Stress ist in der Wahrnehmung – no-stress intermission

Stress und Wahrnehmung

Stress ist in der Wahrnehmung und im Grunde weniger kompliziert als oft suggeriert wird.

Gänzlich unverstanden ist Stress in der allgemeinen Bevölkerung nicht. Jeder hat eine Vorstellung davon, was für Sie oder Ihn Stress bedeutet. Spätestens, wenn wir uns in einer stressigen Situation wiederfinden, wissen wir um unseren Zustand. 

Unser Grundverständnis von Stress spiegelt im täglichen Leben oft "nur" die Instanzen konkreter stressiger Vorkommnisse wieder. Das bedeutet, dass wir nach einem anstrengenden und stressigen Tag unseren ausgelauchten müden Zustand den konkreten Ereignissen dieses Tages zuschreiben. Es liegt auf der Hand die Menschen und Situationen für unseren leeren Tank verantwortlich zu machen, die uns den ganzen Tag lang auf hochtouren fahren ließen.

Neben einer allgemeinen positiven Weltanschauung (viel schwerer getan als geschrieben) ist ein gewisses Verständnis der teilhabenden mitschuldigen Stressoren wichtig.

Ein Stressor ist eine Person, eine Situation, ein Zustand etc., welcher in uns eine Stressreaktion auslöst. Demnach hat jeder Mensch seine ganz individuellen Stressoren. Außerdem ändern sich, bedingt durch unsere sich stets anpassenden körperlichen Mechanismen, Stressoren im Laufe der Zeit. 

Die Kombination einer Stressreaktion, ausgelöst durch einen Stressor, bezeichnet man im Ganzen als Stress.

Stressor + Stressreaktion = Stress

Ohne weiter auf die theoretischen Feinheiten von Stressoren, wie z.B. die Unterscheidung zwischen internen und externen Stressoren, einzugehen, sollten Sie offen für die Wahrnehmung von Stressoren im Allgemeinen sein. Sie können sich die Möglichkeit eröffnen den Grund ihrer momentanen Stresswahrnehmung zu erkunden, indem Sie sich zuerst die Frage stellen: "Nehme ich in mir gerade Stress wahr?". 

Falls dem so sein sollte, lokalisieren Sie den möglichen Stressor und versuchen Sie ihn zu verstehen. Schauen Sie sich ihn genau an, hören Sie genau hin, fühlen Sie extra scharfsinnig. Danach entledigen Sie sich von dem Stressor oder versuchen sich einen stressfreien Kontext für sich selbst zu schaffen. Das kann bedeuten den Raum, in dem Kolleginnen und Kollegen auf hoher Lautstärke diskutieren, zu verlassen; die unrealistische Deadline direkt, aber höflich, mit dem Chef zu besprechen oder die Betreuung der schreienden Kinder kurzzeitig an den Mann oder den Babysitter abzugeben.

Ein voller Kopf muss ab und an geleert werden. Dafür darf man sich die Zeit nehmen und abschalten.

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Empathie Ist Erlernt

kopfvoll - empathie

Empathie Ist Erlernt

Eine Welt ohne Empathie bedeutet gleichzeitig eine Welt ohne kostenlose Umarmungen und aufrichtige Spenden

In einer empathielosen Welt gäbe es an Halloween mit Nougat verzierte Rasierklingen. Eine solche Dystopie brächte Wolkenkratzer dazu die Klänge von Metall zu singen, ungeachtet der Tatsache, dass an ihren Seiten Menschen purzeln.

Hätte die Menschheit von heute auf morgen, über Nacht, vergessen wie zwischenmenschliche Eingebung funktioniert, stünden wir vor intensiven Veränderungen unseres sozialen Zusammenlebens. Empathie verloren, auf die Art und Weise, wie dir nach und nach dein Kleingeld aus der kaputten Hosentasche fällt. Vielleicht würden wir es nicht einmal vermissen?!

Persönlichkeiten, beraubt ihrer Fähigkeit anderer Menschen Gemütszustände nachzuvollziehen, geben eine dunkle Einsicht in unser Bewusstsein. Die Unfähigkeit, glückliche Laune von Hass zu unterscheiden, macht dich zu einem klinischen Fall und eine großartige Erweiterung für jede finanzielle Institution. Eine vernebelte Zukunft, in der Tat.

Wenn du weiterhin angespannt versuchst durch den düsteren Nebel zu schauen, erkennst du vielleicht irgendwann etwas. Nichts verpassen! Wenn wir lange genug starren, finden wir uns vielleicht mit einem empathielosen Lebensstil ab. Es ist okay Jemandem nicht vertrauen zu wollen, der niemandem traut.

