Warum verlinken wir auf Facebook?

Was bewegt Nutzer von sozialen Netzwerken wie Facebook, dem bekanntesten und am meisten genutzten Netzwerk, zum Teilen von Inhalten?

Im Jahre 2003 wurde ein kleines, auf die örtliche Harvard-Universität begrenztes, soziales Netzwerk erschaffen. Mit Facemash war es möglich Mitstudenten als “nicht attraktiv” zu degradieren oder als “hot” einzustufen. Mit steigender Popularität und dem sich damit auf andere Universitäten ausweitende Netzwerk, wurde auf Basis von Facemash eine Seite mit dem Namen thefacebook.com erstellt. Urgründer und Programmierer von Facemash und thefacbook.com, Mark Zuckerberg, erreichte innerhalb von wenigen Stunden ca. 1500 Registrierungen für seine neue Seite.

Bis Dezember 2005 weitete sich das thefacebook-Netzwerk auf über 2000 Hochschulen und 25000 Sekundarschulen aus und erhielt eine neue Domain mit dem aktuellsten und am bekanntesten Namen “Facebook” (facebook.com).

Statistiken aus dem Jahre 2011 zeigen 600 Millionen täglich eingelogter Benuter, welche rund 70 Milliarden Inhalte teilen. Im zweiten Quartal 2015 sind es bereits knapp 1500 Millionen Benutzer (oder besser gesagt Accounts).

Welche Gründe Menschen dazu bewegen ihre Interessen, Urlaubsfotos, Nachrichten und Ähnliches auf Facebook zu teilen, ist Thema einer großen Anzahl an wissenschaftlichen Studien. So haben sich zum Beispiel Baek, Holton, Harp und Yaschur im Jahre 2011 mit drei Untersuchsfragen auf die Suche nach den Gründen gemacht, die uns dazu bewegen virtuell teilen:

 

  1. Was sind die Motivationen für Facebook-Nutzer Inhalte auf Facebook zu teilen?

  2. In wie weit sind die Motivationen von Facebook-Nutzern verbunden mit der Anzahl ihrer geteilten Inhalten, nachdem demografische Daten (Geschlecht, Alter, Bildungsgrad etc.) berücksichtigt wurden?

  3. In wie weit sind die Motivationen von Facebook-Nutzern verbunden mit der Art der Inhalte, die sie teilen? (Ebenfalls mit Berücksichtigung demografischer Daten).

 

Wenig erstaunlich und sehr wahrscheinlich intuitiv erwartet von vielen ist die Tatsache, dass Nutzer des sozialen Netzwerks in erster Linie Spaß an der Sache haben (“because it’s enjoyable”). Gleichermaßen wichtig war für den Großteil der an der Studie teilnehmenden Personen das Verfügbar machen von Informationen (“to provide information”). Weiterhin sind der virtuelle Kontakt zu den Mitmenschen (“it’s an easy way to stay in touch with people”), die Einfachheit der Nutzung (“it’s easy to use”) und das Erhalten von Hilfe (“because I want someone to do something for me”) die prägnantesten Ursachen für die Nutzung von Facebook.

Weiterhin ist laut der Studie die Motivation der Nutzer, bestimmte Inhalte zu teilen, der wichtigste Faktor, mit dem über tatsächliches “Sharing-Verhalten” geurteilt werden kann. Die Intention einen Inhalt, etwa einen Beitrag oder einen Link, zu teilen kommt von weiteren Faktoren, wie zum Beispiel dem Bildungshintergrund. Menschen, die einen höheren Bildungsstandard aufweisen, teilen öfter Inhalte mit Bezug zu aktuellen Nachrichten. Nutzer, die kein Bedürfnis haben andere Facebook-user zu beeinflussen, teilen und veröffentlichen weitaus öfter Unterhaltsame Inhalte. Menschen, denen ihr Job sehr am Herzen liegen, teilen öfter Arbeitsrelevante Inhalte.

Zusammengefasst deutet die Studie auf zwei grundlegende Faktoren der Nutzung hin. Erstens und am bedeutensten, ist es für die Nutzer eines solchen Netzwerks extrem hilfreich wichtige und für ihre Lebensumstände relevante Informationen zu erhalten und zu teilen. Zweitens, genießt ein Großteil aller Nutzer das weite Spektrum an Inhalten, welche der Unterhaltung dienen. Weniger relevant waren dagegen das Werben für die eigene Arbeit, sowie das Verbringen von Zeit oder dem Erfüllen von anderen zwischenmenschlichen Zwecken.

Facebook, so wie die meisten sozialen Netzwerke, die momentan zu unserer Verfügung stehen, sind grundlegendermaßen eine Erweiterung unseres Selbst. Auf die Gefahr hin, dass wir diese Netzwerke (miss)brauchen, um ein bestimmtes und teils verzerrtes Bild unserer eigenen Person abzugeben, ist eine sehr reale Möglichkeit und wird auf täglicher Basis praktiziert. So viele fantastische Urlaubsfotos, Hochzeiten, glückliche Familienbesuche und Feierlichkeiten auch mit virtuellen “Freunden” geteilt werden, so sehr gibt uns eine virtuelle soziale Vernetzung auch die Möglichkeit Inhalte von Interesse (und echtem Informationsgehalt) zu konsumieren und zu verbreiten.

Betrachtet als ein reines Werkzeug, entwickelte sich die kleine örtliche Website für das Bewerten von Mitstudenten zu einer virtuellen Blase, in der wir uns verbinden, liken, informieren und entspannen können.

Bereits 1983 wurde von Rubin, im Bereich des Konsums von Telemedialen Inhalten, festgestellt, dass Menschen bei der Nutzung von Fernsehen einen bestimmten Nutzen aus der Sache ziehen möchten. Der Großteil aller Konsumenten entscheidet sich für den Unterhaltungsfaktor als ihr wichtigster Nutzen. Viele Verbraucher sehen auch heute noch im Medium “TV” ein Mittel zur Informationsverbreitung (tägliche Nachrichten, Themenshows etc.) und Konsumieren mit einem bestimmten Ziel vor Augen.

kopfvoll - warum teilen wir auf facebook


Dustin Jaros
Dustin Jaros

Mein Name ist Dustin Jaros, ich bin Psychologe und arbeite in der psychosozialen Betreuung. Menschen profitieren von meiner Beratung über das Internet (Skype, E-Mail, Spreed) und via Telefon. Damit sind sie oft örtlich unabhängig und können auch ohne viel Aufwand meine Beratung wahrnehmen. Meine Gesprächspartner genießen meine offene, ehrliche und authentische Art. Für Kopfvoll mache ich Fotos, schreibe Texte und kümmere mich um die sozialen Medien (Instagram: @kopfvoll / Facebook: k0pfv0ll).