Kann Musik Emotionen erzeugen?

Musik und Emotionen

Was sagt die Wissenschaft dazu?

Für die meisten Menschen besteht zu dieser Frage überhaupt keine Zweifel. Die meisten unter uns werden fest davon überzeugt sein, Musik habe die Möglichkeit Emotionen zu erzeugen. 

Nimmt man sich die Zeit und die Freiheit mit einem vernünftigen Satz Kopfhörern in der Couch zu versinken und mit geschlossenen Augen dem zu lauschen, was Musiker für so wertvoll hielten, es aufnehmen zu müssen, dann sollte auch dem letzten Skeptiker verdeutlicht werden, wie emotional geladen Musik sein kann.

Aus einer wissenschaftlichen Betrachtungsweise ist solch eine Beobachtung zwar valide, aber noch lang nicht genug, um wirklich jeglichen Zweifel einzuräumen, Musik allein habe die Möglichkeit solch eine Wirkung zu erzielen. Vielleicht ist es viel mehr die biographische Erfahrung einer jeden Person, die zu emotionaler Ladung/Entladung führt? Eventuell hat nicht gar die Symbiose aller Instrumente in einem Stück die Macht über unsere Gefühlslage, sondern nur eine bestimmte Instrumentation an einer bestimmten Stelle? Zur Beantwortung solcher Fragen muss ein systematischer Ansatz gefunden werden, der viele der einflussnehmenden Faktoren eliminiert oder zumindest kontrolliert.

Tatsächlich entstand über die Jahre der Forschung im Gebiet der Musikpsychologie nicht nur eine Kontroverse darüber, ob und wie Musik Emotionen erzeugen kann. Es ist ebenfalls zu beobachten gewesen, wie lange es gedauert hat und wie schwierig es war empirische Beweise zu erarbeiten, die es uns etwas leichter machen Aussagen über die gestellten Fragen zu treffen. Glücklicherweise konnten mit dem Ende der 1990er Jahre und den Anfängen des 21. Jahrhunderts starke wissenschaftliche Ergebnisse beobachtet und dokumentiert werden.

Mit einer großen Anzahl an objektivierten Interview-Studien (DeNora, 2000; Gabrielsson, 2001; Juslin & Laukka, 2004; Pike, 1972; Waterman, 1996), physiologischen Messungen (Davis & Thaut, 1989; Krumhansl, 1997; Vaitl, 1993), Messungen von Hirnaktivität in Bereichen emotionaler Verarbeitung (Blood & Zatorre, 2001; Brown, 2004), emotionaler Ausdruck (Sloboda, 1991), Tendenz zum Handeln (Fried & Berkowitz, 1979) und emotionaler Regulierung (Becker, 2001; Gabrielsson, 2001), hat die Wissenschaft in der Analyse menschlicher Emotionen im Kontext musikalischer Wahrnehmung enorme Sprünge nach vorne vollzogen.

Jeder aufmerksame Leser wird spätestens beim Betrachten einiger dieser Studien bemerken, wie sehr sich die meisten dieser Untersuchungen einzig und allein auf die Ausrichtung in unseren westlichen Kulturkreisen konzentrieren. Demnach wurden kulturell westlich aufgewachsene Menschen mit Musik konfrontiert, die durch westliche Eigenschaften geprägt sind und uns ausschließlich in nur diesem musikalischen und emotionalen Zusammenhang erlauben, Aussagen treffen zu können. Möglicherweise haben Afrikanische Volksstämme mit ihrer sehr andersartigen musikalischen Entwicklung, ihrer in unseren Kreisen kaum vergleichbaren Kommunikation und dem zu unserer Kultur anderen Umgang mit Emotionen, völlig andere Mechanismen durch welche Musik wahrgenommen und Emotionen erzeugt werden?! Es braucht noch viel wissenschaftlichen Aufwand, um wirklich verstehen zu können, was uns dahingehend unterscheidet und wo wir Menschen, egal woher wir kommen und wo wir aufgewachsen sind, gleichermaßen beeinflusst.

Musik und Emotionen

Was ist nun mit den Emotionen?

In meinem letzten Beitrag ("Emotionale Reaktionen und Musik") wurde bereits angesprochen, wie schwierig es ist in natürlichen Settings, also unter normalen Umständen und in alltäglichen Umgebungen, in denen Menschen Musik hören, zu analysieren, was Zuhörer fühlen. 

Um überhaupt einschätzen zu können, ob, was, wie oft und wann Menschen beim Hören von Musik unter dem Einfluss von durch die Musik erzeugten Emotionen stehen, mussten sich extrem schlaue Wissenschaftler über eine lange Zeit den Kopf zerbrechen und Lösungen zu diesem Problem (oder besser gesagt diesen Problemen) finden.

Spontan erzeugte Emotionen in der tagtäglichen Routine einer Person können sicherliche auf verschiedene Arten eingefangen und dokumentiert werden. Eine Möglichkeit ist die sogenannte "experience sampling method", also die Methode der Erfahrungsstichprobe (verzeiht meine katastrophale Übersetzung). Sloboda und Kollegen haben im Jahre 2001 versucht den Nutzen dieser Methode zu analysieren. Sie haben einigen Teilnehmern dieser Studie (N=8) einen Pager und ein Tagebuch überreicht. Die alteingesessenen Leser unter uns werden sich noch an die damals technisch hochfortschrittlichen Geräte erinnern. Ein Pager war ein kleines Gerät, welches an das Hosenbund gesteckt wurde und in der Lage war auf einem monochromatischen einzeiligen Display eine Nachricht anzeigen zu können. Pager wurden überwiegend dazu genutzt sich informieren zu lassen, man solle jemanden dringend zurückrufen. Am Ende der Nachricht wurde die Telefonnummer des übermittlers angezeigt. Im Falle der wissenschaftlichen Untersuchung von Sloboda wurden Teilnehmer daran erinnert, sie sollen bitte einen Eintrag in ihr Tagebuch vornehmen. Diese Art der erinnerung bekamen sie im Schnitt alle zwei Stunden über einen Zeitraum von einer Woche. Die Eintragungen im Tagebuch der Teilnehmer bezogen sich hauptsächlich auf jegliche musikalische Bestandteile im täglichen Ablauf und emotionaler Regungen, welche durch die Musik hervorgerufen wurde. Nach Beendigung der Studie hatten die auswertenden Wissenschaftler ein Sammelsurium an möglichen Korellationen und Kausalitäten abzuwägen.

Es schien ersichtlich, dass 44% eines jeden Tages gefüllt war mit einer Art musikalischen Untermalung. Wir müssen uns nur vorstellen, wo wir in unserem eigenen täglichen Leben überall mit Musik in Berührung kommen. Den Meisten unter uns werden sofort Beispiele wie "Fahrstuhlmusik", "Autoradio" oder "Straßenmusiker" einfallen. Abgesehen von einer Fülle an musikalischen Eindrücken, ist es wichtig zu unterscheiden zwischen einer passiven Beschallung, der man sich nicht unbedingt freiwillig hingibt und der Erfahrung des aktiven und bewussten Zuhörens. Die wenigsten der Studienteilnehmer hatten ein aktives Hörerlebnis, welches sie bewusst für sich selbst eingerichtet haben, zu verkünden. Die meisten wurden nur beschallt.

Die take-away Ergebnisse Sloboda's Studie waren folgende. Teilnehmer unter dem Einfluss von Musik waren positiv eingestellter, aufgeweckter und fokussierter. Speziell in den Fällen, in denen die Partizipanten einen Einfluss darauf hatten, welche Musik gespielt wird, waren die soeben genannten Ergebnisse noch deutlicher zu beobachten.

Mehrmals schon konnten die Ergebnisse dieser Studie repliziert werden. Juslin und Kollegium, zum Beispiel, konnten 32 Teilnehmer dazu bewegen mit Hilfe eines Laptops ähnliche Aufzeichnungen vorzunehmen. Daraus resultierten ähnliche Befunde. Die Teilnehmer dieser replikativen Studie standen zu 37% eines jeden Tages unter dem Einfluss von Musik. In zwei Dritteln dieser Zeit fühlten sich die Teilnehmer von der Musik emotional beeinflusst. Besonders in Abendstunden und an Wochenenden war der emotionale Bestandteil beim Hören von Musik groß. Das mag daran liegen können, dass Musik, hört man sie zu Zeiten, in denen der Kopf frei und der Geist ungestört ist, viel stärker wirken kann. Ähnlich verhätl es sich mit einem Gedicht, welches nur seine volle Wirkung entfaltet, wenn man sich auf das gesagte/geschrieben konzentriert und die Worte im Kontext aktiv aufnimmt und verarbeitet.

Es ist also, und das werden die meisten unter uns bereits vermutet haben, wichtig, WIE man Musik hört. Es reicht nicht aus, dass im Fahrstuhl angenehm jazzige Klänge auf uns herabfallen, wenn wir nebenbei auf dem Smartphone unseren Facebookstatus ändern. Musik entfaltet emotionale Kräfte nur, wenn wir bereit dazu sind uns dem hinzugeben. Doch dann kommt erneut die Frage auf, ob Musik in und an sich selbst überhaupt die Fähigkeit besitzt Emotionen zu erzeugen?!

Quellen:

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Emotionale Reaktionen und Musik

Musik und Emotionen

Musik wird, spätestens seit Zeiten der alten Griechen, mit Gefühlen verbunden. Emotionen spüren, sich dem hingeben, was in uns brodelt und nicht zuletzt sich selbst ein stück weit besser verstehen, ist wichtiger Teil musikalischer Wahrnehmung. Aber wie nehmen wir Musik wahr? Wie kommen wir dazu zutiefst berührt zu sein, wenn die letzte akustische Schwingung den Raum verlässt und wir konfrontiert sind mit der geballten Leere als Abschluss einer emotionalen Achterbahnfahrt?