Laut einer Studie, durchgeführt von einer Gruppe Wissenschaftlern aus Zürich (Schweiz), Nijmegen (Niederlande) und London (England) (Hein, Engelmann, Vollberg und Tobler, 2015), wird Empathie erlangt durch einen Lerneffekt. Im speziellen nutzen sie: “[..] functional MRI (fMRI), combined with formal learning theory and an intergroup conflict paradigm, to investigate whether and how classical learning mechanisms alter the empathy of males toward out-group members."

Es wurde also mit Hilfe funktioneller Magnetresonanztomographie (fMRI), in Kombination mit einer formalen Lerntheorie und einem Paradigma über Gruppenkonflikte, untersucht, ob und wie klassische Lernmechanismen Empathie von männlichen Personen gegenüber Gruppenmitgliedern beeinflussen. Die Studie wurde durchgeführt in der Schweiz und stellt Kandidaten mit rein Schweizer Herkunft gegenüber Teilnehmern aus dem Balkan. Gruppen werden dementsprechend betitelt mit “In-Group” (Innen-Gruppe = Schweizer) und “Out-Group” (Außengruppe = Balkan-stämmig). Einfach ausgedrückt wurde in dieser Studie eine Gruppe Menschen in Leidenssituationen beobachtet von anderen nicht-leidenden Personen.

Es stellt sich heraus, Menschen reagieren grundsätzlich empathisch, wenn sie einen anderen Menschen leiden sehen. Schweizer Menschen erfahren Empathie, wenn sie Schweizer leiden sehen und auch wenn sie Menschen anderer Herkunft leiden sehen. Körperliche Ausdrücke, wie zum Beispiel ein schmerzverzerrtes Gesicht, Zusammenziehen von Gliedmaßen, erhöhte Herzfrequenz, sowie Gehirnaktivität in bestimmten Bereichen (Ventrale Inselrinde) geben Aussage darüber, wie sich eine empathievolle Reaktion manifestiert. Einzig in der Intensität unterscheiden sich die Reaktionen von Teilnehmern aus der In-Group von Teilnehmern aus der Out-Group. Schweizer, die andere Schweizer leiden sehen, reagieren stärker auf die gegebenen Reize als Schweizer, die Balkanstaatler leiden sehen.

 

kopfvoll - empathieIn dieser spezifischen Studie wurden die Reaktionen von Balkanstaatlern beim Beobachten von anderen Balkanstaatlern nicht untersucht. Es ist jedoch davon auszugehen, dass ähnliche Effekte zu beobachten wären wie zwischen den beobachteten Schweizern. Die Quintessenz dieser Studie, und ein einstimmig akzeptierter Fakt in den meisten Bereichen der sozialen Wissenschaft, ist die erhöhte Identifikation einer Person selbst mit Menschen, die dieser Person ähnlich sind. Je ähnlicher, desto stärker die Reaktion. Im Bereich von Empathie bedeutet das auf der einen Seite eine allgemeine geistige und körperliche Reaktion auf Menschenleiden. Jeder findet sich, bis zu einem bestimmten Grad, in anderen Menschen wieder. Auf der anderen Seite ist dieser Effekt der Grund für die Bevorzugung der eigenen Angehörigen gegenüber genetisch “fremden” Menschen.

Innerhalb des Untersuchungsaufbaus und des angewandten Modells der Wissenschaftler, besagt der Lerntheoretische Ansatz, dass positive Assoziationen gegenüber einer Person am effizientesten geformt werden, wenn das Verhalten dieser Person zu unerwarteten positiven Ergebnissen führt.”

A learning-theoretical framework predicts that the establishment of positive associations toward a person is most efficient, if the actions of that person result in unexpected positive outcomes.

Anders ausgedrückt erwarteten Schweizer Menschen Hilfe von anderen Schweizern (In-Group) , aber nicht von Balkanstaatlern (Out-Group). Aus diesem Grund waren Schweizer Personen positiv überrascht, wenn ihnen durch eine Südosteuropäische Person geholfen wurde. Solch eine positive und unerwartete Überraschung kann Stereotypen und Vorurteilen entgegenwirken. Nach nur wenigen Durchläufen, nachdem Mitglieder der Out-Group Mitgliedern der In-Group geholfen haben, entsteht eine stark empathische Verbindung.

