Selbstoptimierung, Ansprüche und Anpassung – No-Stress Jam #1

selbstoptimierung

Das Gefühl stetig wachsenden Ansprüchen gerecht werden zu müssen ist kein schönes. Wo findet dabei die Selbstoptimierung ihren Platz?

Unangepasst zu sein bedeutet nicht gleichzeitig unpassend zu sein. Dennoch sehen sich viele Menschen konfrontiert mit ihren tägliche Aufgaben. Als festgefahrene Routine sehen sie sie als Last, die mit dem Verlauf der Zeit immer schwerer wird. Die daraus resultierende ansteigende Stresswahrnehmung vergilbt unsere Sinne und stumpft sie soweit ab, dass ein Genuss unserer täglichen Erledigungen immer schwieriger wird. Wie können wir Freude in etwas finden, das augenscheinlich unserer Selbstverwirklichung im Wege steht?

Im Zuge unserer "höher-schneller-besser"-Kultur breitet sich ein Denken aus, welches die Selbstoptimierung enorm hervorhebt. Von Life-Coaches zu Selbsthilfebüchern über Nootropics zu Diäten. Dabei ist das Bedürfnis der Verbesserung seines Aussehens, Denkens und Handelns in sich selbst oft ein Produkt des fast schon wahnhaften Trends des Besser-werdens.

An sich zu arbeiten ist keineswegs krankhaft oder falsch. Ganz im Gegenteil, besser werden heißt BESSER WERDEN. Wichtig ist es, für jeden, der aktiv an seiner eigenen Person arbeiten möchte, WORAN sie oder er arbeitet.

Stecke dir deine eigenen Ziele. Am besten Ziele, die ganz autentisch von Herzen kommen und in das Gesamtbild der Person, die du gerne sein möchtest, passen. Verfolge große Ziele, vergiss jedoch nicht diese in kleine Etappensiege aufzuteilen. Wenn du nicht weiß, wer du sein möchtest, dann warte noch mit den großen Zielen. Die Chance sich zu verlaufen, wenn man nicht sicher ist, wo man hin möchte, ist sehr groß.

In einer Flut von non-stop "24/7" Seinneseindrücken, durch die rapide Verbreitung medialer Inhalte, ist es sowieso grundlegend fast unmöglich einen klaren und kühlen Kopf zu bewahren. Jeder hat etwas, alle möchten etwas, keiner ist zufrieden, aber alle scheinen ihr Leben vollends auszukosten. Es ist einfach zu leicht zu (v)erkennen, was man noch braucht, um glücklich zu werden. Viel schwieriger ist das Gegenteil.

Ruhe zu finden und Glückseligkeit zu empfinden ist fast immer negativ korelliert mit dem Bedürfnis sich etwas kaufen, bzw. aneignen, zu müssen. Ausgenommen davon sind überwiegend Fähigkeiten, die einen als Person wachsen lassen und Erfahrungen, die selbiges tun. Davon nicht ausgenommen sind materielle Güter, denen eine magische Fähigkeit zugeschrieben wird. Der Besitztum an sich erzeugt in uns die Vorstellung und Erwartungshaltung der sofortigen Verbesserung gewisser Aspekte in unserem Leben.

Der neue Fernseher bringt so viel mehr Spaß, die neue Kette macht mich so viel glücklicher, unser zweites Auto macht uns umso mobiler...Sicherlich ist es möglich, dass eine neue materielle Anschaffung einem Freude bereitet. Leider ist diese in dem meisten Fällen weitaus kurzlebiger und weniger intensiv, als wir es uns erhofft hatten. Vertreten wir dagegen den Gedanken materielle Besitztümer als Möglichkeit der Selbstentfaltung zu betrachten, eröffnen sich uns viel mehr Freiheiten und Situationen, in denen wir mit Hilfe unserer Ansprüche, einer realen Selbsteinschätzung und etwas Struktur, als Menschen wachsen können.