 

 

Bis Tränen fließen oder wir lautstark vor Freude lachen.

 

Menschen nutzen Musik um ihre Gefühle zu beeinflussen. Emotionen erzeugen, die momentane Emotion möglichst schnell abändern in eine andere und sich selbst beruhigen, Stress abbauen oder in feierlaune bringen, sind nur grobe Beispiele dessen, was Musik in seiner praktischen Anwendung leisten kann.

Auch wenn es wenige Menschen gibt, denen Musik als emotionaler Richtungsweiser keinerlei Nutzen bringt, sind die meisten unter uns bewusst und unbewusst stark durch musikalische Einflüsse geprägt. Die Wissenschaft, insbesondere die Psychologie der Musik, weiß auf einige Fragen und Phänomene dieser Art Antworten zu geben. Vieles in der Thematik unserer audiovisuellen Wahrnehmung ("Warum erzeugt bereits das Intro zu Stairway to Heaven bei vielen eine Gänsehaut?", "Wie kann es sein, dass Menschen Dubstep genießen?", "Wieso verstehen wir in unseren westlichen Kulturkreisen ungerade Taktarten nur schwer?") ist uns jedoch weitestgehend ein Rätsel.

Es ist, bei der Wahrnehmung von Emotionen, erzeugt durch musikalische Darbietung, wichtig zu unterscheiden, ob eine Emotion nur erkannt oder tatsächlich gefühlt wird. Viele Musikstücke tendieren dazu dem Zuhörer eine gewisse emotionale Grundhaltung aufzuerlegen. Nichtsdestotrotz kann eine Gefühlsebene (aggressiv, liebevoll, aufgeregt, ruhig etc.) nicht nur erkannt und nachvollzogen, aber auch internalisiert und von einem selbst aus erzeugt und erlebt werden.

Beispiel:
Höre ich mir "Stumble then rise on some awkward morning" (A Silver Mount Zion) an, dann ist relativ offensichtlich wie ich mich fühlen werde. 

Doch auch hier ist zu unterscheiden zwischen der alleinigen Erkennung der durch die Musik übertragenen Emotionen und dem tatsächlich von mir aus erzeugtem Gefühl der z.B. Hilflosigkeit, Angst, Einsamkeit, Hoffnung etc. Sicherlich gehen beide Phänomene Hand in Hand. Es braucht eine Art Auslöser, um den "Motor" der Emotion in Fahrt zu bringen, so wie es ein trauriges Ereignis braucht, um tatsächlich Trauer empfinden zu können. Sobald diese Anregung passiert ist, dient die musikalische Darstellung als Katalysator, der das eigene Denken, die Gefühle und Erinnerungen antreibt und uns eine unter Umständen tausendfach stärkere Gefühlswahrnehmung bereitet. Bis Tränen fließen oder wir lautstark vor Freude lachen.

Eine interessante Beobachtung ist die inkongruente Wahrnehmung durch Musik erzeugter Emotionen. Es ist demnach nicht selten, dass sich Menschen zur Beruhigung, in aufregenden Lebensphasen, besonders schnelle, aggressive und/oder laute Musik genehmigen. Zarte Klavierstücke hingegen würde diese Sparte Mensch nur weiterhin auf die Palme bringen. Andere dagegen brauchen ruhige Klänge um sich zu beruhigen. Jeder, wie er es braucht.

Musik und Emotionen

Wie werden Emotionen definiert?

Um mit Emotionen arbeiten zu können, müssen wir sie verstehen und definieren. Das Konzept menschlicher Emotionen ist sehr weitläufig und kann unter vielen verschiedenen Gesichtspunkten verstanden werden.

In der Wissenschaft konnt esich soweit geeinigt werden, dass Emotionen stets als ein Affekt verstanden werden kann. Eine Emotion ohne Affekt ist keine reine Emotion. Menschlicher Affekt ist aber weitaus mehr als nur Emotionen. Unter Affekt verstehen wir weiterhin soetwas wie unsere Vorlieben, unsere Stimmung, bestimmte Neigungen und was wir umgangssprachlich als Bauchgefühl definieren. 

Auch wenn sich (noch) nicht auf eine allgemeingültige Definition von Emotionen geeinigt werden konnte (und wahrscheinlich niemals wird), wissen wir die Terminologie halbwegs einheitlich zu nutzen. Emotionen werden verstanden als zeitlich begrenzt anhaltende Gefühlsregungen, welche einige Minuten, aber auch mehrere Stunden, anhalten können. Es sind intensive Reaktionen auf für das eigene Leben direkt oder indirekt potentiell wichtige Ereignisse. Darüber hinaus erzeugen auch Änderungen in der eigenen Umwelt emotionale Reaktionen. Solche Änderungen müssen nicht immer nur von außen kommen. Innere Veränderungen, im Sinne von Erkenntnissen oder Selbstreflektion, kann eine intensive Emotion hervorrufen. Beispiele für solch umweltbedingte Einflüsse und Änderungen können extrem vielseitig sein, beinhalten aber fast immer mehrere der folgenden Bestandteile:

 

  1. kognitive Einschätzung (etwas wird als gefährlich wahrgenommen/etwas wird als sehr vertrauenswürdig eingeschätzt)
  2. subjektive Wahrnehmung (ein komisches Bauchgefühl/"Ich fühle mich gut bei der Sache, weiß aber nicht so recht weshalb")
  3. körperliche (physiologische) Reaktionen (mit Steigerung der Herzfrequenz wird unserem Hirn vermittelt, dass eine Gefahr droht oder ein extrem freudiger und aufregender Zustand eintritt)
  4. Ausdruck (schreien/flüstern)
  5. Handeln (wegrennen/annähern; Flüchten/Kämpfen)
  6. Regulierung (beruhigen/aufregen)

 

Solche Komponenten können in wissenschaftlichen Untersuchungen dazu genutzt werden emotionale Zustände zu messen und einzuschätzen. Ein wichtiger Punkt dabei ist das Verständnis Emotionen von Gefühlen unterscheiden zu können. Emotionen werden üblicherweise gehandelt als intensive Reaktion auf einen gewissen (definierbaren) Auslöser. Gefühlszustände dagegen brauchen nicht zwingend einen direkten Auslöser und können über einen weitaus längeren Zeitraum empfunden werden.

Wie werden Emotionen gemessen?

Wenn wir über Emotionen in Musik sprechen, müssen wir eine Möglichkeit haben auch tatsächlich nachprüfen zu können, was wer wann fühlt.

Erzeugt Musik Emotionen? Welche Emotionen erzeugen verschiedene Arten von Musik? In welchen Situationen werden Emotionen besonders stark durch Musik hervorgerufen? Sind durch Musik erzeugte Emotionen in ihrer Art anders als Emotionen, die durch andere Auslöser, wie zum Beispiel ein Gedicht oder eine Geschichte, erzeugt werden? Kann Musik vielleicht sogar gesundheitliche Vorteile mit sich bringen?

All das sind Fragen, die sich viele Musiker und besonders Wissenschaftler seit geraumer Zeit stellen. 

Seit den späten 90er Jahren werden verschiedenste methodologische Vorgehensweisen genutzt, um wenigstens ein paar dieser Fragen zu beantworten. Es wurden bereits Experimente durchgeführt, in denen die Testkandidaten Musik hören (Waterman, 1996), Umfragen beantworten (Juslin und Laukka, 2004), Tagebücher führen (Sloboda, 2001 - PDF) oder in Interviews Stellung beziehen (DeNora, 2001).

Unter Anbetracht der vielschichtigkeit von menschlichen Emotionen ist über die Jahre deutlich geworden, dass verschiedenste Messungen kombiniert am aussagekräftigsten sein können. So könnte man im experimentellen Kontext einer Studie neben den geläufigen physiologischen Messungen (Herzfrequenz, elektrodermale Aktivität, Körpertemperatur etc.) Aussagen der Partizipanten und Verhaltensbeobachtungen kombinieren und somit ein stärker aussagefähiges Gesamtbild konstituieren. 

Eines der größten Probleme bei solchen Vorgehensweisen ist die fehlende Natürlichkeit der Situation. Simpel ausgedrückt wird sich niemand freiwillig in ein enges Labor setzen, sich mit einem EEG-Gerät verkabeln lassen, um den himmlischen Klängen eines David Gilmoure Gitarrensolos hinzugeben. Eine experimentelle Laborsituation ist nämlich genau das, was es ist...eine Situation im Labor. Künstlich erzeugt unter den besten Umständen, um Messungen möglichst kontrolliert und ohne große Fremdeinflüsse vornehmen zu können.

Völlig anders sieht es bei natürlichen Alltagssituationen aus. Die Anzahl an nicht zu beeinflussenden Variablen im alltäglichen Leben macht es einer kontrollierten Messung feinster körperlicher und kognitiver Reaktionen fast unmöglich. 

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3 Wege Durch Einen Effektiven Tag

3 Wege durch einen effektiven Tag

3 Wege Durch Einen Effektiven Tag

Mit Apps Als Hilfe

1. Weniger Blaulicht durch Monitore am Abend

Wir alle legen viel Wert auf erholsamen Schlaf jede Nacht. Nichts widerstrebt uns so sehr wie ein unerholtes Aufwachen, geplagt von einem geschwollenen Gesicht und weichen Knien. Gleichermaßen viel Wert legen wir jedoch auch auf konstante Erreichbarkeit, einen besseren Highscore in FarmVille und auf die neuesten lokalpolitischen Ereignisse.
 