Weiter verallgemeinert sagt das Ergebnis dieser Studie eine Menge über die Art des Zusammenlebens aus, das wir anstreben sollten. Wird dir nur ein-zwei Mal von einer fremden Person in schwierigen Situationen geholfen, bist du viel eher dazu geneigt anderen fremden Personen zu vertrauen oder ihnen zumindest mit gesteigerter Empathie über den Weg zu laufen. Vice versa, wird dir unverschuldet und wiederholt von Fremden metaphorisch auf den Schuh getreten, wirst du in Zukunft sehr viel besser aufpassen, wo die Anderen hintreten.

Empathie ist also, zu einem bestimmten Grad, erlernt. Dafür ist es jedoch unvermeidlich sich der Out-Group auszusetzen. Es ist äußerst wichtig sich dem zu öffnen, wogegen man die größten Vorurteile hat. Gib denen, die du nicht leiden kannst, eine Möglichkeit dich zu mögen. Vielleicht nehmen Sie sie sogar wahr.

Glücklicherweise werden wir vorerst keine Angst haben müssen unseren Sinn für Empathie zu verlieren. Solange die Menschheit bewusst bleibt/ein Bewusstsein hat, wird es empathische Lebenszüge geben. Unglücklicherweise, schaut man sich einschlägige Nachrichtenagenturen an oder scrollt durch verschiedene Newsfeeds, könnte man meinen es sei bereits zu spät. Schadenfreude, zum Beispiel, ist einer von Empathie’s kleinen ungeliebten Brüdern.

Die bedeutendste Rolle in der Grundlage von Empathie spielt die Evolution. Sogenannte Spiegelneuronen sind verantwortlich dafür in gewissen sozialen Situationen zu feuern und damit ein Signal einzuleiten. Ein solches Signal entsteht in Umständen, in denen der Organismus etwas lernen kann. So kann zum Beispiel ein Schimpansenbaby, welches keine Ahnung davon hat wie es eine Banane zu pflücken, zu öffnen und zu verzehren hat, seine Mutter beobachten und durch soziales Lernen mit leichtigkeit sich die fehlenden Fertigkeiten aneignen.

Monkey see, monkey do.
Auch wenn Schimpansen keine Schwänze haben.


Deine Dosis Literatur:

Social Sciences — Psychological and Cognitive Sciences — Biological Sciences — Neuroscience: Grit Hein, Jan B. Engelmann, Marius C. Vollberg, and Philippe N. Tobler. How learning shapes the empathic brainPNAS 2016 113 (1) 80–85; published ahead of print December 22, 2015,doi:10.1073/pnas.1514539112

 

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Entscheidung treffen und dann entscheiden

kopfvoll - Entscheidungen treffen

Du weißt, was du willst

Bevor du weißt, was du willst

 

Täglich treffen wir Entscheidungen. Einige davon mit Leichtigkeit und ohne viel nachzudenken. Einige, wiederum, erfordern große mentale Anstrengung. Erst nach langwierigem Abwägen wird uns offenbart, welche Option wir letztendlich bevorzugen und wählen sollten.

Bei jeder unserer Entscheidungen sind aber nicht nur rationale Fakten wichtig, sondern auch das Bauchgefühl, dass uns eine gewisse Sicherheit gibt nicht falsch Entschieden zu haben. Unsere Liste mit Vor- und Nachteilen bezüglich einer bestimmten Entscheidung, die wir treffen müssen, ist erst abgearbeitet, wenn sie uns dazu bringt uns selbst von der richtigen Wahl überzeugt zu haben.

Doch wann ist eine Entscheidung getroffen? Ab wann haben wir den Moment erreicht, in dem unser Bauchgefühl so stark eine Option bevorzugt, dass wir mit Sicherheit eine Wahl treffen können? Wir möchten nicht, nach dem Treffen einer unserer wichtigen Entscheidungen, von einem Gefühl der Unzufriedenheit und des Bedauerns geplagt werden. Daher ist es für den Erhalt und dem korrekten Einsatz unserer Ressourcen (Geld, Zeit, Energie) wichtig möglichst passgenaue und zukunftsorientierte Entscheidungen zu treffen und nachteilige Alternativen außen vor zu lassen.

Der Moment, der uns die Erleuchtung bringt eine finale Auswahl getroffen zu haben, ist scheinbar bewusst. Wir haben, durch aktives Vergleichen unserer Optionen, wichtige von unwichtigen Merkmalen getrennt und diese hierarchisch Angeordnet. Wir haben unsere Auswahl an Hand der Wichtigkeit dieser Merkmale eingeschränkt und dann, vor unserem geistigen Auge, eine Vorstellung darüber aufgebaut, wie unser Leben zukünftig aussehen wird, würden wir diese bestimmte Entscheidung treffen.

