Was muss passieren? – Stress abbauen auf 3 Wegen

 

Hallo und herzlich willkommen bei Kopfvoll, mein Name ist Dustin Jaros und unser Thema ist Stress. Um genauer zu sein, möchte ich heute mit euch über Veränderungen sprechen, die in eurem Leben eintreten müssen, sodass ihr euch nicht mehr unnötig gestresst fühlt.

Um das Thema einzuleiten, stelle ich euch eine Frage. Die Frage richtet sich hauptsächlich an diejenigen unter euch, die ganz genau wissen, dass sie ihrem Stress im täglichen Leben ausgeliefert sind. Das sind gleichzeitig diejenigen, die am Abend vor dem Schlafen überlegen, wie sie den nächsten Tag überstehen sollen. Diejenigen, denen der Stress nicht nur über den Kopf gewachsen ist, sondern ihr gesamtes Denken einnimmt und sie regelmäßig traurig oder deprimiert stimmt.

Solltet ihr der Sorte Mensch nicht angehören, dann kramt in eurem Gedächtnis nach Menschen in eurem Umfeld, von denen ihr wisst (oder glaubt zu wissen), dass sie andauernd gestresst sind. Jeder von uns kennt jemanden, der das Arbeitspensum im Job, die Komplikationen in der Familie, die Umstände in seinem Leben oder den chronischen Geldmangel nicht ohne weiteres wegstecken kann, ohne offensichtlich chronisch gestresst zu sein. Im schlimmsten Fall sind diesen Menschen die Folgen der Umstände in ihrem Leben bereits im Gesicht abzulesen. Nicht Wenigen wird der Griff zur Reißleine durch sich selbst oder anderen Menschen soweit verwehrt, dass sie mit Depressionen diagnostiziert werden und dauerhaft aus dem Berufsleben und einem glücklichen erfüllten Leben ausscheiden müssen.

Ganz egal, welcher Riege Mensch du angehörst, du hast sicherlich öfter Stress, als es dir lieb ist. Von daher lass mich dir folgende Frage stellen:

 

Was muss passieren, dass du nicht mehr gestresst bist?

 

Muss dein Einkommen steigen, um deine finanzielle Situation zu stabilisieren?
Muss der Chef endlich weg, weil er dich non-stop mobt?
Soll dein Kind endlich aufhören zu schreien?
Ist es, dass dich deine negativen Gedanken solange Plagen, dass du gar nicht mehr weißt, wie sich gute Laune anfühlt?

Das sind alles extrem legitime Gründe und zum Teil auch tatsächlich die einzigen Antworten auf meine Frage. Wenn du am Hungertot nagst, weil du dir nicht mehr genug Essen leisten kannst, dann brauchst du finanzielle Unterstützung. Wenn dich dein Job in die Depression mobt, dann solltest du schnellstmöglich deinen Chef entlassen und gehen. Wenn dein Kind dir den letzetn Nerv raubt, mach dir keine Vorwürfe, du brauchst eine Pause → es gibt viele Babyistter da draußen. Wenn dich negative Gedankenspiralen krank werden lassen, dann ist das erste, was du morgen früh machst, deinen Hausarzt besuchen…er hat eine Liste mit Kontakten, die sich deiner Annehmen und dir ohne viel Nachfragen weiterhelfen.

Wenn wir aber von den radikalen Fällen, in denen externe Umstände definitiv der Auslöser für unseren Stress sind, Abstand nehmen und realisieren, dass es immer etwas in der Welt um uns herum gibt, das uns stress, dann ist es an der Zeit unseren Blick von außen nach innen zu kehren.