Viel Zeit vor dem Monitor bedeutet viel helles Licht vor dem Gesicht. Stundenlanges Lesen im Bett kann damit von einer entspannenden und erholsamen Unternehmung zu einem aufputschenden Erlebnis werden. Schränkt man die Emission von blauem Licht ein, so minimiert sich der weckende Effekt auf das eigene Gemüt enorm.
 
Bis ca. 3h vor dem Schlafengehen sollte man die Helligkeit, sowie den blauen Anteil des ausgehenden Lichts seiner Geräte verringern. Mit dafür entwickelten App lässt sich im Handumdrehen eistellen, wann und wie sich das Display in Sachen Helligkeit und Lichtspektrum verändern soll.
 
Das bekannteste solcher Programme für Mac und PC, sowie iOS und Android, ist f.lux.
Andere Alternativen für Android und iOS sind folgende.
 
Beste Apps für weniger Blaulicht (Android):
 
 
 
Beste Apps für weniger Blaulicht (iOS):
 
  • CF.lumen
  • (ab iOS 9 nativ eingebettet in den Einstellungen)
 
Smartphone, Tablet und Computer können somit auch zu später Abendstunde benutzt werden. Trotz später Exceltabellen wird der Körper nicht daran gehindert Melatonin auszuschütten. Einige der verfügbaren Apps richten den Tag/Nacht-Wandel nach den örtlichen Sonnenauf- und Untergängen der Benutzer.
 
Körper und Geist werden dadurch auf einen natürlichen Schlaf- und Wachzyklus, abhängig von dem tatsächlich verfügbaren natürlichen Licht, getrimmt. Der negativer Einfluss auf die
Cirkadiane Rhythmik, in Form von "tired but not sleepy", wird damit minimiert.
 
Weitere Quellen zu Schlafstörungen, Lichttherapie, Schlafhygiene und Melatonin gibt es auf Circadiansleepdisorders.org (auf Englisch).
 
 

2. Powernaps in Pausen

Kurzzeitige Schlafintervalle nach körperlich und/oder geistig anstrengenden Arbeitsphasen
regenerieren den Energiespeicher genug, um vergleichsweise lange danach weiter schuften zu können.
Von individuellen Faktoren abhängig, muss jeder für sich selbst bestimmen, welche Erholungsdauer am besten geeignet ist für die jeweiligen Umstände.
 
Für mich persönlich gilt grob: 10 - 15 Minuten. Nicht länger als 20. Nicht weniger als 5. Wer, anders als ich, länger zum Einschlafen braucht als 12 Sekunden, sollte mehr Zeit dafür einplanen.
Besonders hilfreich dabei, verkünden einige Quellen, sind angeblich entspannende Hintergrundrauschen.
 
Beste Apps für weißes Rauschen (Android):
 
 
Beste Apps für weißes Rauschen für (iOS):
 
 
Weisses Rauschen kaschiert gut Umgebungsgeräusche und führt zu einem subjektiv geringeren störhaften Geräuschpegel. Darüberhinaus sind 432hz Meditationsklänge relativ erfolgreich im Bereich der entspannenden Klänge:
 
 
Über die Validität und Effizienz von musikalischer Bereicherung in einer Stimmung von A=432Hz, anstelle von A=440Hz, ist sich auch die Wissenschaft noch nicht hundertprozentig einig. Für einen guten Einblick in die gröbsten Aspekte bietet sich viel Basisliteratur (englischsprachiges Beispiel).
 
Ein simpler Timer reicht vollkommen aus, um pünktlich wieder zu erwachen. Abhängig von persönlichen Schlafphasen unterscheiden sich die zeitlichen Einstiege in die unterschiedlichen Phasen.
Infografik (Englisch)
 

 

3. Arbeitszeit effektiv einteilen mit Pomodoro

Wichtig bei der Erledigung von geistig anstrengender Arbeit ist die Zeitplanung. Jeder Mensch, ob chronisch überlastet oder generell entspannt, braucht Erholungspausen. Um dem Chaos im Denkenausreichend Möglichkeit zu geben sich zu sortieren, sollten regelmäßig Pausen gemacht und die Art der Arbeitsweise gewechselt werden.
 
Anfängliche hochfokusierte Phasen der Aufmerksamkeit dauern unterschiedlich lang an. Interne, sowie äußere, Faktoren spielen eine große Rolle dabei, wer wann und wie lange seine Aufmerksamkeit behält oder verliert. Es wurde unter Anderem bereits gezeigt, dass die Kapazität des Arbeitsgedächtnisses einen Einfluss auf den Verlust von Aufmerksamkeit hat. In der Regel kann man von einer natürlichen Tendenz zu 45 minütigen Aufmerksamkeitsspannen, kombiniert mit kurzen Erholungspausen, sprechen.
 
Ein Energieeinbruch nach der Mittagspause hat unter Anderem mit den Hungerhormonen Leptin und Ghrelin zu tun. Vor einer Mahlzeit, wenn das Hungergefühl einsetzt, steigt der Ghrelinspiegel an, während das Level an Leptin
abnimmt. Nach erfolgreicher Nahrungszufuhr steigt der Leptinspiegel wieder an und der Ghrelinspiegel nimmt ab.
 
Zusätzlich zu den Hungerhormonen ist der Energieaufwand für den Prozess der Verdauung, der Zuckerspiegel und andere Neurotransmitter (z.B. Serotonin) dafür verantwortlich, wie Müde wir nach einer Mahlzeit werden.
 
Intervalle von 30-40 minütiger Arbeitsphase, gefolgt von 10-15 minuten Pause, haben sich als effektive und natürliche Arbeitsrhythmen herausgestellt. Nach dem Pomodoro-Technik sollte nach vier durchgängen eine längere Pausenzeit eingelegt werden. In der längeren Pause würde es sich anbieten ein Powernap einzuplanen.
 
Beste Apps für Pomodoro Zeitmanagement (Android):

 

Beste Apps für Pomodoro Zeitmanagement (iOS)

 

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Kraftstoff Für Den Geist – 5 Alltägliche Dinge Helfen Beim Denken

5 Tips helfen Denken

Um deinem Denkapparat auf die Sprünge zu helfen, Ermüdung vorzubeugen und das extra bisschen Leistung aus deinem Hirn zu saugen, folge diesen Tips:

1. Trinke 2 Gläser Wasser unmittelbar nach dem Aufwachen

Nach einer erholsamen Runde Schlaf, bei der dein Körper ca. 8 Stunden lang ohne die Zufuhr von Flüssigkeit auskommen muss, kannst du ihm als erstes Wasser gönnen. Wasser wird im Körper benötigt um Abfallstoffe zu filtern und den Flüssigkeitshaushalt auszubalancieren. Die besagten 2 Gläser Wasser am Morgen sollten einem Flüssigkeitsdefizit entgegenwirken. Abhängig davon, wie viel du nachts schwitzt, darf es ruhig auch etwas mehr sein. Studien haben bereits mehrfach aufgezeigt, wie wichtig eine ausreichende Wasserzufuhr für kognitive Anstrengungen ist [1] [2].

2. Höre stimulierende Hörbücher und Podcasts

Beim Joggen, auf dem Weg zur Arbeit, beim Sport oder bei einem erholsamen Bad. Ein Hörbuch zu einem interessanten Thema, ein Interview mit einem Wissenschaftler oder eine Kurzgeschichte zur politischen Entwicklung in Kuala Lumpur passt oft zeitlich gut in eine Pause.

Ressourcen zu kostenlosen und frei verfügbaren Audiobooks gibt es viele. Die meistgenannten Anlaufstellen sind zum Beispiel:

  1. TED-Talks
  2. Loyalbooks
  3. LibriVox
  4. archive.org

3. Trinke grünen Tee während der Arbeit

Koffein im Überschuss macht viele Menschen nervös, verwirrt und im schlimmsten Fall zittrig mit Herzrasen. Da es sich mit Koffein leicht übertreiben lässt und die nächste Kanne bereits in der Gemeinschaftsküche brodelt, sollte ab und zu eine Alternative in Erwägung gezogen werden. Dazu eignet sich besonders gut grüner Tee.

Grüner Tee enthält Theanin [3]. Diese Aminosäure erhöht die Alphawellen im Gehirn. Während grüner Tee ein fokusiertes Arbeiten unterstützt, macht er nicht gleichzeitig so nervös und angespannt wie Kaffee.

4. Vermeide Zucker

Zucker sollte in absolut jeder Lebenslage vermieden werden. Es gibt kaum eine Situation, in der die Zufuhr von Zucker absolut nötig ist. Generell enthalten viele Nahrungsmittel von Hause aus eine große Menge Zucker. Besonders in Zeiten mentaler Anstrengung und fokusiertem Arbeiten sollte Zucker in reinform, sowie in Energy-Drinks oder Süßigkeiten unangetastet bleiben.

Es stimmt, dass Zucker für eine sehr kurze Zeit dem Körper Energie bereitstellt. Für wenige Minuten arbeitet er also effizienter und ist Leistungsfähiger. Die Kosten für diesen kurzzeitigen Energieschub ist ein darauffolgender Einbruch aller Energieressourcen. Nach einem "sugarhigh" muss eine vielfach erhöhte Menge Zucker erneut zugefügt werden, um eine ähnlichen Energieschub zu erfahren. Anstelle von minderwertiger Energie, welche später vom Körper sowieso nur in unbeliebtes Körperfett umgewandelt wird, sollten Alternativen wie Eier, Bananen (wobei auch diese viel Fruktose enthalten), Nüsse, Fisch etc. ausprobiert werden.

