Soziale Entwicklung

Eine Puppe namens BoBo

 

“Die erwachsene Person schlug mit einem Hammer auf die Puppe ein,

warf die Puppe in die Luft,

trat auf sie ein,

warf sie zu boden und verprügelte sie.”

“Es existierte einmal eine weitläufige Überzeugung darüber, dass das Beobachten von aggressivem Verhalten in Anderen zu einer Abnahme des eigenen aggressiven Drangs führen würde. Wie Sie sehen können, ist das Beobachten von aggressivem Verhalten keineswegs kathartisch.

Das Observieren von agressivem Verhalten in anderen Menschen erhöhte die Affinität [der Kinder] zu Pistolen, trotz der Tatsache, dass dieses Verhalten niemals spezifisch vorgemacht wurde.

Pistolen waren weniger attraktiv für Kinder, die vorher kein aggressives Verhalten einer anderen Person beobachteten.
Die Kinder haben sich auch die neuartige aggressive Sprache vom erwachsenen Vorbild angeeignet.”

Als soziales Wesen lernt der Mensch durch Observation von, und Interaktion mit, anderen Menschen. Wenn wir am Bahnhof auf unseren Zug warten, wird es für uns ein wichtiges Signal sein, wenn die Menschen rechts und links von uns allesamt im gleichen Moment in die Richtung des (wahrscheinlich) ankommenden Zugs schauen. Wenn wir ein Kind in einen Raum mit einer Auswahl an Spielzeug stecken (unter Anderem eine große aufblasbare Clowns-Puppe), daraufhin den Erwachsenen die Puppe verprügeln lassen, wird sich das Kind hinterher, mit großer Wahrscheinlichkeit, mit gleichartigem Verhalten auf die Puppe konzentrieren.
In gleicher Situation, jedoch ohne den Erwachsenen vorher die Puppe verprügeln zu lassen, passiert etwas völlig anderes. Kinder spielen ohne erhöhte Aggressionen, benutzen das Spielzeug nicht auf destruktive Weise und konzentrieren sich nicht ausschließlich auf die die Puppe Bobo.
Neugeborene, bis hin zu Senioren, sind alle in der Lage (und profitieren im großen Maße) von sozialem Lernen.

kopfvoll - bobo doll

Für die Theorie des sozialen Lernens hat Albert Bandura, um 1963, fünf wichtige Schlüsselpunkte aufgestellt:

  1. Lernen ist nicht ausschließlich auf Verhaltensmuster beschränkt. Es ist vielmehr ein kognitiver Prozess, der im sozialen Kontext stattfindet.
  2. Lernen entsteht, wenn ein bestimmtes Verhalten beobachtet wird oder wenn die Konsequenzen von bestimmtem Verhalten beobachtet werden.
  3. Lernen beinhaltet Beobachtung, das Entnehmen von Informationen aus Beobachtungen und das Treffen einer Entscheidung auf Grund des beobachteten Verhaltens. Daher kann Lernen einhergehen mit einer Veränderung im Verhalten.
  4. Verstärkung spielt eine Rolle im Lernen, ist aber nicht alleinig dafür verantwortlich.
  5. Der Lernenede nimmt Informationen nicht passiv auf. Kognition, Umwelt undVerhalten beeinflussen sich gegenseitig.

Kombinieren wir Bandura’s Experiment mit der Tatsache, dass erwachsene Menschen nur etwas zu alt (und faltig) gewordene Kinder sind, wird die Implikation deutlich, dass wir uns oft, ohne viel über Tatsachen nachzudenken, an die Verhaltensweisen von anderen Menschen anpassen. Nimmt man (DU) sich nun einmal ein beliebiges Nachrichtenblatt zur Hand, sollte einem (DIR) schwindelig werden.


Bandura’s Artikel von 1971 (PDF)


Dustin Jaros
Dustin Jaros

Mein Name ist Dustin Jaros, ich bin Psychologe und arbeite in der psychosozialen Betreuung. Menschen profitieren von meiner Beratung über das Internet (Skype, E-Mail, Spreed) und via Telefon. Damit sind sie oft örtlich unabhängig und können auch ohne viel Aufwand meine Beratung wahrnehmen. Meine Gesprächspartner genießen meine offene, ehrliche und authentische Art. Für Kopfvoll mache ich Fotos, schreibe Texte und kümmere mich um die sozialen Medien (Instagram: @kopfvoll / Facebook: k0pfv0ll).