Wenn deine Antwort so ähnlich lautet wie: “Ich darf mich nicht mehr so sehr stressen lassen”, oder “Ich muss lernen damit umzugehen” → zeigt mir, dass du nicht genau weißt, was passieren müsste, sodass du nicht mehr gestresst wärst. Du aber tendenziell bereits die richtige Richtung eingeschlagen hast. In deiner Macht steht sehr viel mehr als das simple Beklagen über äußere Umstände. Es wird dir niemals möglich sein jede Baustelle auf der Autobahn wegzuwünschen, jede verspätete S-Bahn zu beschleunigen oder dir alle Kolleginnen auf der Arbeit auszusuchen. Es gibt immer, jeden Tag, jede Stunde, jede Sekunde, Faktoren in deiner Umwelt, auf die du keinen Einfluss nehmen kannst. Zumindest nicht außerhalb deiner Selbst. Du kannst die Auslöser deines Stressempfindens entweder bei äußeren Einflüssen suchen (Arbeit, Beziehung, Wohnung, Kinder) oder bei internen Einflüssen, wie deinen Gedanken, Überzeugungen, Einstellungen und dergleichen. Und dort möchte ich mir dir hin, zu deinen inneren, internen, Mechanismen.

Da wir in vielen Fällen eher die Möglichkeit haben unsere inneren Einstellungen zu ändern, bevor wir es schaffen unsere Außenwelt auf uns abzustimmen, schlage ich vor, wir fangen bei uns selbst an.

Keine direkte Antwort oder einen 10-Punkte Plan zur persönlichen Stressbewältigung zu haben ist völlig okay und meistens auch natürlich, da die Situationen, in denen wir uns befinden, zu individuell sind, alsdass ein vorgeschriebener Plan als Allgemeinlösung helfen könnte. Jeder von uns hat sein individuelles Leben mit den verschiedensten Bekanntschaften, Interessen, Örtlichkeiten, Hobbies, Gedankengängen, Konversationen, Errungenschaften, Verluste und allem, was sonst noch zum Leben dazugehört.

Ohne dir etwas vorzumachen, sage ich, ich habe ebenfalls keine Antwort auf die Frage, was für dich in dein Leben passieren müsste, dass du weniger stress empfindest. Was ich dir aber anbieten kann sind drei Ideen oder Lebenseinstellungen, die dir mit sicherheit auf dem Weg zu einer Antwort auf die Frage helfen werden.

Diese drei Dinge sind auf alle Situationen anwendbar, immer zur Hand und kosten keinen einzigen Cent. Wir werden sie der Reihe nach durchgehen und sehen, wei sie uns im alltäglichen Leben bei unserer Stressbewältigung helfen können. Ich spreche von den folgenden drei Konzepten:

 

1. – Selbstwirksamkeit
2. – Konstruktivismus
3. – Achtsamkeit

 

1. – Selbstwirksamkeit

Das Prinzip der Selbstwirksamkeit, bzw. der Selbstwirksamkeitserwartung, ist ein von Albert Bandura auf Papier gebrachtes Konzept. 1977 verfasste Albert Bandura einen Artikel mit dem Namen „Self-efficacy: Toward a Unifying Theory of Behavioral Change“, auf Deutsch in etwa: „Selbstwirksamkeit: in Richtung einer vereinheitlichten Theorie über Verhaltensänderungen“, in dem er detailliert die einzelnen Bestandteile und die Funktionsweise seines Konzepts erklärt. Dabei definiert er die Selbstwirksamkeitserwartung als:

„[..] Überzeugung,, dass man erfolgreich bestimmtes Verhalten anwendet, um bestimmte Ergebnisse zu produzieren. Das Ergebnis und die Selbstwirksamkeit werden differenziert betrachtet, weil man zwar glauben kann, dass ein gewisses Vorgehen bestimmte Folgen hat, unterhält man aber Zweifel, ob man dieses Vorgehen überhaupt durchführen kann, beeinflusst solch ein Gedanke das weitere Handeln nicht.“

Auf gut Deutsch kannst du zwar wissen, dass vorsichtiges Druckausüben auf die Tonmasse und beständiges Antreiben der Drehscheibe irgendwann eine hübsche Vase als Ergebnis zur Folge hat, wenn du aber weißt, dass du mit deiner Grobmotorik in 20 Sekunden nicht nur Form, sondern auch Werkstatt zerstört hast, dann wirst du offensichtlich nicht anfangen wollen zu Töpfern.

