Werden wir im Alter immer vergesslicher?

 

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Viele Menschen denken, unsere Fähigkeiten Erinnerungen zu formen und auf sie zurückzugreifen nimmt mit der Zeit ab. In vielen wissenschaftlichen Untersuchungen wurde festgestellt, auf welche Weisen kognitive Funktionen von Menschen in gewissen Bereichen abbauen. Was genau das mit Erinnerungen zu tun hat und ob wir wirklich vergesslicher werden, sobald graue Haare und faltige Haut unserem Körper Charakter verleihen, ist etwas kontroverser.

Mit der Studie “The Myth of Cognitive Decline: Non-Linear Dynamics of Lifelong Learning” haben Michael Ramscar und seine Kollegen etwas ganz wichtiges untersucht. Ist es wahr, dass unsere geistigen, also kognitiven, Fähigkeiten zwangsläufig schlechter werden im Verlaufe der Zeit?

In den letzten Jahrzehnten haben psychometrische Tests, die dazu genutzt werden um kognitive Fähigkeiten zu testen, folgendes gezeigt. Reaktionszeit und Verarbeitungsgeschwindigkeit von mentalen Prozessen nimmt von Kindesalter bis zum jungen Erwachsenendasein ab. Das heißt, wir werden schneller und besser. Ab dann, sobald es sich zeitlich in Richtung “älter”, bzw. Seniorendasein, bewegt, nimmt die Reaktionszeit in solchen Tests ab. Einige Untersuchungen haben die abnehmende Reaktionszeit sogar als absolute Begründung für die abnehmende Schnelligkeit in Reaktion und kognitiver Verarbeitung angebracht. Dem entgegnen können wir jedoch, dass es für Übungseffekte, also das Besser-werden in bestimmten Abläufen, die wir üben, keine Altersbeschränkung gibt. Trotzdem scheint es, unsere geistigen Fähigkeiten sind, angesichts der Ergebnisse dieser psychometrischen Tests, nicht mehr so gut, wie die von jüngeren Mitmenschen. Woran kann das liegen?

Laut Ramscar und seinem Team liegt es an der Art, wie wir mit Erinnerungen umgehen und wer welche Erinnerungen hat.

Ältere Menschen haben demnach einen enormen Nachteil in solchen Tests, die nur auf Reaktionszeit ausgelegt sind, weil sie in ihrer Lebensspanne viel mehr Erinnerungen ansammeln konnten. Mit all den Erinnerungen, die ein älterer Mensch im Gedächtnis gespeichert hat, kann er/sie auf bestimmte Stimuli nur langsamer reagieren, weil es eben länger dauert aus dem Berg von Erinnerungen die relevanten Informationen herauszusuchen und anzuwenden.

Consider the problem of recalling birthdays: We are usually reminded of the birthdays of family members on an annual basis, and this usually makes us good at remembering them. However, as we move through life, we learn about other birthdays. Sometimes we hear these dates only once, such as when we attend a party for someone we barely know. As we learn each new birthday, the mean exposure we have had to all the birthdates we know declines, and the task of recalling a particular birthday becomes more complex. Accordingly, it does not necessarily follow that someone who can recall 600 birthdays with 95% accuracy has a worse memory than someone who can recall just six with 99% accuracy.”

Wir können gut und gern Abstand nehmen von Schnelligkeit und Reaktion, wenn es um kognitive Funktionsweisen bei älteren Menschen geht und uns der Vielfalt und der Genauigkeit von Erinnerungen und Erfahrungen zuwenden. Dabei werden wir, wie bereits in einigen anderen Testformen passiert, weitaus bessere Ergebnisse bei älteren Menschen beobachten als bei jüngeren.

Lebenserfahrung ist sehr viel wert.


Dustin Jaros
Dustin Jaros

Mein Name ist Dustin Jaros, ich bin Psychologe und arbeite in der psychosozialen Betreuung. Menschen profitieren von meiner Beratung über das Internet (Skype, E-Mail, Spreed) und via Telefon. Damit sind sie oft örtlich unabhängig und können auch ohne viel Aufwand meine Beratung wahrnehmen. Meine Gesprächspartner genießen meine offene, ehrliche und authentische Art. Für Kopfvoll mache ich Fotos, schreibe Texte und kümmere mich um die sozialen Medien (Instagram: @kopfvoll / Facebook: k0pfv0ll).