Was kannst du? – Selbstwirksamkeit

selbstwirksamkeit

Die Frage

Wenn ich dich frage: „Was kannst du?“ und damit keine rhetorische Frage stelle, sondern wirklich von dir wissen will, woher du weißt, was du kannst...wie würdest du antworten?

Weißt du, was du kannst? Weißt du, was du nicht kannst? Wenn jemand am besten weiß, was du kannst, dann doch wohl du selbst, oder nicht?“ Doch wie sieht eine konkrete Antwort darauf aus? Woher kommt diese ganz individuelle Überzeugung über dich selbst? Sind es Erfahrungen? Lob und Kritik von anderen Menschen? Die eingerahmten Zertifikate an deiner Wand?

Die meisten Menschen, die vor diese Frage gestellt werden, sind recht verblüfft darüber, dass sie spontan keine konkrete Antwort finden. Das erste und oft auch das letzte, was vielen in den Sinn kommt ist: „Ich weiß es einfach!“ Damit vertrauen sie auf ihr Bauchgefühl und sind durchweg zufriedengestellt. Niemand stellt sich andauernd die Frage, was er könne und was nicht?!

"Was kann ich eigentlich?"

Nehmen wir die Frage: „Was kannst du?“ ernst und denken einen Moment über eine Antwort nach. Wir werden wahrscheinlich feststellen, dass in vielen Fällen eher ein gewisses Bauchgefühl dafür sorgt, das wir uns die Dinge zutrauen, die wir uns zutrauen. Abgesehen von gewissen Nachweisen, wie Zeugnisse, Abschlüsse, Attestierungen und dergleichen, welche an sich bereits zwangsläufig eine subjektive Färbung haben, gibt es als nächstbeste Anlaufstelle dafür, wie wir unser Können und unsere Fähigkeiten einschätzen, nur uns selbst. Was wir über uns selbst denken beeinflusst uns in unserem Können, unserem Bestreben, was wir schaffen und was wir gar nicht erst probieren.

Wenn du spontan noch keine Antwort auf meine Frage gefunden hast, denke an das letzte Mal, das du etwas fantastisches erreicht hast. Als du dir ein Ziel gesetzt hast, das auf den ersten Blick außer Reichweite schien. Ein Ziel, bei dem du bemerkst hast, wie sich vielleicht leise Zweifel in dein Denken schlichen, die du nie hast laut genug werden lassen, um wirklichen Einfluss auf dich zu nehmen. Viel mehr hast du das eigentliche Ziel vor Augen gehabt und fokussiert im Blick behalten. Vorher hast du dir vielleicht überlegt, wie weit dieses Ziel von deinem Momentan Standpunkt entfernt liegt?! Wie bei der Autofahrt deiner letzten Urlaubsreise hast du dir Zwischenstops überlegt, Zeit geplant und Puffer eingebaut, Essen vorbereitet und Das Auto vor Abfahrt von einem Mechaniker durchleuchten lassen. Genauso wie auf einer solchen Reise planst du deine Ziele im täglichen Leben, meist ohne es aktiv und bewusst wahrzunehmen. Als reflektierter Mensch, der die Rückmeldungen über sein Denken und Handeln aus seiner Umwelt aufnimmt, abwägt und eventuelle Schlussfolgerungen anwendet, bist du dir recht gut im Klaren darüber, wie gut der Werkzeugkasten deiner Fähigkeiten gefüllt ist: Hammer, Zange, Panzertape, WD40. Du weißt es abzuschätzen, welche Ziele für dich realistisch zu erreichen sind. Darüber hinaus kannst du ungefähr sagen, wie lange es dauern könnte, bis du das endgültige Ziel und möglicherweise auch gesetzte Zwischenziele erreichen wirst.

 

Überforderung im Job, Stress im Leben

Aus unseren Erfahrungswerten heraus müssen wir jedoch anerkennen, dass ein großer Teil unserer Bevölkerung, zumindest im westlich kulturellen Raum, NICHT in der Lage ist akkurat ihre gesetzten Ziele auf ihre Fähigkeiten abzustimmen. Wir finden, oft auch gezwungenermaßen, durch das Berufsleben oder sozioökonomischen Status bedingt, Menschen, die entweder chronisch unterfordert oder maßlos überfordert sind. Das ist an sich schon eine Tragödie, weil dieser Teil der Bevölkerung nicht nur ihr volles Potential ungenutzt lassen muss, sie bewegen sich in Bezug zu ihrer mentalen und körperlichen Gesundheit auch noch auf dünnem Eis. Den chronisch unterforderten Menschen hängt irgendwann nicht nur ihr Job aus dem Hals heraus...

“All work and no play makes Jack a dull boy!

Den konstant überforderten Menschen wird die Belastung, die notwendigerweise irgendwann ihre persönlichen Grenzen sprengt, zuviel und sie blicken auf eine Arbeitsunfähigkeitsbeschinigung von ihrem Hausarzt mit einer F43-Diagnose, einer Form von Belastungsstörung oder Anpassungsstörung.

Also grundlegend Störungen,

 

F43.0

die sich bei einem psychisch nicht manifest gestörten Menschen als Reaktion auf eine außergewöhnliche physische oder psychische Belastung entwickelt, und die im Allgemeinen innerhalb von Stunden oder Tagen abklingt. Die individuelle Vulnerabilität und die zur Verfügung stehenden Bewältigungsmechanismen (Coping-Strategien) spielen bei Auftreten und Schweregrad der akuten Belastungsreaktionen eine Rolle. Die Symptomatik zeigt typischerweise ein gemischtes und wechselndes Bild, beginnend mit einer Art von "Betäubung", mit einer gewissen Bewusstseinseinengung und eingeschränkten Aufmerksamkeit, einer Unfähigkeit, Reize zu verarbeiten und Desorientiertheit. Diesem Zustand kann ein weiteres Sichzurückziehen aus der Umweltsituation folgen [..]”

 

oder

F43.2

Zustände von subjektiver Bedrängnis und emotionaler Beeinträchtigung, die im Allgemeinen soziale Funktionen und Leistungen behindern und während des Anpassungsprozesses nach einer entscheidenden Lebensveränderung oder nach belastenden Lebensereignissen auftreten.“

 

Und da haben wir sicherlich keine Lust drauf. Viel schlimmer noch:

Es sind fast alle anderen erdenklichen psychosomatischen, bzw. somatoformen, also durch den Geist hervorgerufene körperliche Beschwerden, als Folge von chronischer mentaler Belastung, möglich. Chronische Überforderung oder Überlastung, Unterforderung oder Langeweile, bedeutet chronischer Stress bedeutet Krank werden durch Fehlangepasstheit. Wenn du die Wahl hättest, würdest du dich nicht freiwillig in deinem Job stundenlang vor dem Bildschirm langweilen. Genauso wenig würdest du dir freiwillig zu viel Arbeit für eine zu kurze Zeitspanne überhelfen. Warum du es dennoch tust oder eben nichts dagegen tust, liegt für dich vielleicht auf der Hand. Ebenso wahrscheinlich ist es, dass du beim Denken stolperst und dir damit das Leben unnötig erschwerst.

Für die, die vielleicht noch Zweifel an der wissenschaftlichen Erkenntnis haben ungesunder Stress im Berufsleben kann krank machen: Bewirb dich bei dem nächstbesten Altersheim oder einer pflegerischen Einrichtung für Alte, Kranke oder Menschen mit geistiger Behinderung und schieb ein paar Monate Schicht. Wenn dir das keinen Spaß macht, lass dich als Paketlieferant von Partnerunternehmen für bekannte Paketlieferdienstleister einstellen. Oder als Krankenschwester. Oder irgendein anderer Beruf der sozialen Mittelschicht. Purer Stress...die meisten dieser Jobs sind DER ABSOLUTE STRESS.

Ein paar Zahlen:

  • Die Arbeitsintensität im Jahre 2013 ist für 80 % der Beschäftigten weiter gestiegen; mehr als die Hälfte der Beschäftigten müssen häufig oder oft bei der Arbeit hetzen und fühlen sich nach der Arbeit sehr häufig oder oft leer und ausgebrannt (44 %). [PSYGA]
  • die Dunkelziffer von Doping am Arbeitsplatz beträgt laut DAK-Umfrage im Jahre 2014 rund 12% und Psychische Erkrankungen verursachten 14,6 Prozent des Krankenstandes [DAK]
  • Die Anzahl betrieblicher Fehltage auf Grund von Burnout ist von 2004 bis 2012 um 1400% gestiegen [BDP]
  • Nur insgesamt 9 % aller Beschäftigten werden bei der Gefährdungsbeurteilung nach Stressfaktoren wie Zeitdruck, Arbeitsintensität oder mangelndes Führungsverhalten befragt. [PSYGA]

Dem entgegenzuwirken bedeutet eine ganze Menge. 99% aller Lifestylebücher und die meisten durch Sternenkonstellationen zertifizierte Life-Coaches gehören nicht dazu. Was dazu gehört sind die Fähigkeit der Selbstreflexion, kognitive Mechanismen der Selbsteinschätzung und das Setzen realistischer Ziele. Zumindest im Berufsleben und in persönlichen Lebensbereichen, in denen wir uns mit Aktivitäten beschäftigen, in denen wir besser werden möchten und unsere Fähigkeiten erweitern wollen, können wir einiges unternehmen, im Denken und im Handeln, um uns das Leben nicht nur leichter, sondern auch weitaus gesünder zu gestalten.

Eine große Schar an Menschen, wahrscheinlich der Großteil in den soeben angesprochenen mittelschichtigen Berufen, scheinen oftmals nicht wirklich eine Wahl zu haben. Sie können, so glauben sie, sich einen Großteil ihrer persönlichen Ziele, besonders die kurzschrittigen und unmittelbaren Ziele, nicht selbst setzen, weil sie von Vorgaben dritter Personen abhängig sind. Die festgelegte Route, auf der die 230 teils sauschweren Pakete ausgeliefert werden müssen, die 23 Pflegebedürftigen, denen innerhalb von 90 Minuten Essen gereicht und IKM gewechselt werden muss oder die 18 Eilanträge, die noch vor 16Uhr deinen Tisch durchlaufen müssen. Doch gerade die Personen, die sich ihren Aufgaben hilflos ausgeliefert sehen, weil die körperliche- und/oder die psychische Belastung der Arbeit in Kombination mit schwindendem Selbstbewusstsein und steigenden Zweifeln über die eigenen Fähigkeiten, sind ganz besonders stark belastet durch ein Zuwenig von dem, worüber wir heute sprechen und können von kleinen Änderungen in ihrer Wahrnehmung und ihrem Denken profitieren.

