Stress in Jugend und Familie – Erwachsen werden ist Stress

Adolescent coping is not simply a matter of knowing what to do. It involves a ‘flexible orchestration of cognitive social, and behavioral skills in dealing with situations that contain elements of ambiguity, unpredictability, and stress’” (Bandura, 1981, p.99) - Patterson & McCubbin, 1987.

Eine sich aufhaltslos anschleichende Entwicklung von einem Kind zu einem jugendlichen Menschen und die sich daran anschließende umfangreiche Entwicklung von einem jugendlichen Menschen zu einem Erwachsenen ist alles andere als leicht. Die meisten Eltern mit volljährigen Kindern werden dem zustimmen.

Neben den sich oft auffällig manifestierenden körperlichen/biologischen Veränderungen haben jugendliche Personen eine immense Anzahl an komplexen sozialen (fremde und eigene Erwartungen erfüllen, Freunde suchen und halten, Freundin anlachen etc.) und kognitiven (komplexere Denkstrukturen aneignen, Lebenserfahrungen machen und selektieren etc.) Problemen zu lösen.

kopfvoll - empathie

Die mit dem Erwachsenen-Dasein assoziierten Aufgaben bedeuten vor Allem für die noch unerfahrenen Jugendlichen ein besonders stressiges Spektrum an Verhaltensänderungen, Meinungsfindung, Persönlichkeitsentwicklung und dergleichen. Noch halb unter Welpenschutz wollen pubertierende Jungen und Mädchen ernst genommen werden und gleichzeitig die Vorzüge, die ihnen durch die Obhut ihrer Erzeuger und Erzieher gegeben wird, genießen. Die vielfältigen sich auftuenden Probleme im Übergang von “jugendlich zu “erwachsen” werden, wie es auch bei vollständig erwachsenen Menschen funktioniert, mit gewissen Problemlösungs- und Umgangsstrategien gelöst.

Einen Umgang finden oder ein Problem lösen zu wollen bedeutet gleichzeitig kognitive Lösungsstrategien und Verhaltensanpassungen zu üben und bei Gutheißung anzuwenden (Tyler, 1978). Jugendliche rutschen dabei in den Fokus, da sie, gegenüber älteren Menschen, zum ersten Mal mit den meisten dieser Probleme konfrontiert werden. Sie hatten keinerlei Möglichkeit für sich zu entscheiden, welche Strategien in welchn Sitationen die besten Erfolge bieten. Sie wissen oft nicht einmal, ob sie überhaupt eine Möglichkeit haben ein bestimmtes “Erwachsenenproblem” lösen zu können. Dass es dabei auch zu gefährlichen Situationen kommen kann, wird jedem klar sein, der eine jugendliche Person einst beim S-Bahn-Surfen, Drogenkonsum oder riskanten Sexualpraktiken beobachten durfte. Grund dafür ist, wie soeben angesprochen, die fehlende Erfahrung im Umgang mit Strategien, welche sich erwachsene Menschen über viele Jahre aneignen konnten. Auf der anderen Seite paart sich der Zustand fehlender selbstbekömlicher und gesunder Strategien mit der scheinbar endlosen Lebensenergie, die viele junge Menschen an den Tag legen (Konopka, 1980). Bei fehlender äußerer Supervision durch Eltern, Erzieher, Lehrer und andere wichtige Bezugspersonen, besteht ein hohes Risiko dafür, dass sich in der Jugend angeeignete Umgangsstrategien festigen und sich bis in das Erwachsenenalter in riskanten Entscheidungen und Verhaltensweisen manifestieren (Valliant, 1977).

Sich gesund entwickelnde Individuen kümmern sich hauptsächlich um den Erhalt ihrer natürlichen Homöostase. Homöostase ist der Zustand unseres Körpers, den er einnimmt, wenn seine Bedürfnisse befriedigt sind. Wer hungert, erhält durch den in seinem Körper steigenden Ghrelinspiegel das Signal er müsse Nahrung zu sich nehmen. Wer Schmerz empfindet wird möglichst zeitnah dafür Sorge tragen müssen diesen Schmerz zu lindern oder im besten Fall zu eliminieren. Ähnlich verhält es sich im Umgang mit Stress.