Er schreibt:

„Selbstwirksamkeitserwartungen bestimmen, wie viel Anstrengung jemand unternimmt und wie lange er, trotz Hindernissen und aversiven Erfahrungen, versucht das Problem oder die Aufgabe zu lösen. Je größer die wahrgenommene Selbstwirksamkeit, desto aktiver der Aufwand.“

Es gibt einige Punkte, die wir aus den Studien und Experimenten aus der Richtung der Selbstwirksamkeit mitnehmen sollten:

Die Einschätzung deiner Selbstwirksamkeit, sei sie akkurat oder fehlerhaft, hat stets einen Einfluss auf die Aktivitäten, mit denen du dich auseinandersetzen wirst.
Dieser Punkt bedarf fast keiner weiteren Erklärung, da es auf der Hand liegt, dass ich, abhängig von wie gut ich meine Fähigkeiten in bestimmten Bereichen des Lebens einschätze, mich mit Aufgaben beschäftige, die ich als realistisch zu lösen einschätze. Auf der anderen Seite versuche ich ebenfalls zu leichte und zu schwierige Aufgaben zu vermeiden, um eine Lernkurve aufrecht zu erhalten und ich mich in meinem Können verbessere. Zweifel an deinen Fähigkeiten führt dazu, dass du weniger engagiert mit weitaus weniger Aufwand an Problemlösungen arbeitest und, im schlimmsten Fall, sogar das Vorhaben komplett aufgibst.

Dabei schließen wir an den ersten Punkt an. Probleme, deren Lösungsweg unsere Fähigkeiten übersteigen vermeiden wir, genauso wie Probleme die uns durch ihre Einfachheit langweilen. Wenn wir jedoch, objektiv gesehen, ausgestattet sind mit den nötigen Skills und wir unterschätzen uns trotzdem in unserem Können, dann stehen wir vor dem Problem der fehlerhaften Selbsteinschätzung. Diese Fehleinschätzung führt wiederum dazu, dass du bei Stöckern und Steinen in deinem Weg eher geneigt bist aufzugeben, SOLLTEST du überhaupt versucht haben eine Lösung zu finden. Und du siehst deine persönlichen Erfolge als weniger wichtig an, die dir vorgesetzten Probleme scheinen weitaus furchtienflößender und dein Stresslevel steigt stetig in die Höhe, was wiederum zu einer Minderung deiner Leistungsfähigkeit führt.

Deshalb sollten wir die drei Hauptbestandteile der Theorie über Selbstwirksamkeitserwartungen kennen. Für ein besseres Verständnis unserer Selbsteinschätzung mit Bezug zu unseren Zielen, können wir die folgenden Punkte im Hinterkopf behalten:

1. Vicarious Experience – indirekte Erfahrung
2. Verbal Persuasion – verbales Überzeugen
3. Emotional Arousal – emotionale Erregung

Die indirekten Erfahrungen kommen aus der sozialen Lehrtheorie und beziehen sich auf das Phänomen, was wir besonders intensiv beim Aufwachsen unserer Kinder, beobachten können. Wenn Kinder in einem angebrachten sozialen Umfeld aufwachsen, lernen sie einen sehr großen Teil ihrer Fähigkeiten durch das Beobachten anderer Menschen. Mit einem unbändigen Interesse an allem, was neu und irgendwie anders ist, mimen Babies und Kleinkinder das bei anderen beobachtete Verhalten nach. Auch wenn du als erwachsener Mensch noch nie einen Tennisschläger in der Hand hattest, wirst du durch simples Beobachten professioneller Tennisspieler, wissen, was du ungefähr zu tun hast, würde man dich vor einen schreienden McEnroe stellen.