Um zu verstehen, was ich damit meine, nehmen wir uns die optimale Situation, in der du mit einem Problem konfrontiert wirst, das du lösen möchtest. Das Problem ist, das weißt du sehr genau, mit etwas Aufwand und Konzentration lösbar. Du hast dir die nötigen Fähigkeiten im Verlauf deines Lebens angeeignet, um eine Lösung finden zu können. Ohne überhaupt angefangen zu haben konkret an der Lösung zu arbeiten, hast du abgeschätzt, ob, wie und wann du erfolgreich das Problem aus der Welt schaffen kannst.

Was das konkret bedeutet ist folgendes:

Wenn du weißt, dass du mit großer Anstrengung und deiner bestmöglichen Performance, 1,50m hoch springen kannst, dann wirst du nicht versuchen aus dem Stand über deine Kollegin zu hüpfen. Genausowenig wirst du dir die Deadline der großen Firmenpräsentation, bei der der Geschäftsführer dich durch seine Vollrahmenbrille mustert, auf morgen früh legen. Du weißt, was du kannst und was du eventuell später mal können wirst, solltest du bestimmte Wege einschlagen und bei der Verfolgung einzelner Hauptziele nicht davon abkommen.

 

Selbstwirksamkeit(serwartungen)

Diesen grundlegenden Aspekt von Selbsteinschätzung und das Abstimmen mit Aufgaben und Zielen, können wir mit dem Begriff der Selbstwirksamkeit, beschreiben.

SelbstwirksamkeitSelbstwirksamkeitSelbstwirksamkeitSelbstwirksamkeitSelbstwirksamkeitSelbstwirksamkeitSelbstwirksamkeitSelbstwirksamkeitSelbstwirksamkeitSelbstwirksamkeitSelbstwirksamkeitSelbstwirksamkeitSelbstwirksamkeitSelbstwirksamkeit

Die Selbstwirksamkeit - Wie du dich selbst, mit all deinen Fähigkeiten in Relation zu den Aufgaben, die du erledigen und den Problemen, die du lösen möchtest, siehst, ist eines der Zauberwörter in der Erzeugung von Stress auf der einen und Selbstverwirklichung auf der anderen Seite:

Umgangssprachlich sagen wir Dinge, wie: “Ich bin der Aufgabe gewachsen, das kriege ich auf jeden Fall hin.” oder “Keine Ahnung, wo ich anfangen soll, das schaffe ich nie.” Diese Prozesse der Wahrnehmung deiner Selbst müssen nicht zwangsläufig bewusst ablaufen. Meistens sogar, scheint es, sind wir uns überhaupt nicht bewusst davon, dass wir gerade eingeschätzt haben, ob wir den Schlüssel in das Schloss bekommen, das Auto starten und die 12 Kilometer durch dichten Verkehr nach Hause fahren können. Dir ist nicht aktiv bewusst, wie du, ohne groß darüber nachzudenken, 24 Stunden am Tag mentale Höchstleistungen vollbringst. Im Schlaf teils noch mehr als im Wachzustand. Du bist schon genug damit beschäftigt die dir bewusst gewordenen Gedanken zu jonglieren. Gedanken, die oft schwer sind und manchmal beflügeln, Gedanken, die damit zu tun haben etwas schaffen zu müssen oder zu wollen und Gedanken, die teils einfach so am Straßenrand sitzen und du nicht weißt, wo sie hinwollen.

Der neue in der Firma schreibt die Berichte viel schneller und besser als ich. Ich bin so unfähig!“

In zwei Wochen soll der Finanzplan stehen und ich habe keine Ahnung, wie ich die Emojis auf meinem Casio aktiviere...“

Das Prinzip der Selbstwirksamkeit, bzw. der Selbstwirksamkeitserwartung, ist ein von Albert Bandura auf Papier gebrachtes Konzept. 1977 verfasste Albert Bandura einen Artikel mit dem Namen „Self-efficacy: Toward a Unifying Theory of Behavioral Change“, auf Deutsch in etwa: „Selbstwirksamkeit: in Richtung einer vereinheitlichten Theorie über Verhaltensänderungen“, in dem er detailliert die einzelnen Bestandteile und die Funktionsweise seines Konzepts erklärt. Dabei definiert er die Selbstwirksamkeitserwartung als:

[..] Überzeugung,, dass man erfolgreich bestimmtes Verhalten anwendet, um bestimmte Ergebnisse zu produzieren. Das Ergebnis und die Selbstwirksamkeit werden differenziert betrachtet, weil man zwar glauben kann, dass ein gewisses Vorgehen bestimmte Folgen hat, unterhält man aber Zweifel, ob man dieses Vorgehen überhaupt durchführen kann, beeinflusst solch ein Gedanke das weitere Handeln nicht.“

Auf gut Deutsch kannst du zwar wissen, dass vorsichtiges Druckausüben auf die Tonmasse und beständiges Antreiben der Drehscheibe irgendwann eine hübsche Vase als Ergebnis zur Folge hat, wenn du aber weißt, dass du mit deiner Grobmotorik in 20 Sekunden nicht nur Form, sondern auch Werkstatt zerstört hast, dann wirst du offensichtlich nicht anfangen wollen zu Töpfern.

Er schreibt:

Selbstwirksamkeitserwartungen bestimmen, wie viel Anstrengung jemand unternimmt und wie lange er, trotz Hindernissen und aversiven Erfahrungen, versucht das Problem oder die Aufgabe zu lösen. Je größer die wahrgenommene Selbstwirksamkeit, desto aktiver der Aufwand.“

An diesem Punkt kannst du gerne in dich gehen und zurückblicken. Vielleicht fällt dir eine Situation ein, in der du so sehr daran gezweifelt hast ein Ziel erreichen zu können, dass du um ein Haar aufgegeben hättest, bevor du überhaupt angefangen hast. Oder du siehst vor Augen, wie du dir todesmutig etwas zugetraut hast und hinterher enttäuscht zugeben musstest, dass du mit deiner Einschätzung über dich selbst, über das Ziel hinausgeschossen bist?! Im besten Fall waren deine Ziele so gut auf deine Fähigkeiten angepasst, dass du nach einer anspruchsvollen Phase der Erledigung mit Stolz auf ein Endergebnis blicken kannst und dir sagst: „Es war anstrengend, aber ich habe es geschafft.“

 

Essenzen der Studie(n)

Es gibt einige Punkte, die wir aus den Studien und Experimenten aus der Richtung der Selbstwirksamkeit mitnehmen sollten:

  • Die Einschätzung deiner Selbstwirksamkeit, sei sie akkurat oder fehlerhaft, hat stets einen Einfluss auf die Aktivitäten, mit denen du dich auseinandersetzen wirst.

  • Dieser Punkt bedarf fast keiner weiteren Erklärung, da es auf der Hand liegt, dass ich, abhängig von wie gut ich meine Fähigkeiten in bestimmten Bereichen des Lebens einschätze, mich mit Aufgaben beschäftige, die ich als realistisch zu lösen einschätze. Auf der anderen Seite versuche ich ebenfalls zu leichte und zu schwierige Aufgaben zu vermeiden, um eine Lernkurve aufrecht zu erhalten und ich mich in meinem Können verbessere

  • Zweifel an deinen Fähigkeiten führt dazu, dass du weniger engagiert mit weitaus weniger Aufwand an Problemlösungen arbeitest und, im schlimmsten Fall, sogar das Vorhaben komplett aufgibst.

  • Dabei schließen wir an den ersten Punkt an. Probleme, deren Lösungsweg unsere Fähigkeiten übersteigen vermeiden wir, genauso wie Probleme die uns durch ihre Einfachheit langweilen. Wenn wir jedoch, objektiv gesehen, ausgestattet sind mit den nötigen Skills und wir unterschätzen uns trotzdem in unserem Können, dann stehen wir vor dem Problem der fehlerhaften Selbsteinschätzung. Diese Fehleinschätzung führt wiederum dazu, dass du bei Stöckern und Steinen in deinem Weg eher geneigt bist aufzugeben, SOLLTEST du überhaupt versucht haben eine Lösung zu finden. Und du siehst deine persönlichen Erfolge als weniger wichtig an, die dir vorgesetzten Probleme scheinen weitaus furchtienflößender und dein Stresslevel steigt stetig in die Höhe, was wiederum zu einer Minderung deiner Leistungsfähigkeit führt.

Die für dich bestmöglichen Ziele sind Anspruchsvoll, aber nicht beängstigend; Sie beanspruchen deine Fähigkeiten in vollem Umfang und überfordern, wenn überhaupt, nur für einen extrem kurzen Zeitraum. Alles in Allem wirst du spätestens hinterher, nach der Deadline, nach dem Meeting, nachdem du die Reißleine gezogen hast, wissen, was du geleistet hast. Zum Glück gibt es, in unserem täglichen Leben, oft ein wiederholtes Mal und viele Möglichkeiten zu üben, sich zu fordern und als Mensch zu wachsen. Es gibt fast immer nocheinmal eine Chance sich beweisen zu können. Je besser wir verstehen, wie die feucht schwammige Masse zwischen unseren Ohren funktioniert, desto besser können wir verstehen, wie wir ticken.

 

Die Drei Bestandteile

Deshalb sollten wir die drei Hauptbestandteile der Theorie über Selbstwirksamkeitserwartungen kennen. Für ein besseres Verständnis unserer Selbsteinschätzung mit Bezug zu unseren Zielen, können wir die folgenden Punkte im Hinterkopf behalten:

 

  1. Vicarious Experience – indirekte Erfahrung

  2. Verbal Persuasion – verbales Überzeugen

  3. Emotional Arousal – Emotionale Erregung

 

 - Vicarious Experience - 
Die indirekten Erfahrungen kommen aus der sozialen Lehrtheorie und beziehen sich auf das Phänomen, was wir besonders intensiv beim Aufwachsen unserer Kinder, beobachten können. Wenn Kinder in einem angebrachten sozialen Umfeld aufwachsen, lernen sie einen sehr großen Teil ihrer Fähigkeiten durch das Beobachten anderer Menschen. Mit einem unbändigen Interesse an allem, was neu und irgendwie anders ist, mimen Babies und Kleinkinder das bei anderen beobachtete Verhalten nach. Auch wenn du als erwachsener Mensch noch nie einen Tennisschläger in der Hand hattest, wirst du durch simples Beobachten professioneller Tennisspieler, wissen, was du ungefähr zu tun hast, würde man dich vor einen schreienden McEnroe stellen.

