kopfvoll - empathie

Empathie Ist Erlernt

Empathie Ist Erlernt

Eine Welt ohne Empathie bedeutet gleichzeitig eine Welt ohne kostenlose Umarmungen und aufrichtige Spenden

In einer empathielosen Welt gäbe es an Halloween mit Nougat verzierte Rasierklingen. Eine solche Dystopie brächte Wolkenkratzer dazu die Klänge von Metall zu singen, ungeachtet der Tatsache, dass an ihren Seiten Menschen purzeln.

Hätte die Menschheit von heute auf morgen, über Nacht, vergessen wie zwischenmenschliche Eingebung funktioniert, stünden wir vor intensiven Veränderungen unseres sozialen Zusammenlebens. Empathie verloren, auf die Art und Weise, wie dir nach und nach dein Kleingeld aus der kaputten Hosentasche fällt. Vielleicht würden wir es nicht einmal vermissen?!

Persönlichkeiten, beraubt ihrer Fähigkeit anderer Menschen Gemütszustände nachzuvollziehen, geben eine dunkle Einsicht in unser Bewusstsein. Die Unfähigkeit, glückliche Laune von Hass zu unterscheiden, macht dich zu einem klinischen Fall und eine großartige Erweiterung für jede finanzielle Institution. Eine vernebelte Zukunft, in der Tat.

Wenn du weiterhin angespannt versuchst durch den düsteren Nebel zu schauen, erkennst du vielleicht irgendwann etwas. Nichts verpassen! Wenn wir lange genug starren, finden wir uns vielleicht mit einem empathielosen Lebensstil ab. Es ist okay Jemandem nicht vertrauen zu wollen, der niemandem traut.

Laut einer Studie, durchgeführt von einer Gruppe Wissenschaftlern aus Zürich (Schweiz), Nijmegen (Niederlande) und London (England) (Hein, Engelmann, Vollberg und Tobler, 2015), wird Empathie erlangt durch einen Lerneffekt. Im speziellen nutzen sie: “[..] functional MRI (fMRI), combined with formal learning theory and an intergroup conflict paradigm, to investigate whether and how classical learning mechanisms alter the empathy of males toward out-group members."

Es wurde also mit Hilfe funktioneller Magnetresonanztomographie (fMRI), in Kombination mit einer formalen Lerntheorie und einem Paradigma über Gruppenkonflikte, untersucht, ob und wie klassische Lernmechanismen Empathie von männlichen Personen gegenüber Gruppenmitgliedern beeinflussen. Die Studie wurde durchgeführt in der Schweiz und stellt Kandidaten mit rein Schweizer Herkunft gegenüber Teilnehmern aus dem Balkan. Gruppen werden dementsprechend betitelt mit “In-Group” (Innen-Gruppe = Schweizer) und “Out-Group” (Außengruppe = Balkan-stämmig). Einfach ausgedrückt wurde in dieser Studie eine Gruppe Menschen in Leidenssituationen beobachtet von anderen nicht-leidenden Personen.

Es stellt sich heraus, Menschen reagieren grundsätzlich empathisch, wenn sie einen anderen Menschen leiden sehen. Schweizer Menschen erfahren Empathie, wenn sie Schweizer leiden sehen und auch wenn sie Menschen anderer Herkunft leiden sehen. Körperliche Ausdrücke, wie zum Beispiel ein schmerzverzerrtes Gesicht, Zusammenziehen von Gliedmaßen, erhöhte Herzfrequenz, sowie Gehirnaktivität in bestimmten Bereichen (Ventrale Inselrinde) geben Aussage darüber, wie sich eine empathievolle Reaktion manifestiert. Einzig in der Intensität unterscheiden sich die Reaktionen von Teilnehmern aus der In-Group von Teilnehmern aus der Out-Group. Schweizer, die andere Schweizer leiden sehen, reagieren stärker auf die gegebenen Reize als Schweizer, die Balkanstaatler leiden sehen.