Wenn wir andere Leute dabei beobachten, wie sie mit ihrem Handeln bestimmte Ziele erreichen, sind wir eher dazu geneigt uns selbst davon zu überzeugen, wir könnten ebenfalls erfolgreich solche oder ähnliche Ziele erreichen. Dabei können wir Folgendes festhalten. Je ähnlicher uns die Person ist, die wir dabei beobachten, wie sie durch ihre verständliche Kommunikation und ihrem strukturierten Gedankengang die umfangreiche PowerPoint-Präsentation meistert, desto eher glauben wir daran selbiges schaffen zu können. Umso unterschiedlicher die vortragende Person uns ist, umso eher zweifeln wir an uns, weil es doch offensichtlich erscheint, dass wir ohne einen Cum-Laude Masterabschluss einer Ivy-League Universität nicht auch so eloquent die Jahresabschlusszahlen vor der Firma vortragen können. Das Beobachten andere Menschen bei dem Erreichen von Zielen ist also ein zweischneidiges Schwert mit einem breiten Spektrum an Auswirkungen in unserem Denken. Aus dem Großteil unserer Erfahrungen scheint jedenfalls – und so sieht es auch Bandura – eher etwas positives zu Folgen, undzwar die Überzeugung, dass, je länger man an der Sache dran bleibt, umso größer sind die Chancen es zu schaffen. Was immer es auch ist, das du erreichen möchtest. Fakt ist, je länger du versucht erfolgreich dem Ziel näher zu kommen, umso größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass du es auch schaffst. Manchmal früher, manchmal später…

der zweite Pfeiler in deiner Selbstwirksamkeit ist, wenn auch oft ein nicht allzu stabiler, „Verbales Überzeugen“.

Bandura schreibt:

„Menschen werden durch Rat und Anregung in die Überzeugung geführt, sie könnten erfolgreich mit Aufgaben umgehen, mit denen sie in der Vergangenheit überfordert waren.“

Durch gutes Zureden induzierte Selbstwirksamkeit ist weitaus schwächer und für negative Erfahrungen anfälliger als Selbstwirksamkeit, die durch persönlichen Erfolg als Folge des eigenen Handelns verbucht werden kann. Demnach ist das Gefühl der Stärke und Kompetenz durch das Lob von deiner Tante zwar schön, aber bei weitem nicht Standhaft genug, um negative Erfahrungen mit deinen Kompetenzen zu übertönen. Die Enttäuschung darüber das neue Ikea-Regal doch nicht alleine aufbauen zu können, wiegt schwerer als das Lob über deine hausmännischen Fähigkeiten. Beim Zusammenbau zu versagen ist nämlich nicht nur eine direkte negative Erfahrung, die wir mit unserem Handeln hervorrufen, sie ist auch sehr konkret. Du versagst dabei das Ikea-Regal aufzubauen und bei nichts anderem. Es müsste dir also schwerer fallen zu verallgemeinern und dich selbst als unfähigen Ehemann zu sehen, wo du doch sonst recht gut alles meisterst. Das Lob deiner Tante dagegen ist etwas, das dir von außen zugetragen wird. Etwas, das du nicht selbst unmittelbar durch dein Planen, Hämmern, Denken und Messen, erreicht hast. Es ist ein Lob von außen über keine konkrete Fähigkeit, sondern über ein globales Feld an Aufgaben. Hausmann sein bedeutet vieles. Es fällt hier sehr viel leichter seinen Erfolg abzuschreiben und das Lob zu diskreditieren:

Gut zureden kann, wie wir sehen, motivieren und dabei helfen sich selbst anzutreiben und sein Vorgehen zu überdenken. Dennoch ist es eine recht schwache Quelle unserer wahrgenommenen Selbstwirksamkeit und bei weitem nicht so einflussreich wie Erfahrungen, die wir selbst machen.

Als dritten und letzten Teil führt Bandura emotionale Erregung an und geht damit auf physiologische Rückmeldungen unseres Körpers ein. Wie wir die Signale unseres Körpers, besonders in stressvollen Situationen, interpretieren, ist ausschlaggebend für die Einschätzung unserer Selbstwirksamkeit. Generell können wir sagen, dass starke emotionale Erregung unsere Performance verschlechtert. Wenn du in kaltschweiß gebadet ängstlich im Vorstellungsgespräch sitzt, wirst du nicht die kognitive Leistung erbringen, die bei moderater und gesunder Anspannung und einer guten Selbstsicherheit vorhanden ist. Noch viel schlimmer ist die Tatsache, dass deine Interpretation der Signale deines Körpers, wie z.B. Herzklopfen, Schweiß auf der Stirn, zittrige Hände, gestörte Feinmotorik etc., wiederum dazu führen, dass du dich weiter in die negativen Gedanken vertiefst, die anfänglich dafür verantwortlich waren, dass du überhaupt erst schwitzige Händ beekommen hast. Dieser Modus des Denkens verstärkt sich selbst und führt zu einem völligen Standby deines Frontallapens. Somit ist dein Belohnungssystem, deine Aufmerksamkeit, dein Kurzzeitgedächtnis, deine Fähigkeit zu Planen und deine Motivation gestört. Alles was dir bleibt ist entweder zu fliehen oder zu kämpfen.