Wenn wir andere Leute dabei beobachten, wie sie mit ihrem Handeln bestimmte Ziele erreichen, sind wir eher dazu geneigt uns selbst davon zu überzeugen, wir könnten ebenfalls erfolgreich solche oder ähnliche Ziele erreichen. Dabei können wir Folgendes festhalten. Je ähnlicher uns die Person ist, die wir dabei beobachten, wie sie durch ihre verständliche Kommunikation und ihrem strukturierten Gedankengang die umfangreiche PowerPoint-Präsentation meistert, desto eher glauben wir daran Selbiges schaffen zu können. Umso unterschiedlicher die vortragende Person uns ist, umso eher zweifeln wir an uns, weil es doch offensichtlich erscheint, dass wir ohne einen Cum-Laude Masterabschluss einer Ivy-League Universität nicht auch so eloquent die Jahresabschlusszahlen vor der Firma vortragen können. Das Beobachten anderer Menschen bei dem Erreichen von Zielen ist also ein zweischneidiges Schwert mit einem breiten Spektrum an Auswirkungen in unserem Denken. Aus dem Großteil unserer Erfahrungen scheint jedenfalls - und so sieht es auch Bandura – eher etwas positives zu Folgen, undzwar die Überzeugung, dass, je länger man an der Sache dran bleibt, umso größer sind die Chancen es zu schaffen. Was immer es auch ist, das du erreichen möchtest. Fakt ist, je länger du versucht erfolgreich dem Ziel näher zu kommen, umso größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass du es auch schaffst. Manchmal früher, manchmal später...

 

 - Verbal Persuasion -
der zweite Pfeiler in deiner Selbstwirksamkeit ist, wenn auch oft ein nicht allzu stabiler, „Verbales Überzeugen“.

Bandura schreibt:

Menschen werden durch Rat und Anregung in die Überzeugung geführt, sie könnten erfolgreich mit Aufgaben umgehen, mit denen sie in der Vergangenheit überfordert waren.“

Durch gutes Zureden induzierte Selbstwirksamkeit ist weitaus schwächer und für negative Erfahrungen anfälliger als Selbstwirksamkeit, die durch persönlichen Erfolg als Folge des eigenen Handelns verbucht werden kann. Demnach ist das Gefühl der Stärke und Kompetenz durch das Lob von deiner Tante zwar schön, aber bei weitem nicht Standhaft genug, um negative Erfahrungen mit deinen Kompetenzen zu übertönen. Die Enttäuschung darüber das neue Ikea-Regal doch nicht alleine aufbauen zu können, wiegt schwerer als das Lob über deine hausmännischen Fähigkeiten. Beim Zusammenbau zu versagen ist nämlich nicht nur eine direkte negative Erfahrung, die wir mit unserem Handeln hervorrufen, sie ist auch sehr konkret. Du versagst dabei das Ikea-Regal aufzubauen und bei nichts anderem. Es müsste dir also schwerer fallen zu verallgemeinern und dich selbst als unfähigen Ehemann zu sehen, wo du doch sonst recht gut alles meisterst. Das Lob deiner Tante dagegen ist etwas, das dir von außen zugetragen wird. Etwas, das du nicht selbst unmittelbar durch dein Planen, Hämmern, Denken und Messen, erreicht hast. Es ist ein Lob von außen über keine konkrete Fähigkeit, sondern über ein globales Feld an Aufgaben. Hausmann sein bedeutet vieles. Es fällt hier sehr viel leichter seinen Erfolg abzuschreiben und das Lob zu diskreditieren:

Tante Ulli kennt mich gar nicht. Sie denkt ich wäre ein selbständiger Mensch, nur weil ich letztens einen Kuchen mitgebracht habe. Sie sollte mal einen Blick in meine Wohnung werfen...“

Gut zureden kann, wie wir sehen, motivieren und dabei helfen sich selbst anzutreiben und sein Vorgehen zu überdenken. Dennoch ist es eine recht schwache Quelle unserer wahrgenommenen Selbstwirksamkeit und bei weitem nicht so einflussreich wie Erfahrungen, die wir selbst machen.

 

 - Emotional Arousal -
Als dritten und letzten Teil führt Bandura emotionale Erregung an und geht damit auf physiologische Rückmeldungen unseres Körpers ein. Wie wir die Signale unseres Körpers, besonders in stressvollen Situationen, interpretieren, ist ausschlaggebend für die Einschätzung unserer Selbstwirksamkeit. Generell können wir sagen, dass starke emotionale Erregung unsere Performance verschlechtert. Wenn du in kaltschweiß gebadet ängstlich im Vorstellungsgespräch sitzt, wirst du nicht die kognitive Leistung erbringen, die bei moderater und gesunder Anspannung und einer guten Selbstsicherheit vorhanden ist. Noch viel schlimmer ist die Tatsache, dass deine Interpretation der Signale deines Körpers, wie z.B. Herzklopfen, Schweiß auf der Stirn, zittrige Hände, gestörte Feinmotorik etc., wiederum dazu führen, dass du dich weiter in die negativen Gedanken vertiefst, die anfänglich dafür verantwortlich waren, dass du überhaupt erst schwitzige Händ beekommen hast. Dieser Modus des Denkens verstärkt sich selbst und führt zu einem völligen Standby deines Frontallapens. Somit ist dein Belohnungssystem, deine Aufmerksamkeit, dein Kurzzeitgedächtnis, deine Fähigkeit zu Planen und deine Motivation gestört. Alles was dir bleibt ist entweder zu fliehen oder zu kämpfen.

Im klinischen Bereich, zum Beispiel bei Phobikern, gibt es verschiedenste Ansätze mit dem Wissen um Selbstwirksamkeitserwartungen zu arbeiten. Dort werden üblicherweise therapeutisch begleitete Hilfestellungen gegeben, um mit den Patienten eine Verbesserung in den von ihrer Phobie belasteten Lebensbereichen zu ermöglichen. Die anfänglich sehr intensiven Hilfestellungen und die kontinierliche Begleitung wird mit dem Verlauf der Behandlung und den steigenden Fähigkeiten des Patienten, verringert. Die Hilfe von außen wird soweit minimiert, dass der Patient durch den selbständigen Umgang mit schwierigen Situationen oder dem Lösen von Problemen, ein wachsendes Gefühl der Selbstwirksamkeit entwickelt. Das soll ihm dabei helfen sich selbst in seinem Können realistisch einzuschätzen, für ihn passende Probleme zu definieren und der Phobie Einhalt zu gebieten. Desweiteren ist bei solchen Behandlungen durchweg zu beobachten, dass sich der neu entwickelte Sinn für „was kann ich?!“ auch auf andere Bereiche des Lebens überträgt. Allein die Tatsache ein Problem angegangen zu sein und erfolgreich gelöst zu haben, ist in sich selbst eine Bestätigung der eigenen Fähigkeiten.

 

In Therapie

Ein Agoraphobiker, also eine Mensch der Todesängste entwickelt, wenn er sich, in überwiegend sozialen Situationen, gefangen sieht, weil er befüchtet keinen Ausweg zu finden, wird sich nach einem erfolgreichen Besuch des lokalen Marktplatzes auch in anderen Bereichen seines Lebens mehr zutrauen können. Auf einmal scheinen die drei Stationen mit der U-Bahn gar nicht mehr so schlimm oder der Restaurantbesuch mit der Freundin ist nach Jahren mal wieder eine realistische Wochenendaktivität.

Ein weiteres gutes Beispiel ist der Fokus auf Selbstwirksamkeit bei Suchtkrankheiten, wie z.B. Heroin-Abhängigkeit, Nikotinabhängigkeit oder Alkoholismus. Menschen mit einem hohen Grad an wahrgenommener Selbstwirksamkeit stecken grundlegend mehr Ausdauer und Kraft in das Meistern für sie gefährlicher Situationen. Situationen, in denen Sie stark bleiben müssen, um ihren inneren Dämonen zu widerstehen. Jeder kleinste Erfolg dabei führt wiederum dazu auch in anderen Situationen in seinem Vorhaben gestärkt zu werden. Ein ehemals nikotinabhängiger Mensch wird, wenn er erfolgreich bei einem Treffen mit alten Kollegen eine Zigarette ablehnt, beim nächsten mal, wenn er sich mit Rauchern verabredet, noch weniger Probleme haben nicht zu rauchen. Das führt soweit, dass er in Kürze nicht einmal mehr wehleidig daran denken wird rauchen zu wollen. Sollte es doch dazu kommen, dass, durch welche Umstände auch immer, sie rückfällig werden, fällt es Menschen mit hoher Selbstwirksamkeit sehr viel leichter trotzdem an ihrem Gesamtvorhaben der Abstinenz festzuhalten. Dabei wird der temporäre Rückfall zwar als Fehler akzeptiert, er hindert aber nicht daran das große endgültige Ziel im Fokus zu behalten.

Im Gegensatz dazu führt ein einziger Rückfall bei Menschen mit geringer Selbstwirksamkeit oft dazu, dass der innere Schutzwall fast komplett abgerissen wird. Menschen mit geringer Selbstwirksamkeit, die in bestimmten Momenten schwach, und somit rückfällig, werden, sind eher geneigt ihr Vorhaben des nicht-rauchens oder des nicht-konsumierens aufzugeben, bzw. weitaus weniger Anstrengungen zu unternehmen, um abstinent zu bleiben.