Damit einher geht die Unangepasstheit, mit der ich diesen Text eingeleitet habe. Um unangepasst zu sein, bedarf es der Überzeugung wir seien als Ganzes (oder ein bestimmter Teil von uns) unpassend in dem Kontext, in dem wir uns befinden. Um uns passend zu machen, versuchen wir krampfhaft uns zu bessern. Besserung steht dabei zu oft gleichbedeutend für Veränderung im Sinne von "sich ändern" ohne im Hinterkopf zu behalten, wer wir sind oder wer wir sein möchten.

Einen Moment inne halten und mit kontrollierter 4-6-Atmung [PDF] zu reflektieren, wer ich bin und wer ich sein möchte, soll als Abschluss mit dem ersten No-Stress-Jam den heutigen Beitrag beenden.

Facebooktwittergoogle_plusredditpinterestlinkedinmailFacebooktwittergoogle_plusredditpinterestlinkedinmail

Kann Musik Emotionen erzeugen?

Musik und Emotionen

Was sagt die Wissenschaft dazu?

Für die meisten Menschen besteht zu dieser Frage überhaupt keine Zweifel. Die meisten unter uns werden fest davon überzeugt sein, Musik habe die Möglichkeit Emotionen zu erzeugen. 

Nimmt man sich die Zeit und die Freiheit mit einem vernünftigen Satz Kopfhörern in der Couch zu versinken und mit geschlossenen Augen dem zu lauschen, was Musiker für so wertvoll hielten, es aufnehmen zu müssen, dann sollte auch dem letzten Skeptiker verdeutlicht werden, wie emotional geladen Musik sein kann.

Aus einer wissenschaftlichen Betrachtungsweise ist solch eine Beobachtung zwar valide, aber noch lang nicht genug, um wirklich jeglichen Zweifel einzuräumen, Musik allein habe die Möglichkeit solch eine Wirkung zu erzielen. Vielleicht ist es viel mehr die biographische Erfahrung einer jeden Person, die zu emotionaler Ladung/Entladung führt? Eventuell hat nicht gar die Symbiose aller Instrumente in einem Stück die Macht über unsere Gefühlslage, sondern nur eine bestimmte Instrumentation an einer bestimmten Stelle? Zur Beantwortung solcher Fragen muss ein systematischer Ansatz gefunden werden, der viele der einflussnehmenden Faktoren eliminiert oder zumindest kontrolliert.

Tatsächlich entstand über die Jahre der Forschung im Gebiet der Musikpsychologie nicht nur eine Kontroverse darüber, ob und wie Musik Emotionen erzeugen kann. Es ist ebenfalls zu beobachten gewesen, wie lange es gedauert hat und wie schwierig es war empirische Beweise zu erarbeiten, die es uns etwas leichter machen Aussagen über die gestellten Fragen zu treffen. Glücklicherweise konnten mit dem Ende der 1990er Jahre und den Anfängen des 21. Jahrhunderts starke wissenschaftliche Ergebnisse beobachtet und dokumentiert werden.

Mit einer großen Anzahl an objektivierten Interview-Studien (DeNora, 2000; Gabrielsson, 2001; Juslin & Laukka, 2004; Pike, 1972; Waterman, 1996), physiologischen Messungen (Davis & Thaut, 1989; Krumhansl, 1997; Vaitl, 1993), Messungen von Hirnaktivität in Bereichen emotionaler Verarbeitung (Blood & Zatorre, 2001; Brown, 2004), emotionaler Ausdruck (Sloboda, 1991), Tendenz zum Handeln (Fried & Berkowitz, 1979) und emotionaler Regulierung (Becker, 2001; Gabrielsson, 2001), hat die Wissenschaft in der Analyse menschlicher Emotionen im Kontext musikalischer Wahrnehmung enorme Sprünge nach vorne vollzogen.