Im klinischen Bereich, zum Beispiel bei Phobikern, gibt es verschiedenste Ansätze mit dem Wissen um Selbstwirksamkeitserwartungen zu arbeiten. Dort werden üblicherweise therapeutisch begleitete Hilfestellungen gegeben, um mit den Patienten eine Verbesserung in den von ihrer Phobie belasteten Lebensbereichen zu ermöglichen. Die anfänglich sehr intensiven Hilfestellungen und die kontinierliche Begleitung wird mit dem Verlauf der Behandlung und den steigenden Fähigkeiten des Patienten, verringert. Die Hilfe von außen wird soweit minimiert, dass der Patient durch den selbständigen Umgang mit schwierigen Situationen oder dem Lösen von Problemen, ein wachsendes Gefühl der Selbstwirksamkeit entwickelt. Das soll ihm dabei helfen sich selbst in seinem Können realistisch einzuschätzen, für ihn passende Probleme zu definieren und der Phobie Einhalt zu gebieten. Desweiteren ist bei solchen Behandlungen durchweg zu beobachten, dass sich der neu entwickelte Sinn für „was kann ich?!“ auch auf andere Bereiche des Lebens überträgt. Allein die Tatsache ein Problem angegangen zu sein und erfolgreich gelöst zu haben, ist in sich selbst eine Bestätigung der eigenen Fähigkeiten.

Ein Agoraphobiker, also eine Mensch der Todesängste entwickelt, wenn er sich, in überwiegend sozialen Situationen, gefangen sieht, weil er befüchtet keinen Ausweg zu finden, wird sich nach einem erfolgreichen Besuch des lokalen Marktplatzes auch in anderen Bereichen seines Lebens mehr zutrauen können. Auf einmal scheinen die drei Stationen mit der U-Bahn gar nicht mehr so schlimm oder der Restaurantbesuch mit der Freundin ist nach Jahren mal wieder eine realistische Wochenendaktivität.

Ein weiteres gutes Beispiel ist der Fokus auf Selbstwirksamkeit bei Suchtkrankheiten, wie z.B. Heroin-Abhängigkeit, Nikotinabhängigkeit oder Alkoholismus. Menschen mit einem hohen Grad an wahrgenommener Selbstwirksamkeit haben grundlegend mehr Ausdauer und Kraft in für sie gefährlichen Situationen. Situationen, in denen Sie stark bleiben müssen, um ihren inneren Dämonen zu widerstehen. Jeder kleinste Erfolg dabei führt wiederum dazu auch in anderen Situationen in seinem Vorhaben gestärkt zu werden. Ein ehemals nikotinabhängiger Mensch wird, wenn er erfolgreich bei einem Treffen mit alten Kollegen eine Zigarette ablehnt, beim nächsten mal, wenn er sich mit Rauchern verabredet, noch weniger Probleme haben nicht zu rauchen. Das führt soweit, dass er in Kürze nicht einmal mehr wehleidig daran denken wird rauchen zu wollen. Sollte es doch dazu kommen, dass, durch welche Umstände auch immer, sie rückfällig werden, fällt es Menschen mit hoher Selbstwirksamkeit sehr viel leichter trotzdem an ihrem Gesamtvorhaben der Abstinenz festzuhalten. Dabei wird der temporäre Rückfall zwar als Fehler akzeptiert, er hindert aber nicht daran das große endgültige Ziel im Fokus zu behalten.

