Die Meinung der Mitmenschen

Faktoren sozialer Phobie und – Angststörung – Teil 2

 

Einleitung

Angstszustände im sozialen Raum entstehen regulärerweise durch Fehlinterpretation von Stimuli als direkte Gefahr für die eigene Gesundheit/das eigene Überleben. Körperliche Reaktionen zu solchen Stresssituationen sind vergleichbar mit solchen aus tatsächlich-lebensbedrohlichen Situationen, wie das knappe Entkommen eines Unfalls, die Flucht vor einem Angreifer, der freie Fall etc.

In all diesen Umständen leitet unser Körper, auf Grund der immensen Gefahr für unser Wohlergehen, einen Notmechanismus ein, den wir heute allgemeingebräuchlich als Kampf-oder-Flucht Reaktion (fight or flight response) bezeichnen.

Einer der ältesten Teile unseres Hirns (Hirnstamm), zusammen mit unserem vegetativen Nervensystem, hat in akuten Notsituationen die Möglichkeit diesen Mechanismus einzuleiten. Durch einen rapiden Anstieg in der Menge von Adrenalin in unserem Körper wird unsere Aufmerksamkeit erhöht, Schmerzempfinden gedämpft, Reaktionsschnelligkeit verbessert und die Verteilung der energetischen Ressourcen auf das Überlebenwichtigste beschränkt. Das bedeutet gleichzeitig, dass wir in solchen Momenten weder einen umfangreichen akademischen Test ablegen, noch einen Kredit mit einer Bank vereinbaren sollten, denn wir sind in unserem rationalen Denken extrem eingeschränkt.

Mit diesem Prozess sind wir innerhalb von Sekundenbruchteilen in der Lage reflexartig zu rennen oder den Kampf einzuleiten.

 

Faktoren

Einige Bedingungen für soziale Phobien und –Ängste sind bei fast allen Menschen gleich:

kopfvoll - soziale Phobie Meinung

In diesem Artikel beschäftigen wir uns mit dem Teil unserer Mitmenschen:

kopfvoll - soziale Phobie Meinung Anderer

 

Meine Mitmenschen und Ihre Meinung

In der sozialen Phobie, bzw. der sozialen Angststörung, passiert gleiches. Jedoch ist, wie bereits angesprochen, die Fehlinterpretation der Situation der Grund für die körperliche Reaktion, die einer Kampf-oder-Flucht Reaktion gleicht. Menschen, betroffen von dieser Störung, leiden deshalb fast immer dazu sich in spontanen sozialen Situationen nicht richtig ausdrücken zu können, gestresst zu wirken, zu schwitzen und schnellstmöglich den Ausweg zu suchen (Flucht). Sie fühlen sich unwohl, weil sie eine Gefahr wahrnehmen, die nicht zwangsläufig bestehen muss.

Der einflussreichste Auslöser für diese Reaktion ist, neben anderen Faktoren, die Angst davor von anderen Menschen negativ bewertet zu werden. Menschen sind natürlicherweise dazu geneigt ihren sozialen Raum, und die Menschen darin, zu bewerten, um sie einschätzen zu können. Jeder will sich bewusst sein darüber, wer neben ihm in der Straßenbahn sitzt, wer die gleiche Kunstgalerie besucht oder wer ebenfalls genervt ist von der Aussage eines Anderen. Wir observieren, um uns zu integrieren oder bewusst auszuschließen. Wir integrieren uns in das Umfeld von Menschen, die uns sympathisch erscheinen und uns damit, auf kurze oder lange Sicht, bei unserem eigenen Fortbestand behilflich sein könnten. Sei es als potentieller Partner für Zwecke der Fortpflanzung, als gleichgesinnter in bestimmten Vorhaben (Hobby, Politik, Projekt etc.) oder als Begleiter in gewissen Lebenssituationen (Arzt, Helfer, Vermittler etc.)

Jeder soziale Kontext hat die Eigenschaft Gruppen hervorzurufen und jeder Mensch hat die Eigenschaft seine Eindrücke zu kategorisieren und somit, unabdingbar, soziale (imaginäre) Gruppen wahrzunehmen. Nicht nur für die eigene Selbsterhaltung ist eine schnelle Einschätzung von Freunden/Feinden sinnvoll. Auch für ein sparsames Interpretieren der Welt um uns herum, sind wir geneigt in wenigen Sekunden Situationen und ihre Menschen darin in einer Schublade einzuordnen.

Die Angst davor, von Anderen in ein schlechtes Licht gestellt zu werden, hat demnach stark evolutionäre Hintergründe, ist aber, im heutigen ressourcenreichen Raum, meist irrationaler Natur. Im hypothetischen Falle von vorherrschender Knappheit von Ressourcen, würden wir so viele gute Beziehungen pflegen wollen wie möglich. Eine Mehrheit an guten sozialen Kontakten würde uns Zugang zu besseren Umständen verschaffen. Nahrung, Dienstleistung, Hilfestelung in Not etc. gestalten sich weitaus einfacher, wenn es mehr Menschen gibt, die uns in diesen Bereichen hilfreich sein können. Dahingegen, würden wir überwiegend negative soziale Kontakte aufbauen (Feinde), würden wir uns in einen Gefahrenbereich begeben und akute Angst mit uns tragen unsere Ressourcen zu verlieren. Potentielle Feinde sind immer auch potentielle Angreifer. Wir versuchen um uns herum, mit Fokus auf diejenigen, denen wir möglicherweise öfter begegnen werden, Menschen gut zu stimmen und sie als (potentielle) Freunde zu halten.

Die Angst vor dem Verlust eines solchen gut bedingten Status wird heute von vielen Menschen, besonders in sozialen Umständen, unbewusst und ungewollt produziert.

Damit geht einher, dass ein für das rationale Denken und Planen nachteiliger Effekt (fight-flight), immer auch einen Teufelskreis erzeugt. Betroffene, die sich ihren Ängsten stellen und sich in, als unbequem wahrgenommene, Situationen eingliedern wollen, haben einen großen Nachteil. Sie müssen viel härter mit sich kämpfen, um den gleichen ausgeglichenen, sympathischen Eindruck in Anderen zu erwecken, als eine Person, die keine Probleme mit öffentlichen sozialen Situationen hat.

Vielen geplagten Seelen ist bereits damit geholfen, dass ihre Gegenüber nicht voreilige Schlüsse ziehen, sie ausreden lassen und eine ruhige Art der Kommunikation anstreben. Wenn demnächst, vor Ihnen, eine schweißgebadete Person auftaucht, die offensichtlich in Panik versucht Smalltalk mit Ihnen zu führen…geben Sie ihm/ihr eine Chance. Es muss nicht zwangsläufig ein „Druffi“ sein.

kopfvoll - soziale Phobie

 


Dustin Jaros
Dustin Jaros

Mein Name ist Dustin Jaros, ich bin Psychologe und arbeite in der psychosozialen Betreuung. Menschen profitieren von meiner Beratung über das Internet (Skype, E-Mail, Spreed) und via Telefon. Damit sind sie oft örtlich unabhängig und können auch ohne viel Aufwand meine Beratung wahrnehmen. Meine Gesprächspartner genießen meine offene, ehrliche und authentische Art. Für Kopfvoll mache ich Fotos, schreibe Texte und kümmere mich um die sozialen Medien (Instagram: @kopfvoll / Facebook: k0pfv0ll).