 

Eine Studie hierzu kommt von Condiotte und Lichtenstein, aus dem Jahre 1981

Self-efficacy and relapse in smoking cessation programs

 

Ich möchte hierbei nicht suggerieren, wir sollten uns alle therapieren lassen. Heutzutage sind Termine beim Therapeuten eh seltener als der Eimer Gold am Ende vom Regenbogen. Vielmehr ist mein Anliegen zu verdeutlichen, dass, wie so oft, wir mit unserem Denken weitaus mehr beeinflussen können, als wir vermuten. Die Fähigkeit unser Inneres zu gestalten und Einfluss zu nehmen auf unsere Wahrnehmung, gibt uns die Kraft selbst für unser Denken verantwortlich sein zu dürfen. Vielleicht hilft es dem Ein oder Anderen in den nächsten Stunden, Tagen oder Wochen besser reflektieren zu können und zu verstehen, wie anhand unserer bewussten und unbewussten Selbsteinschätzung Ziele definiert werden.

Wenn es dir ähnlich geht, wie mir, und du verinnerlichst, was Selbstwirksamkeit im Allgemeinen und im speziellen für dich selbst, bedeutet, kannst du ein riesiges Potential daraus schöpfen.

 

LifeProTips

Du weißt:

  • je länger du es versuchst, desto größer die Chance es zu schaffen.

  • Je öfter du andere Menschen beim Erreichen ähnlicher Ziele beobachtest, desto stärker wird dein Gefühl der Selbstwirksamkeit.

  • Je mehr dir zugesprochen wird, so selbstsicherer wirst du.

Merke dir auch:

  • beim ersten Anlauf zu scheitern ist kein Übel, danach aufzugeben ist die eigentliche Katastrophe.

  • Negative Rückmeldungen von dir und von Anderen werden am besten verwertet, wenn du damit deine Strategien und Lösungswege überdenkst und anpasst.

  • die Aufregung deines Körpers (Schwitzen, Blackout, Herzrasen…) ist in sich selbst kein valider Grund für noch mehr Aufregung.

 

Quellen:

  • Bandura, A. (1977). Self-efficacy: Toward a unifying theory of behavioral change. Psychological Review, 84(2), 191-215. http://dx.doi.org/10.1037/0033-295X.84.2.191
  • Bandura, A. (1982). Self-efficacy mechanism in human agency. American Psychologist, 37(2), 122-147. http://dx.doi.org/10.1037/0003-066X.37.2.122
  • Bandura, A., & Walters, R.H. (1963). Social learning and personality development. Holt Rinehart and Winston: New York.
  • Bandura, Albert, and Edwin A. Locke. "Negative self-efficacy and goal effects revisited." Journal of applied psychology 88.1 (2003): 87.

 

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Stress im Wechsel mit Erholung – No-Stress Jam #2

Sich Treu Bleiben

Chronischer Stress bringt eine Gefahr mit sich. Wir sind zu gestresst, um uns daran zu erinnern unseren Stress zu verarbeiten.

Am Ende eines anstrengenden Tages oder nach einer anstrengenden Tätigkeit, müssen wir bewusst an die Regeneration unserer Ressourcen denken: Erholung.

Vergessen wir solche eine Erholungspause im Laufe des Tages einzubauen oder schieben sie solange vor uns her, dass sie an Dringlichkeit verliert, laufen wir Gefahr unsere Leistungsfähigkeit zu senken und auf Dauer unserer Gesundheit zu schaden.

Den meisten Menschen unter uns fällt ein andauernd erhöhter Stresspegel erst auf, wenn sich negative Konsequenzen durch die Stresseinwirkungen an und in uns chronifiziert haben. Unsere psychophysiologische Einheit ist dann bereits so lange unter Volllast gefahren worden, dass fortwährende Schädigungen nicht mehr abzuweisen sind. Maximal eine Eindämmung der Schadensintensität und dessen Umfang kann dann, unter der tristen Bezeichnung der Rehabilitation, verfolgt werden. So weit soll es nicht erst kommen.

Um unnötigen und besonders langanhaltenden Stress zu vermeiden, ist ein einziger Gedanke hilfreich. Die bewusste Wahrnehmung, ob und wie sehr ich gestresst bin sollte regelmäßig in unser Denken gerufen werden. Ein kleiner Moment der Reflexion, der uns nach innen blicken lässt, um die Situation zu analysieren. Ein Kontrollgang durch den Maschinenraum, um zu sehen, wie hart die Maschinen laufen.

Am Ende kann es sonst dazu kommen, dass ein scheinbar ruhiges Dasein blind in ein Chaos von Stress und gefühlter Überforderung gefahren wird. Ende müssen nicht immer schön sein.

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Selbstoptimierung, Ansprüche und Anpassung – No-Stress Jam #1

selbstoptimierung

Das Gefühl stetig wachsenden Ansprüchen gerecht werden zu müssen ist kein schönes. Wo findet dabei die Selbstoptimierung ihren Platz?

Unangepasst zu sein bedeutet nicht gleichzeitig unpassend zu sein. Dennoch sehen sich viele Menschen konfrontiert mit ihren tägliche Aufgaben. Als festgefahrene Routine sehen sie sie als Last, die mit dem Verlauf der Zeit immer schwerer wird. Die daraus resultierende ansteigende Stresswahrnehmung vergilbt unsere Sinne und stumpft sie soweit ab, dass ein Genuss unserer täglichen Erledigungen immer schwieriger wird. Wie können wir Freude in etwas finden, das augenscheinlich unserer Selbstverwirklichung im Wege steht?

Im Zuge unserer "höher-schneller-besser"-Kultur breitet sich ein Denken aus, welches die Selbstoptimierung enorm hervorhebt. Von Life-Coaches zu Selbsthilfebüchern über Nootropics zu Diäten. Dabei ist das Bedürfnis der Verbesserung seines Aussehens, Denkens und Handelns in sich selbst oft ein Produkt des fast schon wahnhaften Trends des Besser-werdens.

An sich zu arbeiten ist keineswegs krankhaft oder falsch. Ganz im Gegenteil, besser werden heißt BESSER WERDEN. Wichtig ist es, für jeden, der aktiv an seiner eigenen Person arbeiten möchte, WORAN sie oder er arbeitet.

Stecke dir deine eigenen Ziele. Am besten Ziele, die ganz autentisch von Herzen kommen und in das Gesamtbild der Person, die du gerne sein möchtest, passen. Verfolge große Ziele, vergiss jedoch nicht diese in kleine Etappensiege aufzuteilen. Wenn du nicht weiß, wer du sein möchtest, dann warte noch mit den großen Zielen. Die Chance sich zu verlaufen, wenn man nicht sicher ist, wo man hin möchte, ist sehr groß.

In einer Flut von non-stop "24/7" Sinneseindrücken, durch die rapide Verbreitung medialer Inhalte, ist es sowieso grundlegend fast unmöglich einen klaren und kühlen Kopf zu bewahren. Jeder hat etwas, alle möchten etwas, keiner ist zufrieden, aber alle scheinen ihr Leben vollends auszukosten. Es ist einfach zu leicht zu (v)erkennen, was man noch braucht, um glücklich zu werden. Viel schwieriger ist das Gegenteil.

Ruhe zu finden und Glückseligkeit zu empfinden ist fast immer negativ korelliert mit dem Bedürfnis sich etwas kaufen, bzw. aneignen, zu müssen. Ausgenommen davon sind überwiegend Fähigkeiten, die einen als Person wachsen lassen und Erfahrungen, die selbiges tun. Davon nicht ausgenommen sind materielle Güter, denen eine magische Fähigkeit zugeschrieben wird. Der Besitztum an sich erzeugt in uns die Vorstellung und Erwartungshaltung der sofortigen Verbesserung gewisser Aspekte in unserem Leben.

Der neue Fernseher bringt so viel mehr Spaß, die neue Kette macht mich so viel glücklicher, unser zweites Auto macht uns umso mobiler...Sicherlich ist es möglich, dass eine neue materielle Anschaffung einem Freude bereitet. Leider ist diese in dem meisten Fällen weitaus kurzlebiger und weniger intensiv, als wir es uns erhofft hatten. Vertreten wir dagegen den Gedanken materielle Besitztümer als Möglichkeit der Selbstentfaltung zu betrachten, eröffnen sich uns viel mehr Freiheiten und Situationen, in denen wir mit Hilfe unserer Ansprüche, einer realen Selbsteinschätzung und etwas Struktur, als Menschen wachsen können.

Damit einher geht die Unangepasstheit, mit der ich diesen Text eingeleitet habe. Um unangepasst zu sein, bedarf es der Überzeugung wir seien als Ganzes (oder ein bestimmter Teil von uns) unpassend in dem Kontext, in dem wir uns befinden. Um uns passend zu machen, versuchen wir krampfhaft uns zu bessern. Besserung steht dabei zu oft gleichbedeutend für Veränderung im Sinne von "sich ändern" ohne im Hinterkopf zu behalten, wer wir sind oder wer wir sein möchten.

Einen Moment inne halten und mit kontrollierter 4-6-Atmung [PDF] zu reflektieren, wer ich bin und wer ich sein möchte, soll als Abschluss mit dem ersten No-Stress-Jam den heutigen Beitrag beenden.

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Kann Musik Emotionen erzeugen?

Musik und Emotionen

Was sagt die Wissenschaft dazu?

Für die meisten Menschen besteht zu dieser Frage überhaupt keine Zweifel. Die meisten unter uns werden fest davon überzeugt sein, Musik habe die Möglichkeit Emotionen zu erzeugen. 

Nimmt man sich die Zeit und die Freiheit mit einem vernünftigen Satz Kopfhörern in der Couch zu versinken und mit geschlossenen Augen dem zu lauschen, was Musiker für so wertvoll hielten, es aufnehmen zu müssen, dann sollte auch dem letzten Skeptiker verdeutlicht werden, wie emotional geladen Musik sein kann.

Aus einer wissenschaftlichen Betrachtungsweise ist solch eine Beobachtung zwar valide, aber noch lang nicht genug, um wirklich jeglichen Zweifel einzuräumen, Musik allein habe die Möglichkeit solch eine Wirkung zu erzielen. Vielleicht ist es viel mehr die biographische Erfahrung einer jeden Person, die zu emotionaler Ladung/Entladung führt? Eventuell hat nicht gar die Symbiose aller Instrumente in einem Stück die Macht über unsere Gefühlslage, sondern nur eine bestimmte Instrumentation an einer bestimmten Stelle? Zur Beantwortung solcher Fragen muss ein systematischer Ansatz gefunden werden, der viele der einflussnehmenden Faktoren eliminiert oder zumindest kontrolliert.