Das Gleichgewicht kann innerhalb einer Zelle, eines Organs oder über einen Organismus aufrechterhalten werden. Die zu erhaltende Eigenschaft kann anatomisch, chemisch, physikalisch oder mathematisch (Zellanzahl) sein. In der Physiologie ist der Begriff der Homöostase als Konstanterhaltung eines inneren Milieus (Soll-Zustand) definiert, der durch Regelung zustande kommt.[2] Ein Beispiel dafür ist die Homöostase des Gehirns, die durch die Blut-Hirn-Schranke aufrechterhalten wird.” - Wikipedia, 2016.

Jugendliche werden, wenn sie Stress vermeiden wollen und sich dennoch in ihrer natürlichen Umgebung zu einem möglichst gehaltvollen Menschen entwickeln möchten, Ansprüche aus der Welt schaffen oder wenigstens verringern. Ansprüche bedeuten in diesem Kontext alle Umstände und Situationen, die den natürlichen Entwicklungsprozess der Jugendlichen verlangsamen oder hindern. Dabei spielen die sozialen Umstände innerhalb der Familie, der Freundeskreis, die genetische Veranlagung und unzählbar viele andere Faktoren eine wichtige Rolle. Das Abwägen einer sich entwickelnden Person bezüglich ihrer Offenheit gegenüber der Eltern ist eine beispielhafte Darstellung für einen Anspruch, der an sie gestellt wird. Muss die Mutter wissen, wen ihre ach so kleine Tochter trifft? Soll der Vater seinen Sohnemann wirklich von der Feier abholen und die Selbständigkeit seines heranwachsenden Nachkömmlings für die umstehenden Personen in Frage stellen? Dabei ist eine Autofahrt viel gemütlicher als die Bahn. Darüber hinaus können einige Ansprüche umstrukturiert, bzw. Umdefiniert, werden, um sie leichter lösen zu können. Ebenfalls ist es möglich sich neue Strategien und Fertigkeiten anzueignen, die dabei helfen sich den aufkommenden Problemen besser stellen zu können. Die wohl bekannteste Fertigkeit, die sich eine jugendliche Person aneignen wird, um das Problem der fehlenden Mobilität zu lösen, ist das Autofahren.

Angelehnt an die “family stress theory” (Familien Stress Theorie) ist es nicht unüblich zu beobachten, wie Familienmitglieder und deren Dynamik untereinander sich in stressvollen Situationen gut weiterentwickeln. Andere Familien und deren Dynamiken werden sich  innerhalb stressiger Belastungssituationen zum Negativen entwickeln, bzw. deren Entwicklungsvorgang beenden oder pausieren. Eine solche Beobachtung zeichnet demnach verschiedene Umgangsformen innerhalb Familienkonstellationen ab. Einige Familien werden sich in Notsituationen, welche stark durch Stress geprägt sind (Armut, Obdachlosigkeit, örtliche Distanz etc), durch Vorwürfe, Anschuldigungen, Unwissenheit im Umgang untereinander etc. zerstreiten und keine Weiterentwicklung in deren sozialer Dynamik erfahren. Andere Familien hingegen werden sich in gleichen Situationen “zusammenraufen”, sich inniger lieben lernen, Fehler im Lebenskontext suchen und äußere Faktoren in der Problemlösung mit einbeziehen. Sie werden sich sicherlich nicht durch unbegründete Vorwürfe und Beschuldigungen voneinander distanzieren und dem Familienzusammenhalt schaden.

Families also develop strengths and capabilities to enhance the development of individual members and to protect the family unit from major disruption during times of transition and change…” - Becket, 2000.

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