Jeder aufmerksame Leser wird spätestens beim Betrachten einiger dieser Studien bemerken, wie sehr sich die meisten dieser Untersuchungen einzig und allein auf die Ausrichtung in unseren westlichen Kulturkreisen konzentrieren. Demnach wurden kulturell westlich aufgewachsene Menschen mit Musik konfrontiert, die durch westliche Eigenschaften geprägt sind und uns ausschließlich in nur diesem musikalischen und emotionalen Zusammenhang erlauben, Aussagen treffen zu können. Möglicherweise haben Afrikanische Volksstämme mit ihrer sehr andersartigen musikalischen Entwicklung, ihrer in unseren Kreisen kaum vergleichbaren Kommunikation und dem zu unserer Kultur anderen Umgang mit Emotionen, völlig andere Mechanismen durch welche Musik wahrgenommen und Emotionen erzeugt werden?! Es braucht noch viel wissenschaftlichen Aufwand, um wirklich verstehen zu können, was uns dahingehend unterscheidet und wo wir Menschen, egal woher wir kommen und wo wir aufgewachsen sind, gleichermaßen beeinflusst.

Musik und Emotionen

Was ist nun mit den Emotionen?

In meinem letzten Beitrag ("Emotionale Reaktionen und Musik") wurde bereits angesprochen, wie schwierig es ist in natürlichen Settings, also unter normalen Umständen und in alltäglichen Umgebungen, in denen Menschen Musik hören, zu analysieren, was Zuhörer fühlen. 

Um überhaupt einschätzen zu können, ob, was, wie oft und wann Menschen beim Hören von Musik unter dem Einfluss von durch die Musik erzeugten Emotionen stehen, mussten sich extrem schlaue Wissenschaftler über eine lange Zeit den Kopf zerbrechen und Lösungen zu diesem Problem (oder besser gesagt diesen Problemen) finden.

Spontan erzeugte Emotionen in der tagtäglichen Routine einer Person können sicherliche auf verschiedene Arten eingefangen und dokumentiert werden. Eine Möglichkeit ist die sogenannte "experience sampling method", also die Methode der Erfahrungsstichprobe (verzeiht meine katastrophale Übersetzung). Sloboda und Kollegen haben im Jahre 2001 versucht den Nutzen dieser Methode zu analysieren. Sie haben einigen Teilnehmern dieser Studie (N=8) einen Pager und ein Tagebuch überreicht. Die alteingesessenen Leser unter uns werden sich noch an die damals technisch hochfortschrittlichen Geräte erinnern. Ein Pager war ein kleines Gerät, welches an das Hosenbund gesteckt wurde und in der Lage war auf einem monochromatischen einzeiligen Display eine Nachricht anzeigen zu können. Pager wurden überwiegend dazu genutzt sich informieren zu lassen, man solle jemanden dringend zurückrufen. Am Ende der Nachricht wurde die Telefonnummer des übermittlers angezeigt. Im Falle der wissenschaftlichen Untersuchung von Sloboda wurden Teilnehmer daran erinnert, sie sollen bitte einen Eintrag in ihr Tagebuch vornehmen. Diese Art der erinnerung bekamen sie im Schnitt alle zwei Stunden über einen Zeitraum von einer Woche. Die Eintragungen im Tagebuch der Teilnehmer bezogen sich hauptsächlich auf jegliche musikalische Bestandteile im täglichen Ablauf und emotionaler Regungen, welche durch die Musik hervorgerufen wurde. Nach Beendigung der Studie hatten die auswertenden Wissenschaftler ein Sammelsurium an möglichen Korellationen und Kausalitäten abzuwägen.

Es schien ersichtlich, dass 44% eines jeden Tages gefüllt war mit einer Art musikalischen Untermalung. Wir müssen uns nur vorstellen, wo wir in unserem eigenen täglichen Leben überall mit Musik in Berührung kommen. Den Meisten unter uns werden sofort Beispiele wie "Fahrstuhlmusik", "Autoradio" oder "Straßenmusiker" einfallen. Abgesehen von einer Fülle an musikalischen Eindrücken, ist es wichtig zu unterscheiden zwischen einer passiven Beschallung, der man sich nicht unbedingt freiwillig hingibt und der Erfahrung des aktiven und bewussten Zuhörens. Die wenigsten der Studienteilnehmer hatten ein aktives Hörerlebnis, welches sie bewusst für sich selbst eingerichtet haben, zu verkünden. Die meisten wurden nur beschallt.