Tatsächlich entstand über die Jahre der Forschung im Gebiet der Musikpsychologie nicht nur eine Kontroverse darüber, ob und wie Musik Emotionen erzeugen kann. Es ist ebenfalls zu beobachten gewesen, wie lange es gedauert hat und wie schwierig es war empirische Beweise zu erarbeiten, die es uns etwas leichter machen Aussagen über die gestellten Fragen zu treffen. Glücklicherweise konnten mit dem Ende der 1990er Jahre und den Anfängen des 21. Jahrhunderts starke wissenschaftliche Ergebnisse beobachtet und dokumentiert werden.

Mit einer großen Anzahl an objektivierten Interview-Studien (DeNora, 2000; Gabrielsson, 2001; Juslin & Laukka, 2004; Pike, 1972; Waterman, 1996), physiologischen Messungen (Davis & Thaut, 1989; Krumhansl, 1997; Vaitl, 1993), Messungen von Hirnaktivität in Bereichen emotionaler Verarbeitung (Blood & Zatorre, 2001; Brown, 2004), emotionaler Ausdruck (Sloboda, 1991), Tendenz zum Handeln (Fried & Berkowitz, 1979) und emotionaler Regulierung (Becker, 2001; Gabrielsson, 2001), hat die Wissenschaft in der Analyse menschlicher Emotionen im Kontext musikalischer Wahrnehmung enorme Sprünge nach vorne vollzogen.

Jeder aufmerksame Leser wird spätestens beim Betrachten einiger dieser Studien bemerken, wie sehr sich die meisten dieser Untersuchungen einzig und allein auf die Ausrichtung in unseren westlichen Kulturkreisen konzentrieren. Demnach wurden kulturell westlich aufgewachsene Menschen mit Musik konfrontiert, die durch westliche Eigenschaften geprägt sind und uns ausschließlich in nur diesem musikalischen und emotionalen Zusammenhang erlauben, Aussagen treffen zu können. Möglicherweise haben Afrikanische Volksstämme mit ihrer sehr andersartigen musikalischen Entwicklung, ihrer in unseren Kreisen kaum vergleichbaren Kommunikation und dem zu unserer Kultur anderen Umgang mit Emotionen, völlig andere Mechanismen durch welche Musik wahrgenommen und Emotionen erzeugt werden?! Es braucht noch viel wissenschaftlichen Aufwand, um wirklich verstehen zu können, was uns dahingehend unterscheidet und wo wir Menschen, egal woher wir kommen und wo wir aufgewachsen sind, gleichermaßen beeinflusst.

Musik und Emotionen

Was ist nun mit den Emotionen?

In meinem letzten Beitrag ("Emotionale Reaktionen und Musik") wurde bereits angesprochen, wie schwierig es ist in natürlichen Settings, also unter normalen Umständen und in alltäglichen Umgebungen, in denen Menschen Musik hören, zu analysieren, was Zuhörer fühlen. 

Um überhaupt einschätzen zu können, ob, was, wie oft und wann Menschen beim Hören von Musik unter dem Einfluss von durch die Musik erzeugten Emotionen stehen, mussten sich extrem schlaue Wissenschaftler über eine lange Zeit den Kopf zerbrechen und Lösungen zu diesem Problem (oder besser gesagt diesen Problemen) finden.

Spontan erzeugte Emotionen in der tagtäglichen Routine einer Person können sicherliche auf verschiedene Arten eingefangen und dokumentiert werden. Eine Möglichkeit ist die sogenannte "experience sampling method", also die Methode der Erfahrungsstichprobe (verzeiht meine katastrophale Übersetzung). Sloboda und Kollegen haben im Jahre 2001 versucht den Nutzen dieser Methode zu analysieren. Sie haben einigen Teilnehmern dieser Studie (N=8) einen Pager und ein Tagebuch überreicht. Die alteingesessenen Leser unter uns werden sich noch an die damals technisch hochfortschrittlichen Geräte erinnern. Ein Pager war ein kleines Gerät, welches an das Hosenbund gesteckt wurde und in der Lage war auf einem monochromatischen einzeiligen Display eine Nachricht anzeigen zu können. Pager wurden überwiegend dazu genutzt sich informieren zu lassen, man solle jemanden dringend zurückrufen. Am Ende der Nachricht wurde die Telefonnummer des übermittlers angezeigt. Im Falle der wissenschaftlichen Untersuchung von Sloboda wurden Teilnehmer daran erinnert, sie sollen bitte einen Eintrag in ihr Tagebuch vornehmen. Diese Art der erinnerung bekamen sie im Schnitt alle zwei Stunden über einen Zeitraum von einer Woche. Die Eintragungen im Tagebuch der Teilnehmer bezogen sich hauptsächlich auf jegliche musikalische Bestandteile im täglichen Ablauf und emotionaler Regungen, welche durch die Musik hervorgerufen wurde. Nach Beendigung der Studie hatten die auswertenden Wissenschaftler ein Sammelsurium an möglichen Korellationen und Kausalitäten abzuwägen.

Es schien ersichtlich, dass 44% eines jeden Tages gefüllt war mit einer Art musikalischen Untermalung. Wir müssen uns nur vorstellen, wo wir in unserem eigenen täglichen Leben überall mit Musik in Berührung kommen. Den Meisten unter uns werden sofort Beispiele wie "Fahrstuhlmusik", "Autoradio" oder "Straßenmusiker" einfallen. Abgesehen von einer Fülle an musikalischen Eindrücken, ist es wichtig zu unterscheiden zwischen einer passiven Beschallung, der man sich nicht unbedingt freiwillig hingibt und der Erfahrung des aktiven und bewussten Zuhörens. Die wenigsten der Studienteilnehmer hatten ein aktives Hörerlebnis, welches sie bewusst für sich selbst eingerichtet haben, zu verkünden. Die meisten wurden nur beschallt.

Die take-away Ergebnisse Sloboda's Studie waren folgende. Teilnehmer unter dem Einfluss von Musik waren positiv eingestellter, aufgeweckter und fokussierter. Speziell in den Fällen, in denen die Partizipanten einen Einfluss darauf hatten, welche Musik gespielt wird, waren die soeben genannten Ergebnisse noch deutlicher zu beobachten.

Mehrmals schon konnten die Ergebnisse dieser Studie repliziert werden. Juslin und Kollegium, zum Beispiel, konnten 32 Teilnehmer dazu bewegen mit Hilfe eines Laptops ähnliche Aufzeichnungen vorzunehmen. Daraus resultierten ähnliche Befunde. Die Teilnehmer dieser replikativen Studie standen zu 37% eines jeden Tages unter dem Einfluss von Musik. In zwei Dritteln dieser Zeit fühlten sich die Teilnehmer von der Musik emotional beeinflusst. Besonders in Abendstunden und an Wochenenden war der emotionale Bestandteil beim Hören von Musik groß. Das mag daran liegen können, dass Musik, hört man sie zu Zeiten, in denen der Kopf frei und der Geist ungestört ist, viel stärker wirken kann. Ähnlich verhätl es sich mit einem Gedicht, welches nur seine volle Wirkung entfaltet, wenn man sich auf das gesagte/geschrieben konzentriert und die Worte im Kontext aktiv aufnimmt und verarbeitet.

Es ist also, und das werden die meisten unter uns bereits vermutet haben, wichtig, WIE man Musik hört. Es reicht nicht aus, dass im Fahrstuhl angenehm jazzige Klänge auf uns herabfallen, wenn wir nebenbei auf dem Smartphone unseren Facebookstatus ändern. Musik entfaltet emotionale Kräfte nur, wenn wir bereit dazu sind uns dem hinzugeben. Doch dann kommt erneut die Frage auf, ob Musik in und an sich selbst überhaupt die Fähigkeit besitzt Emotionen zu erzeugen?!

Quellen:

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3 Wege Durch Einen Effektiven Tag

3 Wege durch einen effektiven Tag

3 Wege Durch Einen Effektiven Tag

Mit Apps Als Hilfe

1. Weniger Blaulicht durch Monitore am Abend

Wir alle legen viel Wert auf erholsamen Schlaf jede Nacht. Nichts widerstrebt uns so sehr wie ein unerholtes Aufwachen, geplagt von einem geschwollenen Gesicht und weichen Knien. Gleichermaßen viel Wert legen wir jedoch auch auf konstante Erreichbarkeit, einen besseren Highscore in FarmVille und auf die neuesten lokalpolitischen Ereignisse.
 
Viel Zeit vor dem Monitor bedeutet viel helles Licht vor dem Gesicht. Stundenlanges Lesen im Bett kann damit von einer entspannenden und erholsamen Unternehmung zu einem aufputschenden Erlebnis werden. Schränkt man die Emission von blauem Licht ein, so minimiert sich der weckende Effekt auf das eigene Gemüt enorm.
 
Bis ca. 3h vor dem Schlafengehen sollte man die Helligkeit, sowie den blauen Anteil des ausgehenden Lichts seiner Geräte verringern. Mit dafür entwickelten App lässt sich im Handumdrehen eistellen, wann und wie sich das Display in Sachen Helligkeit und Lichtspektrum verändern soll.
 
Das bekannteste solcher Programme für Mac und PC, sowie iOS und Android, ist f.lux.
Andere Alternativen für Android und iOS sind folgende.
 
Beste Apps für weniger Blaulicht (Android):
 
 
 
Beste Apps für weniger Blaulicht (iOS):
 
  • CF.lumen
  • (ab iOS 9 nativ eingebettet in den Einstellungen)
 
Smartphone, Tablet und Computer können somit auch zu später Abendstunde benutzt werden. Trotz später Exceltabellen wird der Körper nicht daran gehindert Melatonin auszuschütten. Einige der verfügbaren Apps richten den Tag/Nacht-Wandel nach den örtlichen Sonnenauf- und Untergängen der Benutzer.
 
Körper und Geist werden dadurch auf einen natürlichen Schlaf- und Wachzyklus, abhängig von dem tatsächlich verfügbaren natürlichen Licht, getrimmt. Der negativer Einfluss auf die
Cirkadiane Rhythmik, in Form von "tired but not sleepy", wird damit minimiert.
 
Weitere Quellen zu Schlafstörungen, Lichttherapie, Schlafhygiene und Melatonin gibt es auf Circadiansleepdisorders.org (auf Englisch).
 