Dieser scheinbar bewusste Prozess hat, so fand, seit 1983, eine große Anzahl an Studien heraus, einen bedeutsamen unbewussten Teil, der dazu beiträgt zu einer Entscheidung zu kommen.

Pioniere dieser Untersuchungen sind Benjamin Libet, Curtis A. Gleason, Elwood W. Wright und Dennis K. Pearl. In ihrer 1983er Studie ist es ihnen gelungen über Messungen der Hirnströme mit Hilfe eines Elektroenzephalografen (EEG) zu verbildlichen, dass Menschen, bevor sie sich bewusst sind eine Entscheidung getroffen zu haben, bereits entschieden haben.

Im Durchschnitt waren 350 Millisekunden, vor dem eigentlichen Zeitpunkt der bewussten Entscheidung der Teilnehmer, Signale im EEG-Muster zu erkennen. Diese Signale verdeutlichen den Moment der Entscheidung, werden aber von Menschen im Entscheidungsprozess nicht bewusst wahrgenommen. Erst nach weiteren mehreren hundert Millisekunden geben wir an, spontan eine Entscheidung getroffen zu haben.

Was genau passiert zu dem Zeitpunkt der unserer bewussten Entscheidung vorausgeht? Wieso haben wir so eine vergleichsweise lange Zeitspanne nötig, um den Prozess der Entscheidung abzuschließen? Entscheiden wir nicht freiwillig und vollständig bewusst?

kopfvoll - Entscheidungen treffen


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Sozialer Status – Wer spendet mehr

Ehrenamtlich - andere Länder

Sozialer Status und Spenden

Wer mehr hat kann mehr geben, oder behält es lieber

 

Sie, liebe Leserschaft, entscheiden vorerst selbst. A oder B?

A: Reiche Menschen in guten sozialen Verhältnissen spenden verhältnismäßig mehr Geld, Zeit und Energie an gemeinnützige Zwecke als Menschen in schlechteren sozialen Verhältnissen.

B: Ärmere Menschen in schlechteren sozialen Verhältnissen spenden verhältnismäßig mehr Geld, Zeit und Energie an gemeinnützige Zwecke als Menschen in besseren sozialen Verhältnissen.

Wenn Sie beide Alternativen für denkbar halten, dann lassen Sie mich ein paar Gründe anführen, die Ihre Entscheidung noch weiter verunsichern wird:

Begründungen für A:

  • Höherer sozialer Status geht einher mit finanzieller Unabhängigkeit und damit auch mit der Möglichkeit sein Geld in verschiedenste Angelegenheiten zu investieren ohne Verlust zu befürchten.
  • Mehr Ressourcen zur Verfügung zu haben geht einher mit geringerer Existenzangst. Menschen mit mehr Geld und Zeit fürchten weniger um ihr Dasein und sind im Allgemeinen ausgeglichener.
  • Höherer sozialer Status erweckt Aufmerksamkeit von anderen sozial niedrigeren Schichten. Das eigene Ansehen kann mit dem Einsatz von Geld manipuliert werden (nicht-altruistisch).
  • Sozial höherer Status wird erreicht von sozial kompetenten Menschen, die gut Netzwerken und mit prosozialem Verhalten zwischenmenschliche Bindungen sichern. Sie spenden aus selbstlosen Gründen (altruistisch).

Begründungen für B:

  • Sozial niedrig gestellte Menschen sind stärker auf den sozialen Zusammenhalt in ihrer Umgebung angewiesen, spenden daher mehr von ihren Ressourcen an andere.
  • Schlechtere soziale Verhältnisse bedeuten stressvollere Lebensumstände und höhere Anfälligkeit für gefährliche Umwelteinflüsse. Die Abhängigkeit von anderen wird als Grund erlebt, um sich mehr für andere eizusetzen.
  • Fehlende ökonomische Unabhängigkeit verleitet zu prosozialem Verhalten „andere können mit besser helfen als ich mir selbst helfen kann“.
  • Wer wenig hat, weiß wie wichtig teilen ist. Teilen, in sozial niedrigen Schichten, lässt den Faktor der Zufriedenheit in den Vordergrund rücken. Zusammenhalt stärkt die Psyche und macht glücklich.