Im Gegensatz dazu führt ein einziger Rückfall bei Menschen mit geringer Selbstwirksamkeit oft dazu, dass der innere Schutzwall fast komplett abgerissen wird. Menschen mit geringer Selbstwirksamkeit, die in bestimmten Momenten schwach, und somit rückfällig, werden, sind eher geneigt ihr Vorhaben des nicht-rauchens oder des nicht-konsumierens aufzugeben, bzw. weitaus weniger Anstrengungen zu unternehmen, um abstinent zu bleiben.

2. – Konstruktivismus

Der Konstruktivismus ist eigentlich nicht eine Lerntheorie, sondern eine Erkenntnistheorie.
Biologisch akzentuiert – und damit auch für das menschliche Lernen bedeutsam –
wurde er v. a. von Maturana und Varela7. [PDF]

Die Grundaussage des lernpsychologischen Konstruktivismus lautet:
Lernen ist ein aktiver Konstruktionsprozess, der von jedem Menschen individuell geleistet
werden muss; diese Konstruktion baut auf bereits bestehendem – individuell akzentuiertem!
– Wissensstand auf, erfolgt auf der Grundlage individueller Handlung und Erfahrung
und hat einen engen Bezug zur individuellen Lebenswelt. In diesem Sinne – so die radikalen Konstruktivisten – kann keine Wissensübertragung von Lehrperson zu lernender Person geschehen, sondern Lernen ist eine autonome, konstruktive Leistung eines Individuums. Die Lehrperson kann bestenfalls den Anstoss zu einem Lernprozess geben, indem sie das «System Mensch» perturbiert (in der Terminologie von Maturana und Varela), es durch eine Intervention in ein Ungleichgewicht versetzt und so homöostatische und fluktuierende (verändernde) Prozesse in Gang bringt; eine Kontrolle über diese individuellen Prozesse durch die Lehrperson ist nicht möglich.
Neben dieser radikalen konstruktivistischen Position gibt es auch eine Reihe von gemässigten
Betrachungsweisen, die durchaus Elemente des kognitivistischen Paradigmas aufnehmen.
In der Psychologie sind es die Systemische Psychologie und die Humanistische Psychologie,
welche konstruktivistische Attribute haben.

Die Systemische Psychologie betrachtet den Menschen als ein nicht-triviales System, dessen
Funktionsweise grundsätzlich nicht berechenbar ist. Aus diesem Grunde gibt es auch
keine berechenbare Verknüpfung zwischen Eingriff in das «System Mensch» (input) und der
daraus folgenden Reaktion (output). Systeme – Menschen – können aus dieser Sicht nur
6 vgl. dazu z. B. Ausubel, D. u. a. (1980): Psychologie des Unterrichts. Weinheim und Basel: Beltz
7 Maturana, H., Varela, F. (1987): Der Baum der Erkenntnis: Die biologischen Wurzeln des  Menschlichen Erkennens.
Bern, München, Wien: Scherz
Didaktisches Design aus lernpsychologischer Sicht
Peter Vontobel, Pädagogische Hochschule Zürich 5

«verstört» (perturbiert) werden, und es muss dann abgewartet werden, in welcher Weise
darauf reagiert wird. Die Systemische Psychologie kennt auch soziale Systeme: Menschen, die über eine längere Zeit miteinander zu tun haben – Paare, Familien, Arbeitsgruppen, Schulklassen – sind
auch Systeme und agieren nach bestimmten Regeln, die sie sich selber geben; diese Regeln
sind nicht von aussen zu verordnen. Die Humanistische Psychologie postuliert eine organismische Kraft in jedem Menschen, die konstruktiv und selbstinitiiert auf Entwicklung hinarbeitet. Therapeuten und Lehrpersonen brauchen nur beim Wegräumen und Auflösen von Blockaden und Hindernissen zu helfen, um eine natürliche Entfaltung und Entwicklung des Individuums zu ermöglichen. In diesem Sinne sind Lehrpersonen Lernhelfende und nicht Informationsvermittelnde.
Rogers, einer der «Väter» der Humanistischen Psychologie, beschreibt die Lehrperson als
«personenzentrierten Lehrer»8:

• Sie betrachtet es als ihre Hauptaufgabe, Neugierde zu wecken, den Schülern das Lernen
zu erleichtern.