Die take-away Ergebnisse Sloboda's Studie waren folgende. Teilnehmer unter dem Einfluss von Musik waren positiv eingestellter, aufgeweckter und fokussierter. Speziell in den Fällen, in denen die Partizipanten einen Einfluss darauf hatten, welche Musik gespielt wird, waren die soeben genannten Ergebnisse noch deutlicher zu beobachten.

Mehrmals schon konnten die Ergebnisse dieser Studie repliziert werden. Juslin und Kollegium, zum Beispiel, konnten 32 Teilnehmer dazu bewegen mit Hilfe eines Laptops ähnliche Aufzeichnungen vorzunehmen. Daraus resultierten ähnliche Befunde. Die Teilnehmer dieser replikativen Studie standen zu 37% eines jeden Tages unter dem Einfluss von Musik. In zwei Dritteln dieser Zeit fühlten sich die Teilnehmer von der Musik emotional beeinflusst. Besonders in Abendstunden und an Wochenenden war der emotionale Bestandteil beim Hören von Musik groß. Das mag daran liegen können, dass Musik, hört man sie zu Zeiten, in denen der Kopf frei und der Geist ungestört ist, viel stärker wirken kann. Ähnlich verhätl es sich mit einem Gedicht, welches nur seine volle Wirkung entfaltet, wenn man sich auf das gesagte/geschrieben konzentriert und die Worte im Kontext aktiv aufnimmt und verarbeitet.

Es ist also, und das werden die meisten unter uns bereits vermutet haben, wichtig, WIE man Musik hört. Es reicht nicht aus, dass im Fahrstuhl angenehm jazzige Klänge auf uns herabfallen, wenn wir nebenbei auf dem Smartphone unseren Facebookstatus ändern. Musik entfaltet emotionale Kräfte nur, wenn wir bereit dazu sind uns dem hinzugeben. Doch dann kommt erneut die Frage auf, ob Musik in und an sich selbst überhaupt die Fähigkeit besitzt Emotionen zu erzeugen?!

Quellen:

Facebooktwittergoogle_plusredditpinterestlinkedinmailFacebooktwittergoogle_plusredditpinterestlinkedinmail

Emotionale Reaktionen und Musik

Musik und Emotionen

Musik wird, spätestens seit Zeiten der alten Griechen, mit Gefühlen verbunden. Emotionen spüren, sich dem hingeben, was in uns brodelt und nicht zuletzt sich selbst ein stück weit besser verstehen, ist wichtiger Teil musikalischer Wahrnehmung. Aber wie nehmen wir Musik wahr? Wie kommen wir dazu zutiefst berührt zu sein, wenn die letzte akustische Schwingung den Raum verlässt und wir konfrontiert sind mit der geballten Leere als Abschluss einer emotionalen Achterbahnfahrt?

 

 

Bis Tränen fließen oder wir lautstark vor Freude lachen.

 

Menschen nutzen Musik um ihre Gefühle zu beeinflussen. Emotionen erzeugen, die momentane Emotion möglichst schnell abändern in eine andere und sich selbst beruhigen, Stress abbauen oder in feierlaune bringen, sind nur grobe Beispiele dessen, was Musik in seiner praktischen Anwendung leisten kann.

Auch wenn es wenige Menschen gibt, denen Musik als emotionaler Richtungsweiser keinerlei Nutzen bringt, sind die meisten unter uns bewusst und unbewusst stark durch musikalische Einflüsse geprägt. Die Wissenschaft, insbesondere die Psychologie der Musik, weiß auf einige Fragen und Phänomene dieser Art Antworten zu geben. Vieles in der Thematik unserer audiovisuellen Wahrnehmung ("Warum erzeugt bereits das Intro zu Stairway to Heaven bei vielen eine Gänsehaut?", "Wie kann es sein, dass Menschen Dubstep genießen?", "Wieso verstehen wir in unseren westlichen Kulturkreisen ungerade Taktarten nur schwer?") ist uns jedoch weitestgehend ein Rätsel.