Klingt plausibel? Ist es auch. Sogar die Wissenschaft weiß sich nicht mehr so genau zu helfen und findet für beide Möglichkeiten „Beweise“. Für jeden dieser Gründe gibt es bereits Studien aus wissenschaftlichen Bereichen, welche die Gründe belegen, dass Menschen tatsächlich prosoziales Verhalten an den Tag legen, weil sie (A) entweder sozial besser gestellt sind oder weil sie (B) sozial benachteiligt sind.

Wie sollen wir nun, als nicht-akademische Außenseiter, entscheiden, ob wir reich werden sollen oder nicht? Woher können wir die Sicherheit nehmen mehr spenden zu wollen, wenn wir nicht einmal wissen, ob wir unser angehäuftes Geld nicht lieber behalten wollen würden?  Benzin ist teuer. Der Lexus darf nicht aufhören uns zu fahren. Noch schlimmer, er fährt sich nicht von selbst.

Zu unserer Rettung haben sich drei Herren auf die Suche nach der absoluten Antwort begeben (Universität Leipzig - Martin Krondörfer und Johannes Gutenberg Universität in Mainz - Boris Egloff und Stefan Schmukle). Ihre Ergebnisse werden besonders die B-Wähler unter uns überraschen.

Mit Hilfe von 8 gut durchdachten und statistisch exzellent ausgewerteten Experimenten haben sie eine relativ starke Kongruenz in Ihren Antworten gefunden.

Menschen in sozial besseren Verhältnissen verhalten sich prosozialer als Menschen in schlechteren sozialen Verhältnissen. Bessergestellte spenden mehr Geld, spenden mehr Zeit und setzen mehr Energie in freiwillige Arbeit ein als schlechter gestellte.

Hier die einzelnen Ergebnisse der acht Studien in Form von Darstellungen. Sie dürfen Ihr Leseverständnis nun auf Minimum herunterfahren und sich auf die Bildchen und den Kaffeepot vor Ihnen konzentrieren. Die horizontale Achse stellt die sozialen Klassen dar. Von -3 (sozial niedrigste Schicht = arm) bis 3 (sozial höchste Schicht = reich). Die vertikale Achse stellt prozentual das untersuchte Verhalten der jeweiligen Gruppen dar.

Studie 1 – Spendenverhalten in Deutschland

Je besser die sozialen Umstände, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass Menschen spenden (in Deutschland).
Spenden in Deutschland

Je besser die sozialen Umstände, desto mehr und öfter wird gespendet.  Beachte: Betrachtet man nur die Haushalte, die spenden, fällt eine U-förmige Kurve auf
Spendenverhalten Deutschland

Studie 2 – Spendenverhalten in den USA

Auch in den USA gilt: je besser die sozialen Umstände, desto öfter wird gespendet:
Spendenverhalten USA

Anders sieht es jedoch aus bei den Beträgen der Spenden:
Spendenverhalten USA

Studie 3 – Subjektive Einschätzung sozialer Klasse

Menschen schätzen ihren objektiven sozialen Status subjektiv ein. Der Unterschied zwischen Selbsteinschätzung (gestrichelte Linie) und objektiven Faktoren (durchgezogene Linie) in der Wahrscheinlichkeit zu spenden:
Subjektive Einschätzung

Gleiches für die Häufigkeit der Spenden:
Subjektive Einschätzung

 

Studie 4 – Freiwillige/ehrenamtliche Arbeit (Deutschland)

Je höher der soziale Status, desto wahrscheinlicher wird geholfen:Ehrenamtlich

Auch bei der Häufigkeit freiwilliger Hilfsarbeit gilt das gleiche:
Ehrenamtlich

Studie 5 – Freiwillige/ehrenamtliche Arbeit (USA)

Leicht gekurvt, dennoch gleiche Tendenz. Je besser der soziale Status, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass freiwillig geholfen wird:
Ehrenamtlich USA

Zwischen dem objektiv feststellbarem sozialen Status und dem subjektiv eingeschätzten Status gibt es hinsichtlich der Frage „Wie wahrscheinlich wird geholfen?“ nur geringe Unterschiede:
Ehrenamtlich USA

Studie 6 – Freiwillige/ehrenamtliche Arbeit (30 andere Länder)

Wir sehen, auch in anderen Ländern dieser Welt gilt der gleiche Trend:

Ehrenamtlich - andere Länder

Studie 7 – Hilfeleistung im Alltag (Befragung)

Mit einer starken Zunahme im sozial schlechter gestellten Bereich, sieht man eine Stagnation im Anstieg des Hilfeverhaltens bei sozial besser gestellten Menschen:alltägliche Hilfe

 

Studie 8 – Hilfeleistung im Alltag (Spiel-Theorie)

Mit Hilfe eines Ressourcenspiels (Spieler erhalten imaginäre Ressourcen und haben die Wahl diese aufzuteilen oder zu behalten) wurde ein gleichwertiges Ergebnis erzielt. Je höher der soziale Status, desto wahrscheinlicher werden Ressourcen verteilt:
Alltägliche Hilfe

 

Korndörfer, Egloff und Schmuckle (2015) haben mit ihren acht Untersuchungen einheitliche Ergebnisse erzielen können:

Wer mehr hat, gibt mehr ab.