5. Sportliche Betätigung

Körper und Geist gehen noch vor unserer Geburt eine Symbiose ein. Wenn unser Körper nicht ernährt und gepflegt wird, bricht auch das Denken ein. Neben einer gesunden Ernährung, bzw. die Abstinenz von schlechter Ernährung, ist sportliche Ertüchtigung das Beste, was wir für unsere Überlebensmaschinerie tun können.

Ohne direkt an Marathons oder Dreikämpfe zu denken, lässt sich sportliche Aktivität extrem leicht in die tägliche Routine integrieren. Es muss nicht einmal zwingend eine Mitgliedschaft bei einem Fitnessstudio oder einem Kampfsportverein sein. Ebenso gut kann im eigenen Garten, im Park um die Ecke oder auf dem Abenteuerspielplatz für Kiddies trainiert werden. Wer noch nie auch nur einen Sportschuh anprobiert hat, fängt klein an. Die wichtigsten Richtlinien variieren enorm, sofern man sich die Mühe macht und etwas Zeit in die Recherche steckt.

Grundlegend ist dennoch die angesprochene (gute) Ernährung, ein adäquater Trainingsplan (Zugeschnitten auf persönliche Bedürfnisse), ein eiserner Wille und die routinemäßige Durchführung. Was anfänglich als Zwang wahrgenommen und nur mit bestialischer Überwindungskraft zu meistern ist, fühlt sich nach einigen Wochen bereits an wie naturgegeben. Sport ist besser als Crack und macht mindestens genauso abhängig.


[1] - http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0195666309005029
[2] - http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0195666309006394
[3] - https://de.wikipedia.org/wiki/Theanin

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Mobbender Bully

kopfvoll - Folgen von Mobbing

Einleitung 

Das im Deutschen bekannte und verbreitete Wort „Mobbing“ steht äquivalent zu dem Englischsprachigen Wort „Bullying“ (oder „to bully“) und bezeichnet ein wiederkehrendes aggressives Verhalten, ausgehend von einem Aggressor (der Bully), gerichtet an eine schwächere Person (das Opfer). Ein solches Verhalten repräsentiert in fast allen Fällen ein Spiel der Macht und resultiert in verschiedensten, meist negativen, Spätfolgen für alle involvierten Parteien. Mobbing stellt nicht nur für Opfer ein gesundheitliches Risiko dar. Täter, sowie Opfer, begeben sich in die Gefahr nicht nur ungesunde Verarbeitungsstrategien für Stressoren zu entwickeln, sondern weitreichende soziale Entwicklungsdefizite davon zu tragen.

Mobbing existiert in allen Altersgruppen, beschränkt sich also nicht nur auf Schulkinder oder Jugendliche. Trotzdem konzentriert sich die Wissenschaft, besonders die Verhaltensforschung, hauptsächlich auf Personen rund um das Alter der Pubertät. Das Machtspiel „Bullying“, bzw. „Mobbing“ hat, wie soeben erwähnt, eine ungleiche Machtverteilung zwischen dem Mobber und dem Gemobbten als Ausgangsposition. Daraus folgt, dass jede zwischenmenschliche Interaktion in der eine ungleiche Machtverteilung in einem gewissen Bezug der momentanen Situation steht, sich als potenzielles Mobbing-Szenario entfalten kann.

Wie kommt es also, dass unter bestimmten Umwelteinflüssen gemobbt wird, während in anderen Szenarien ein solches (Fehl)Verhalten nicht an den Tag gelegt wird?

Grundlegend kann aus der Anzahl an durchgeführten Studien zu dem Thema eine Dynamik entnommen werden, die sich auf die Persönlichkeitseigenschaften betroffener Personen bezieht. Als wichtigen Ausgangspunkt sehen wir uns daher den stereotypischen Bully/Mobber und das stereotypische Opfer genauer an.

Ein Bully-Opfer ist laut der Mehrzahl durchgeführter Experimente eine introvertierte, scheue und unsichere Person. Zusätzlich scheinen Opfer erhöhte Depressionstendenzen, eine weniger Selbstbewusste und sensiblere Persönlichkeit zu besitzen [1]. Es ist nicht einmal zwingend erforderlich für ein Bully-Opfer körperlich schwächer als der Aggressor zu sein. Die verschiedenen Arten von Mobbing, auf die wir sogleich zu sprechen kommen, funktionieren nicht ausschließlich über physische Machtverteilung, sondern ebenso über emotionale und relationale Macht. Das für Mobbing eingesetzte Kommunikationsmedium muss daher nicht zwangsläufig die Faust in das Gesicht sein, sondern, so zeigen es Beobachtungen der realen Welt, alle vorstellbaren Arten einer anderen Person häufiger als einmal schaden zuzufügen. Ein Bully selbst kann verschiedenste Persönlichkeitsmerkmale besitzen, zeichnet sich aber oft durch schlechtere psychosoziale Fähigkeiten aus [2]. Darüber hinaus demonstrieren Bullies erhöhtes aggressives Verhalten in alltäglichen (friedlichen) Situationen. Bullies nehmen die interne Familienstruktur in ihrer häuslichen Umgebung weniger als einen dichten Zusammenschluss wahr und erleben mehr Feindseligkeit und Desorganisation [3]. Auch elterliche Überwachung scheint ein wichtiger Faktor zu sein bei der Analyse von Bullies gegenüber nicht-Bullies. So tendieren Kinder aus familiären Situationen mit inkongruenten disziplinarischen Verhaltensmustern und stark schwankender Überwachung von Seiten der Eltern zu Mobbing [4]. Besonders interessant ist die Tatsache, dass Jungen, welche häuslicher Gewalt ausgesetzt sind/waren, weitaus öfter zu Mobbingverhalten tendieren als Jungen, dessen Elternhaus ihnen mit Respekt und ohne Gewalt entgegentritt [5]. Schüler, von denen Mobbing ausgeht, sind weniger beliebt bei ihren Lehrern und mögen schulische Aktivitäten weitaus weniger [6].

Viele der genannten Beobachtungen treffen nicht nur auf Bullies und Bully-Opfer zu, sondern auch auf viele involvierte Personen, die keine klare Position in der Täter-Opfer Dynamik einnehmen. Oftmals sind (oder werden) Mobbing-Opfer selbst zu Tätern und Täter werden zu Opfern. Sogar außenstehende Beobachter sind Teil des Gesamten und tragen zu der Auflösung oder, im schlimmsten Fall, zu der Fortführung von Bullying bei.

Die Arten

kopfvoll - mobbing

Stopbullying.gov, die offizielle US-Amerikanische anti-Mobbing-Website, informiert über drei verschiedene Arten von Bullying/Mobbing:

  1. Verbales Mobbing
  2. Soziales Mobbing
  3. Physikalisches Mobbing

Die Vielfältigkeit von Mobbing-Verhalten nimmt sich also Sprache (Beleidigung, Hänselei, Stichelei, Bedrohung etc.), zwischenmenschliche Beziehungen im sozialen Raum (Jemanden ignorieren, Personen manipulieren, Bloßstellung, Verbreiten von unwahren Gerüchten etc.) und körperliche Macht und Aggressionen (Treten, Schlagen, Eigentum zerstören, Stinkefinger zeigen etc.) als Mittel zur Überbringung zu Hilfe.

Wissenschaftliche Studien hantieren in den meisten Fällen mit den gleichen drei Arten von Mobbing, geben ihnen dennoch in vielen Fällen andere Namen. So wird zum Beispiel soziales Mobbing als relationales Mobbing beschrieben. Im Endeffekt ist es unwichtig, welcher Art von Mobbing wir welchen Namen zuordnen. Wichtig ist ausschließlich, dass wir Mobbing erkennen und korrekte Vorkehrungen zur Prophylaxe, bzw. richtige Schritte zur Vermeidung, einleiten.
Eine besonders moderne und, aufgrund seiner Anonymität verheerende, Form von Bullying beobachten wir in der virtuellen Welt des Internets. Es trägt den Namen Cyberbullying.

Die heutige Omnipotenz virtueller Inhalte in industrialisierten Nationen führt bei Jugendlichen zu einer konstanten Verbindung mit der Außenwelt. Die einzige Aktivität, die Jugendlichen mehr Zeit stiehlt als Webinhalte ist Schlaf.
Statistiken aus dem Jahre 2010 verdeutlichen die Internetnutzung von 8 jährigen bis 18 jährigen Kindern und Jugendlichen. Demnach sind sie 7 Tage in der Woche, täglich für 7,5 Stunden online [7]. 40 Prozent besucht täglich ein soziales Netzwerk und verbringt dort mindestens eine Stunde Zeit. Über 60 Prozent nutzt das Internet täglich für persönliche Entspannung. Hinzu kommt die dramatische Verbreitung von Internetfähigen Mobiltelefonen, dessen Handlichkeit die Internetnutzung für jegliche alltägliche Situation im Leben offen hält.

Betrachtet als reines Kommunikationsmedium, ist das Internet allen anderen bisher dagewesenen Medien überlegen. Es ist schneller, umfangreicher, einfacher zu bedienen und damit um ein vielfaches Effektiver als Printmedien, Telefonie, Fernsehen etc. Leider schwimmen in der Flut unzählbarer Informationen mindestens genauso viele geistesgestörte Inhalte und absurde Lebenspraktiken, wie nutzbare und bereichernde Daten.

Wer nutzt die im Internet und die im nicht-virtuellen Leben vorhandenen Medien und Informationen als Katalysator für destruktives Verhalten wie Mobbing?