Es ist, bei der Wahrnehmung von Emotionen, erzeugt durch musikalische Darbietung, wichtig zu unterscheiden, ob eine Emotion nur erkannt oder tatsächlich gefühlt wird. Viele Musikstücke tendieren dazu dem Zuhörer eine gewisse emotionale Grundhaltung aufzuerlegen. Nichtsdestotrotz kann eine Gefühlsebene (aggressiv, liebevoll, aufgeregt, ruhig etc.) nicht nur erkannt und nachvollzogen, aber auch internalisiert und von einem selbst aus erzeugt und erlebt werden.

Beispiel:
Höre ich mir "Stumble then rise on some awkward morning" (A Silver Mount Zion) an, dann ist relativ offensichtlich wie ich mich fühlen werde. 

Doch auch hier ist zu unterscheiden zwischen der alleinigen Erkennung der durch die Musik übertragenen Emotionen und dem tatsächlich von mir aus erzeugtem Gefühl der z.B. Hilflosigkeit, Angst, Einsamkeit, Hoffnung etc. Sicherlich gehen beide Phänomene Hand in Hand. Es braucht eine Art Auslöser, um den "Motor" der Emotion in Fahrt zu bringen, so wie es ein trauriges Ereignis braucht, um tatsächlich Trauer empfinden zu können. Sobald diese Anregung passiert ist, dient die musikalische Darstellung als Katalysator, der das eigene Denken, die Gefühle und Erinnerungen antreibt und uns eine unter Umständen tausendfach stärkere Gefühlswahrnehmung bereitet. Bis Tränen fließen oder wir lautstark vor Freude lachen.

Eine interessante Beobachtung ist die inkongruente Wahrnehmung durch Musik erzeugter Emotionen. Es ist demnach nicht selten, dass sich Menschen zur Beruhigung, in aufregenden Lebensphasen, besonders schnelle, aggressive und/oder laute Musik genehmigen. Zarte Klavierstücke hingegen würde diese Sparte Mensch nur weiterhin auf die Palme bringen. Andere dagegen brauchen ruhige Klänge um sich zu beruhigen. Jeder, wie er es braucht.

Musik und Emotionen

Wie werden Emotionen definiert?

Um mit Emotionen arbeiten zu können, müssen wir sie verstehen und definieren. Das Konzept menschlicher Emotionen ist sehr weitläufig und kann unter vielen verschiedenen Gesichtspunkten verstanden werden.

In der Wissenschaft konnt esich soweit geeinigt werden, dass Emotionen stets als ein Affekt verstanden werden kann. Eine Emotion ohne Affekt ist keine reine Emotion. Menschlicher Affekt ist aber weitaus mehr als nur Emotionen. Unter Affekt verstehen wir weiterhin soetwas wie unsere Vorlieben, unsere Stimmung, bestimmte Neigungen und was wir umgangssprachlich als Bauchgefühl definieren. 

Auch wenn sich (noch) nicht auf eine allgemeingültige Definition von Emotionen geeinigt werden konnte (und wahrscheinlich niemals wird), wissen wir die Terminologie halbwegs einheitlich zu nutzen. Emotionen werden verstanden als zeitlich begrenzt anhaltende Gefühlsregungen, welche einige Minuten, aber auch mehrere Stunden, anhalten können. Es sind intensive Reaktionen auf für das eigene Leben direkt oder indirekt potentiell wichtige Ereignisse. Darüber hinaus erzeugen auch Änderungen in der eigenen Umwelt emotionale Reaktionen. Solche Änderungen müssen nicht immer nur von außen kommen. Innere Veränderungen, im Sinne von Erkenntnissen oder Selbstreflektion, kann eine intensive Emotion hervorrufen. Beispiele für solch umweltbedingte Einflüsse und Änderungen können extrem vielseitig sein, beinhalten aber fast immer mehrere der folgenden Bestandteile:

 