Korndörfer M, Egloff B, Schmukle SC
(2015) A Large Scale Test of the Effect of Social
Class on Prosocial Behavior. PLoS ONE 10(7):
e0133193. doi:10.1371/journal.pone.0133193

Editor: MariaPaz Espinosa, University of the Basque
Country, SPAIN
Received: November 5, 2014
Accepted: June 23, 2015
Published: July 20, 2015
Copyright: © 2015 Korndörfer et al. This is an open
access article distributed under the terms of the
Creative Commons Attribution License, which permits
unrestricted use, distribution, and reproduction in any
medium, provided the original author and source are
credited.

Data Availability Statement: All data necessary to
replicate the findings for studies 2, 3, 5, 6 and 7 are
available as Supporting Information. Data from
studies 1, 4 and 8 are available from the German
SOEP project due to third party restrictions (for
requests, please contact soepmail@diw.de).
Moreover, we provide the syntax we used for all our
statistical analyses as Supporting Information.
Funding: The authors acknowledge support from the
German Research Foundation (DFG) and the
University of Leipzig within the program of Open
Access Publishing.


 

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Warum Wir Subjektiv Denken und Objektiv Leben Wollen

Phänomenale Konzepte und Erinnerung

 

“Ich habe keine Ahnung wovon du die ganze Zeit redest.”

Objektive Wahrnehmung ist rar. Informationen sind notwendigerweise geprägt von subjektiven Überzeugungen. Wir nehmen eine Farbe wahr und nennen sie “rot”. Bereits als Kind haben wir gelernt welche Farben wie heißen. Oft genug mussten wir Erwachsene fragen, bis wir intuitiv wussten welche Beschreibung welchem Farbphänomen zugeordnet wird.

Wenn wir darüber nachdenken, weshalb wir den Sinneseindruck eines roten Objekts als solches mit genau diesem Wort bezeichnen, sollten wir zuerst berücksichtigen wie verschieden unsere Wahrnehmung sein kann. Es gibt nur wenige Menschen auf der Welt die ihren genetischen Code mit jemand anderem teilen. Von denen, die als eineiige Zwillinge geboren wurden gibt es wiederum kein Paar das über die Lebensspanne hinweg in jeder Situation die exakt gleichen Erfahrungen macht oder gemacht hat. Da Umweltfaktoren maßgeblich mitbestimmen wie sich ein Organismus entwickelt, ist davon auszugehen, dass kein Mensch einem anderen bis in das kleinste Detail gleicht. Der Winkel, in dem unsere Ohren an unseren Schädel angelegt sind, bestimmt wie Schallwellen auf unser Trommelfell treffen. Die Länge unserer Nasenflügel bestimmt mit, wie viel Kubikmeter Luft pro gestiegener Treppenstufe unsere Lunge verwerten kann. Wenn einhundert Menschen die gleiche Treppe hinauflaufen, entstehen einhundert verschiedene Erfahrungen darüber, wie unsportlich man ist.

Subjektivität und Denken - Phänomenale KonzepteDer Punkt, dass kleinste biologische Unterschiede zwischen zwei oder mehr Menschen, so sehr sie sich äußerlich auch als ihr Doppelgänger ausgeben könnten, zu einer sehr individuellen Wahrnehmung führen, ist maßgeblich bestimmend dafür, wie wir unser Leben gestalten. Wäre dem nicht so, bräuchten wir uns nicht darüber streiten, welche Partei an die Spitze gehört oder wie ein richtiger Hund auszusehen hat. Durch unsere fünf Sinne bestimmen wir die Welt. Wer kann also, wie es die philosophische und kognitive Wissenschaft seit jeher erfolglos versucht, bestimmen, dass ein “rot” DAS “rot” ist?