Die Zahlen

kopfvoll - bullying

Damit sich jeder selbst ein Bild über die Ernsthaftigkeit von Mobbingverhalten in verschiedenen Altersgruppen machen kann, sollten wir ein paar Zahlen zusammentragen. Ob Bullying/Mobbing ein ernst zu nehmendes und weit verbreitetes Problem darstellt oder nur ein weiteres Medienphänomen ist, durch das wir in Angst und Sorgen versetzt werden, ist am besten aus persönlichen Berichten und groß angelegten Umfragen zu erkennen.

Die Zahlen in der Literatur zu dem Thema variieren extrem stark. Abhängig von der Methodologie der Untersuchungen, sowie der demografischen Eigenschaften der Befragten, kommen verschiedenste Zahlen zustande. Due und Kollegen (2005) finden extrem niedrige Mobbingraten bei Mädchen in Schweden (6%) und erstaunlich hohe Werte bei Jungen in Litauen (41%). US-Amerikanische Studien zeigen Werte zwischen 10% und 30% auf [9]. In einem anderen Beispiel wurden 15000 Kinder zwischen 6 Jahren bis 10 Jahren befragt [10]. 13% der Befragten wurden als Bullies identifiziert, 11% als Opfer und 6% als Täter und opfer.

Wang, Iannotti und Nansel (2009) untersuchten die beliebtesten Arten von Bullyverhalten und kamen zu dem Ergebnis, dass 21 Prozent der befragten Teilnehmer aus den Schulklassen 6 bis 10 (US) involviert sind in physikalischem Bullying, 54 Prozent in verbalem Bullying und 51 Prozent in sozialem Bullying.

Im Großen und Ganzen scheinen Männer öfter involviert zu sein in Mobbing als Frauen und nutzen überwiegend direkte Bullying-Strategien, wie zum Beispiel physikalische Überlegenheit und verbales Mobbing [12]. Dabei sollte angemerkt werden, dass Frauen mehr zu relationaler, also zwischenmenschlicher und indirekter, Aggression tendieren, demnach oft im Schutze der Anonymität agieren. Es ist also denkbar, dass Frauen seltener als Bully erkannt werden, Opfer von relationalem/sozialem Bullying seltener Hilfe aufsuchen und Aggressoren unerkannt bleiben, bzw. erkannt werden, aber anonym bleiben.

Für den Bereich Cyberbullying gibt es bis dato wenig aufschlussreiche Zahlen. Patchin und Hinduja (2006) dokumentieren eine Prävalenz von 6 Prozent bis 20 Prozent, mit mehr Frauen (22%) als Opfer Männer (11%). Weiße Personen erleben scheinbar mehr Cyberbullying (19%) als schwarze Personen (9%), wobei solch einem Fund besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden muss. Es gibt womöglich keine inhärenten Unterschiede mit Bezug zur Internetnutzung zwischen schwarzen und weißen Menschen. Viel mehr kann es sein, dass beide Typen Mensch unterschiedliche Auffassungen haben von Mobbing oder dass die unterschwellige Diskriminierung von farbigen Menschen (ja, so etwas gibt es noch immer) dazu führt, dass sie sich eine andere Wahrnehmung von zwischenmenschlich-destruktivem Verhalten angeeignet haben. Viele solcher Faktoren gehören berücksichtigt, um ein genaues Bild von Internet-Mobbing bezüglich Menschen verschiedener Kulturen zu zeichnen.

Die Folgen

kopfvoll - Folgen von Mobbing

Bei den Folgen von Mobbing, sein es die der Opfer oder die der Täter oder beider, ist ein offensichtlicher Trend zu beobachten.

Die mentale Gesundheit von Opfern scheint systematisch zerlegt zu werden durch anhaltende Gräuel und die stets begleitende Furcht vor dem nächsten Vorfall. Opfer finden sich nicht wieder in isolierten Instanzen von körperlicher oder geistiger Gewalt, sondern bekommen ein Grundrauschen an Angst zugetragen, mit denen sie ihr alltägliches Leben meistern müssen. Besonders schädlich ist, zusätzlich zu intensiven Phasen direkter Gewalt, das andauernde Gefühl der Hilflosigkeit. „Jeden Moment ist es wieder soweit.“

Zwischen Tätern, sowie Opfern, und körperlicher Gesundheit sind direkte Zusammenhänge zu beobachten. Demnach befinden sich Täter- und Opfer von Bullying, bzw. Mobbing, in schlechterer körperlicher und geistiger Gesundheit [14]. In Bullying involvierte Personen beschreiben erhöhte depressive Symptome [15], wobei Frauen generell stärker von solchen Symptomen betroffen zu sein scheine als Männer [16].

Studien zu Kindern in Opferrollen von Bullying verdeutlichen negative Folgen im schulischen Kontext. Kinder, die regelmäßig in die Opferrolle von Mobbing fallen, sind sieben Mal wahrscheinlicher depressiv als Kinder, die nur selten als Opfer auserwählt werden. Seltener als Opfer gewählte Kinder sind zwei bis drei Mal wahrscheinlicher depressiv als Kinder, die nicht Opfer von Mobbing werden [17].

Es ist wichtig auch an dieser Stelle den Fokus auf die Diskussion zu Kausalität und Korrelation zu richten. Es ist sehr wahrscheinlich, dass Kinder bereits vor dem Tag, an dem sie zum ersten Mal als Bully-Opfer ausgewählt wurden, körperliche und kognitive Tendenzen in Richtung depressiver Symptomatik aufwiesen. Wie zuvor erwähnt, werden besonders körperlich schwächere, mental ruhige und autoritativ unterlegene Menschen als Opfer auserkoren. Die teils angeborene, teils angeeignete, Persönlichkeitsstruktur trägt enorm dazu bei, ob eine Person als Opfer taugt oder lieber in Ruhe gelassen werden sollte, bzw. als Bully andere Menschen belastet.

Schwächere werden gemobbt und werden dadurch noch mehr geschwächt. Dabei ist es offensichtlich, dass solch ein giftiges Lebensumfeld der eigenen Psyche regelmäßig ein Bein in ihrer sensiblen und langwierigen (gesunden) Entwicklung stellt.

Die traurigste aller Wahrheiten in dieser Thematik sind gesundheitliche Spätfolgen von frühkindlichem Mobbing. Jordanova et al. (2007) legt die Tatsache offen, dass Mobbing/Bullying sehr oft Langzeitschädigungen bei Betroffenen mit sich führt, welche weit in das Erwachsenenalter reichen, bzw. ein Leben lang als ständiger Begleiter agiert. Psychische Belastungen, resultierend aus Mobbing, führen nicht selten zu der Idealisierung des eigenen Ablebens und tragen womöglich zur Suizidrate von Jugendlichen bei. Eine enorme Anzahl an Studien zu dieser Thematik verdeutlicht, dass gemobbte Kinder, Jugendliche und Erwachsene weitaus öfter an Suizid denken als nicht gemobbte und auch öfter den Suizid probieren oder gar erfolgreich damit sind.


Vielen Dank.

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Quellen:

[1] - Haynie, D. L., Nansel, T., Eitel, P., Crump, A.D., Saylor, K., Yu, K., & Simons-Morton, B. (2001). Bullies, victims, and bully/victims: Distinct groups of  at-risk youth. The Journal of Early Adolescence, 21(1), 29-49.

[2] - Bowers, L., Smith, P. K., & Binney, V.(1992).Cohesion and Power in the Families of Children Involved in Bully/Victim Problems at School. Journal of Family Therapy, 14(4), 371-387.

[3] - Oliver, R., Oaks, I. N., & Hoover, J. H. (1994).Family Issues and Interventions in Bully and Victim Relationships.School Counselor,41(3), 199-202.

[4] - Schwartz, D., Dodge, K. A., Pettit, G. S., & Bates, J. E. (1997).The Early Socialization of Aggressive Victims of Bullying. Child Development, 68 (4): 665-75.

[5] - Harachi, T. W., Catalano, R. F., & Hawkins, J. D. (1999). “United States.” In The Nature of School Bullying: A Cross-National Perspective, edited by Peter K. Smith, Yohji Morita, JosineJunger-Tas, Dan Olweus, Richard Catalano, and Philip Slee, 279-295. London and New York: Routledge.

[6] - Rigby, K., & Slee, P. T. (1991).Dimensions of Interpersonal Relation among Australian Children and Implications for Psychological Well-Being.The Journal of Social Psychology 133 (1), 33-42.

[7] - Rideout, V. J., Foehr, U. G., & Roberts, D. F. (2010). Generation M2: Media in the Lives of 8 to 18 Year Olds. Washington DC: Kaiser Family Foundation.

[8] - Due, P., Holstein, B. E., Lynch, J., Diderichsen, F., Gabhain, S. N., Scheidt, P., & Currie, C. (2005). Bullying and symptoms among school-aged children: international comparative cross sectional Study in 28 countries. The European Journal Of Public Health, 15(2), 128-132.

[9] - Robers, S., Zhang, J., & Truman, J.(2012). Indicators of School Crime and Safety. Washington DC:
National Center for Education Statistics, U.S. Department of Education, and Bureau of Justice Statistics, U.S. Department of Justice.

[10] - Nansel, T. R., Overpeck, M., Pilla, R. S., Ruan, W. J.,Simons-Morton, B., & Scheidt, P. (2001). Bullying Behaviors among US Youth: Prevalence and Association with Psychological  Adjustment. Journal of the American Medical Association, 285 (16), 2094-2100.

[11] - Wang, J., Iannotti, R. J., & Nansel, T. R. (2009). School Bullying Among Adolescents in the United States: Physical, Verbal, Relational, and Cyber. Journal of Adolescent Health,45(4), 368-375.