• Sie fragt die Lernenden, was und wie sie lernen möchten und begleitet und berät sie
dabei.

• Sie hilft den Lernenden, seine Leistungen selbst realistisch einzuschätzen.

• Sie hält das Lernklima und eine gute persönliche Beziehung zu den Lernenden für ebenso wichtig wie die Sache.

• Sie ist selbst oft eine lernende Person. Die konstruktivistische Auffassung vom Lernen und Lehren kann wie folgt zusammengefasst

 

 

3. – Achtsamkeit [WIKI]

Achtsamkeit (engl. mindfulness) kann als Form der Aufmerksamkeit im Zusammenhang mit einem besonderen Wahrnehmungs- und Bewusstseins­zustand verstanden werden, als spezielle Persönlichkeitseigenschaft sowie als Methode zur Verminderung von Leiden (im weitesten Sinne). Historisch betrachtet ist „Achtsamkeit“ vor allem in der buddhistischen Lehre und Meditations­praxis zu finden. Im westlichen Kulturkreis ist das Üben von „Achtsamkeit“ insbesondere durch den Einsatz im Rahmen verschiedener Psychotherapie­methoden bekannt geworden. Der Begriff Achtsamkeit wird außerdem im Rahmen der Care-Ethik für eine Praxis der Zuwendung verwendet.

Achtsamkeit im Buddhismus
Achtsamkeit (Pali: sati, Sanskrit: smṛti) liegt als aufmerksamkeitsbezogene Haltung den meditativen Praktiken aller buddhistischer Traditionen zu Grunde. Sati beschreibt die Qualität des Geistes sich an etwas zu erinnern, etwas im Geist zu behalten, wobei samma sati, oder rechte Achtsamkeit, sich ganz bestimmter Dinge erinnert bzw. im Geist behält. Die Unterscheidung von anderen Arten der Achtsamkeit liegt in der Beifügung von “rechte” oder “richtige” Achtsamkeit. Richtig oder passend für das Erlangen des Zieles der Befreiung von Leiden und Stress. Auch wenn heute vielerlei an Achtsamkeitsübungen unter der Bezeichnung “Buddhismus” geübt und gelehrt werden, sind viele davon nicht wirklich im Einklang mit dem buddhistischen Pfad.

Zwei Lehrreden des Buddha, das Anapanasati Sutta (über die Achtsamkeit beim Atmen) und vor allem das Satipatthana Sutta (über die Grundlagen der Achtsamkeit; inhaltsgleich Mahāsatipatthāna Sutta) in der Majjhima Nikaya der Suttapitaka, beschreiben die Achtsamkeit und ihre Praxis. Die “vier Grundlagen der Achtsamkeit” sind nach dem Satipatthana Sutta

  • die Achtsamkeit auf den Körper
  • die Achtsamkeit auf die Gefühle/Empfindungen (Bewertung als wohl, weh oder weder-wohl-noch-weh)
  • die Achtsamkeit auf den Geist (dessen aktueller Zustand bzw. Veränderungen des Zustands, z. B. abgelenkt, konzentriert, verwirrt)
  • die Achtsamkeit auf die Geistesobjekte (d. h. alle äußeren und inneren Objekte/Dinge, die im Moment wahrgenommen werden).
  • die Achtsamkeitsmeditation wird im Buddhismus auch als Vipassana bezeichnet. Sie kann abgegrenzt werden von der konzentrativen Meditation (Samatha), welche die Grundlage der Achtsamkeitsmeditation darstellt.

Dustin Jaros
Dustin Jaros

Mein Name ist Dustin Jaros, ich bin Psychologe und arbeite in der psychosozialen Betreuung. Menschen profitieren von meiner Beratung über das Internet (Skype, E-Mail, Spreed) und via Telefon. Damit sind sie oft örtlich unabhängig und können auch ohne viel Aufwand meine Beratung wahrnehmen. Meine Gesprächspartner genießen meine offene, ehrliche und authentische Art. Für Kopfvoll mache ich Fotos, schreibe Texte und kümmere mich um die sozialen Medien (Instagram: @kopfvoll / Facebook: k0pfv0ll).