Um Inneneinrichtern das Leben aber nicht maßlos umständlich zu gestalten, haben wir durch den langwierigen und stets fortschreitenden Entwicklungsprozess unserer Sprache für die meisten Situationen eine Einigung/einen Mittelweg finden können. Der Konsensus über die Farbkategorien erfüllt also, wie viele unserer Denkabkürzungen (Heuristiken), oftmals einen wichtigen Zweck. Für die oberflächliche Ebene der alltäglichen Kommunikation reicht eine kurze Beschreibung der scheinbar objektiven Konzepte unserer Wahrnehmung und des Denkens (rot, schnell, schön, warm etc.), die wir uns von kleinauf angeeignet haben, auch aus. Doch betrachten wir solche Konzepte näher, dann sollte uns etwas auffallen. Ein simples “rot” hat Eigenschaften, die wir weiter beschreiben können. Abhängig von der Ebene der Betrachtung erschließen sich uns neue Welten. Denken wir an eine mikroskopische Vergrößerung eines unserer Haare, sofern wir noch welche haben. Auch in nicht-materieller Sprache gibt es, durch vielfältige Benutzung und Wahrnehmung, Eigenschaften die immer weiter beschrieben werden können. Der generellen Effizienz unserer Kommunikation, also der energiesparenden und meist verbalen, bzw. via Facebook geschriebenen Übertragung von Informationen, tut die Einfachheit von “rot” dem Empfänger unserer Nachricht aber keinen Abbruch. Da fast jeder Mensch eine Vorstellung davon hat was “rot” bedeutet, wenn es in einem gewissen Kontext erscheint, ist es oftmals nicht nötig spezifischer darauf einzugehen. Will man es genau wissen, hat man dennoch Mittel und Wege einer genaueren Beschreibung gerecht zu werden. Auf der einen Seite kann man auf ein Konzept (in diesem Fall eine Farbe) ausweichen, die etwas genauer die gewünschte Information überträgt. Sozusagen eine direkte Bestimmung dessen, was wir von grundan vermitteln wollten. Mit Mittel-, Kamin- oder Purpurrot können wir, sofern uns unsere Erzieher im Kindergarten jemals über die Vielfältigkeit von Farbnamen informiert haben, schnell bestimmte Unterarten von “rot” beschreiben. Auf der anderen Seite können wir, sollten uns detailliertere Farbbezeichnungen nicht geläufig sein, bestimmte Vergleiche antreten. “Heller als das rot auf deiner Mütze, aber nicht ganz so grell wie die Schuhe deiner Frau.” Auch wenn nicht immer bis in das kleinste Detail deutlich ist, welche Farbe nun genau gemeint ist, haben Empfänger einer solch vergleichenden Nachricht mehr Informationen mit denen sie sich ein Bild von der Vorstellung (“rot”) des Senders machen können.

Der springende Punkt ist jedoch nicht die Möglichkeit sprachliche Beschreibungen genauer zu formulieren. Er ist vielmehr der, dass auch mit der präzisesten Auslegung einer Sache, mit Hilfe von dem besten Sprachgebrauch den wir uns vorstellen können, niemals eine Vorstellung oder Erinnerung als ganzes von jemandem auf eine andere Person übertragen werden kann. Es wird immer etwas fehlen. Wie oben erwähnt, gleicht keiner Person einer anderen in seiner/ihrer Wahrnehmung. Einige hören tiefe Töne besser, andere erkennen Straßenschilder aus 300m Entfernung und wiederum andere frieren bei 25°C Zimmertemperatur. Subjektivität ist also ein Teil unserer fest im alltäglichen Leben verankerten “objektiven” Phänomene. Wir finden mit Hilfe unserer Sprache Übereinstimmungen mit, und Unterschiede zwischen, uns bekannten Eigenschaften von Objekten und Erfahrungen und versuchen damit, so gut es uns gelingt, verständlich unsere Eindrücke zu vermitteln. Erinnerungen die uns wichtig sind, beschreiben wir lebhaft und umfangreich. Wir möchten ganz genau verständlich machen, wie schön unsere Urlaubsreise am kaspischen Meer war. Dass unser Gegenüber nicht dabei war und trotz bester Beschreibung aller Geschehnisse nicht unseren Eindruck teilen kann, wird dabei oft vernachlässigt.