[12] - Baldry, A. C. & Farrington, D. P. (2000). Bullies and Delinquents: Personal Characteristics and Parental Styles. Journal of Community And Applied Social Psychology, 10 (1), 17-31.

[13] - Patchin, J. W., & Hinduja, S. (2006). Bullies Move Beyond the Schoolyard: A Preliminary Look at Cyberbullying. Youth Violence and Juvenile Justice, 4(2), 148-169.

[14] - Arseneault, L., Walsh, E., Trzesniewski, K., Newcombe, R., Caspi, A., & Moffitt, T. E. (2006). Bullying Victimization Uniquely Contributes to Adjustment Problems in Young Children: A Nationally Representative Cohort Study. Pediatrics, 118 (1),130–138.

[15] - Kaltiala-Heino, R., & Fröjd, S.(2011). Correlation Between Bullying and Clinical Depression in Adolescent Patients. Adolescent Health, Medicine, and Therapeutics,2, 37-44.

[16] - Craig, W. M. (1998). The relationship among bullying, victimization, depression, anxiety, and aggression in elementary school children. Personality and individual differences, 24(1), 123-130.

[17] - Klomek, A. B., Marrocco, F., Kleinman, M., Schonfeld, I. S., & Gould, M. S. (2007). Bullying, Depression, and Suicidality in Adolescents. Journal of the American Academy of Child andAdolescent Psychiatry, 46(1), 40-49.

[18] - Jordanova, V., Stewart, R., Goldberg, D., Bebbington, P. E., Brugha, T., Singleton, N., & Meltzer, H. (2007). Age variation in life events and their relationship with common mental disorders in a national survey population. Social psychiatry and psychiatric epidemiology, 42(8), 611-616.

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Wissenschaft entsteht durch Fakten

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"Wahrheit ist es, vor der die Meinung erbleicht."

-
Georg Wilhelm Friedrich Hegel

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Wissenschaft entsteht durch Fakten

Unter unseren 5 Sinnen (bestreitbar?), gibt es einen, den wir besonders gern zu Rate ziehen, wenn wir uns selbst die Welt erklären möchten. Unsere Fähigkeit zu sehen verdanken wir einer biologischen Apparatur, gut integriert in unsere anatomische Form, die durch die Aufnahme und Auswertung von Lichtsignalen unserer Umgebung zu einem Bild verhilft. Da die Funktionsweise des biologischen Prozesses bereits vollständig aufgeklärt ist und die Regeln der traditionellen Physik, weniger der Quantenphysik, im Bereich der Lichtemission, Übertragung, Reflektion, sowie Brechung verstanden wurden, sollten wir die Situation aus einer anderen Perspektive betrachten.

Die Diskussion um die Subjektivität in der Wissenschaft sollte jeden etwas angehen, der einst in seinem Leben einen Magier hat auftreten sehen und sich ehrlicherweise dabei beobachten konnte, wie er für einen Moment an den Hasen im Hut geglaubt hat.
„Das musst du gesehen haben“ oder „Das glaube ich erst, wenn ich es sehe“  sind beides bekannte Formen einer geläufigen Aussage. Was wir sehen, glauben wir (meistens) auch. Zumindest ist die Wahrscheinlichkeit, dass wir Zombies und Piraten auf den Straßen entdecken, sehr viel größer, wenn wir zu der Zeit, in der Halloween gefeiert wird, an Orten, in denen man sich verkleidet, nach Zombies und Piraten Ausschau halten. Es wäre unsinnig mit verbundenen Augen im sommerlichen Schwarzwald gleiches zu unternehmen.

Viele Vertreter der Wissenschaft im 17. Jahrhundert und im 18. Jahrhundert waren der Überzeugung sie könnten nur mit ihren Sinnesorganen bewaffnet ernsthafte Wissenschaft betreiben. Glücklicherweise hat sich dabei herauskristallisiert, dass Messungen, mit speziell für ihren Zweck vorgesehenen Instrumenten, weitaus aussagekräftiger und wertvoller für die spätere Verarbeitung sind. Messinstrumente können bei Verlust nachgebaut, Versuchsaufbauten repliziert und Veränderungen bei der Durchführung sorgfältig eingearbeitet werden. Ein dokumentierter Versuch ist im Regelfall wertvoller als ein nicht-dokumentiertes Resultat.

Ob der Hase aus dem Hut kommt, weil er dort vorher eingeschlafen ist, ist eine Frage der Perspektive. Für ein gutgläubiges Kind, das noch nicht von einem Youtube-Tutorial über den Mechanismus dieses Zaubertricks aufgeklärt wurde, ist es einfach zu glauben, dass ein Magier einen Hasen aus einem Hut zaubern kann. Ebenso wenig absurd scheint es für Millionen von Menschen zu sein Wasser in Wein zu verwandeln.

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Analogie Technische Objektivität

Wir tragen Überzeugungen mit uns herum, die wir in langwieriger Kleinstarbeit über unsere bisherige Lebensspane zusammengesucht und miteinander verknüpft haben. Wir trennen uns nur ungern von bekannten Dingen. Am wenigsten gern trennen wir uns von Überzeugungen, die sich bis jetzt bewährt haben und denen wir vertrauen konnten. Gelangt man an einen Punkt, an dem ein alter Weggefährte in der Form einer Überzeugung („Die Erde ist flach“) nicht mehr hilfreich sein kann, so muss man sich von dieser irrtümlichen Überzeugung trennen. Zumindest ist das ein Grundsatz in der Wissenschaft, der rigoros verfolgt werden sollte, wünscht man sich unbeeinflusste, objektivierte Antworten. So sollte auch die alltägliche Laien- und besonders die von der Leyen, -Wissenschaft von wichtigen Grundgedanken geprägt sein.

In einer anderen perfekten Welt führen wir ein physikalisches Experiment durch.

Wir bauen in einem kleinen Raum ein Stativ auf und möchten mit einer darauf befestigten Kamera Fotos von einem grauen Kreis machen. Wir haben, um auf Nummer sicher zu gehen nicht an defektem Equipment zu scheitern, eine Ersatzkamera im Gepäck. Diese Ersatzkamera ist das gleiche Modell wie unsere primäre Kamera.  Sie wurde von der gleichen Firma, zur selben Zeit unter den gleichen Umständen gebaut. In unserer (angenommenen) perfekten Welt wäre es valide zu sagen, diese beiden Kameras sind dasselbe. Beim Testen unseres gesamten Aufbaus bestätigen wir, beide Kameras machen das exakt gleiche selbe Bild.

In solch einer perfekten Welt würden unsere Sinne uns seltener täuschen. Es gäbe keine Abweichungen von Normen. Ein Meter wäre immer der Meter, der er vorher war. Jede Messung eines Objekts wäre absolut objektiv. Weder die Physik, noch die Tagesschau, könnten an der Objektivität einer Messung zweifeln, die in einer Welt vorgenommen wurde, in der Identisches möglich ist. Aufgrund der Tatsache, dass wir nicht in einer Welt leben, in der es ein identisches Replikat von etwas physikalisch existierendem gibt, machen beide Kameras auf unserer Welt zwei verschiedene Fotos. Die feinen Unterschiede sind vielleicht nicht mit dem bloßen Auge zu erkennen. Je weiter man die Bilder vergrößert, desto deutlicher erscheinen Abweichungen zwischen Ihnen.

Wenn wir also davon ausgehen, Wahrnehmung würde uns alle Tore öffnen, um wissenschaftliche (faktische) Kenntnis zu erlangen, würden wir dem gleichen Trugschluss zum Opfer fallen, den der experimentelle Aufbau mit den beiden Kameras verdeutlichen sollte. Keine zwei Menschen sehen, hören, schmecken, riechen oder fühlen dasselbe.

kopfvoll - Instrument

Instrument

Unsere Wahrnehmung ist im Endeffekt ein Mittel, mit dem wir Messungen an der Realität vornehmen und Ergebnisse aufnehmen und auswerten können. Was dabei in wissenschaftlichem Vorgehen stark hervorgehoben wird, ist die Notwendigkeit von Instrumenten, um gemessene Größen einheitlich und standardisiert verarbeiten und objektivieren zu können.

Ein menschlicher Beobachter sieht mit seinen eigenen Augen einen bedeutend größeren Mond am Horizont als darüber. Mit einer Kamera aufgenommene Bilder der gleichen Szenerie lassen den Unterschied jedoch nicht erkennen. Die Kamera als Instrument, um eine bestimmte Art der Messung an der Realität vorzunehmen, hat verdeutlicht, dass der Mond nicht kurz vor Auftreffen auf dem Horizont 30% an Größe zunimmt. Unsere getäuschte Wahrnehmung und die dazugehörige Überzeugung „Der Mond IST auf Höhe des Horizontes größer“ müssen uns als langzeitiger Begleiter verlassen. Ein Ur-Kilogramm dient uns noch heute als Referenz zu dem Konzept „Ein Kilo Kartoffeln!“, wird sich aber auch nach seiner Neudefinition nicht großartig von unserem bisherigen Gebrauch unterscheiden. Es ist ein Instrument und eine Vorgabe, mit Hilfe derer wir uns nicht mit Schätzungen zufrieden geben müssen.

kopfvoll - Zusatz

Zusatz

Ein Baby nimmt zu Beginn seiner/ihrer Mobilität mit Tiefe verbundene Gefahren weniger wahr. Oder aber es nimmt die Gefahr wahr und ist sich seiner/ihrer Konsequenzen nicht bewusst. In jedem Fall krabbeln Babies unbeeindruckt über eine visuelle Klippe, wohingegen sie nach einigen weiteren Wochen Krabbelerfahrung nicht (mehr) darüber krabbeln würden:

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Dr. Masahiro Mori und das Unheimliche Tal

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Dr. Masahiro Mori und das "Unheimliche Tal"

Lebensechte Roboter erzeugen Abneigung

Bereits als Kind haben ihn Roboter fasziniert. In seiner Jugendzeit hat er etliche davon selbst gebaut und programmiert. Masahiro Mori, ein im Jahre 1927 geborener Japanischer Wissenschaftler und Roboter-Experte, hat eine besonders interessante Beobachtung gemacht.
In seinen experimentellen Projekten war Mori jederzeit bestrebt funktionale Aspekte mit moderner Technik zu verbinden. Der Sinn seiner Apparaturen lag nicht nur im technischen Aspekt möglichst gut eine Aufgabe zu erledigen, die dem menschlichen Besitzer Arbeit abnehmen sollte. Auch äußerlich wollte Mori seinen Robotern mehr Leben einhauchen.