 

2. Powernaps in Pausen

Kurzzeitige Schlafintervalle nach körperlich und/oder geistig anstrengenden Arbeitsphasen
regenerieren den Energiespeicher genug, um vergleichsweise lange danach weiter schuften zu können.
Von individuellen Faktoren abhängig, muss jeder für sich selbst bestimmen, welche Erholungsdauer am besten geeignet ist für die jeweiligen Umstände.
 
Für mich persönlich gilt grob: 10 - 15 Minuten. Nicht länger als 20. Nicht weniger als 5. Wer, anders als ich, länger zum Einschlafen braucht als 12 Sekunden, sollte mehr Zeit dafür einplanen.
Besonders hilfreich dabei, verkünden einige Quellen, sind angeblich entspannende Hintergrundrauschen.
 
Beste Apps für weißes Rauschen (Android):
 
 
Beste Apps für weißes Rauschen für (iOS):
 
 
Weisses Rauschen kaschiert gut Umgebungsgeräusche und führt zu einem subjektiv geringeren störhaften Geräuschpegel. Darüberhinaus sind 432hz Meditationsklänge relativ erfolgreich im Bereich der entspannenden Klänge:
 
 
Über die Validität und Effizienz von musikalischer Bereicherung in einer Stimmung von A=432Hz, anstelle von A=440Hz, ist sich auch die Wissenschaft noch nicht hundertprozentig einig. Für einen guten Einblick in die gröbsten Aspekte bietet sich viel Basisliteratur (englischsprachiges Beispiel).
 
Ein simpler Timer reicht vollkommen aus, um pünktlich wieder zu erwachen. Abhängig von persönlichen Schlafphasen unterscheiden sich die zeitlichen Einstiege in die unterschiedlichen Phasen.
Infografik (Englisch)
 

 

3. Arbeitszeit effektiv einteilen mit Pomodoro

Wichtig bei der Erledigung von geistig anstrengender Arbeit ist die Zeitplanung. Jeder Mensch, ob chronisch überlastet oder generell entspannt, braucht Erholungspausen. Um dem Chaos im Denkenausreichend Möglichkeit zu geben sich zu sortieren, sollten regelmäßig Pausen gemacht und die Art der Arbeitsweise gewechselt werden.
 
Anfängliche hochfokusierte Phasen der Aufmerksamkeit dauern unterschiedlich lang an. Interne, sowie äußere, Faktoren spielen eine große Rolle dabei, wer wann und wie lange seine Aufmerksamkeit behält oder verliert. Es wurde unter Anderem bereits gezeigt, dass die Kapazität des Arbeitsgedächtnisses einen Einfluss auf den Verlust von Aufmerksamkeit hat. In der Regel kann man von einer natürlichen Tendenz zu 45 minütigen Aufmerksamkeitsspannen, kombiniert mit kurzen Erholungspausen, sprechen.
 
Ein Energieeinbruch nach der Mittagspause hat unter Anderem mit den Hungerhormonen Leptin und Ghrelin zu tun. Vor einer Mahlzeit, wenn das Hungergefühl einsetzt, steigt der Ghrelinspiegel an, während das Level an Leptin
abnimmt. Nach erfolgreicher Nahrungszufuhr steigt der Leptinspiegel wieder an und der Ghrelinspiegel nimmt ab.
 
Zusätzlich zu den Hungerhormonen ist der Energieaufwand für den Prozess der Verdauung, der Zuckerspiegel und andere Neurotransmitter (z.B. Serotonin) dafür verantwortlich, wie Müde wir nach einer Mahlzeit werden.
 
Intervalle von 30-40 minütiger Arbeitsphase, gefolgt von 10-15 minuten Pause, haben sich als effektive und natürliche Arbeitsrhythmen herausgestellt. Nach dem Pomodoro-Technik sollte nach vier durchgängen eine längere Pausenzeit eingelegt werden. In der längeren Pause würde es sich anbieten ein Powernap einzuplanen.
 
Beste Apps für Pomodoro Zeitmanagement (Android):

 

Beste Apps für Pomodoro Zeitmanagement (iOS)

 

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Kraftstoff Für Den Geist – 5 Alltägliche Dinge Helfen Beim Denken

5 Tips helfen Denken

Um deinem Denkapparat auf die Sprünge zu helfen, Ermüdung vorzubeugen und das extra bisschen Leistung aus deinem Hirn zu saugen, folge diesen Tips:

1. Trinke 2 Gläser Wasser unmittelbar nach dem Aufwachen

Nach einer erholsamen Runde Schlaf, bei der dein Körper ca. 8 Stunden lang ohne die Zufuhr von Flüssigkeit auskommen muss, kannst du ihm als erstes Wasser gönnen. Wasser wird im Körper benötigt um Abfallstoffe zu filtern und den Flüssigkeitshaushalt auszubalancieren. Die besagten 2 Gläser Wasser am Morgen sollten einem Flüssigkeitsdefizit entgegenwirken. Abhängig davon, wie viel du nachts schwitzt, darf es ruhig auch etwas mehr sein. Studien haben bereits mehrfach aufgezeigt, wie wichtig eine ausreichende Wasserzufuhr für kognitive Anstrengungen ist [1] [2].

2. Höre stimulierende Hörbücher und Podcasts

Beim Joggen, auf dem Weg zur Arbeit, beim Sport oder bei einem erholsamen Bad. Ein Hörbuch zu einem interessanten Thema, ein Interview mit einem Wissenschaftler oder eine Kurzgeschichte zur politischen Entwicklung in Kuala Lumpur passt oft zeitlich gut in eine Pause.

Ressourcen zu kostenlosen und frei verfügbaren Audiobooks gibt es viele. Die meistgenannten Anlaufstellen sind zum Beispiel:

  1. TED-Talks
  2. Loyalbooks
  3. LibriVox
  4. archive.org

3. Trinke grünen Tee während der Arbeit

Koffein im Überschuss macht viele Menschen nervös, verwirrt und im schlimmsten Fall zittrig mit Herzrasen. Da es sich mit Koffein leicht übertreiben lässt und die nächste Kanne bereits in der Gemeinschaftsküche brodelt, sollte ab und zu eine Alternative in Erwägung gezogen werden. Dazu eignet sich besonders gut grüner Tee.

Grüner Tee enthält Theanin [3]. Diese Aminosäure erhöht die Alphawellen im Gehirn. Während grüner Tee ein fokusiertes Arbeiten unterstützt, macht er nicht gleichzeitig so nervös und angespannt wie Kaffee.

4. Vermeide Zucker

Zucker sollte in absolut jeder Lebenslage vermieden werden. Es gibt kaum eine Situation, in der die Zufuhr von Zucker absolut nötig ist. Generell enthalten viele Nahrungsmittel von Hause aus eine große Menge Zucker. Besonders in Zeiten mentaler Anstrengung und fokusiertem Arbeiten sollte Zucker in reinform, sowie in Energy-Drinks oder Süßigkeiten unangetastet bleiben.

Es stimmt, dass Zucker für eine sehr kurze Zeit dem Körper Energie bereitstellt. Für wenige Minuten arbeitet er also effizienter und ist Leistungsfähiger. Die Kosten für diesen kurzzeitigen Energieschub ist ein darauffolgender Einbruch aller Energieressourcen. Nach einem "sugarhigh" muss eine vielfach erhöhte Menge Zucker erneut zugefügt werden, um eine ähnlichen Energieschub zu erfahren. Anstelle von minderwertiger Energie, welche später vom Körper sowieso nur in unbeliebtes Körperfett umgewandelt wird, sollten Alternativen wie Eier, Bananen (wobei auch diese viel Fruktose enthalten), Nüsse, Fisch etc. ausprobiert werden.

5. Sportliche Betätigung

Körper und Geist gehen noch vor unserer Geburt eine Symbiose ein. Wenn unser Körper nicht ernährt und gepflegt wird, bricht auch das Denken ein. Neben einer gesunden Ernährung, bzw. die Abstinenz von schlechter Ernährung, ist sportliche Ertüchtigung das Beste, was wir für unsere Überlebensmaschinerie tun können.

Ohne direkt an Marathons oder Dreikämpfe zu denken, lässt sich sportliche Aktivität extrem leicht in die tägliche Routine integrieren. Es muss nicht einmal zwingend eine Mitgliedschaft bei einem Fitnessstudio oder einem Kampfsportverein sein. Ebenso gut kann im eigenen Garten, im Park um die Ecke oder auf dem Abenteuerspielplatz für Kiddies trainiert werden. Wer noch nie auch nur einen Sportschuh anprobiert hat, fängt klein an. Die wichtigsten Richtlinien variieren enorm, sofern man sich die Mühe macht und etwas Zeit in die Recherche steckt.

Grundlegend ist dennoch die angesprochene (gute) Ernährung, ein adäquater Trainingsplan (Zugeschnitten auf persönliche Bedürfnisse), ein eiserner Wille und die routinemäßige Durchführung. Was anfänglich als Zwang wahrgenommen und nur mit bestialischer Überwindungskraft zu meistern ist, fühlt sich nach einigen Wochen bereits an wie naturgegeben. Sport ist besser als Crack und macht mindestens genauso abhängig.


[1] - http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0195666309005029
[2] - http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0195666309006394
[3] - https://de.wikipedia.org/wiki/Theanin

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Empathie Ist Erlernt

kopfvoll - empathie

Empathie Ist Erlernt

Eine Welt ohne Empathie bedeutet gleichzeitig eine Welt ohne kostenlose Umarmungen und aufrichtige Spenden

In einer empathielosen Welt gäbe es an Halloween mit Nougat verzierte Rasierklingen. Eine solche Dystopie brächte Wolkenkratzer dazu die Klänge von Metall zu singen, ungeachtet der Tatsache, dass an ihren Seiten Menschen purzeln.

Hätte die Menschheit von heute auf morgen, über Nacht, vergessen wie zwischenmenschliche Eingebung funktioniert, stünden wir vor intensiven Veränderungen unseres sozialen Zusammenlebens. Empathie verloren, auf die Art und Weise, wie dir nach und nach dein Kleingeld aus der kaputten Hosentasche fällt. Vielleicht würden wir es nicht einmal vermissen?!