Grund dafür ist nicht etwa fehlende Vorstellungskraft. Wir können natürlich erahnen wie ein eisgekühlter Caipirinha in kasachischer Mittagssonne schmeckt. Was uns jedoch niemals bewusst werden kann, ist wie es sich für jemand anderes angefühlt hat zu seiner Urlaubszeit unter seinen individuellen Umständen und seinem Spektrum an Erfahrungen am windigen Strand zu sitzen und ein Kaltgetränk zu schlürfen. Auch wenn wir eine gewisse Ahnung haben, die Erinnerung einer anderen Person wird uns in seiner gesamten Vielfalt niemals zugänglich sein. Aus diesem Grund bedienen wir uns umständlicher Sprache, um jedes Detail mindestens zweimal zu erläutern und verfehlen unser Ziel im Endeffekt trotzdem. Abhängig von der Aufmerksamkeitsspanne unserer Zuhörer haben einige ein besseres Bild darüber, “wie es für uns war, als wir drei Stunden am Zoll festgehalten wurden” als andere. Die lebhaftigkeit unserer eigenen Erinnerungen wird einer Nacherzählung aber niemals das Wasser reichen können, denn der wichtigste Aspekt eines Erlebnisses, welches wir am eigenen Leib erfahren, ist das phänomenale Konzept. Solch ein Konzept beschreibt die eigentliche Essenz einer Erfahrung Das “wie es ist” oder “wie es sich anfühlt”. Es beschreibt das Phänomen einer erlebten Situation auf emotionale Art, in dem es der Erinnerung an diese Situation einen Cocktail aus gefühlten Empfindungen hinzufügt. Wir erinnern uns nicht nur lebhaft an die Uhrzeit, zu der wir bei einem wichtigen Kunden hätten sein müssen, sondern auch daran, wie der Terror des Verschlafens und die Verwirrtheit durch unsere morgendliche Lähmung.

Phänomenale Konzepte und Erinnerung

Eines der bekanntesten Gedankenexperimente zu der Thematik “phänomenale Konzepte” handelt von einer jungen Wissenschaftlerin mit dem Namen Mary:

Mary lebt seit ihrer Geburt in einem ausschließlich schwarz-weißen Haus. Seitdem sie vor vielen Jahren in diesem Haus geboren wurde, hat sie nichts anderes mit ihren Augen wahrnehmen können als weiße Wände, graue Tische und schwarze Türen. Jeder Gegenstand in ihren vier Wänden befindet sich farblich im Spektrum zwischen schwarz und weiß. Fenster gibt es keine, der Architekt hatte zu Zeiten der Planung Streit mit dem Zulieferer. Zu allem Übel konnte Mary nie das Haus verlassen, da ihr Vater am Tag ihrer Geburt von außen verriegelte und vergessen hat zurück zu kommen.

Mary konnte sich über die Jahre aber gut beschäftigen. Aus ihr unbekannten Gründen gab es in der hauseigenen Bibliothek alle Bücher zu allen Themen. Von Physik über Biologie zu “10 Tips - wie sie schneller an Geld kommen” hatte Mary Zugang zu allem Wissen dieser Welt. Wissbegiereig, wie sie war, las sie ein Buch nach dem anderen.Tag für Tag hat sie hunderte Seiten verschlungen und niemals etwas davon vergessen.

An einem tristen Sonntag, zu einer Zeit in der die restliche Weltbevölkerung gerade den Tatort zu Ende geschaut hat, öffnete sich die Eingangstür zu Mary’s Haus. Zeitlich hätte es nicht besser kommen können, da Mary gerade die letzte Seite des letzten Buches ausgelesen hatte und kurz davor war sich von ihrer Langeweile betrügen zu lassen.

Völlig verdutzt schiebt Mary die Tür komplett auf. Geblendet von Sonne hält sie sich beide Hände vor ihr Gesicht. Nicht lange und sie öffnet langsam und vorsichtig ihre Barriere. Dabei fällt ihr Blick als erstes, nach all den tristen Jahren in einem monochromatischen Haushalt, auf eine rote Rose in ihrem Vorgarten, von dem sie zu ihrem erstaunen erst jetzt erfährt.

Die Frage, die nach dem Erzählen dieser Geschichte gestellt werden muss um das Gedankenexperiment zu vollenden ist:

Wusste Mary, nachdem sie sich das gesamte Wissen dieser Erde durch Bücher angeeignet hat, aber noch bevor sie die rote Rose erblickt hat, wie es sich anfühlt eine rote Rose zu sehen?

Kleine Anstöße:

  1. Mary kannte ALLE Fakten
  2. Mary’s Augen sind in Ordnung
  3. Sie hat eventuell leichte (bis mittel-extreme) Kopfschmerzen von der Reizüberflutung


Wissen wir, wie es sich anfühlt jemand anderes zu sein?


Literatur für die Badewanne:

  1. David J. Chalmers - Phenomenal Concepts and the Explanatory Gap
  2. David Papineau - Phenomenal and Perceptual Concepts

 

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