 

kopfvoll - empathieIn dieser spezifischen Studie wurden die Reaktionen von Balkanstaatlern beim Beobachten von anderen Balkanstaatlern nicht untersucht. Es ist jedoch davon auszugehen, dass ähnliche Effekte zu beobachten wären wie zwischen den beobachteten Schweizern. Die Quintessenz dieser Studie, und ein einstimmig akzeptierter Fakt in den meisten Bereichen der sozialen Wissenschaft, ist die erhöhte Identifikation einer Person selbst mit Menschen, die dieser Person ähnlich sind. Je ähnlicher, desto stärker die Reaktion. Im Bereich von Empathie bedeutet das auf der einen Seite eine allgemeine geistige und körperliche Reaktion auf Menschenleiden. Jeder findet sich, bis zu einem bestimmten Grad, in anderen Menschen wieder. Auf der anderen Seite ist dieser Effekt der Grund für die Bevorzugung der eigenen Angehörigen gegenüber genetisch “fremden” Menschen.

Innerhalb des Untersuchungsaufbaus und des angewandten Modells der Wissenschaftler, besagt der Lerntheoretische Ansatz, dass positive Assoziationen gegenüber einer Person am effizientesten geformt werden, wenn das Verhalten dieser Person zu unerwarteten positiven Ergebnissen führt.”

A learning-theoretical framework predicts that the establishment of positive associations toward a person is most efficient, if the actions of that person result in unexpected positive outcomes.

Anders ausgedrückt erwarteten Schweizer Menschen Hilfe von anderen Schweizern (In-Group) , aber nicht von Balkanstaatlern (Out-Group). Aus diesem Grund waren Schweizer Personen positiv überrascht, wenn ihnen durch eine Südosteuropäische Person geholfen wurde. Solch eine positive und unerwartete Überraschung kann Stereotypen und Vorurteilen entgegenwirken. Nach nur wenigen Durchläufen, nachdem Mitglieder der Out-Group Mitgliedern der In-Group geholfen haben, entsteht eine stark empathische Verbindung.

Weiter verallgemeinert sagt das Ergebnis dieser Studie eine Menge über die Art des Zusammenlebens aus, das wir anstreben sollten. Wird dir nur ein-zwei Mal von einer fremden Person in schwierigen Situationen geholfen, bist du viel eher dazu geneigt anderen fremden Personen zu vertrauen oder ihnen zumindest mit gesteigerter Empathie über den Weg zu laufen. Vice versa, wird dir unverschuldet und wiederholt von Fremden metaphorisch auf den Schuh getreten, wirst du in Zukunft sehr viel besser aufpassen, wo die Anderen hintreten.

Empathie ist also, zu einem bestimmten Grad, erlernt. Dafür ist es jedoch unvermeidlich sich der Out-Group auszusetzen. Es ist äußerst wichtig sich dem zu öffnen, wogegen man die größten Vorurteile hat. Gib denen, die du nicht leiden kannst, eine Möglichkeit dich zu mögen. Vielleicht nehmen Sie sie sogar wahr.

Glücklicherweise werden wir vorerst keine Angst haben müssen unseren Sinn für Empathie zu verlieren. Solange die Menschheit bewusst bleibt/ein Bewusstsein hat, wird es empathische Lebenszüge geben. Unglücklicherweise, schaut man sich einschlägige Nachrichtenagenturen an oder scrollt durch verschiedene Newsfeeds, könnte man meinen es sei bereits zu spät. Schadenfreude, zum Beispiel, ist einer von Empathie’s kleinen ungeliebten Brüdern.

Die bedeutendste Rolle in der Grundlage von Empathie spielt die Evolution. Sogenannte Spiegelneuronen sind verantwortlich dafür in gewissen sozialen Situationen zu feuern und damit ein Signal einzuleiten. Ein solches Signal entsteht in Umständen, in denen der Organismus etwas lernen kann. So kann zum Beispiel ein Schimpansenbaby, welches keine Ahnung davon hat wie es eine Banane zu pflücken, zu öffnen und zu verzehren hat, seine Mutter beobachten und durch soziales Lernen mit leichtigkeit sich die fehlenden Fertigkeiten aneignen.

Monkey see, monkey do.
Auch wenn Schimpansen keine Schwänze haben.


Deine Dosis Literatur:

Social Sciences — Psychological and Cognitive Sciences — Biological Sciences — Neuroscience: Grit Hein, Jan B. Engelmann, Marius C. Vollberg, and Philippe N. Tobler. How learning shapes the empathic brainPNAS 2016 113 (1) 80–85; published ahead of print December 22, 2015,doi:10.1073/pnas.1514539112