Persönlichkeiten, beraubt ihrer Fähigkeit anderer Menschen Gemütszustände nachzuvollziehen, geben eine dunkle Einsicht in unser Bewusstsein. Die Unfähigkeit, glückliche Laune von Hass zu unterscheiden, macht dich zu einem klinischen Fall und eine großartige Erweiterung für jede finanzielle Institution. Eine vernebelte Zukunft, in der Tat.

Wenn du weiterhin angespannt versuchst durch den düsteren Nebel zu schauen, erkennst du vielleicht irgendwann etwas. Nichts verpassen! Wenn wir lange genug starren, finden wir uns vielleicht mit einem empathielosen Lebensstil ab. Es ist okay Jemandem nicht vertrauen zu wollen, der niemandem traut.

Laut einer Studie, durchgeführt von einer Gruppe Wissenschaftlern aus Zürich (Schweiz), Nijmegen (Niederlande) und London (England) (Hein, Engelmann, Vollberg und Tobler, 2015), wird Empathie erlangt durch einen Lerneffekt. Im speziellen nutzen sie: “[..] functional MRI (fMRI), combined with formal learning theory and an intergroup conflict paradigm, to investigate whether and how classical learning mechanisms alter the empathy of males toward out-group members."

Es wurde also mit Hilfe funktioneller Magnetresonanztomographie (fMRI), in Kombination mit einer formalen Lerntheorie und einem Paradigma über Gruppenkonflikte, untersucht, ob und wie klassische Lernmechanismen Empathie von männlichen Personen gegenüber Gruppenmitgliedern beeinflussen. Die Studie wurde durchgeführt in der Schweiz und stellt Kandidaten mit rein Schweizer Herkunft gegenüber Teilnehmern aus dem Balkan. Gruppen werden dementsprechend betitelt mit “In-Group” (Innen-Gruppe = Schweizer) und “Out-Group” (Außengruppe = Balkan-stämmig). Einfach ausgedrückt wurde in dieser Studie eine Gruppe Menschen in Leidenssituationen beobachtet von anderen nicht-leidenden Personen.

Es stellt sich heraus, Menschen reagieren grundsätzlich empathisch, wenn sie einen anderen Menschen leiden sehen. Schweizer Menschen erfahren Empathie, wenn sie Schweizer leiden sehen und auch wenn sie Menschen anderer Herkunft leiden sehen. Körperliche Ausdrücke, wie zum Beispiel ein schmerzverzerrtes Gesicht, Zusammenziehen von Gliedmaßen, erhöhte Herzfrequenz, sowie Gehirnaktivität in bestimmten Bereichen (Ventrale Inselrinde) geben Aussage darüber, wie sich eine empathievolle Reaktion manifestiert. Einzig in der Intensität unterscheiden sich die Reaktionen von Teilnehmern aus der In-Group von Teilnehmern aus der Out-Group. Schweizer, die andere Schweizer leiden sehen, reagieren stärker auf die gegebenen Reize als Schweizer, die Balkanstaatler leiden sehen.

 

kopfvoll - empathieIn dieser spezifischen Studie wurden die Reaktionen von Balkanstaatlern beim Beobachten von anderen Balkanstaatlern nicht untersucht. Es ist jedoch davon auszugehen, dass ähnliche Effekte zu beobachten wären wie zwischen den beobachteten Schweizern. Die Quintessenz dieser Studie, und ein einstimmig akzeptierter Fakt in den meisten Bereichen der sozialen Wissenschaft, ist die erhöhte Identifikation einer Person selbst mit Menschen, die dieser Person ähnlich sind. Je ähnlicher, desto stärker die Reaktion. Im Bereich von Empathie bedeutet das auf der einen Seite eine allgemeine geistige und körperliche Reaktion auf Menschenleiden. Jeder findet sich, bis zu einem bestimmten Grad, in anderen Menschen wieder. Auf der anderen Seite ist dieser Effekt der Grund für die Bevorzugung der eigenen Angehörigen gegenüber genetisch “fremden” Menschen.

Innerhalb des Untersuchungsaufbaus und des angewandten Modells der Wissenschaftler, besagt der Lerntheoretische Ansatz, dass positive Assoziationen gegenüber einer Person am effizientesten geformt werden, wenn das Verhalten dieser Person zu unerwarteten positiven Ergebnissen führt.”

A learning-theoretical framework predicts that the establishment of positive associations toward a person is most efficient, if the actions of that person result in unexpected positive outcomes.

Anders ausgedrückt erwarteten Schweizer Menschen Hilfe von anderen Schweizern (In-Group) , aber nicht von Balkanstaatlern (Out-Group). Aus diesem Grund waren Schweizer Personen positiv überrascht, wenn ihnen durch eine Südosteuropäische Person geholfen wurde. Solch eine positive und unerwartete Überraschung kann Stereotypen und Vorurteilen entgegenwirken. Nach nur wenigen Durchläufen, nachdem Mitglieder der Out-Group Mitgliedern der In-Group geholfen haben, entsteht eine stark empathische Verbindung.

Weiter verallgemeinert sagt das Ergebnis dieser Studie eine Menge über die Art des Zusammenlebens aus, das wir anstreben sollten. Wird dir nur ein-zwei Mal von einer fremden Person in schwierigen Situationen geholfen, bist du viel eher dazu geneigt anderen fremden Personen zu vertrauen oder ihnen zumindest mit gesteigerter Empathie über den Weg zu laufen. Vice versa, wird dir unverschuldet und wiederholt von Fremden metaphorisch auf den Schuh getreten, wirst du in Zukunft sehr viel besser aufpassen, wo die Anderen hintreten.

Empathie ist also, zu einem bestimmten Grad, erlernt. Dafür ist es jedoch unvermeidlich sich der Out-Group auszusetzen. Es ist äußerst wichtig sich dem zu öffnen, wogegen man die größten Vorurteile hat. Gib denen, die du nicht leiden kannst, eine Möglichkeit dich zu mögen. Vielleicht nehmen Sie sie sogar wahr.

Glücklicherweise werden wir vorerst keine Angst haben müssen unseren Sinn für Empathie zu verlieren. Solange die Menschheit bewusst bleibt/ein Bewusstsein hat, wird es empathische Lebenszüge geben. Unglücklicherweise, schaut man sich einschlägige Nachrichtenagenturen an oder scrollt durch verschiedene Newsfeeds, könnte man meinen es sei bereits zu spät. Schadenfreude, zum Beispiel, ist einer von Empathie’s kleinen ungeliebten Brüdern.

Die bedeutendste Rolle in der Grundlage von Empathie spielt die Evolution. Sogenannte Spiegelneuronen sind verantwortlich dafür in gewissen sozialen Situationen zu feuern und damit ein Signal einzuleiten. Ein solches Signal entsteht in Umständen, in denen der Organismus etwas lernen kann. So kann zum Beispiel ein Schimpansenbaby, welches keine Ahnung davon hat wie es eine Banane zu pflücken, zu öffnen und zu verzehren hat, seine Mutter beobachten und durch soziales Lernen mit leichtigkeit sich die fehlenden Fertigkeiten aneignen.

Monkey see, monkey do.
Auch wenn Schimpansen keine Schwänze haben.


Deine Dosis Literatur:

Social Sciences — Psychological and Cognitive Sciences — Biological Sciences — Neuroscience: Grit Hein, Jan B. Engelmann, Marius C. Vollberg, and Philippe N. Tobler. How learning shapes the empathic brainPNAS 2016 113 (1) 80–85; published ahead of print December 22, 2015,doi:10.1073/pnas.1514539112

 

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Wahrheitstabellen

kopfvoll - wahrheitstabellen

Wahrheitstabelen

kopfvoll - wahrheitstabellen

Nun, da wir die grundlegende Syntax von logischen Formulierungen kennen, können wir die, für Deduktion besonders wichtigen, Wahrheitstabellen aufstellen. Mit einer Wahrheitstabelle kann in kürzester Zeit die Validität einer Argumentation bestätigt oder widerlegt werden. In solch einer Tabelle werden die zutreffende, also wahre, Zustände mit einem T (für true - wahr) oder einem F (false - falsch), aber niemals mit beiden zugleich, beschrieben.
Eine Wahrheitstabelle besteht, in der ersten Reihe, aus den Teilen der Prämissen. Im einfachen Falle einer Aussage, wie: "Es regnet.", wäre die dazugehörige Wahrheitstabelle folgende:

A ¬A
T F
F T

Demnach kann „nicht A“ (¬A) nur zutreffen, wenn „A“ falsch ist, also mit einem F beschrieben wird. Andersherum kann „A“ nur zutreffen, wenn „nicht A“ richtig ist, also mit einem T beschrieben wird. Setzen wir für A = „Es regnet“ ein, wird verdeutlicht, dass es nicht regnen kann, wenn es gleichzeitig nicht regnet.

Wahrheitstabellen sind in ihrer Größe weder auf die Anzahl ihrer Prämissen, noch an in der Vielfalt ihrer Syntaktischen Verbindungen, bzw. Trennungen, beschränkt. Jedwede Aussage kann, solange sie den Voraussetzungen einer Argumentation entspricht, in Syntaktischer Form und daher auch in tabellarischer Form in der Logik repräsentiert werden.
Nehmen wir uns das Beispiel mit einer weiteren Prämisse zur Hand:
 

Es regnet (A) und (∧) es ist kalt (B) = A ∧ B.

Jetzt möchten wir wissen, wann A ∧ B eine wahre Aussage ist und fertigen dafür eine Wahrheitstabelle an. Natürlich wissen wir bereits, dass „Es regnet und es ist kalt“ Nur wahr sein kann, wenn beide Zustände (Regen und Kälte) gleichzeitig erfüllt werden. In tabellarischer Form sieht diese Aussage wie folgt aus:

Es regnet (A) und (∧) es ist kalt (B) = A ∧ B
 

A B A ∧ B
T T T
T F F
F T F
F F F

In der rechten Spalte finden wir den besagten Zustand (A ∧ B = wahr), beschrieben mit einem T. Alle anderen Situationen, in denen entweder der Regen fehlt oder die Kälte oder aber alle beide, sind Falsch und werden beschrieben mit einem F.

In einem anderen Fall, gehen wir davon aus, dass nur einer von zwei Zuständen stimmen kann, zum Beispiel:

Tom ist lang (A) oder (∨) Tom ist schwer (B) = A ∨ B.
 