Seine Freunde, Bekannte und Kollegen fanden seine Erfindungen durchweg praktikabel und anfänglich auch extrem "niedlich", "süß" oder "sympathisch". Es waren einfache Roboter, die eine menschliche Aufgabe erledigen konnten, Maschinen mit Zweck. Erstaunlicherweise änderte sich die Einstellung seiner Folger zunehmend, je mehr Mori seinen Robotern äußerliche Menschlichkeit einhauchte. Er begann seinen Konstruktionen menschliche Formen zu geben, überzog sie mit künstlicher Haut, gab ihnen teilweise sogar menschliche Gestik. Sein Fokus lag nicht mehr nur auf einer Apparatur, die möglichst effektiv seiner im voraus bestimmten Aufgabe nachging. Er wollte ihnen Ästhetik mit auf den Weg geben.
In diesem Prozess, und auf Grund der Reaktionen seines sozialen Umfelds, machte er die für die Roboter- und Computertechnik wichtige Beobachtung, dass zu menschenähnliche Roboter keine positiven Emotionen auslösen, sondern überwiegend eine Art Abneigung erzeugen. Das auf den Namen "Uncanny Valley - Unheimliches Tal" getaufte Phänomen ist wie folgt zu verstehen:

Zeichnet man ein zweidimensionales Diagramm und trägt auf der X-Achse (horizontal) die prozentuale Ähnlichkeit zu einem gesunden Menschen ab und auf der Y-Achse (vertikal) das Gefühl von Vertrautheit, dass wir gegenüber einer Maschine/eines Roboters erfahren, so beobachten wir keinen geradlinigen oder gleichmäßigen Kurvenverlauf.

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Bei unbewegten Gegenständen oder Apparaturen steigt unser Gefühl der Vertrautheit gegenüber eines immer mehr menschlich oder lebendig werdenden "Gegenstands" relativ gleichmäßig an. Im Beispiel der grafischen Darstellung (Wikipedia) wird ein ausgestopftes Tier als erster Höchstwert in der Vertrautheit angegeben, bevor die Kurve rapide abfällt. Analog zu der steigenden Ähnlichkeit zum Menschen und damit der realitätsgetreuen Nachbildung eines natürlichen Lebewesens, sinkt unsere Sympathie gegenüber dieses Objekts stark ab. Der größte Negativwert für unbewegte Dinge in der Darstellung steht vergleichend für das Gefühl, dass eine Leiche in uns erweckt.

So absurd das auch klingen mag, ergibt es bei näherer Betrachtung Sinn. Aus unserer lebenslangen Erfahrung im Umgang mit Menschen, sind wir es gewohnt sich bewegende, aktive, handelnde Körper wahrzunehmen. Es widerstrebt unseren Erwartungen eine leblose, unbewusste menschliche Hülle zu sehen, die, wie wir kaum fassen können, nicht mehr reagieren wird.

Ausgehend von dem Tiefpunkt, dem "unheimlichen Tal", steigt mit weiterhin zunehmender Realitätstreue auch erneut unser Gefühl der Vertrautheit. Am äußersten rechten Punkt der X-Achse, bei 100 prozentiger Menschlichkeit, finden wir uns, die nicht-roboter. Keine Leiche, kein ausgestopftes Tier.

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Gleiches können wir natürlich auch mit beweglichen Objekten tun. Dabei wird der paradoxe Effekt des unheimlichen Tals noch deutlicher. Mit stärkeren positiven, sowie negativen, Ausprägungen der Kurve wird der Bereich noch deutlicher, in dem wir uns unwohl im Umgang mit zu menschlichen und gleichzeitig nicht genügend menschlichen, Robotern befinden.

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Am Anfang des Graphen befinden sich industrielle Roboter, wie zum Beispiel die Fertigungsarme in einer Automobilproduktion. Mit steigender Ähnlichkeit zum Menschen steigt auch hier wieder unsere Sympathie gegenüber solchen Maschinen, aber nur bis zu einem bestimmten Punkt. Wird ein Roboter zu menschlich, ohne perfekt menschlich zu sein, erweckt er ein Gefühl der Abneigung und des Unwohlseins in uns. Der Tiefpunkt des Tals wird in vielen Analogien verdeutlicht mit dem Bildnis eines Zombies. Ein äußerlich ziemlich hässlicher, aber dennoch lebensechter Körper. Im physischen, sowie mentalen, Inneren ein lebloser blutlüstiger Killer. Am äußersten Punkt der X-Achse, bei 100 prozentiger Ähnlichkeit zum Menschen, befinden sich logischerweise wieder tatsächliche Menschen mit Leib und Seele. 

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Das in blau dargestellte Tal ist der Bereich, in dem Maschinen, Roboter und Geräte ein Bereich der Menschlichkeit erreichen, mit dem wir uns als Nutzer unwohl füheln. Besonders wichtig ist diese Beobachtung für Hersteller von technischen Geräten und Produzenten von Grafikgesteuerten Computersystemen (Software). Letzteres wird sehr spezifisch deutlich, betrachtet man moderne Computerspiele. Entwickler haben stets die Wahl zwischen einer karikaturistischen, dafür äußerlich weniger lebensechten, Darstellung von Spielfiguren (Mario, Link, Sonic) oder einer möglichst fotorealistischen Darstellung (Gordon Freeman, Lara Croft, Charaktere aus Counter-Strike).

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Nicht weniger wichtig ist die Konzeptualisierung von menschlichen Eigenschaften in der Entwicklung von alltäglichen technischen Gegenständen. Ein humanoider Roboter mit pseudorealistischer Mimik als Ticketautomat wäre zwar ein technisches Meisterwerk, würde aber eher abschrecken und zum Schwarzfahren anregen, als dem Benutzer ein erfreuliches Ticket-Kauf-Erlebnis zu garantieren.

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5-Achsen Klinischer Schubladen

kopfvoll - fünf achsen klinischer schubladen

5-Achsen Klinischer Schubladen

Diagnostik in den USA

Psychische Störungen werden auch in den Vereinigten Staaten nicht einfach an Hand subjektiver Merkmale von Psychiatern und Psychotherapeuten bestimmt. Rigide Richtlinien werden seit der Erstauflage im Jahre 1952 vom "Diagnostic and Statistical Manual for Mental Disorders" (DSM) vorgegeben, das diagnostisch-statistische Handbuch für mentale Störungen. Seit der im Jahre 1980 veröffentlichten dritten Ausgabe (DSM-III), werden gebündelte Störungsbilder (Syndrome) und einzelne Symptome mit Hilfe von 5 verschiedenen sogenannten Achsen bestimmt. Jede einzelne dieser Achsen deckt einen Bereich des menschlichen Lebens ab, der sich entweder auf die inneren Prozesse einer Person oder auf äußere Faktoren des Lebens beziehen. Summiert ergeben die Angaben der 5 Achsen ein gutes Bild über die körperlichen und mentalen Bedingungen einer Person.

Im Gegensatz zum Internationalen statistischen Klassifikationssystem von Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme (International Statistical Classification of Diseases and Related Health Problems - ICD), bezieht sich das DSM ausschließlich auf mentale, also geistige, Störungen. In dem in Deutschland ebenfalls gebräuchlichen ICD werden zudem auch sämtliche körperliche Beschwerden, Krankheiten und Störungen benannt. In seiner aktuellsten Ausgabe, dem ICD-10 aus dem Jahre 2013, finden sich insgesamt 22 Kapitel. Eines davon, Kapitel 5, beschäftigt sich ausschließlich mit den sogenannten F-Diagnosen. In der alphabetisch sortierten Notation befinden sich im Bereich F die psychischen- und die Verhaltensstörungen.

Das Amerikanische DSM geht bei der Kategorisierung mentaler Störungen einen ähnlichen Weg, macht es sich aber bei der Art der Beschreibung von Symptomatiken etwas leichter. Über die bereits angesprochenen 5 Achsen werden einzelne wichtige Faktoren spezifisch gelistet und vom Therapeuten als ein gesamtheitliches Bild zusammengefasst:

Achse 1

Klinische Störung

Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom
Hyperaktivität
Störung des Sozialverhaltens
Trennungsängste
Entwicklungsstörung
Lernstörung
Ticks
etc.

Achse 2

Persönlichkeitsstörungen

Geistige Behinderungen
Paranoia
Schizophrene Persönlichkeitsstörungen
Schizoide Persönlichkeitsstörungen
Antisoziale Persönlichkeitsstörungen
Borderline-Persönlichkeitsstörung
Narzistische Persönlichkeitsstörung
Zwangsstörung
etc.

Achse 3

Allgemeine Medizinische Umstände

Körperliche Behinderungen
Körperliche Beschwerden
Bluthochdruck
Hautprobleme
Rheuma
Arthritis
etc.