  1. kognitive Einschätzung (etwas wird als gefährlich wahrgenommen/etwas wird als sehr vertrauenswürdig eingeschätzt)
  2. subjektive Wahrnehmung (ein komisches Bauchgefühl/"Ich fühle mich gut bei der Sache, weiß aber nicht so recht weshalb")
  3. körperliche (physiologische) Reaktionen (mit Steigerung der Herzfrequenz wird unserem Hirn vermittelt, dass eine Gefahr droht oder ein extrem freudiger und aufregender Zustand eintritt)
  4. Ausdruck (schreien/flüstern)
  5. Handeln (wegrennen/annähern; Flüchten/Kämpfen)
  6. Regulierung (beruhigen/aufregen)

 

Solche Komponenten können in wissenschaftlichen Untersuchungen dazu genutzt werden emotionale Zustände zu messen und einzuschätzen. Ein wichtiger Punkt dabei ist das Verständnis Emotionen von Gefühlen unterscheiden zu können. Emotionen werden üblicherweise gehandelt als intensive Reaktion auf einen gewissen (definierbaren) Auslöser. Gefühlszustände dagegen brauchen nicht zwingend einen direkten Auslöser und können über einen weitaus längeren Zeitraum empfunden werden.

Wie werden Emotionen gemessen?

Wenn wir über Emotionen in Musik sprechen, müssen wir eine Möglichkeit haben auch tatsächlich nachprüfen zu können, was wer wann fühlt.

Erzeugt Musik Emotionen? Welche Emotionen erzeugen verschiedene Arten von Musik? In welchen Situationen werden Emotionen besonders stark durch Musik hervorgerufen? Sind durch Musik erzeugte Emotionen in ihrer Art anders als Emotionen, die durch andere Auslöser, wie zum Beispiel ein Gedicht oder eine Geschichte, erzeugt werden? Kann Musik vielleicht sogar gesundheitliche Vorteile mit sich bringen?

All das sind Fragen, die sich viele Musiker und besonders Wissenschaftler seit geraumer Zeit stellen. 

Seit den späten 90er Jahren werden verschiedenste methodologische Vorgehensweisen genutzt, um wenigstens ein paar dieser Fragen zu beantworten. Es wurden bereits Experimente durchgeführt, in denen die Testkandidaten Musik hören (Waterman, 1996), Umfragen beantworten (Juslin und Laukka, 2004), Tagebücher führen (Sloboda, 2001 - PDF) oder in Interviews Stellung beziehen (DeNora, 2001).

Unter Anbetracht der vielschichtigkeit von menschlichen Emotionen ist über die Jahre deutlich geworden, dass verschiedenste Messungen kombiniert am aussagekräftigsten sein können. So könnte man im experimentellen Kontext einer Studie neben den geläufigen physiologischen Messungen (Herzfrequenz, elektrodermale Aktivität, Körpertemperatur etc.) Aussagen der Partizipanten und Verhaltensbeobachtungen kombinieren und somit ein stärker aussagefähiges Gesamtbild konstituieren. 

Eines der größten Probleme bei solchen Vorgehensweisen ist die fehlende Natürlichkeit der Situation. Simpel ausgedrückt wird sich niemand freiwillig in ein enges Labor setzen, sich mit einem EEG-Gerät verkabeln lassen, um den himmlischen Klängen eines David Gilmoure Gitarrensolos hinzugeben. Eine experimentelle Laborsituation ist nämlich genau das, was es ist...eine Situation im Labor. Künstlich erzeugt unter den besten Umständen, um Messungen möglichst kontrolliert und ohne große Fremdeinflüsse vornehmen zu können.

Völlig anders sieht es bei natürlichen Alltagssituationen aus. Die Anzahl an nicht zu beeinflussenden Variablen im alltäglichen Leben macht es einer kontrollierten Messung feinster körperlicher und kognitiver Reaktionen fast unmöglich. 