A B A ∨ B
T T T
T F T
F T T
F F F

Mit dem Verständnis unserer alltäglich zu Rate gezogenen „Laien-Logik“, erscheint uns die Situation der ersten Reihe als Paradox. Wir betrachten das „oder“ als ein Kriterium, welches ein (oder die andere) Option ausschließt. In der Philosophischen Logik, jedoch, Ist (A ∨ B) korrekt, wenn entweder A oder B zutrifft oder aber beide gleichzeitig zutreffen. „Tom ist lang oder Tom ist schwer“ ist nur dann eine falsche Aussage, wenn Tom weder lang noch schwer ist.

Von essentieller Wichtigkeit ist es hier im Voraus zu analysieren, wie das „oder“ gemeint ist. In unserem Beispiel könnte man anmerken, dass lange Menschen von Hause aus schwerer sind als kurze Menschen. Das Gewicht der Knochen in ihrer größeren Masse, zusätzlich zum körperlichen Drumherum, machen lange, also hohe, Menschen im Durchschnitt schwerer. Daher kann bei diesem Beispiel von einem inklusiven „oder“ gesprochen werden. Das inklusive „oder“ ermöglicht es, wie hier in der ersten Reihe, beiden Situationen (A, sowie B) gleichzeitig wahr zu sein. Ein exklusives „oder“ entbehrt sich dieser Möglichkeit, wird aber, zumindest von den meisten Logikern, als das sekundäre „oder“ betrachtet. Wir können also bei der Schreibweise (A ∨ B) davon ausgehen, dass von einem „oder“ die Rede ist, bei dem zwei wahre Zustände gleichzeitig auftreten können.

Ein exklusives „oder“, mit der Schreibweise „xor“, können wir uns wie folgt vorstellen. Im soeben genannten Beispiel mit „A“ und „B“ darf, nach der Regelung des exklusiven „oder“, nur eine von zwei Situationen zutreffen, entweder „A“ oder „B“, aber nicht beide.

Nutzen wir das bis hierhin gelernte und zerlegen den letzten Satz des vorigen Abschnitts:
 

A oder B, aber nicht beide = A oder B und nicht beide = (A oder B) und nicht (A und B) =
(A ∨ B) ∧ ¬ (A ∧ B)
 

Als letzten Schritt fertigen wir nun eine Wahrheitstabelle an, um zu verbildlichen, wann das exklusive „oder“ tatsächlich stimmt und wann es nicht stimmt:

(A ∨ B) ∧ ¬ (A ∧ B)
 

A B (A ∨ B) ¬ (A ∧ B)
T T T F F T
T F T T T F
F T T T T F
F F F F T F

Hier sehen wir nun, dass die dickgedruckte Spalte des „und“ gleichbedeutend steht für die Optionen des exklusiven „oder“. Es ist nur wahr, wenn entweder „A“ oder „B“, aber nicht beide gleichzeitig.

Also:

A B A xor B
T T F
T F T
F T T
F F F

Im Bereich der Logik gibt es neben den hier genannten (angerissenen) Inhalten auch frei zugängliche umfangreiche Werke, manche schwer verständlich, manche sehr einfach zu verdauen. 
Für die englischsprachigen Leser empfehle ich den Youtube-Channel von Professor Serna. Für ausschließlich deutschsprachige empfehle ich die komplette Playlist von PHoyningen.

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Schlussfolgern mit Zeichen – Syntax in der Logik

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Schlussfolgern mit Zeichen

Syntax in der Logik

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Wie im Gebrauch anderer Sprachen, braucht auch die Logik eine schriftlich-semantische Repräsentation für Aussagen und Abfolgen von Genanntem. 
Zu allererst ist es wichtig zu verstehen, welche Arten von Aussagen genutzt werden können, um sie aus den Augen der Logik aufschreiben und daraufhin auf Wahrheitsgehalt überprüfen zu können. In ihrer am einfachsten zu verstehenden Weise, ist eine logische Aussage eine solche, die man herleiten kann. Die, auch Deduktion genannte, Herleitung besteht im Normalfall aus zwei oder mehr Prämissen (Voraussetzungen) und einer logischen Schlussfolgerung.

Beispiel:

Prämisse 1: Es regnet oder es schneit.
Prämisse 2: Es regnet nicht.
------------------------
Schlussfolgerung: Es schneit.

Dieses Beispiel repräsentiert eine wahre (valide) Aussage. Es können unendliche viele andere Beispiele gefunden werden. Daher sollten wir uns merken, dass eine Aussage IMMER valide ist, wenn seine vorergehenden Prämissen wahr sind.

Eine Aussage, die immer valide ist, wird auch Tautologie genannt. Das Gegenteil einer Tautologie ist ein Trugschluss, also eine Aussage, die nicht wahr sein kann. Ungeeignet für logische Schlussfolgerungen sind Äußerungen, die keine Argumentation enthalten. So sind, zum Beispiel, Fragen ("Ist die Tür zu?") größtenteils in ihrer Reinform ungeeignet für logische Deduktion.

In seiner effektiven Kurzform nimmt eine solche Kombination von Prämissen und Schlussfolgerung folgende Form an und bietet eine Art Schablone mit Platzhaltern:

E oder F
Nicht E
------------------------
also: F.

Mit dieser ersten Vereinfachung ist bereits ersichtlich, wie effektiv sich Aussagen in der Welt der Logik beschreiben lassen.

Da es aber selten nur um Aussagen geht, die sich aus zwei Prämissen zusammensetzen, welche eine einzige Schlussfolgerung bilden, bedient sich die logische Sprache (vieler) weiterer Zeichen. Die grundlegendsten davon sind:

Also: ∴
Nicht: ¬
Und: ∧
Oder: ∨
Wenn...Dann: →

Unser soeben benutztes Beispiel können wir also wie Folgt verkürzen:

E ∨ F
¬E
------------------------
∴F

Dies sind strukturelle Teile einer Argumentation, die dazu dienen um einzelne Objekte in der Kette von Prämissen (oder manchmal auch in der Schlussfolgerung) zu verbinden oder voneinander zu trennen, ebenso wie der gesamten Struktur Übersicht zu verschaffen.  

Ab hier können wir bereits den Großteil aller wichtigen Deduktionen in logischer Form darstellen:

A: Ich habe zu viel gegessen.
B: Mir ist schlecht
¬A: Ich habe nicht zu viel gegessen.
¬B: Mir ist nicht schlecht.
A ∧ B: Ich habe zu viel gegessen und mir ist schlecht.
A ∨ B: Ich habe zu viel gegessen oder mir ist schlecht.
A → B: Wenn ich zu viel gegessen habe, dann ist mir schlecht.
¬A → ¬B: Wenn ich nicht zu viel gegessen habe, dann ist mir nicht schlecht.
etc.

Übung

Bringe folgende Argumentationen in logische Sprache und forme eine Schlussfolgerung:

A: Wenn Berlin nicht in Deutschland liegt, dann liegt Brüssel in Schweden.
B: Berlin liegt in Deutschland.

Schlussfolgerung: ?

A: Die Putzfrau hat es getan oder der Gärtner hat es getan.
B: Der Gärtner hat es nicht getan.

Schlussfolgerung: ?

das Krankenhaus gefüllt ist mit Ärzten und Patienten, dann zerbomben wir es nicht. Das Krankenhaus ist nicht besetzt von Terroristen und Das Krankenhaus ist gefüllt mit Ärzten und Patienten.

Schlussfolgerung:

https://www.youtube.com/watch?v=dOVKC6RJZkU

 

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Logik – Ergibt das Sinn?

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kopfvoll newsletter 007 - intro

Argumentationen im alltäglichen Sprachgebrauch sind üblicherweise verbunden mit einer subjektiven Meinung über einen Sachverhalt, welche untermauert wird mit einem- oder mehreren Argumenten für oder gegen einen Aspekt dieses Sachverhaltes. 

Selten fällt uns dabei konkret auf, dass, besonders bei emotionsgeladenen Themen, unsere Begründungen für das Treffen einer gewissen Denkentscheidung, durchaus fehlerbehaftet sind. Sachliche Argumentationen werden auch im gediegensten sprachlichen Umfeld beeinflusst durch menschliche Denkmuster, die für das Finden einer validen Schlussfolgerung, sehr nachteilig sind.

Neben einer großen Anzahl von simplen, bis hin zu extrem verzwickten,Trugschlüssen, ist jeder von uns geplagt von dem stillen, oft unbemerkten, Einfluss von irrationalen kognitiven Tendenzen (biases) im Denken.
Eine wissenschaftliche Disziplin, die mit sprachlichen Mitteln arbeitet, muss sich ganz besonders in Acht nehmen vor argumentativen Fehlgriffen. (Westliche) Philosophie genießt seit beginn des 20. Jahrhunderts eine an die mathematische Logik angegliederte Sprache. Viele verschiedene Arten der Logik, sowie derer Niederschriften, haben sich bereits zu altgrieschichen Zeiten entwickelt. Die erste Form unserer westlichen Begriffslogik findet man bei Aristoteles (384 - 322 v. Chr.). Auch vorher haben es sich Sophisten zur Aufgabe gemacht Regeln der Logik gegen Bezahlungen zu verbreiten, um somit Menschen zu unterrichten. Aristoteles hat jedoch in seinem Werk "Organon" den Grundstein gelegt für moderne Logik gelegt, indem er Logik als Disziplin benutzte und sie erklärte als Werkzeug des Denkens und des Schlussfolgerns. 

Bis heute nutzen wir seine Grundpfeiler, um valide Aussagen zu treffen. Da Jeder sie erlernen kann, passiert es sogar, dass der Debattierclub von Harvard besiegt werdenkann von Insassen eines Gefängnisses mit extrem schlechten Bildungsressourcen (Kein Internet, kaum Bücher).

Mit der Symbolischen Logik, also der Argumentation und dem Extrahieren von validen (wahren, stimmigen, korrekten) Schlussfolgerungen aus Prämissen (Voraussetzungen), wurde ein Werkzeug entwickelt, mit welchem sich sprachliche Argumentationen bis auf den Kern zerlegen und daraufhin auf ihren Wahrheitsgehalt kontrollieren lassen. Dem nehmen wir uns jetzt an.

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