arbeitnehmer fällt zusammen.

Nun könnte man argumentieren, dass Lohnerhöhungen nicht der einzige Weg sind um seinen Angestellten eine Anreiz zu bieten, um möglichst qualitativ hochwertig und langzeitig zu arbeiten. Das ist natürlich richtig. Würden wir uns jedoch einen anderen Weg der Arbeitnehmerkontrolle suchen, so stießen einige Arbeitgeber auch dort alsbald an ihre Grenzen. Konkurrenten mit besseren Arbeitsbedingungen würden Arbeitskräfte aus anderen Bereichen anlocken und damit ein Ungleichgewicht im Arbeitsmarkt erzeugen. Arbeitgeber, die da nicht mitziehen können, gehen ein und werden selbst arbeitslos. In vielen Fällen ziehen sie noch verbliebene Angestellte mit in die Arbeitslosigkeit (Insolvenzfälle). Es gibt mehr Menschen, die Arbeiten wollen, als es Stellen gibt, um sie arbeiten zu lassen.

Mit der neu erworbenen Macht der Arbeitgeber kann dieser auf eigene Faust sämtliche vertraglichen Inhalte und Bedingungen relativ frei aufstellen. Arbeitslose gewillte Mitmenschen findet man mit Leichtigkeit, jetzt wo die Arbeitslosenquote von 0% auf einen positiven Wert erhöht wurde.

Arbeitgeber, deren Betriebe expandieren und stetig mehr produzieren, tun dies nicht auf eine lineare Art. 10 zusätzliche Angestellte stehen nicht immer für den gleich großen Produktionsanstieg von, sagen wir, 1 Prozent (hypothetisch). Durch Automatisierung von Prozessen (Fließband) und Abgabe von vielen Bereichen der Arbeit an technische Maschinerie (denken wir nur mal an die Automobilindustrie), benötigt ein wachsender Betrieb keine linear ansteigende Arbeitnehmerzahl. Es werden, im Verhältnis zu dem geleisteten Produktionsumfang, tatsächlich immer weniger Menschen angestellt.


Bei mehr Interesse und sehr guten Englischkenntnissen:

Unemployment - Macroeconomic Performance and the Labour Market von Richard Layard, Stephen Nickell, und Richard Jackman 

 


 

 

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