Facebooktwittergoogle_plusredditpinterestlinkedinmailFacebooktwittergoogle_plusredditpinterestlinkedinmail

Hör genau hin – Musik gibt Sex

kopfvoll hör genau hin

Hör genau hin

Musik gibt Sex

Wenn ich dich frage: „Was macht dich glücklich?“, ist „betrunken umfallen und tot sein“, hoffentlich keine Antwort in deiner Top-3.
Eine der wenigen Menschen, von dessen Antwort ich mir absolut sicher wäre, hat mit mir in akademischen Kreisen Studien zu den Effekten von Musik auf Psychophysiologische (mental-körperliche) Reaktionen in Menschen aufgestellt.

Seine Antwort, nüchtern, wäre: „Den Kopf abschalten und ohne nachzudenken über’s Griffbrett wandern. Wenn in deinem Geist keiner mehr nach seinem Willen schreit, wenn die Stille in deinem Denken sich entmachtet gegenüber dem Gewicht der Klänge, dann ist man glücklich. Dann bin ich glücklich.“

Seine Antwort, nach dem fünften Hefeweizen: „Der Bass muss knallen, alter!“ Was ihm dabei unbewusst vorgeschwebt haben könnte, ist die Möglichkeit, dass der Bass ihn „knallen“ soll. Es stellt sich heraus, dass viele unter uns, ähnliche körperliche Reaktionen beim Hören bestimmter Musikstücke erfahren, wie beim Höhepunkt beim/im/nach dem Akt der Liebe.

Musik als kulturelle Facette, ist seit der Existenz von uns Menschen fest verankert in unserer sozialen Kommunikation. So kulturell weitreichend und übergreifend wie mit musikalischer Sprache, lässt es sich nur schwer mit ausschließlich wörtlicher Sprache verständigen. Sogar in der Abstinenz jeglicher verbaler Äußerungen, ausschließlich angewiesen auf körperliche Verständigung durch Gestik und Mimik, würde uns unsere Kommunikation in vielen anderen kulturellen Kreisen das Smartphone , und in schlechten Umständen sogar all unsere Freunde, kosten.

Wie kann Musik uns nun zum Höhepunkt verhelfen?

Well, durch das Zusammenspiel von hochkomplexen Interaktionen zwischen kognitiven, affektiven und körperlichen Mechanismen, kann bei korrekter Stimulation unseres Geistes, bzw. unseres Wahrnehmungsapparats, eine Reaktion hervorgerufen werden, die in anderen Umständen nur durch körperliche Stimulation erreicht werde könnten. Wie sonst würdest du dich von Jason Vorhees vor deiner Freundin zum Feigling degradieren lassen?

Musiker, verglichen mit nicht-musikern, erleben das Phänomen „Hautorgasmus“ (skin-orgasm, chills/shivers) weitaus öfter [1][2]. Durch den persönlich-emotional tiefbedeutenden Anreiz eines musikalischen Stücks, meist mit Crescendo (Anstieg in Intensität) in der Instrumentation  und der Stimme verbunden, werden biochemische Reaktionen (überwiegend Neurotransmitter) angetrieben, die denen des Glücksgefühls beim sexuellen Orgasmus ähneln.
Norepinephrin und Epinephrin (Adrenalin) nimmt zu, lässt unser Herz rasen und spitzt (*reusper*) damit unsere Sinne [3][4][5]. Dopamin nimmt, bedingt durch gesteigerte Aktivität im Nukleus Akkumbens, unserem inneren Belohnungssystems, zu und macht uns glücklich [6] [7] [8]. Adrenocorticotropin („ein was?“ – ein Hormon, dass dafür zuständig ist dir bei Stress noch mehr Stress zu machen) nimmt ab und entspannt uns.

Rein körperlich betrachtet läuft uns ein Schauer über den Rücken, wir kriegen schwitzige Hände, unser Herz übt für den Marathon und unser Musikknie (für die, die sich bereits eins einbauen haben lassen) versucht von unten, mit rhythmischer Randale, die Tischplatte zu vervielfältigen.

Facebooktwittergoogle_plusredditpinterestlinkedinmailFacebooktwittergoogle_plusredditpinterestlinkedinmail