Achse 4

Psychosoziale Probleme und Umweltbelastungen

Probleme im Elternhaus
Probleme mit den Erziehern
Gestörter Umgang mit Autoritäten/Gesetzen
Häusliche Gewalt
Ökonomische Probleme (Finanzen)
Fehlende gesundheitliche Versorgung
etc.

Achse 5

Globale Einschätzung des Allgemeinen Funktionierens (GAF - Skala)

100 - 91   Optimale Funktion in allen Bereichen
90 - 81   Gute Leistungsfähigkeit auf allen Gebieten
80 - 71   Höchstens leichte Beeinträchtigungen
70 - 61   Leichte Beeinträchtigung
60 - 51   Mäßig ausgeprägte Störung
50 - 41   Ernsthafte Beeinträchtigung
40 - 31   Starke Beeinträchtigung in mehreren Bereichen
30 - 21   Leistungsunfähigkeit in fast allen Bereichen
20 - 11   Selbst- und Fremdgefährlichkeit
10 - 1   Ständige Gefahr oder anhaltende Unfähigkeit
0   Unzureichende Information

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Kulturelle Syndrome

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Kulturelle Syndrome

Amok

Grübeln, gefolgt von aggressivem, manchmal mörderischem, Verhalten

(Malaysia, Laos, Philippinen, Polynesien, Papua Neu Guinea, Puerto Rico)

 

Ataque de Nervios

Unkontrollierbares Schreien, Heulattacken, Zittern, Hitze im Brustbereich, verbale und/oder körperliche Aggressionen und ein Gefühl von Kontrollverlust

(Latein-Amerika, Mediterane Kulturen)

 

Dhat

Starke Angst vor der Entladung von Samen (Sperma), weiße Verfärbung des eigenen Urins und ein Gefühl von Schwäche.

(Indien, Sri Lanka, China)

 

Geist-Krankheit

Belastung durch Tod und dem Verlust von Angehörigen. Äußert sich in Träumen und akkuter Angst.

(Indianische Völker)

 

Koro

Phasen starker Angst, dass sich der Penis bei Männern oder die Vulva bei Frauen in den Körper wendet und Tod verursacht.

(Malaysia, China, Thailand)

 

Mal de Ojo

Weinen ohne Grund, Durchfall, Erbrechen und Fieber.

(Mediterane Kulturen)

 

Shinjing Shuairuo

Körperliche und geistige Müdigkeit, Schwindel, Kopfschmerzen, Konzentrationsschwäche, Schlafstörung und Verlust von Gedächtnis.

(China)

 

Susto

Störung des Appetits, Schlafstörungen, Trauer, fehlende Motivation, geringes Selbstbewusstsein, Jucken und Schmerz. Wird gefolgt von einer panischen Angst.

(Mexiko, Zentralamerika, Südamerika)

 

Taijin Kyofusho

Ein intensives Angstgefühl, dass der eigene Körper andere Menschen enttäuscht, anekelt oder beleidigt.

(Japan)

 
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Die Meinung Anderer – Faktoren Sozialer Phobie

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Die Meinung der Mitmenschen

Faktoren sozialer Phobie und – Angststörung – Teil 2

 

Einleitung

Angstszustände im sozialen Raum entstehen regulärerweise durch Fehlinterpretation von Stimuli als direkte Gefahr für die eigene Gesundheit/das eigene Überleben. Körperliche Reaktionen zu solchen Stresssituationen sind vergleichbar mit solchen aus tatsächlich-lebensbedrohlichen Situationen, wie das knappe Entkommen eines Unfalls, die Flucht vor einem Angreifer, der freie Fall etc.

In all diesen Umständen leitet unser Körper, auf Grund der immensen Gefahr für unser Wohlergehen, einen Notmechanismus ein, den wir heute allgemeingebräuchlich als Kampf-oder-Flucht Reaktion (fight or flight response) bezeichnen.

Einer der ältesten Teile unseres Hirns (Hirnstamm), zusammen mit unserem vegetativen Nervensystem, hat in akuten Notsituationen die Möglichkeit diesen Mechanismus einzuleiten. Durch einen rapiden Anstieg in der Menge von Adrenalin in unserem Körper wird unsere Aufmerksamkeit erhöht, Schmerzempfinden gedämpft, Reaktionsschnelligkeit verbessert und die Verteilung der energetischen Ressourcen auf das Überlebenwichtigste beschränkt. Das bedeutet gleichzeitig, dass wir in solchen Momenten weder einen umfangreichen akademischen Test ablegen, noch einen Kredit mit einer Bank vereinbaren sollten, denn wir sind in unserem rationalen Denken extrem eingeschränkt.

Mit diesem Prozess sind wir innerhalb von Sekundenbruchteilen in der Lage reflexartig zu rennen oder den Kampf einzuleiten.

 

Faktoren

Einige Bedingungen für soziale Phobien und –Ängste sind bei fast allen Menschen gleich:

kopfvoll - soziale Phobie Meinung

In diesem Artikel beschäftigen wir uns mit dem Teil unserer Mitmenschen:

kopfvoll - soziale Phobie Meinung Anderer

 

Meine Mitmenschen und Ihre Meinung

In der sozialen Phobie, bzw. der sozialen Angststörung, passiert gleiches. Jedoch ist, wie bereits angesprochen, die Fehlinterpretation der Situation der Grund für die körperliche Reaktion, die einer Kampf-oder-Flucht Reaktion gleicht. Menschen, betroffen von dieser Störung, leiden deshalb fast immer dazu sich in spontanen sozialen Situationen nicht richtig ausdrücken zu können, gestresst zu wirken, zu schwitzen und schnellstmöglich den Ausweg zu suchen (Flucht). Sie fühlen sich unwohl, weil sie eine Gefahr wahrnehmen, die nicht zwangsläufig bestehen muss.

Der einflussreichste Auslöser für diese Reaktion ist, neben anderen Faktoren, die Angst davor von anderen Menschen negativ bewertet zu werden. Menschen sind natürlicherweise dazu geneigt ihren sozialen Raum, und die Menschen darin, zu bewerten, um sie einschätzen zu können. Jeder will sich bewusst sein darüber, wer neben ihm in der Straßenbahn sitzt, wer die gleiche Kunstgalerie besucht oder wer ebenfalls genervt ist von der Aussage eines Anderen. Wir observieren, um uns zu integrieren oder bewusst auszuschließen. Wir integrieren uns in das Umfeld von Menschen, die uns sympathisch erscheinen und uns damit, auf kurze oder lange Sicht, bei unserem eigenen Fortbestand behilflich sein könnten. Sei es als potentieller Partner für Zwecke der Fortpflanzung, als gleichgesinnter in bestimmten Vorhaben (Hobby, Politik, Projekt etc.) oder als Begleiter in gewissen Lebenssituationen (Arzt, Helfer, Vermittler etc.)

Jeder soziale Kontext hat die Eigenschaft Gruppen hervorzurufen und jeder Mensch hat die Eigenschaft seine Eindrücke zu kategorisieren und somit, unabdingbar, soziale (imaginäre) Gruppen wahrzunehmen. Nicht nur für die eigene Selbsterhaltung ist eine schnelle Einschätzung von Freunden/Feinden sinnvoll. Auch für ein sparsames Interpretieren der Welt um uns herum, sind wir geneigt in wenigen Sekunden Situationen und ihre Menschen darin in einer Schublade einzuordnen.

Die Angst davor, von Anderen in ein schlechtes Licht gestellt zu werden, hat demnach stark evolutionäre Hintergründe, ist aber, im heutigen ressourcenreichen Raum, meist irrationaler Natur. Im hypothetischen Falle von vorherrschender Knappheit von Ressourcen, würden wir so viele gute Beziehungen pflegen wollen wie möglich. Eine Mehrheit an guten sozialen Kontakten würde uns Zugang zu besseren Umständen verschaffen. Nahrung, Dienstleistung, Hilfestelung in Not etc. gestalten sich weitaus einfacher, wenn es mehr Menschen gibt, die uns in diesen Bereichen hilfreich sein können. Dahingegen, würden wir überwiegend negative soziale Kontakte aufbauen (Feinde), würden wir uns in einen Gefahrenbereich begeben und akute Angst mit uns tragen unsere Ressourcen zu verlieren. Potentielle Feinde sind immer auch potentielle Angreifer. Wir versuchen um uns herum, mit Fokus auf diejenigen, denen wir möglicherweise öfter begegnen werden, Menschen gut zu stimmen und sie als (potentielle) Freunde zu halten.

Die Angst vor dem Verlust eines solchen gut bedingten Status wird heute von vielen Menschen, besonders in sozialen Umständen, unbewusst und ungewollt produziert.

Damit geht einher, dass ein für das rationale Denken und Planen nachteiliger Effekt (fight-flight), immer auch einen Teufelskreis erzeugt. Betroffene, die sich ihren Ängsten stellen und sich in, als unbequem wahrgenommene, Situationen eingliedern wollen, haben einen großen Nachteil. Sie müssen viel härter mit sich kämpfen, um den gleichen ausgeglichenen, sympathischen Eindruck in Anderen zu erwecken, als eine Person, die keine Probleme mit öffentlichen sozialen Situationen hat.

Vielen geplagten Seelen ist bereits damit geholfen, dass ihre Gegenüber nicht voreilige Schlüsse ziehen, sie ausreden lassen und eine ruhige Art der Kommunikation anstreben. Wenn demnächst, vor Ihnen, eine schweißgebadete Person auftaucht, die offensichtlich in Panik versucht Smalltalk mit Ihnen zu führen…geben Sie ihm/ihr eine Chance. Es muss nicht zwangsläufig ein „Druffi“ sein.

kopfvoll - soziale Phobie

 

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